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epa09141978 Florida's Governor Ron DeSantis attends the 60th anniversary of the Bay of Pig Invasion's ceremony at the Monument of the Brigade 2506 Air Force at the Miami Executive Airport in Miami, Florida, USA, 17 April 2021. The Bay of Pigs Invasion in April 1961 was a failed attack launched by the CIA during the Kennedy administration to topple Cuban leader Fidel Castro. The Brigade 2506 was formed in 1960, by Cuban exiles, to attempt military incursion to Cuba.  EPA/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH

Neuer Star der Republikaner: Ron DeSantis. Bild: keystone

Analyse

Kompetenter Trumpismus – oder warum Ron DeSantis zum Schrecken der Demokraten wird

Der Gouverneur aus Florida wird neuerdings als Favorit für die Nachfolge des 45. Präsidenten gehandelt.



Okay, der nächste US-Präsident wird erst in dreieinhalb Jahren gewählt werden. Jetzt schon darüber zu spekulieren, mag daher ein bisschen früh sein. Mögliche Favoriten gehen jedoch bereits in Stellung: Mike Pence wird in den kommenden Tagen ein Buch veröffentlichen. Dass Ted Cruz und Marco Rubio antreten wollen, ist ein offenes Geheimnis. Die ehemalige Uno-Botschafterin Nikki Haley hofft, als Frau zu punkten, Josh Hawley mit seiner Jugend.

Die besten Chancen werden jedoch einem Mann eingeräumt, den bisher noch niemand auf dem Zettel hatte: Ron DeSantis. Der 42-jährige Gouverneur von Florida wird neuerdings als Superstar der Grand Old Party (GOP) gehandelt. Wer also ist dieser DeSantis?

Bei seiner Wahl zum Gouverneur 2018 hat sich DeSantis als typischer «Florida Man» aufgeführt. In den USA ist das kein Kompliment. Der Ausdruck steht für überkandidelte Machos mit begrenzter Intelligenz. DeSantis entsprach diesem Klischee fast vollständig: In Wahlkampf-Videos las er seinem Sohn aus einem Trump-Bilderbuch vor und liess ihn mit Bauklötzen eine Mauer bauen. DeSantis ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Mit diesem Video punktete Ron DeSantis im Wahlkampf. Video: YouTube/Guardian News

Doch die Masche hatte Erfolg: DeSantis schlug seinen demokratischen Herausforderer Andrew Gillum, wenn auch nur sehr knapp.

Als Gouverneur hingegen überraschte DeSantis seine Kritiker. Er handelte sehr pragmatisch und verabschiedete beispielsweise ein Programm zur Rettung der Everglades. Dieses für den Tourismus so wichtige Sumpfgebiet ist in Gefahr. DeSantis handelte umsichtig, ohne je den Begriff «Klimawandel» ins Spiel zu bringen, ein Reizwort innerhalb der GOP.

Profil gewann DeSantis primär, weil er sich in der Coronakrise als Gegenpol der demokratischen Gouverneure positionierte. Während etwa Andrew Cuomo in New York einen strikten Lockdown verordnete, blieben in Florida Küsten und Bars weitgehend offen. DeSantis schützte vor allem die zur Risikogruppe gehörenden Rentner, von denen es im «Sunshine State» bekanntlich sehr viele gibt.

A masked family walks past Cinderella Castle in the Magic Kingdom, at Walt Disney World in Lake Buena Vista, Fla., Monday, Dec. 21, 2020. Disney's Florida parks are currently operating at 35% capacity due to the Covid-19 pandemic. (Joe Burbank/Orlando Sentinel via AP)

Kein Lockdown im Sunshine State: Familie in Disney World in Lake Buena Vista. Bild: keystone

Allen Unkenrufen zum Trotz kam es bisher zu keiner Katastrophe. Die Fallzahlen in Florida bewegen sich im amerikanischen Durchschnitt. Der einst gefeierte Cuomo hingegen steht inzwischen in der Kritik. Sein mangelnder Schutz der Altersheime hat überdurchschnittlich viele Opfer gefordert. (Zudem hat Cuomo auch noch ein Frauen-Belästigungs-Problem, aber das ist eine andere Geschichte.)

DeSantis ist inzwischen zum Vorzeige-Politiker der Konservativen in Sachen Corona geworden. Regelmässig wird er auf Fox News gefeiert, oft gemeinsam mit Scott Atlas, dem umstrittenen Radiologen, der sich einst im Krisenstab von Trump für die Herdenimmunität starkgemacht hatte.

Zudem spielt das ungeschickte Verhalten der liberalen Medien DeSantis in die Hände. Lange wurde er als Verkörperung aller Fehler, die man in Sachen Covid-19 machen kann, dargestellt. Kürzlich hat ihm die renommierte TV-Sendung «60 Minutes» gar unterstellt, er habe einer Apotheker-Kette ungerechtfertigte Privilegien eingeräumt.

Der Vorwurf erwies sich als falsch, der Bericht als manipuliert. DeSantis konnte sich als Medien-Opfer darstellen. Diese Rolle ist bei Republikanern äusserst beliebt. Schon Ronald Reagan und natürlich Donald Trump haben darin brilliert.

Florida Gov. Ron DeSantis speaks at the Conservative Political Action Conference (CPAC) Friday, Feb. 26, 2021, in Orlando, Fla. (AP Photo/John Raoux)

Ron DeSantis spricht an der konservativen Konferenz CPAC. Bild: keystone

DeSantis ist jedoch kein Trump-Double. Es gibt gewichtige Unterschiede zwischen den beiden. DeSantis stammt aus einfachen Verhältnissen. Trotzdem kann er Abschlüsse von gleich zwei Elite-Universitäten vorweisen, von Yale und Harvard. Anders als Trump gilt DeSantis zudem als jemand, der Bücher und Fachartikel liest, und zwar intensiv. Die «New York Times» bezeichnet ihn deshalb als Vertreter eines «kompetenten Trumpismus».

Für das republikanische Establishment ist dieser «kompetente Trumpismus» eine Art Erlösung. Mit DeSantis hoffen sie, die Trump-Fans bei der Stange zu behalten und gleichzeitig die so wichtigen Wählerinnen in den Vorstädten wieder zurückzugewinnen.

«Kompetenter Trumpismus» ist auch deshalb gefragt, weil sich Teile der GOP immer weiter nach rechts bewegen. So haben radikale Kongress-Abgeordnete wie Marjorie Taylor Greene, Paul Gosar und Matt Gaetz die Gründung eines «American First Caucus» verkündet, einer Fraktion innerhalb der Fraktion der GOP.

Das Ziel dieser Fraktion ist unverhüllter Rassismus und Verherrlichung der weissen Rasse. Amerika soll von Nicht-Weissen-Immigranten geschützt werden. Selbstverständlich kommt auch die bei europäischen Faschisten beliebte Theorie des «Grossen Austauschs» ins Spiel. Sie besagt, dass die Weissen in Europa und in den USA Zug für Zug durch farbige Zuwanderer ersetzt werden sollen. Davor wollen die Vertreter des American First Caucus die USA bewahren.

epa08989699 Republican Representative from Georgia Marjorie Taylor Greene responds to a question from the news media during a press conference outside the US Capitol in Washington, DC, USA, 05 February 2021. Yesterday the House voted to strip Representative Taylor Greene of her committee assignments over her remarks embracing violence and conspiracy theories.  EPA/SHAWN THEW

Offen Rassistisch: Marjorie Taylor Green. Bild: keystone

Dieser offene Rassismus wird selbst der Rennleitung des GOP langsam unheimlich. Kevin McCarthy, der Minderheitsführer der Republikaner im Abgeordnetenhaus, hat sich dagegen ausgesprochen: «Amerika ist auf der Vorstellung aufgebaut, dass wir alle gleich geschaffen worden sind und dass der Erfolg eines jeden auf harter ehrlicher Arbeit beruht», tweetete er.

Ron DeSantis mag sich als Erbe Trumps verstehen, ob der das auch so sieht, ist fraglich. Trump will Chef der GOP und deren Königsmacher sein. Er duldet keine Götter neben sich und pflegt, alles niederzumähen, was ihm gefährlich werden könnte.

Ob Trump selbst 2024 nochmals in den Ring steigen will, lässt er bewusst offen. Er wird jedoch noch länger mit dieser Idee flirten und es damit allen anderen sehr schwer machen, Profil zu gewinnen.

Das grösste Problem des Trump-Fans DeSantis ist daher ironischerweise Trump selbst. Ross Douthat formuliert es in der «New York Times» wie folgt:

«Das bedeutet, dass er (DeSantis) bald den Zorn eines gewissen Ex-Präsidenten auf sich ziehen könnte, der keinerlei Interesse daran hat, dass sich jemand anders als er selbst als Favorit der Partei für 2024 profiliert. Und die Vorstellung, dass ein Favorit, der nicht Trump heisst, schon früh erkoren werden könnte, widerspricht allem, was wir von der GOP in letzter Zeit erlebt haben.»

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