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Der «Mähdrescher Gottes» täuschte Millionen mit Fake-Ritualen – nun ist er tot

16.12.2019, 06:36

Der Deutsche Reinhard Bonnke war einer der bekanntesten Pastoren auf dem internationalen Freikirchen-Parkett. Und auch einer der Schillerndsten. Mit seinen publikumswirksamen Auftritten lief der «Mähdrescher Gottes», wie er sich gern bezeichnete, manchem amerikanischen Prediger den Rang ab.

Sein rhetorisches Feuerwerk zog die Massen in seinen Bann, vor allem in Afrika. Am vergangenen Samstag ist Bonnke im Alter von 79 Jahren gestorben.

Sein beliebtestes Missionsterritorium waren Nigeria und Südafrika. Er nannte sein Missionsimperium «Christus für alle Nationen». Vor allem die Minderprivilegierten und Armen, denen Bonnke versprach, Jesus werde sie mit Reichtum segnen, verehrten ihn wie einen Heiligen.

Bonnke behauptete, bei seinen Missionsfeldzügen reiche Ernte eingefahren und 79 Millionen Menschen bekehrt zu haben.

Der «Mähdrescher» war sich nicht zu schade, alle Register zu ziehen, um seine Anhänger mit suggestiven Mitteln zu täuschen. Und oft auch zu manipulieren. Er wolle Afrika retten, trompetete er in die Welt hinaus, ihm schwebte «ein mit Blut gewaschenes Afrika» vor. Er behauptete ausserdem, bei seinen Missionsfeldzügen reiche Ernte eingefahren und 79 Millionen Menschen bekehrt zu haben. Wie er auf diese Zahl gekommen ist, legte er nicht offen.

So sah das bei Bonnkes Messen aus:

3,4 Millionen Besucher?

Schon in den 1980er Jahren war der Ansturm der Massen so gross, dass er das «grösste Zelt der Welt» bauen liess. Dieses fasste 34‘000 Menschen. Als ein Sturm dieses zerstörte, baute er Freilichtbühnen. Schliesslich strömten laut eigenen Angaben bis zu 3,4 Millionen Besucher zusammen, um seine Gottesshow zu erleben.

Dass Bonnke oft Scheinpatienten «heilte», realisierten die Massen der Gläubigen nicht.

Auf der Bühne war Bonnke in seinem Element. Vor den Massen lief er zur Höchstform auf. Er beschwor die Besucher, er schrie die Botschaften Gottes ins Mikrofon und brüllte sein «In the Name of Jesus» in den Nachthimmel. Sein verbales Feuerwerk hatte eine solche Suggestivkraft, dass viele Gläubige in Trance oder Ekstase versanken.

Bonnkes rhetorisches Feuer:

In dieser aufgeheizten Stimmung griff er zu den wirksamsten Waffen: Dämonenaustreibungen und Wunderheilungen. Sofort fuhr der Satan aus den vermeintlich Besessenen, angeblich Lahme konnten wieder gehen, Blinde wieder sehen, Taube wieder hören. Dass Bonnke oft Scheinpatienten «heilte», realisierten die Massen der Gläubigen nicht.

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Wie die meisten freikirchlichen Pastoren sah er in den Muslimen den ersten Feind des christlichen Gottes. Bei seinen Gottesdiensten wiegelte er manchmal seine christlichen Besucher gegen die Muslime auf. So kam es vor Jahren im Vorfeld einer Evangelisation Bonnkes im muslimisch geprägten Kano, Nordnigeria, zu Aufständen mit Hunderten Toten.

Staatspräsidenten suchen seine Nähe

Bonnke sonnte sich in seiner Rolle als erfolgreicher Missionar. Er war so populär, dass selbst Staatspräsidenten seine Nähe suchten. Gleichzeitig wuchs Bonnkes Renommee in Afrika. So unterhielt er unter anderem gute Beziehungen zu den ehemaligen Diktatoren Sani Abacha von Nigeria und Charles Taylor von Liberia, der später wegen Kriegsverbrechen zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Von Abacha nahm er 100'000 Dollar für sein Missionswerk «Christus für alle Nationen» an.

Ein Heilungsevent von Bonnke:

Bonnke hatte auch einen denkwürdigen Auftritt in Zürich. Zum 15-jährigen Jubiläum des International Christian Fellowship (ICF) lud die charismatische Freikirche den umstrittenen Pastor 2011 ins Hallenstadion ein. Und Tausende von frommen Christen huldigten dem Freund des Kriegsverbrechers.

Sie erwiesen einem Pastor die Ehre, der mit seinen gefakten «Wunderheilungen» und kruden Exorzismen die Massen täuschte und manipulierte. Das kümmerte sie ebenso wenig wie die Gläubigen in Afrika. Wenn die Show stimmt, können Moral und Ethik warten.

Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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Ich wollte mich an der Esoterik-Messe heilen lassen

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