DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Aktion von Operation Libero, am Donnerstag, 28. Januar 2021 auf dem Baerenplatz in Bern. Operation Libero hat am Donnerstag ihre Kampagne gegen das Burka-Verbot lanciert, ueber das am 7. Maerz abgestimmt wird. Das Verbot sei ein fundamentaler Angriff auf feministische, freiheitliche und rechtsstaatliche Errungenschaften, kritisiert die politische Bewegung. (KEYSTONE/Adrian Reusser)

Momentan würde die Schweiz das Burkaverbot annehmen. Bild: keystone

Wie Frauen das Burkaverbot zum Schwanken bringen

Das Burkaverbot wackelt. Besonders Frauen wechseln von einem Ja zu einem Nein und die Linken starten einen Mobilisierungsendspurt.



Am Mittwoch erschienen zwei voneinander unabhängige Umfrageresultate zu den Abstimmungen am 7. März. Besonders auffallend ist die Prognose zur Vorlage «Ja zum Verhüllungsverbot».

Eine der Umfragen hat die Firma LeeWas im Auftrag von Tamedia herausgegeben. Ihr zufolge werden 59 Prozent ein Ja in die Urne legen. Dem gegenüber steht das Resultat von gfs.bern, die 49 Prozent Ja- und 47 Prozent Nein-Stimmen voraussagt.

Unterstützung schrumpft

Dass Umfrageresultate zu Abstimmungen bis zu 10 Prozentpunkte auseinander liegen können, sei nicht ungewöhnlich, sagt Lucas Leemann. Er ist Mitautor der Leewas-Umfrage und Politikwissenschaftler. Was vielmehr relevant sei: «Beide Ergebnisse zeigen, dass der Ja-Anteil momentan höher ist. Gleichzeitig wissen wir nun, dass heute deutlich weniger Personen die Vorlage unterstützen als noch Anfang Februar

Was die gfs-Umfrage ebenfalls zeigt, ist, dass sich insbesondere die Frauen umentschieden haben. Mitte Januar hätten noch 58 Prozent der Frauen Ja gestimmt, nun ist die Zustimmung auf 46 Prozent geschrumpft.

«Die Entwicklung dürfte auf die verstärkte Mobilisierungs-Arbeit der Linken zurückzuführen sein», sagt Leemann von LeeWas. Denn gerade in diesen Kreisen ist das Verhüllungsverbot umstritten. Entgegen der Parteiparole würde von den Sympathisanten der SP und den Grünen knapp jede dritte Person ein Ja in die Urne legen. Das zeigt die aktuelle Umfrage von LeeWas.

Frauen mobilisieren Frauen

Momentan versuchen einzelne Komitees, das Segel noch zu wenden. Ein Beispiel ist das Frauen*komitee gegen das Burkaverbot. Auf Instagram und ihrer Website posten sie Gesichter von Frauen mit einem Kurztext, wieso sie gegen das Verhüllungsverbot sind.

donnes femmes, frauenkomitee, gegen burka-initiative, gegen burka-verbot, verhüllungsinitiative

Das Komitee hat derweil 500 Unterstützerinnen. Bild: printscreen/donnefemmesfrauen.ch

Eine der Unterstützerinnen ist Doris Strahm. Sie ist Theologin und Mitglied des Interreligiösen Think-Tanks. Ausserdem ist sie seit Beginn im Komitee mit dabei, das vor gut einer Woche an die Öffentlichkeit ging. «Wir haben versucht, mit unseren Nein-Argumenten in die Medien zu kommen. Das hat nicht geklappt», so Strahm. Ihrer Ansicht nach hätten die Medien den Feministinnen mit Ja-Argumenten eine weitaus grössere Plattform gegeben.

Mittlerweile zählt das Komitee 500 Unterstützerinnen. «Ich denke, wir konnten einiges in Bewegung bringen, wie der neue Nein-Trend zeigt», sagt Strahm.

Ob das Komitee den Trend noch weiter vorantreiben kann oder ob es beim Ja zum Verhüllungsverbot bleibt, wird der 7. März zeigen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Hidschab & Co. – Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka

Wir erklären dir das Gesetz zur E-ID – in 90 Sekunden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel