Money Matter
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Frau in Quarantäne

Zur Kündigung in Quarantäne gibt es noch keine Rechtssprechung. Bild: shutterstock.com

Money Matter

«Darf mein Arbeitgeber mir in der Quarantäne künden?»

Christine (44): «Ich befürchte, dass ich nach meinen nächsten Ferien in Quarantäne muss. Kann mir mein Arbeitgeber in dieser Zeit künden?»

Elisabeth Rizzi / Comparis



Liebe Christine

Das ist in der Tat ein Thema, das aktuell viele Menschen in der Schweiz beschäftigt; leider mit vielen Fragezeichen.

Sperrfrist oder nicht?

Grundsätzlich sieht das Obligationenrecht Art. 336c Sperrfristen für besondere Situationen vor. Die abschliessende Liste enthält auch den Punkt «unverschuldete Krankheit oder Unfall».

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Im eigentlichen Sinn ist Quarantäne zwar keine Krankheit, denn wer am Coronavirus erkrankt, muss in die Isolation. Aber wegen gesundheitlicher Fragen kann ein Arbeitnehmer in dieser Zeit seine Arbeit nicht in vollem Umfang verrichten bzw. bei der Stellensuche Vorstellungsgespräche führen. Aus diesem Grund gibt es Lehrmeinungen, wie sie etwa Prof. Dr. Thomas Geiser von der Universität St. Gallen vertritt, die Quarantäne diesem Punkt unterzuordnen.

Contentpartnerschaft mit Comparis.ch

Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit Comparis.ch. Die Fragen in dieser Rubrik wurden dem Kundencenter von Comparis gestellt und von Experten beantwortet. Die Antworten werden als Ratgeber in dieser Rubrik veröffentlicht. Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt. (red)

Staatssekretariat für Wirtschaft hält sich heraus

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bestätigt, dass bei einer Anwendung von Art. 336c des Obligationenrechts einzig der Tatbestand der Krankheit zum Tragen kommen könne. Allerdings will es sich auf Anfrage von watson nicht festlegen: Es handle sich bei dieser Frage um privates Arbeitsrecht. Und weil es weit auseinander gehende Lehrmeinungen ohne Rechtsprechung gibt, könne die Behörde keine verbindliche Auskunft dazu erteilen.

Das Seco empfiehlt den Betroffenen grundsätzlich, gemeinsam mit dem Arbeitgeber eine tragbare Lösung zu finden. Im Streitfall könne einzig der Zivilrichter für eine Klärung der Rechtslage sorgen.

Unverschuldete Quarantäne als Basis

Wichtig für einen Erfolg ist allerdings laut Geiser, dass es sich bei der Quarantäne um eine unverschuldete Arbeitsunfähigkeit handelt. Will heissen: Reisen Arbeitnehmende ohne zwingenden Grund in ein Risikoland, so ist die Situation selbst verschuldet. Noch ungeklärt ist die Frage des Verschuldens, wenn das Land zum Zeitpunkt der Einreise noch nicht als risikoreich galt.

Bei positivem Test gilt der Grundsatz der Krankheit

Einfacher ist die Situation hingegen, wenn du in der Quarantäne positiv auf Corona getestet wirst und daraufhin in die Isolation gehst. Bei einem solchen Szenario gilt gemäss Seco diskussionslos Art. 336c. Du würdest in diesem Fall vom Kündigungsschutz profitieren, sofern du dich nicht mehr in der Probezeit befindest. Die Sperrfristen betragen bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit im ersten Jahr 30 Tage, vom 2. bis 5. Betriebszugehörigkeitsjahr 90 Tage und ab dem 6. Anstellungsjahr 180 Tage.

Viele Grüsse von Comparis.ch

Fragen? Fragen!

Hast du noch Fragen zu diesem Thema? Oder hast du eine Frage, die die Comparis-Experten einmal beantworten sollten? Dann schreib eine E-Mail an money-matter@comparis.ch!

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Lustige Bilder von Leuten, denen alles scheissegal ist

Held springt durch das Fenster eines fahrenden Autos

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

26
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gawayn 15.08.2020 10:32
    Highlight Highlight Was Viele nicht raffen können oder wollen.
    Wir sind in einer Krise die wir so, bisher nicht kannten.

    Unser Rechtssystem ist nicht dafür ausgelegt.
    Wenn man die Krise schon nicht bewältigen kann, soll man sie wenigstens nicht schlimmer machen.

    Dafür muss mit der "ich über alles Mentalität" gebrochen werden!

    Jeder der ins Ausland geht, jeder der an Veranstaltungen teilnimmt oder ein Club besucht, riskiert die Krise zu verschlimmern.

    So schwer ist es nicht.
    Du willst nicht in Quarantäne und eine Kündigung riskieren? dann lass das!
  • Jonaman 15.08.2020 03:56
    Highlight Highlight Das wurde doch in einem dieser Point de Presse geklärt!
    Personen, die in ein Land gereist sind, bevor dieses Land auf die Liste kam (und nun in Quarantäne müssen) werden gleich behandelt wie Personen, die unverschuldet krank sind!

    "Noch ungeklärt ist die Frage des Verschuldens, wenn das Land zum Zeitpunkt der Einreise noch nicht als risikoreich galt."
    NEIN! Genau dieses Thema und exakt dieser Punkt wurde in dieser PK geklärt.
  • Simonj 14.08.2020 14:38
    Highlight Highlight Mich würde sehr interessieren, wie die Rechtslage bei einer Warnmeldung der Covid App ist.
  • ursus3000 14.08.2020 13:48
    Highlight Highlight Und gekündigt wirst Du nur wenn der Chef mit Deiner Arbeitsleistung nicht zufrieden ist . Darüber würde ich mir Gedanken machen
  • Zat 14.08.2020 13:13
    Highlight Highlight "Einfacher ist die Situation hingegen, wenn du in der Quarantäne positiv auf Corona getestet wirst und daraufhin in die Isolation gehst."
    Aber nicht, dass sich einige Leute dann extra anstecken lassen.
    • Glaedr 14.08.2020 17:33
      Highlight Highlight Es gibt da so ne Liste die jeder anschauen kann, auf dieser tollen Liste stehen Länder in die man besser nicht geht.
      Diese Liste gibt es nicht um uns zu schikanieren sondern um uns alle zu schützen.
      Wenn man jetzt also nicht darauf hört, dann handelt man grob fahrlässig, sprich wenn was passiert ist man selber schuld.
      Ich denke und hoffe das man in diesem Fall eine fristlose Kündigung bekommt und gekürztes Arbeitslosengeld
    • Zat 15.08.2020 10:43
      Highlight Highlight Keine Angst, ich bleibe zuhause. Aber wie Du sagst: "Wenn man jetzt also nicht darauf hört, dann handelt man grob fahrlässig, ...".
      Eben das meine ich, dass einige eher fahrlässig mögliche Risiken in Kauf nehmen. Wenn dann noch falsche Anreize dazukommen, dass man bei Ansteckung vor Kündigung geschützt ist im Gegensatz zu Nicht-Erkrankung, dann frage ich mich einfach, wie weit einige gehen würden.
  • Glaedr 14.08.2020 12:48
    Highlight Highlight Weshalb genau geht man dann in die Ferien wenn man anschliessend in Quarantäne muss?
    Es gibt genug Orte in der Schweiz wo man sich erholen kann, auch gibt es genug Länder wo man nicht in Quarantäne muss
    • lilie 14.08.2020 18:05
      Highlight Highlight @Glaedr: Es geht um den Fall, dass man in ein Land fährt, das erst während dem Aufenthalt auf die Quarantäneliste gesetzt wird. Daher wird von "unverschuldeter Quarantäne" gesprochen. War die Quarantänepflicht schon bei Abreise bekannt, muss der Arbeitnehmer die Quarantäne in seine Ferien legen.
    • Sarkasmusdetektor 14.08.2020 18:24
      Highlight Highlight Vielleicht auch, weil man früher schon gebucht hat, nicht stornieren kann und sich das Geld nicht ans Bein streichen will. Selbstverschuldet ist es dann aber natürlich.
    • Pümpernüssler 14.08.2020 19:23
      Highlight Highlight Damit man einen Artikel auf Watson erhält 🤣
  • Karoon 14.08.2020 11:59
    Highlight Highlight Für was leisten wir uns eigentlich ein teures Seco, wenn dieses nicht mal eine klare Position beziehen kann? Viele staatliche Institutionen machen in Coronazeiten eine schlechte Falle: Unorganisiert, träge, diffuse Kommunikation. Ich dachte immer, da arbeiten kluge Köpfe...
    • lisa lave 14.08.2020 12:20
      Highlight Highlight Lohn für kluge Köpfe kriegen sie bestimmt.
    • ursus3000 14.08.2020 13:46
      Highlight Highlight Kennst Du das mit Gewaltenteilung ? Entschieden wird vor Gericht , egal wer was sagt oder sagen sollte
    • ulmo 14.08.2020 14:30
      Highlight Highlight Genau, blöde Gewaltenteilung. Es ist doch Aufgabe einer Exekutivbehörde, der Judikative vorzuschreiben, wie sie bei unklarer Gesetzgebung zu entscheiden hat 😉
      Grundsätzlich Stimme ich dir aber zu, was die Arbeit der Institutionen anbelangt.
    Weitere Antworten anzeigen

Money Matter

«Kann ich eine Mietzinssenkung wegen Kinderlärm verlangen?»

Ercan (48) : «Die Lärmbelästigung durch spielende Kinder in unserem Wohnviertel ist unerträglich. Kann ich eine Mietzinssenkung verlangen?»

Lieber Ercan

Spielen ist wichtig für die Entwicklung der Kinder. Im Spiel entfalten sie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Dabei geht es ab und an auch laut zu und her. Lärmgeplagte Mieter müssen das hinnehmen – zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Die Ruhezeiten sind bestmöglich einzuhalten. Sie sind in der Hausordnung geregelt. Wirst du dort nicht fündig, kannst du dich auf die Polizeiverordnung deiner Wohngemeinde stützen. Für die Stadt Zürich etwa gilt: Mittags von 12 bis 13 …

Artikel lesen
Link zum Artikel