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Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, Sie sind auf dem richtigen Weg ...»

Der Bundesrat hat seinen dilemmatischen Drei-Phasen-Plan in der Öffnungsstrategie beschlossen. Er scheut sich indes nicht mehr, den wunden Punkt anzusprechen: Die Kinder und Jugendlichen.



Lieber Herr Berset

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Führungsgremiums sind die passive Kritikfähigkeit und die aktive Lernbereitschaft. Diese hat der Bundesrat heute gezeigt.

Oder jedenfalls Sie, der Sie als Gesundheitsminister heute Nachmittag den bundesrätlichen Beschluss der Öffnungsstrategie in drei Phasen verkünden mussten.

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Nachdem Sie diesen vor drei Wochen zur Vernehmlassung vorgestellt hatten, zeigte sich, dass die stille Mehrheit der Bevölkerung deutlich solidarischer ist, als die lauten Öffnungsturbos der Wirtschaftslobbys. Der Kanon der Reaktionen war weniger von freudiger Aussicht auf wiedergewonnene Freiheiten geprägt.

Sondern eher von der Sorge um jene, die sich nicht oder nicht rasch genug vor den stets restriskanten Öffnungen impfen lassen können: Die Kinder, die Jugendlichen, die jungen Arbeitstätigen, die Schwangeren, die Allergiker.

Zwar hat der Masterplan in der Sache nicht geändert. Der Event- und Gastro-Motor wird Ende Mai wieder angeworfen, obwohl dann erst die Risikogruppen geimpft sind. Und im Verlauf des Sommers werden Wirtschaft und Konsum wieder komplett hochgefahren, sobald die Durchimpfungsrate das bezüglich Hospitalisierungs-Index zulässt.

Doch in der Kommunikation haben Sie heute andere Akzente gesetzt als vor drei Wochen. Zwar konnten Sie das Dilemma nicht auflösen, dass man öffnen muss, obwohl das Virus noch zirkuliert. Schlicht und einfach, weil die Mehrheit in Bevölkerung und Bundesrat keine Massnahmen mehr akzeptiert, nur weil eine Minderheit sich nicht impfen lassen will oder kann.

Dafür haben Sie heute sehr deutlich Rücksichtnahme auf die unverschuldet schutzlose Minderheit angemahnt. Die Vorsichtsmassnahmen wie Maskentragen, Abstand halten und Lüften seien weiterhin einzuhalten, um Infektionen in der ungeschützten Population zu verhindern.

Der beste Schutz der Kinder, Jugendlichen, Schwangeren und Allergischen aber, und da haben Sie nicht nur an die Verantwortungs- sondern gerissenerweise auch an die Schuldgefühle der Impfskeptiker appelliert, sei eine möglichst hohe Durchimpfungsrate bei allen anderen.

Ihre Botschaft in anderen Worten: Wenn ihr euch schon nicht euretwegen impfen lassen oder Masken tragen wollt, weil ihr so stark seid, dann tut es für die Kinder und die Verletzlichen.

Dagegen lässt sich vernünftig genauso wenig argumentieren, wie gegen die Aufhebung der Reisequarantäne für alle unter 16 Jahren.

Sie haben heute die Jugend für ihre einjährige Solidarität mit den Alten mit Lockerung und Aufmerksamkeit belohnt. Und die Solidarität Letzterer mit den Jungen für den Rest des Jahres forciert.

Bleiben Sie mit dem Bundesrat auf diesem Weg. Es ist der richtige.

Hochachtungsvoll

Ihr Maurice Thiriet

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Vergangenes Wochenende passierte, was sowieso passiert wäre, Lockerungsschritte hin oder her: Die Jugend tanzte und wird zum Sündenbock gemacht. Damit hat die Entsolidarisierung in der Bevölkerung begonnen. Das ist gefährlicher als jeder einzelne Infektionsherd.

Lieber Herr Berset

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