China
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Posters of Chinese President Xi Jinping and his wife Peng Liyuan are displayed on a wall with a photo of members of the Yi minority group inside their home in Xujiashan village in Ganluo County, southwest China's Sichuan province on Sept. 10, 2020. Communist Party Xi

Poster von Xi Jinping in einem Haus in Chinas Sichuan-Provinz. Bild: keystone

China will unabhängiger vom Rest der Welt werden

Hinter verschlossenen Türen haben am Montag in Peking viertägige Beratungen der kommunistischen Führung über den neuen Fünf-Jahres-Plan begonnen.



Vor dem Hintergrund des Handelskrieges mit den USA und des globalen Wirtschaftsabschwungs durch die Corona-Pandemie strebt die zweitgrösste Volkswirtschaft eine grössere Selbstständigkeit vom Rest der Welt an.

Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei stellt die Weichen für den neuen Wirtschaftsplan. Er wird für die Jahre 2021 bis 2025 gelten und soll im März nächsten Jahres auf der Jahrestagung des Volkskongresses formell abgesegnet werden. Im Mittelpunkt steht eine Neuausrichtung, die Staats- und Parteichef Xi Jinping mit dem Schlagwort der «dualen Kreisläufe» umschreibt.

Die neue Strategie soll die eigene technologische Innovation stärken und China angesichts des Handels- und Technologiekonflikts mit den USA unabhängiger machen. Es ist so etwas wie Pekings Antwort auf amerikanische Überlegungen für eine «Entkoppelung» von China. Zum zweiten steckt hinter dem Plan einmal mehr die schon lange verfolgte Stärkung der heimischen Nachfrage, um die Exportabhängigkeit und Krisenanfälligkeit zu reduzieren.

Wachsender Konflikt mit den USA

Amerikanische Sanktionen haben chinesische Technologieriesen wie den Telekomausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei, Chiphersteller oder Internetunternehmen wie Tiktok oder Wechat in Schwierigkeiten gebracht und damit ihre Verwundbarkeit demonstriert. Experten sehen hinter dem Konflikt die wachsende Rivalität zwischen der angeschlagenen Supermacht USA und der aufstrebenden asiatischen Macht China.

epa08530326 A woman wearing a mask for protection, stands in the Huawei shop in Shanghai, China, 6 July 2020. As reported by media on 4 July, British Prime Minister Boris Johnson is expected to begin phasing out the use of Huawei technology in Britain?s 5G network this year.  EPA/ALEX PLAVEVSKI

Bild: keystone

Chinas Führung geht auch bei einem Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bei der US-Wahl am 3. November über Amtsinhaber Donald Trump davon aus, dass die Spannungen anhalten werden. Dahinter stecke tiefsitzendes Misstrauen, «weil China so schnell wächst - vielleicht über die Erwartungen, die Vorstellungen oder das Ausmass hinaus, das die entwickelte Welt akzeptiert», sagte Vizeaussenminister Qin Gang jüngst vor Journalisten. «Wir holen schnell auf. ... Das macht einige Länder wie die USA nervös.»

Wie hoch werden die Ziele gesteckt?

Mit besonderem Interesse wird auch verfolgt, ob das hohe Entscheidungsgremium der Partei auf seiner Sitzung bis Donnerstag ein Ziel für das Wirtschaftswachstum vorgeben wird. Der auslaufende Fünf-Jahres-Plan hatte 6.5 Prozent als durchschnittliches jährliches Wachstumsziel gesetzt. Wegen der grossen Unsicherheiten durch die Pandemie hatte der Volkskongress auf seiner Sitzung Ende Juni aber keine Vorgabe für dieses Jahr beschlossen.

Da China das Coronavirus inzwischen weitgehend unter Kontrolle hat, dürfte es als einzige grosse Volkswirtschaft in diesem Jahr gleichwohl ein Wachstum verzeichnen. Nach einem starken Einbruch zum Jahresbeginn wuchs die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits wieder um 4.9 Prozent. Experten gehen auch davon aus, dass Chinas Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren um rund fünf Prozent im Jahr wachsen dürfte.

Das Plenum wird seinen Blick auch noch weiter in die Zukunft richten und allgemeine Ziele für die nächsten 15 Jahre formulieren. Obwohl China die Selbstständigkeit, die eigene Forschung und Entwicklung sowie die heimische Nachfrage fördern will, hat die Führung in Peking wiederholt betont, dass die Türen für Investitionen und Kapital aus dem Ausland nicht geschlossen werden. Präsident Xi Jinping sprach jüngst von einem «neuen offenen Wirtschaftssystem». (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Byton – der Tesla-Herausforderer aus China

Scheisse, Peking geht WC-Papier Dieben an den Kragen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Exil oder Knast: Was bei einer Abwahl auf Donald Trump zukommt

Strafverfahren, Pleiten und narzisstischer Tod drohen: Trump hat allen Grund, um die Macht zu kämpfen.

Der Comedian Jimmy Kimmel brachte es mit einem Wortspiel auf den Punkt: «Trump will do another term, either in the White House or in jail.» Übersetzt heisst dies: Der Präsident wird die nächsten vier Jahre entweder im Oval Office oder in einer Gefängniszelle verbringen.

Im Trump-Lager dürfte dieser Witz schlecht angekommen sein. Tatsächlich ist der Präsident derzeit schon in mehr als ein Dutzend Strafverfahren und Zivilklagen verwickelt. In einem davon ist er de facto schon schuldig …

Artikel lesen
Link zum Artikel