DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hund in Badewanne

Auch für diesen Hund war es das letzte Bad. Er sei friedlich «eingesprudelt».  Bild: Buzz Orgler

DER Enthüller

Der Enthüller

Über 300 Tote wegen US-Satireseite



buzz orlger

Wahington/Zürich (den) – Casey L., Veronica B., Frank R. und dreihundert weitere Teenager sind tot. Sie starben in ihren Badewannen wegen eines makaberen Scherzes der Satireseite «The Daily Currant». Diese erklärte ihren Lesern im Artikel «Build your own fucking Jacuzzi» (zu Deutsch: Bau dein eigenes tolles Sprudelbad), wie man mit Hilfe eines Haartrockners das Badewasser zum Blubbern bringt. Da auch seriöse Internetportale den Artikel verlinkten oder Teile aus ihm übernahmen, wurde der Text von vielen Jugendlichen für bare Münze genommen. Sie stiegen mit laufendem Fön ins finale Schaumbad und waren auf der Stelle tot. Hoffentlich. 

Dass Satire nicht als solche erkannt wird, kommt auch in unseren Breitengraden vor. So sorgte diese Woche ein Artikel der deutschen Satireseite «Neue Rheinpresse» für Furore. In diesem wurde behauptet, ein Dortmunder Stadtratsmitglied plane eine Abwrackprämie für Hunde, da diese die Strassen mit Kot verunreinigen. Wer seinen Wauwau einschläfere, der bekomme Geld dafür. «Das Angebot gilt übrigens nicht nur für eigene, sondern auch für streunende Hunde. Dadurch gewinnt das Projekt eine soziale Komponente, denn obdachlose Flaschensammler können so ihr Tätigkeitsfeld erweitern und ein paar Euro dazu verdienen», wurde das fiktive Stadtratsmitglied zitiert. Der Shitstorm der Hundebesitzer liess nicht lange auf sich warten. Sowohl in den sozialen Medien als auch auf den Strassen Dortmunds. 

Satire in der Schweiz

Experten bezweifeln, dass es in der Schweiz zu ähnlichen Situationen kommen könnte. «In der Schweizer Presselandschaft fristet Satire ein Nischendasein», sagt Journalistikprofessor Vincenzo Nero. Eine Website wie der Postillon, das erfolgreichste Falschmeldungsportal Deutschlands, sei für die Schweiz undenkbar. Auch in den Mainstream-Medien habe Satire hier keinen Platz. «Ein Schweizer Newsportal, das gezielt Falschmeldungen publiziert? Vorher geht Justin Bieber ins Bordell!»

Gemäss Nero gebe es genug Themen, die sich für satirische Texte eignen würden. «Die Initiative gegen die Masseneinwanderung der SVP, die Affäre Mörgeli oder sämtliche Boulevard-Artikel über Lys Assia, das sind doch regelrechte Steilvorlagen für picklige Journalismusstudenten, die sich mal den Praktikumsfrust von der Seele schreiben wollen», so der Medienexperte. Wahrscheinlich fehle schlicht und einfach der Mut. Die Fälle Steinegger, Tschäppät und Rocchi hätten bewiesen, dass sich halt bei jedem Gag irgendjemand auf den Schlips getreten fühle.   

Für die Opfer des Sprudelbad-Texts findet heute eine Schweigeminute statt. Von 19 Uhr bis 19.10 Uhr wird die gesamte Schweiz zum Schweigen und Luftanhalten aufgefordert.  

Der Enthüller

Der Enthüller, das ist Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka (Name von der Redaktion geändert). Auch wenn es für diesen Blog nicht nötig gewesen wäre: Der Chef hat Journalismus studiert und bereits Erfahrungen bei Zeitung, TV und Radio gesammelt. Er sieht in der Dämmerung umwerfend aus, ist charmant und Nichtraucher. Gleiches gilt auch für den Ressortleiter Kulicka, nur ist dieser weniger charmant, kann dafür aber Coke Zero von normaler Cola unterscheiden und das will was heissen. Ob das alles stimmt, was die zwei enthüllen? Natürlich nicht. Aber es könnte genauso gut wahr sein.

www.der-enthüller.ch
Der Enthüller auf Facebook
Der Enthüller auf Twitter

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Der Enthüller

Dumpinglöhne: 1,2 Millionen Hausfrauen verdienen weniger als 4’000 CHF monatlich!

Bern (den) – Sabrina S. ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Von 4'000 Franken Mindestlohn kann die 33-Jährige nur träumen. Seit der Geburt ihres ersten Kindes speist sie ihr Ehemann mit monatlich 800 Franken Haushaltsgeld ab: «Ich bin Köchin, Putzfrau und Hure in einem. Und das für einen Stundenlohn von umgerechnet knapp fünf Franken.» 

Die Bernerin ist mit ihrem Schicksal nicht alleine. Das Bundesamt für Statistik zählt Hausfrauen zu den «Nichterwerbspersonen» und …

Artikel lesen
Link zum Artikel