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Im Film zeichnen die Dark-Wallet-Entwickler ein düsteres Bild. Video: YouTube/DefenseDistributed

«Gewaschene» Bitcoins

Projekt Dark Wallet ist der Albtraum der Strafverfolger, Geheimdienste und Regierungen

Internet-Aktivisten arbeiten an einem mächtigen Werkzeug, das wirklich anonymes Bezahlen ermöglicht. Der Initiant wurde auch schon als eine der gefährlichsten Personen der Welt bezeichnet.



Wer mit Bitcoins bezahlt, hinterlässt verräterische Spuren, die zurückverfolgt werden können. Zwar bestehen schon heute Möglichkeiten, die Herkunft des virtuellen Geldes zu verschleiern. Das ist einer Gruppe von Internet-Aktivisten nicht gut (und sicher) genug. Unter dem Codenamen Dark Wallet entwickeln sie eine Open-Source-Software, die zum Albtraum für Strafverfolger und Regierungen rund um den Globus werden könnte. Erklärtes Ziel ist der freie Handel mithilfe einer anonymen Währung, die nicht kontrolliert werden kann.

Am 1. Mai ist eine Vorab-Version der Dark-Wallet-Software veröffentlicht worden. Es handelt sich um eine Browser-Erweiterung, die für Chrome von Google erhältlich ist. Später soll eine Version für den nicht-kommerziellen Firefox-Browser folgen.

Im Teaser wird Grosses angekündigt. Video: YouTube/DefenseDistributed

Dark Wallet ist ein digitales Portemonnaie, das Bitcoins verwaltet, alle Transaktionen verschlüsselt und so miteinander kombiniert, dass die Geldströme angeblich nicht zurückverfolgt werden können.

Auf der Projekt-Website heisst es, dies sei nur der erste Schritt in einer ganzen Reihe von geplanten Produkten, die den freien Handel im Internet voranbringen sollen. Konkret könnten etwa Schwarzmarkt-Betreiber im Darknet davon profitieren, wie der Chef der Gruppe, der US-Amerikaner Cody Wilson, dem Magazin Wired sagte.

Cody Wilson, Projekt Dark Wallet. Bild: zvg

Cody Wilson. Bild: zvg

Wilson (26) ist kein Unbekannter, sondern wurde auch schon als eine der gefährlichsten Personen der Welt bezeichnet. Er sorgte 2013 mit der ersten per 3D-Drucker fabrizierten Schusswaffe für Schlagzeilen.

Cody Wilson polarisiert. Diesen Tweet verschickte er letzten Dezember zum Tod des Kalaschnikow-Erfinders.

Das Projekt Dark Wallet hat er im Sommer 2013 mit dem iranisch-britischen Anarchisten Amir Taaki ins Leben gerufen. Taaki ist ein erfahrener Programmierer, der unter anderem einen Prototypen der Online-Marktplatz-Software DarkMarket entwickelt hat. Die beiden haben über eine im vergangenen Oktober lancierte Crowdfunding-Kampagne über 50'000 Dollar gesammelt.

Projekt Dark Wallet. Screenshot: darkwallet.is

So sieht die Benutzeroberfläche des digitalen Portemonnaies aus. Screenshot: darkwallet.is

Im Darknet werden viele (illegale) Geschäfte mit Bitcoins abgewickelt. Bekanntestes Beispiel ist der Drogen-Schwarzmarkt Silk Road. Dabei kommen zwar ebenfalls Mechanismen zum Einsatz, die den Käufern und Verkäufern ermöglichen, anonym zu bleiben. Mit Dark Wallet soll aber ein deutlich besserer Schutz der Privatsphäre möglich sein.

Die Entwickler räumten gegenüber «Wired» ein, dass sich ihr Verschlüsselungs-Projekt noch in einem frühen Stadium befinde. Geplant sei unter anderem, die Anonymisierungs-Software Tor zu integrieren, um die Internet-Adressen der Nutzer besser zu schützen. Dark Wallet sei bereits ein mächtiges Tool, aber noch nicht perfekt. Zahlreiche Entwickler arbeiten unentgeltlich daran.

Eine Visualisierung der Programmierarbeiten. Video: Vimeo/Sem

Das FBI provozieren

Das in den USA lancierte Projekt dürfte staatlichen Kontrolleuren ein Dorn im Auge sein. Die Initianten scheuen sich nicht, die alles überwachenden US-Geheimdienste herauszufordern. Der Projekt-Name ist eine bewusste Provokation an die Adresse des FBI, das unter dem Titel «Going Dark» vor Verschlüsselungs-Projekten gewarnt hatte.

Wilson räumte gegenüber «Wired» ein, dass die Dark-Wallet-Software für verwerfliche Zwecke verwendet werden könnte, etwa von Terroristen oder Pädophilen, die für Missbrauchs-Bilder bezahlen könnten. «Nun ja, böse Dinge werden passieren auf diesen Online-Marktplätzen», sagte der 26-Jährige. «Freiheit ist eine gefährliche Sache.»

Bleibt das Problem, dass das Vertrauen in die virtuelle Währung Bitcoin in den vergangenen Monaten massiv gelitten hat. Bekannte Plattformen wie etwa Mt. Gox wurden attackiert und geplündert. Ausserdem prüfen Behörden weltweit, wie sie gegen die übers Internet betriebene Geldwäscherei und Steuerhinterziehung vorgehen können.

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