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Gott zerstört mit Feuer und Schwefel die Städte Sodom und Gomorrha.
Gott zerstört mit Feuer und Schwefel die Städte Sodom und Gomorrha.
Bild: shutterstock.com
Sektenblog

16 Dinge, die mich an der Geschichte von Sodom und Gomorrha irritieren

Gott zerstörte die beiden biblischen Städte, weil die Bewohner ein ausschweifendes Leben führten. Dabei nahm er keine Rücksicht auf Unschuldige.
01.06.2020, 08:06

Viele christliche Fundamentalisten sehen in der Coronapandemie eine Strafe Gottes. Der himmlische Vater wolle in einer Welt voll Sodom und Gomorrha ein Zeichen setzen und die abgefallenen Seelen massregeln, glauben vor allem Freikirchler in den USA, in Südamerika und Afrika.

Sodom was?, werden sich manche Leserinnen und Leser fragen. «Sodom und Gomorrha» sind ein Synonym für ein lasterhaftes Leben, für Wollust. Vor allem für sexuelle Ausschweifungen. Zurück geht der Ausdruck auf die Bibel.

Sodom und Gomorrha waren zwei Städte in der Nähe des Toten Meeres, die in vorchristlicher Zeit ins Visier von Gott gerieten. So jedenfalls erzählt es das Alte Testament im 1. Buch Mose.

Wir wissen aus der Bibel, dass es für die Betroffenen selten gut kommt, wenn Gott sie ins Auge fasst. Von Adam und Eva bis zu Hiob hatten manche biblische Gestalten unliebsame Begegnungen mit dem Schöpfer, auf die sie gern verzichtet hätten.

Die Geschichte von Sodom und Gomorrha:

So auch die Bewohner von Sodom und Gomorrha. Sie lebten in Saus und Braus und befriedigten alle ihre Bedürfnisse hemmungslos. In den Augen von Gott führten sie ein sündiges und sexuell ausschweifendes Leben.

Das passte Gott nicht in den Kram und er sann nach Abhilfe. Falls denn die Leute der beiden Städte so amoralisch lebten, wie ihm zu Ohren gekommen war. (Irritation Nummer 1: Als Allwissender hätte er es doch selbst feststellen können.)

Um den Sachverhalt herauszufinden, besuchte er Abraham auf der Erde. Natürlich nicht als Gott, sondern in Gestalt von drei männlichen Engeln (Irritation Nr. 2: Warum so kompliziert, geistige Kommunikation wäre doch effizienter gewesen.)

Gott präsentiert sich einmal mehr als rächende Gestalt, die bei seinen Kollektivstrafen auch Unschuldige nicht verschont.

Gott verriet Abraham, er wolle die beiden Städte dem Erdboden gleichmachen, falls die Bewohner sich tatsächlich so verwerflich und sündig verhielten. (Irritation Nummer 3: Er hätte es vom Himmel aus doch selbst erkennen können).

Wirklich alle?

Abraham fragte Gott, ob er wirklich beide Städte und alle Bewohner vernichten wolle, Unschuldige wie Schuldige. (Irritation Nummer 4.) Abrahams Einwand stimmte Gott nachdenklich (Irritation Nummer 5: Hätte Gott nicht selbst auf die naheliegende Idee kommen können?). Falls sich in Sodom zehn Anständige finden liessen, verschone er die Stadt, entschied Gott schliesslich.

Um dies herauszufinden, schickte Gott zwei Engel zu Lot, dem Neffen von Abraham, der in Sodom wohnte. Lot beherbergte die beiden himmlischen Wesen (Irritation Nummer 6), die von den Leuten aus Sodom als Auswärtige betrachtet wurden. Die sexsüchtigen Sodomiter verlangen von Lot die Herausgabe der Gäste, um sich an ihnen gewaltsam zu vergehen (Irritation Nummer 7).

Eine Endzeitpredigt in Zeiten der Pandemie:

Lot bietet den Sündern seine jungfräulichen Töchter an

Lot steckte in der Zwickmühle. Er konnte doch den verruchten Bewohnern die heiligen Wesen nicht ausliefern. Da kam ihm die rettende Idee: Er bot den Sodomitern an Stelle der göttlichen Wesen seine jungfräulichen Töchter für ihre perversen Sexspiele an (Irritationen Nummer 8 bis 11). Doch die Einwohner wollten partout die beiden Männer.

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Die Suche nach zehn anständigen und gottesfürchtigen Sodomitern endete erfolglos, weshalb Gott seine Drohung wahrmachte (Irritation Nummer 12). Um Lot und seine Familie zu retten, schickten die beiden Engel sie aus der Stadt. Sie schärften ihnen ein, auf keinen Fall zurückschauen, wenn Gott Schwefel und Feuer auf Sodom und Gomorrha herabregnen lasse.

Doch Lots Frau konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich umzudrehen und auf ihre brennende Stadt zu schauen. Augenblicklich erstarrte sie zur Salzsäule (Irritationen 13 bis 16: Sollte Lots Frau etwa nicht sehen, mit welcher Brutalität Gott die gesamte Bevölkerung der beiden Städte eliminierte – inklusiv der unschuldigen Kinder? Wieso wurde sie wegen ihres Blicks zurück gleich mit dem Tod bestraft?)

Was hat sich Gott dabei gedacht?

Man fragt sich unwillkürlich, was sich Gott bei dieser Geschichte um Sodom und Gomorrha gedacht hat. Sie ist so radikal und konkret, dass sie nicht als Metapher oder Gleichnis durchgeht. Erinnert sei daran, dass strenggläubige Christen die Bibel als authentisches Wort Gottes betrachten. Gott verletzte selbst alle seine ethischen und moralischen Ansprüche an die Menschen in krasser Weise.

Die Ereignisse um die beiden biblischen Städte sind aus heutiger Perspektive ein PR-mässiger Supergau. Gott präsentiert sich einmal mehr als rächende Gestalt, die bei seinen Kollektivstrafen auch Unschuldige nicht verschont.

Der allmächtige und allwissende Gott hätte wissen müssen, dass sich die Menschheit dereinst geistig entwickeln und emanzipieren würde. Und dass spätere Generationen sein Verhalten als unmenschlich und erst recht ungöttlich werten werden.

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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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