DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Trump und seine persönliche Pastorin und Wahlkampfhelferin Paula White.
Trump und seine persönliche Pastorin und Wahlkampfhelferin Paula White.
Bild: keystone
Sektenblog

Wie Donald Trump das Weisse Haus in ein religiöses Tollhaus verwandelt

Der amerikanische Präsident machte seine persönliche Pastorin zu seiner Mitarbeiterin. Sie soll im Wahlkampf Freikirchler motivieren, wieder Trump zu wählen.
11.11.2019, 13:19

Der amerikanische Präsident steckt bereits tief im Wahlkampf. Neben der Waffenlobby und den rechten Patrioten umgarnt Donald Trump vor allem die Millionen von Freikirchlern, die ihn bei den letzten Wahlen zu rund 80 Prozent gewählt hatten.

Nun hat der Präsident seine persönliche Pastorin und spirituelle Beraterin Paula Michelle White offiziell angestellt. Die attraktive Multimillionärin soll im Büro für Öffentlichkeitsarbeit die spirituelle Aufsicht übernehmen. Und ihre Glaubensgeschwister motivieren, Trump nächstes Jahr wieder ihre Stimme zu geben.

Trumps persönliche Pastorin haut auf den Putz.

Pastorin White verkündet das Wohlstandsevangelium. Wie viele andere freikirchliche Prediger glaubt sie, dass Gott die Rechtgläubigen mit Reichtum und Wohlstand segnet. In Wahrheit kommt der Geldsegen aber nicht von Gott, die Millionen und Milliarden der Pastoren und ihrer Freikirchen tragen die Gläubigen zusammen.

Ihnen wird verheissen, dass jeder Dollar, den sie spenden würden, mehrfach zurückkomme. Frei nach dem kuriosen Motto: In der Bibel hat Jesus die Fische vermehrt, um die Massen zu verpflegen, weshalb soll dies nicht auch mit dem Geld funktionieren?

Doch was ist das Wohlstandsevangelium? Um das Phänomen zu verstehen, ist ein Blick zurück hilfreich.

Pastorin Paula Whites Auftritt bei einer Wahlveranstaltung von Donald Trump.

Freikirchen sind überzeugt, dass die Bibel das authentische Wort Gottes ist. Sie weihen Gott ihr Leben und eifern seinem Fleisch gewordenen Sohn nach. Jesus ist ihr Vorbild.

Am weitesten treiben diese religiöse Vorstellung gewisse Quäker-Vereinigungen und Amishpeople in den USA. Die Gläubigen versuchen, ein Leben wie die Urchristen zu führen. Sie schotten sich ab, um nicht vom modernen, hedonistischen Lebensstil angesteckt zu werden. Manche verzichten gar auf alle technischen Errungenschaften wie Strom und andere technische Hilfsmittel.

Weniger radikale Freikirchen integrierten sich zwar in die Gesellschaft, verlangten aber von ihren Gläubigen ein Leben in Armut, geprägt von Sühne und Busse. Der Volksmund sagte, sie lebten in «Sack und Asche». Die Frauen mussten ihre Reize verstecken, bodenlange Röcke tragen und die Haare hochstecken.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bezeichnet das Wohlstandsevangelium als Irrglauben.

Mit dem wachsenden Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg drang das süsse Gift der materiellen Verführung bis in die Freikirchen. Kinder der frommen Christen rebellierten gegen die strengen Normen, der Zeitgeist nagte an den religiösen Grundfesten.

Um den Exodus zu stoppen, warfen viele Freikirchen die rigiden Verhaltensregeln über Bord. Die gleiche Bibel, aus der sie das Gebot der Armut herausgelesen hatten, musste nun Gegenargumente liefern.

Gott belohnt die Rechtgläubigen

Die Prediger und Pastoren mussten nicht lang suchen. Es gibt genügend Stellen, in denen es sinngemäss heisst, dass Rechtgläubige in der Gunst Gottes stehen und belohnt werden.

Amerikanische Pastoren und Prediger haben schliesslich das Wohlstandsevangelium bis zur Perversion umgesetzt und ausgelebt. Mit moralischem Druck und Brandreden drängen sie selbst arme Gläubige zu immer neuen Spenden. Weltmeister darin waren und sind vor allem Fernseh-Prediger.

Ein Beispiel: Zu den grössten Abzockern gehörte Benny Hinn von der «Mission Bible Church». Sein Neffe Costi unterstützte ihn jahrelang beim Geldeintreiben. Mit der Zeit hatte er das schmutzige Geschäft satt und packte aus.

«Jesus starb nicht am Kreuz, um einen stetigen Strom von Bentley's, grossen Diamanten und Botox zu liefern.»
Pastor Costi Hinn

Wörtlich sagte er: «Während Wohlstandsprediger das, was Glück zu sein scheint, verkaufen, ist es eigentlich die verdammende Ketzerei, die den Weg zur Hölle ebnet. Ist das zu stark formuliert? Nicht, wenn man das wahre Evangelium mit dem Wahnsinn vergleicht, den Wohlstandsverkünder versprechen.»

Jesus sei nicht gekommen, um die Menschen schnell reich zu machen, es sei eine Beleidigung, ihn zu einem Lotterielos zu degradieren, sagte er weiter und fügte an: «Jesus starb nicht am Kreuz, um einen stetigen Strom von Bentley's, grossen Diamanten und Botox zu liefern.»

Hotelsuite für 25'000 Dollar

Weiter schilderte Costi Hinn ihre gemeinsamen Missionsreisen ins Ausland. In Dubai hätten sie in Hotelsuiten logiert, die 25'000 Dollar pro Nacht gekostet hätten.

Ähnlich dreist und skrupellos geht Paula White vor, Trumps spirituelle Personaltrainerin und Mitarbeiterin. Sie behauptet, finanzieller Reichtum sei ein direktes Geschenk Gottes. Kein Wunder, ist sie mehrfache Millionärin und besitzt unter anderem eine 3,5-Millionen-Dollar-Luxuswohnung in einem Wolkenkratzer von Trump.

    Sektenblog
    AbonnierenAbonnieren

Zitate aus einer Rede dokumentieren das geistige Niveau und die religiösen Vorstellungen von White: «Wenn ich durchs Weisse Haus gehe, geht Gott durchs Weisse Haus. (...) Ich hatte die Befugnis, das Weisse Haus als heiligen Grund und Boden zu erklären – weil ich dort stand. Wo ich stehe, ist der Boden heilig. (...) Den Präsidenten abzulehnen, heisst Gott abzulehnen. (...) Du musst 3500 Dollar spenden. Du musst 35'000 Dollar spenden. Du musst einen 100'000-Dollar-Scheck einsenden ... und wenn du es nicht tust, sterben deine Träume und Chancen.»

Der amerikanische Regierungssitz ist seit der Wahl von Trump nicht nur ein politisches Tollhaus geworden, sondern auch ein religiöses.

Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

1 / 7
Diese Demokraten kandidieren gegen Trump
quelle: epa/epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So schimpft Bernie Sanders über Donald Trump

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Sektenblog

«Vollgepumpt mit dem Grausen vor der ewigen Verdammnis»: Der lange Weg aus der Freikirche

Was immer man von Freikirchen halten mag: Es sind schillernde Glaubensgemeinschaften mit streng christlichen Heilsvorstellungen. Für die frommen und bekehrten Gläubigen ist ihre Glaubensgemeinschaft die einzig wahre christliche Heilslehre.

Schilderungen von manchen Aussteigern ergeben aber das Bild von einem Glaubensgefängnis. Sie bewerten Freikirchen als Sekten, die es mit ihren Missionierungskampagnen schaffen, sich in der Öffentlichkeit als lammfromme Christen darzustellen.

Ein solcher …

Artikel lesen
Link zum Artikel