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FILE - In this Sept. 11, 2001 file photo, smoke rising from the burning twin towers of the World Trade Center after hijacked planes crashed into the towers, in New York City. Every American of a certain age has a 9/11 story _ vivid memories of where they were, what they saw, how they felt on that awful day. Donald Trump is one of them. And for New Yorkers like him, 9/11 melds first-hand experience with what they felt in their guts, what they saw on television and what was playing out in the lives of friends and loved ones in a city under siege.  (AP Photo/Richard Drew, File)

Verschwörungstheoretiker glauben, dass die USA den Anschlag auf die Twin Towers in New York selber geplant haben.
Bild: Richard Drew/AP/KEYSTONE

Sektenblog

Verschwörungstheoretiker sind eine politische Gefahr – vor allem, wenn sie so mächtig sind wie Donald Trump



Verschwörungstheoretiker interessieren sich sehr für Politik, zeichnen sich gleichzeitig aber durch ein arg beschränktes politisches Bewusstsein aus. Sie wissen immer genau, was wahr ist, auch wenn es keine Wahrheit gibt.

Wahr ist für sie zum vornherein das Gegenteil von dem, was aus dem Mund von Politikern kommt. Oder was uns die Medien verkünden, die sie gern pauschal als «Lügenpresse» beschimpfen.

Sie haben also eine eigene Analysetechnik nach dem Motto: Verkehre die Botschaften der Politiker in ihr Gegenteil und die Wahrheit liegt glasklar auf dem Tisch.

Überraschende, originelle Erkenntnisse

Das hat den Vorteil, dass diese Methode auch von Menschen mit mehr als durchschnittlicher Intelligenz erfolgversprechend angewendet werden kann. Und sie verhilft den Verschwörungstheoretikern zu überraschenden, ja originellen Erkenntnissen.

Sie müssen nicht nachbeten, was uns die Politiker und Medien vorsetzen. Nein, man erhält seine eigene, «unabhängige» Meinung. Diese wird dann höchstens von anderen Eingeweihten geteilt, die auch nicht blind glauben, was das Establishment verkündet. Das gibt ihnen das Gefühl, die Wahrheit zu kennen, unbestechlich und saumässig gescheit zu sein.

Bild

War es ein Fake? David Scott salutiert die US-Flagge auf dem Mond. Verschwörungstheoretikern zufolge fand die Landung nur im Studio statt. bild: wikipedia

Verschwörungstheoretiker behaupten, die extraterrestrische Landung sei in einem Studio inszeniert worden.

Eine der bekanntesten Verschwörungstheorien betrifft die erste Mondlandung der Amerikaner. Für die Theoretiker ein Fake. Die extraterrestrische Landung sei in einem Studio inszeniert worden, behaupten sie. Die abenteuerliche Interpretation ist relativ harmlos, weil sie keine grosse politische Auswirkung hat. Ausser dass sie bedeuten würde, dass die USA die Weltöffentlichkeit schamlos hinters Licht führte.

9/11 von den USA initiiert?

Dagegen ist die weit verbreitete Desinformation der Verschwörungstheoretiker beim Attentat vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York schon gefährlicher. Nur zwei von vielen Theorien: Die USA hätten die Anschläge inszeniert, um einen Vorwand zu bekommen, gegen die islamische Welt vorzugehen.

Noch absonderlicher ist die zweite Behauptung. Danach sollen jüdische Kreise den Terrorakt initiiert haben, um Hass gegen die islamische Welt zu schüren, der wiederum politische Sanktionen bewirken sollte.

Dabei kaschieren die Verschwörungstheoretiker, dass es ihnen primär darum geht, antisemitische Ressentiments zu fördern. Denn sie sind mehrheitlich populistische, braune Scharfmacher.

Die Mutter aller Verschwörungstheorien

Das zeigt sich auch bei der Mutter aller Verschwörungstheorien, die sich um die Protokolle der Weisen von Zion ranken, die Anfang des letzten Jahrhunderts entdeckt worden sein sollen. Das geheime Papier enthalte das Konzept, wie jüdische Politiker und Banker klammheimlich eine Weltregierung anstrebten, um die Menschheit zu unterjochen.

Obwohl bereits 1920 nachgewiesen und gerichtlich bestätigt wurde, dass die Protokolle gefälscht worden waren, benutzten sie die Nazis erfolgreich für ihren Propagandakrieg gegen die Juden. Frei nach dem Motto: Wir müssen die klandestine Brut ausrotten, sonst tut sie es dereinst mit uns.

Ein geheimes Papier soll das Konzept erhalten, wie jüdische Politiker und Banker klammheimlich eine Weltregierung anstreben, um die Menschheit zu unterjochen.

Die Verschwörungstheorie diente letztlich dazu, den Holocaust zu legitimieren. Der gefährliche Mythos von den angeblichen Protokollen der Weisen von Zion ist bis heute nicht auszurotten und kursiert weiterhin in rechtsradikalen und esoterischen Kreisen. Dabei geht es vor allem darum, die Juden weiterhin zu stigmatisieren und antisemitischen Hass zu schüren.

Diese Kreise halten an ihrer widerlegten Behauptung fest, jüdische Industrielle und Banker hätten sich im Geheimen zusammengeschlossen und strebten immer noch die Weltmacht an. Sie würden bewusst Chaos, Konflikte und Kriege provozieren, um die Welt politisch und wirtschaftlich zu destabilisieren und die globale Macht leichter an sich reissen zu können. Und den Planeten Erde in eine Art weltumspannende Holdinggesellschaft umzubauen.

Kindlich-naive Sehnsucht nach heiler Welt

Verschwörungstheorien dienen also wie Heilslehren von Sekten dazu, komplexe Phänomene auf einfache Erklärungsmuster zu reduzieren. Die Idee von geheimen Mächten wird als Ursache für das Elend auf der Welt herangezogen.

Verschwörungstheorien drücken eine kindlich-naive Sehnsucht nach der heilen Welt aus und haben gleichzeitig eine gefährliche politische Wirkung. Verschwörungstheoretiker pflegen ein verschobenes und verschrobenes Weltbild. In ihrem missionarischen Furor sind sie meist radikal und unberechenbar. Sie glauben, sie müssten die Menschheit retten, sonst renne sie ungebremst dem Abgrund zu.

Trump und das Wasser in Kalifornien

Der aktuell prominenteste Vertreter dieser Gattung ist zweifellos Donald Trump. Richtig: der Kandidat der Republikaner für das amerikanische Präsidentenamt. Das ist kein Witz, wie Trump im Wahlkampf immer wieder demonstrierte.

Vor wenigen Tagen behauptete der Rambo zum Beispiel, es brauche keine Rationierung des Wassers in Kalifornien, das von einer Dürre heimgesucht wird. Die Trockenheit sei eine Verschwörung der Behörden. Diese würden das Wasser ins Meer hinaus pumpen.

Der aktuell prominenteste Vertreter der Gattung Verschwörungstheoretiker ist zweifellos Donald Trump.

Aber hallo, Herr Trump! Nennen Sie uns doch bitte einen plausiblen Grund, weshalb die Behörden einen solchen Irrsinn tun sollten. Sie finden keinen. Ich aber kann Ihnen sagen, wie Sie zu dieser Aussage kommen: Als Verschwörungstheoretiker wollen Sie unangenehme Aspekte nicht akzeptieren, weshalb sie Zuflucht in der Verschwörungstheorie suchen und das Problem mit einer einfachen Erklärung aus der Welt schaffen wollen. Ausserdem misstrauen Sie wie alle Ihre rechten Kumpanen grundsätzlich den Aussagen der Behörden.

Trump verspricht «Aufklärung» zu 9/11

Trump zweifelt auch wie alle Verschwörungstheoretiker die Version der amerikanischen Regierung zum Terroranschlag auf die Twin Tower von 2001 an. Er versprach seinen Wählern, die wahren Ursachen und Zusammenhänge aufzuklären, wenn er Präsident sei.

Weiter stimmte der Präsidentschaftskandidat zu Beginn der Ära Obama auch lautstark in den Chor der Verschwörungstheoretiker ein, wonach der Präsident sein Amt mit Hilfe der geheimen Mächte erschlichen habe. Denn Obama sei in Kenia geboren und somit nicht legitimiert, als Präsident zu kandidieren. Ausserdem sei er in Wirklichkeit kein Christ, sondern Muslim. Als Obama seine Geburtsurkunde präsentierte, behauptete Trump, diese sei gefälscht.

Sollte Trump tatsächlich Präsident werden, hätten alle übrigen Verschwörungstheoretiker auf dieser Welt ein gröberes Problem. Denn dann wäre ihr Donald der Prototyp eines Verschwörers und gehörte bald zur geheimen Weltregierung. Trump wäre dann nicht nur reich, sondern auch mächtig.

Verschwörungstheoretiker sind unberechenbar. Sie haben Wahrnehmungsverschiebungen und einen Realitätsverlust. Deshalb wäre ein Verschwörungstheoretiker als US-Präsident nicht nur eine Gefahr für die USA, sondern für die ganze Welt.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei. Neu befasst er sich mit dem Thema wöchentlich auf watson.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

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