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The Latin Patriarch of Jerusalem, Michel Sabbah, raises a communion wafer, which sybolizes the body of Christ, during the Pontifical Easter Mass, in Jerusalem, Easter Sunday, April 11, 2004. A few hundred Palestinian Christians and foreign pilgrims attended Easter Sunday mass at the Church of the Holy Sepulchre, built over the rocky mount believed to be the place where Jesus was crucified. (AP Photo/Brennan Linsley)

Ein katholischer Pfarrer hält bei der Eucharistie eine Hostie in die Höhe. Bild: keystone

Sektenblog

Logik ist nicht die Kernkompetenz von Religion – das zeigt das Ritual des Abendmahls



«Das ist mein Leib, das ist mein Blut.»

Jedem Katholiken dürfte dieser Satz geläufig sein. Diesen sagt der katholische Pfarrer nämlich, wenn er bei der Eucharistie während des Gottesdienstes eine Hostie in die Höhe hält.

Aber, wessen Fleisch und Blut soll die Oblate denn nun sein, die er an die Gläubigen austeilt?

Das Fleisch und Blut des Geistlichen? Nicht wirklich.

Sondern?

Richtig: Das Fleisch und Blut von Jesus.

Mit der Logik ist es so eine Sache

Das Ritual der Eucharistie zeigt vor allem eins: Logik ist nicht die Kernkompetenz von Glaubensgemeinschaften. Eine Hostie wird in einer besonderen Bäckerei gebacken. Aus Fleisch und Blut lässt sich keine Hostie herstellen.

Ist die Oblate, die an das letzte Abendmahl von Jesus erinnern soll, vielleicht lediglich ein Symbol? Quasi ein Gleichnis?

Nein, ist es nicht. Mindestens so verkündet es die katholische Lehre. Sie versteht die gewandelte Hostie als den wahren Leib Christi, der den Gläubigen im Sakrament dargereicht wird.

Man kann es deshalb nicht anders formulieren: Die Gläubigen essen bei der Eucharistie gewissermassen Jesus. Nach strenger Logik ist dies eine Art Kannibalismus. Allenfalls eine sakrale.

Die Verwirrung ist perfekt

Natürlich sind Katholiken keine Kannibalen. Schliesslich essen sie lediglich ein paar Gramm bearbeitetes Mehl. Da ist kein Fleisch und kein Blut. Und doch lehrt die katholische Kirche, dass es sich um den Leib von Jesus handelt. Nicht symbolisch. Nein, real.

Pope Benedict XVI offers a nun the holy communion during a mass to mark the 50th anniversary of the death of Pope Pius XII, in St.Peter's Basilica at the Vatican Thursday, Oct. 9, 2008. The pontiff has given a push to possible sainthood for Pope Pius XII, as he defended the World War II pontiff Thursday from accusations that he did little to spare Jews from the Holocaust. Benedict contends his predecessor acted silently to save as many Jews as possible and expressed hope that efforts aimed at his beatification would proceed

Papst Benedikt XVI reicht einer Nonne die Oblate. Bild: keystone

Ist dies Magie? Ein stereotypes Wunder? Oder Aberglaube?

Wir holen die Bibel zur Hilfe

Die Verwirrung ist perfekt. Deshalb müssen wir die Bibel als Richtschnur heranziehen. Ursprung der Kommunion ist das Abendmahl.

In Matthäus 26, 26-28 heisst es:

«Als sie aber assen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.»

Nun wird einiges klar. Jesus nahm Brot und teilte es. Er operierte nicht einen Teil seines Muskels heraus. Er zapfte auch kein Blut ab. Deshalb kann das Brot nur symbolisch für sein Fleisch und Blut verstanden werden.

Was bedeutet, dass die katholische Kirche eine Interpretation vornimmt, die der Logik spottet und den Intellekt beleidigt.

Geistliche als Stellvertreter Gottes

Es zeigt aber auch: Die katholischen Geistlichen sehen sich bei der Kommunion gern in der Rolle von Jesus beim letzten Abendmahl. Das gibt ihnen Bedeutung und Macht. Sie sind seine Stellvertreter. Sie gefallen sich in der Rolle, das Fleisch und Blut von Jesus in den Händen zu halten, zu wandeln und an die Gläubigen auszuteilen. Dabei scheint es ihnen völlig egal zu sein, dass ihr Ritual bar jeder Logik ist.

So ist das halt oft mit dem Glauben. Wie heisst es doch so schön: 

«Selig sind die Armen im Geiste.»

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

Noch mehr Religion: Hidschab & Co. – islamische Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka

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