DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

bild: shutterstock

Emma Amour

So ist es, einen Mann zu daten, der krasse Panik vor Bakterien hat

Er sei «ein bisschen speziell», sagte mir meine Freundin Iris, bevor sie mich ans Blinddate mit dem Bruder ihres Freundes schickte. «Du kannst das aber handeln», meint sie. Und irrt sich.



Iris schnallt nicht, warum ich immer noch Single bin. Mehr noch: Iris findet es nicht gut, dass ich Single bin. Vor allem während Corona muss das doch das Letzte sein, meint sie. Ich gebe zu, es ist in der Tat mit Corona ein bisschen härter als ohne.

Weil das Leben und die potentielle Fortpflanzung aber weitergehen müssen, bin ich ausgewählten Dates nicht abgeneigt. Sich zum Spaziergang und Kaffee to go zu treffen ist das neue Durchtanzen. Mit sehr viel Optimismus.

Sei's, wies ist.

Iris jedenfalls findet, dass der Bruder ihres Freundes etwas für mich sein kann. Boris sei cool, sehr attraktiv, klug, überdurchschnittlich eloquent und habe das breiteste Allgemeinwissen in ihrem Umfeld.

Warum er denn schon seit Jahren solo sei, frage ich. «Die Bakterien», sagt sie. Nein nein, er sei nicht krank, beschwichtigt Iris sofort. «Er habe einfach Angst vor Bakterien.»

Ich habe doch selber sehr Schiss!

Finde ich jetzt nicht so schlimm. Ängste kenne ich auch. Ich habe immer wieder Angst, dass mir Menschen, die im Tram hinter mir sitzen, eins über die Rübe ziehen. Ich hab manchmal auch Schiss, dass es in der Nacht unter mir brennt, ich zu spät aufwache und nicht mehr gerettet werden kann. An Gates vermute ich auch in jedem Flugpassagier einen Selbstmordattentäter. Und so.

Also lasse ich mich auf ein Treffen mit Boris ein. An einem Samstag um 17 Uhr treffen wir uns in einem Park. Ich bin vor ihm da. Und setze mich auf ein Bänkli. Ich sehe Boris von weitem. Der Gute ist sehr fett eingepackt. Keine Ahnung also, wie er aussieht.

Was ich da noch nicht weiss: Ich werde es hier auch nicht erfahren. Auch nicht, wie er riecht oder wie er sich anfühlt. Boris will nämlich nichts anfassen. Nicht seine Sonnenbrille, nicht seine Gesichtsmaske, um sie abzunehmen, nicht seine Mütze und schon gar nicht meine Hand oder das Bänkli.

Das Trauma Busfahrt!

Weil: BAKTERIEN. Überall! Er sei mit dem Bus gekommen. «Fuck, hab fast gekotzt!», sagt er. Leider sei der Bus in einer Kurve etwas ins Schleudern geraten. «Ich musste mich tatsächlich an einer Stange festhalten!» Trotz sehr dicken Handschuhen ein sehr schlimmes Erlebnis für Boris.

Ob er sich zu mir setzen will, frage ich. «Ui NEIN! NEIN! NEIN! Das hast du jetzt nicht wirklich gefragt!?» Er setze sich SICHER NICHT auf eine öffentliche Parkbank!

DIE BAKTERIEN!

Boris erzählt, dass es ihm seit Corona zwar besser gehe, er aber schon immer noch leide. «Nur schon der Ellbogengruss ist widerlich», sagt er. «Aber wenigstens ist die grässliche 3-Küsschen-Begrüssung heute endlich Geschichte.»

Ich höre Boris mit einem Ohr zu. Ich bin nämlich sehr damit beschäftigt, mir auszumalen, wie der Mann wohl unter seiner ganzen Anti-Bakterien-Ausrüstung aussieht.

Nun, ich muss mir eingestehen: Ich habe nicht mal den Anhauch einer Idee. Seine Maske, seine Brille und seine Mütze bedecken seinen ganzen Kopf. Die fette Jacke, die fetten Boots und die sehr fetten Handschuhe alles andere.

Wie ich es denn so handhabe mit Putzen, Hygiene und Bakterien? Ich erzähle, dass ich meinen Boden alle zwei Wochen feucht aufnehme, aber sicher einmal die Woche sauge und abstaube.

Ist Boris VIEL ZU WENIG! Weil, ihr ahnt es, die BAKTERIEN!

Irgendwann wird Boris ein bisschen entspannter. Er erzählt von seinem Job, vom Sport, von seiner Familie. Apropos Familie: Kinder will er nicht.

Weil BAKTERIEN-SCHLEUDERN!

Ich frage mich, wie Iris auf die Idee kommt, dass ich Boris’ Bakterien-Phobie in diesem Ausmass handeln kann.

Ich kanns nicht.

Punkt.

Nebst der Neugier, wie denn der Mann da neben mir überhaupt aussieht, treibt mich die Frage um, ob ein Mensch mit solchen Ängsten überhaupt eine entspannte Sexualität leben kann.

Da ich nichts zu verlieren habe, frage ich.

«Wichsen ist mir schon sehr viel lieber als vögeln», sagt er. Nicht vom Gefühl her. Da sei der echte Sex schon besser. Aber auch da: DIE BAKTERIEN DA UNTEN! Und im Mund. Und auf der Haut.

Boris tschuddereds.

Unser Spaziergang will nicht besser werden. Oder lustiger. Oder entspannter. Also verabschiede ich mich irgendwann. Drei Schritte nach dem Tschüss schreibe ich Iris eine Nachricht. Darin steht, er sei ja nett und alles. Aber die Phobie sei schon immens. Für mich etwas zu big.

Postwendend schickt sie mir ein Foto, das einen unglaublich schönen Mann in Badehose auf einem Boot zeigt. Er hat hellbraune Haare, grüne Augen, einen echt guten Body und ein sehr zauberhaftes Lachen.

«Bist du ganz sicher?», schreibt Iris dazu.

«SCHEISSE!!!!!», antworte ich.

Und wiederhole mich hier gerne: SCHEISSE!

Ich bin noch nicht ganz sicher, ob wir tatsächlich BFFs werden, liebes 2021!

Adieu,

Bild

Passiv-aggressive Notizen an nervige Mitbewohner:

«Es gibt keinen Ausweg! Das Erwachsensein ist sch**sse»

Video: watson/Emily Engkent

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

Bild

Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Emma Amour

Den schlechtesten Sex meines Lebens habe ich mit Emoji-Peter

Vom ersten Kennenlernen bis zur ersten Whatsappnachricht vergehen zehn Minuten. Erst zwei Jahre später lande ich in Peters Bett. Die Geschichte einer Nummer, die, sorry Peter, unterirdisch war.

Ich glaube nicht, dass jemand total schlecht im Bett ist und dass man drum schlechten Sex hat. Ich bin der Meinung, dass man entweder kompatibel ist oder nicht. Ich kann zum Beispiel sehr tollen Sex mit Suff-SMS-Sandro haben, während andere Frauen vielleicht finden, dass er eine Niete im Bett ist.

Wobei nein, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Weil eben, er und ich, wir matchen. Wer dagegen so gar nicht mit mir matcht, ist Peter, mit dem ich neulich den schlechtesten Sex meines Lebens …

Artikel lesen
Link zum Artikel