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Yonnihof

Skilager, Seepferdli und Blockflöte: Die Kindheit in der Schweiz

Bild: shutterstock



Ich bin Fan. So richtig. Und zwar von unserer wunderbaren Ludmila Balkanovic. Diese postete in ihrer Funktion als watsons offizielle Balkan-Expertin kürzlich den zweiten Teil von «Dingen, um die du als Jugo-Kind nicht herum kommst» (Teil 1 findet sich hier).  

Das Lesen dieser beiden wunderbar lustig-nostalgischen Stücklein animierte mich dazu, mir zu überlegen, worum man denn als Schweizer Kind nicht herum kommt.  

Hier also eine kleine Sammlung an Kindheitserinnerungen – ein Teil davon generationenübergreifend, ein Teil davon spezifisch aus meiner Kinderzeit. Mögen sie Ihr Gedächtnis, aber vor allem Ihr Herz, liebe LeserInnen, ein bisschen kitzeln.  

  1. Skilager

    Na? Welche Bilder flackerten gerade vor Ihrem inneren Auge auf? Die Massenschläge? Die Spieleabende («Fuchs holt Gans, Gans holt Fuchs, ...»)? Ihre ersten wild-romantischen Gefühle für eine/n der LeiterInnen? Das Rüberschleichen in den Bubenschlag, wo Sie dann voll illegal Redbull getrunken haben (hani ghört)? Und fühlen Sie sich auch jedes Mal erneut von den Skis aufs Maul fliegen, wenn Sie Riz Casimir nur schon riechen?

  2. Süsses und Saures

    Die erste und primäre Aufgabe eines Kindes ist, so viel Süsses wie möglich zu essen. Denkt zumindest das Kind. Und so werden gewisse Süssigkeiten zu regelrechten Kultgegenständen. Twister Glacé. Calippo. Und die Königin unter den geschmacklichen Gräueltaten: Saure grüne Nudeln. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie meine regelmässig durch dieses grossartig-widerwärtige Gummi-Geschmacks-Spektakel weggeätzte Munschleimhaut sich je wieder erholt hat. Dann waren da noch Cocifröschli. Oder aber das, was einst ein Foifermocke war und nun 20er-Mocke heisst, jedoch nur noch halb so gross ist beim Vierfachen des Preises.  

    Und die Lebensmittelnostalgie bezieht sich nicht nur auf Zuckerhaltiges. Erinnern Sie sich noch an Snacketti? Die gibt’s zwar noch immer, in meinen Teenagerjahren war das aber für so manche/n von uns eins der, wenn nicht DAS Grundnahrungsmittel. Als vor ein paar Jahren die einst aus dem Sortiment verbannten «Onion Rings» in die Supermarktregale zurückkehrten und ich mir (Ehrensache) natürlich sofort einen Sack davon kaufte, musste ich eine kleine Träne der Melancholie über meine vergangene Jugend verkneifen, als das zehnfach geschmacksverstärkte Ringli aus Kartoffelstärke, das eigentlich überhaupt nicht nach Zwiebeln schmeckt, meine erste Geschmacksknospe kitzelte.

  3. Schuelreisli

    Dinosauriermuseum, Papiliorama, Atzmännig, Technorama. Ja, die Schuelreisli. Grossartig waren sie. Auch wenn der Himbeersirup in der Trinkflasche mit aufgesetztem Becherdeckel irgendwann lauwarm war und leicht nach Plastik schmeckte. Auch wenn man brav im Sektor D wartete und dann plötzlich «für die angemeldeten Gruppen im Sektor A Platz reserviert» war und man mit «Frölein Müller» einmal quer durch den Bahnhof secklen musste. Auch wenn man das OVO-Sport schon morgens um sieben im Zug verputzt hatte und nun mit dem verhassten Säckli Studentenfutter Vorlieb nehmen musste.  

    Auch wenn immer am Ende des Sportmint noch so viel Reisli übrig war. Poetisch. Ich weiss.

  4. Blockflötenunterricht

    Geben Sie’s zu, Sie hatten’s bereits verdrängt. Ich weiss nicht, ob das heute auch noch so ist, aber als ich in die Primarschule ging, war es eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man in den Blockflötenunterricht ging. Wenn ich mich konzentriere, kann ich heute noch den nasswarmen Holzgeschmack auf meinen Lippen schmecken und meine Ohren entwickeln spontan einen Tinnitus, wenn ich an meine Interpretation von «Was soll das bedeuten?» zurückdenke, welche ich mit zittrigen Knien an jeder (verdammten) Familienweihnacht vorflöten musste. Alle litten. Ich, die ZuhörerInnen (hier einmal ein herzliches Sorry an meine gesamte Verwandtschaft), die Flöte... Einzig meine Eltern waren verzückt. Kürzlich überlegte ich mir mal in ziemlich plastischer Weise, wie es wohl in so einem hohlen Holzkörper, der nonstop vollgespuckt wird, mit der Zeit ausschaut. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Oder nicht. Also eigentlich wirklich lieber nicht.

  5. Bastelbögen

    JA! ICH WEISS! BASTELBÖGEN! Und ja, das schreibt man sehr fest mit ö. Zugegeben, ich hatte zu Bastelbögen immer ein ziemlich ambivalentes Verhältnis. So freute ich mich jeweils auf kaum etwas mehr als auf den Moment, wenn vor den Ferien die 2D-Varianten der 3D-Puzzles erworben werden konnten, ich war jedoch dann auch das Kind, dem die Ausschneide- und Zusammenkleberei ziemlich schnell verleidete und so gab’s für mich zum Beispiel die Ky-. Ohne Burg. Oder den Arc. Ohne Triomphe. Oder ein Viertel vom Schloss Chillon. Auch ohne Triomphe.

  6. Der Feez

    Dem Feez habe ich schon einmal eine komplette Kolumne gewidmet. Und trotzdem gehört er hier hin, denn ich denke, er hat uns ziemlich generationenunabhängig durch unsere Jugend begleitet. Ob da nun ABBA, Madonna oder 2Unlimited lief, ist völlig nebensächlich. Ausschlaggebend sind die grossen Gefühle, die sich da zwischen Schulterpolstern, Schwarzlicht, Buffaloschuhen, Strobo und Erdnussflips abspielten. «Tüemer Slow tanze?», «Wotsch mit mir gah?» und «Ich bin imfall i dich» - diese Sätze, so klein sie sein mögen, vermochten unsere Teenagerherzen in ungeahnte Höhen zu katapultieren, uns jedoch auch in abgrundtiefes Verderben zu stürzen.

Ja, die Jugend des Schweizerkindes. Da wären noch die Jugi/Meitliriege, das Bananenkrokodil zum Znüüni im Chindsgi, der Ferienpass, der Chlaushöck, der Cervelat am Stock über dem Feuer, der Schulsilvester, der Schwimmunterricht, der Schwarzweiss-Fotoautomat, das BRAVO, der Spick, Schoggibär-, Vanilleseehund- und Erdbeeraffenglacé, Schwimmabzeichen (Seepferdli REPRESENT!) und noch so vieles mehr.  

Was für ein unglaubliches Privileg, ein Kind in der Schweiz gewesen zu sein.  

Und was sind Ihre schönsten Erinnerungen?

Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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