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Heidi Zeller-B

Heidi Zeller-Bähler im legendären Käse-Dress von Swiss Ski. Bild: imago-images.de

Unvergessen

Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr keine Skifahrerin

6. März 1994: Wie peinlich ist das denn?! Heidi Zeller-Bähler will sich bei der Abfahrt von Whistler kraftvoll aus dem Starthaus katapultieren. Doch sie kommt nicht weit: Beide Bindungen brechen und sie rutscht ohne Ski hilflos und bäuchlings den Starthang hinunter.



In Whistler Mountain steht das erste Rennen nach den Olympischen Spielen von Lillehammer an. Alles dreht sich vor der Abfahrt um den Zweikampf im Gesamtweltcup. Vreni Schneider, die mit Olympia-Gold im Slalom, Silber in der Kombination und Bronze im Riesenslalom endgültig zum Schweizer Ski-Schätzchen geworden ist, führt so knapp (1210:1209 Punkte) vor Pernilla Wiberg, dass sie auch in der Abfahrt startet.

19 Feb 1994:  Vreni Schneider of Switzerland celebrates during the women''s downhill at the Olympic Games in Lillehammer, Norway.  Schneider won second place. Mandatory Credit: Chris Cole  /Allsport

Vreni Schneider holt in Lillehammer drei Medaillen, Heidi Zeller-Bähler keine. Bild: Getty Images North America

Lust auf die schwierige Piste hat «Gold-Vreni» aber eigentlich nicht. «Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten auf dieses Abenteuer verzichten», sagt sie mit erfrischender Ehrlichkeit. Ganz anders die Gefühlslage bei Heidi Zeller-Bähler. Die Sigriswilerin will nach den enttäuschenden Winterspielen (16. im Super-G, 28. in der Abfahrt, 9. im Riesenslalom) endlich zeigen, was sie drauf hat.

«Ich getraue mich kaum mehr unter die Leute. Ich kann die grinsenden Gesichter schon nicht mehr sehen.»

Heidi Zeller-Bähler

Bildnummer: 00717417  Datum: 02.02.1991  Copyright: imago/HJS
Heidi Zeller (Schweiz); quer Weltcup 1990/1991, Welt-Cup, Worldcup, World, WC, Ski Alpin, Skisport, Abfahrt, Vdia Alpiner Skilauf Damen Einzel Porträt optimistisch Randmotiv Personen

Heidi Zeller-Bähler hatte stets ein Lächeln im Gesicht. bild: imago-images.de

Viermal stand die talentierte Allrounderin in ihrer Karriere bislang auf dem Podest, nach ganz oben hat es aber nie gereicht. In Whistler will Heidi Zeller-Bähler zumindest ein paar wichtige Punkte für den Gesamtweltcup und eine gute Startposition sammeln.

Doch daraus wird nichts. Als sich Zeller-Bähler, die als explosive Starterin bekannt ist, mit viel Wucht aus dem Starthaus katapultiert, brechen gleich beide Bindungen. Beim Abstossen reissen die mit vier Schrauben fixierten Fersen-Automaten aus den auf die Ski montierten Kunststoffplatten.

Das Malheur von Heidi Zeller-Bähler. Video: SRF

Statt schon früh ein paar Hundertstel auf die Konkurrenz gut zu machen, rutscht Zeller-Bähler nach einem veritablen Bauchklatscher hilflos den Starthang hinunter. Die Bilder gehen um die Welt. «Ich wusste im ersten Moment nicht, was ich machen sollte. Heulen oder lachen», sagt die Bernerin nach dem Rennen. «Dann wollte ich einfach weglaufen und nach Hause fliegen.»

Überall, wo die Berner Oberländerin hinkommt, wird sie auf den Vorfall angesprochen. «Ich getraue mich kaum mehr unter die Leute. Ich kann die grinsenden Gesichter schon nicht mehr sehen», so Zeller-Bähler.

Heinzer und Rolland als Leidensgenossen

Ähnlich erging es wenige Tage zuvor schon Franz Heinzer. Beim Innerschweizer bricht während des Starts zur Olympia-Abfahrt von Lillehammer wie bei Zeller-Bähler die Bindung. Allerdings nur bei einem Ski und so bleibt dem Abfahrtsweltmeister von 1991 immerhin der peinliche Rutsch über die Piste erspart.

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Franz Heinzers Start-Faux-Pas in Lillehammer 1994. Video: streamable

Schlimmer als die beiden Schweizer trifft es 2010 bei der Olympia-Abfahrt Marion Rolland. Die Französin stürzt wenige Meter nach dem Start – ohne Bindungsbruch – und zieht sich dabei einen Kreuzbandriss zu. Landsmann Julien Lizeroux wirft sich 2015 bei einem Weltcupslalom mit einer Rolle aus dem Starthaus.

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Marion Rolland reisst sich beim Sturz unmittelbar nach dem Olympia-Start 2010 das Kreuzband. Video: streamable

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Julien Lizeroux macht den Purzelbaum aus dem Starthaus. Video: streamable

Drei Weltcupsiege und der Rücktritt

Heidi Zeller-Bähler kommt ohne Verletzung davon. Bereits im nächsten Rennen kann sie sich rehabilitieren, im Super-G von Mammoth Mountain wird sie als beste Schweizerin 7. Zwei Ränge dahinter klassiert sich Vreni Schneider, die zwei Wochen später – auch dank eines Abfahrtssturzes von Pernilla Wiberg – überlegen den Gesamtweltcup gewinnt.

In der Saison darauf kämpft überraschend auch Heidi Zeller-Bähler um die grosse Kugel mit. Dank drei Weltcupsiegen (2x Riesenslalom, 1x Super-G) wird sie am Ende der Saison 1994/95 starke Dritte. In der darauffolgenden Saison kündigt sich dann ihr Rücktritt an: Bei einem Trainingssturz im Dezember 1995 reisst sich die Bernerin das Kreuzband. Sie fährt ohne Operation weiter, beendet aber nach der Saison im Alter von 29 Jahren ihre Karriere.

Heidi Zeller-Bähler

Heidi Zeller-Bähler gewinnt in ihrer Karriere immerhin noch drei Weltcup-Rennen. Bild: getty images europe

Zusammen mit ihrem Mann Hans übernimmt Zeller-Bähler danach den schwiegerelterlichen Bauernhof in Wattenwil. Dem Skisport ist sie treu geblieben – als Betreuerin ihrer beiden Söhne Jann und Noel.

Unvergessen

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