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In this picture taken on Tuesday, April 28, 2020, Leone La Rocca, Leone La Rocca, president of Sperlonga tourism association, looks at the empty beach from the terrace of his hotel, in Sperlonga, a fashionable seaside town about 120km (80 miles) south of Rome. Though Italy is gradually reopening from a two-month lockdown, there is no word on when and how beach establishments can open for visitors.  (AP Photo/Andrew Medichini)

In nicht allzu ferner Zukunft soll die Schweizer Corona-Warn-App in Italien und weiteren Ländern funktionieren. Bild: Sperlonga, 120 Kilometer südöstlich von Rom. Bild: AP

Analyse

Die Schweizer Corona-Warn-App im (schonungslosen) Vergleich mit den Nachbarn

Die Schweiz und ihre Nachbarn wollen die Grenzen wieder öffnen, doch was ist mit dem länderübergreifenden digitalen Contact Tracing? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen und verrät die neusten Entwicklungen.



Dieser Beitrag geht der Frage nach, wie weit die Schweizer Nachbarländer sind mit ihren Corona-Warn-Apps. Wegen des Tourismus und der Grenzgänger wäre wichtig, dass das digitale Contact Tracing, auch Proximity Tracing genannt, länderübergreifend funktioniert.

Entscheidend bei den nationalen Apps ist das Vertrauen der Bevölkerung: Nur wenn die Technik von vielen Bürgerinnen und Bürgern freiwillig genutzt wird, könnte dies einen spürbaren Effekt auf die Corona-Pandemie haben.

Schweiz 🇨🇭

Zur Erklärung:

Ein grünes Häkchen bei «Diskriminierungs-Verbot» bedeutet, dass die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen definiert, um auch einen indirekten App-Zwang zu verhindern.

Das rote Kreuzchen beim Punkt «Parlaments-Beschluss» bedeutet, dass das Parlament als Gesetzgeber bislang nicht über den App-Einsatz befunden hat. In der Schweiz muss der Bundesrat ein sogenanntes dringliches Bundesgesetz vorlegen. Dieses neue Gesetz soll unter anderem gewährleisten, dass niemand wegen der App diskriminiert wird.

Ein grünes Häkchen bei «Apple-Google-API» signalisiert, dass das Proximity-Tracing auf iPhones und Android-Geräten über die von Apple und Google entwickelten Schnittstellen möglich ist. Die Software soll «Mitte Mai» verfügbar sein.

Das grüne Häkchen bei «Europa-tauglich» bedeutet, dass die Corona-Warn-App kompatibel ist mit anderen nationalen Apps, die ebenfalls dezentralisiert funktionieren (und die sensitiven Daten auf den Smartphones speichern).

Vorläufiges Fazit zur Schweiz:

Laut Bundesrat ist die App-Lancierung für die breite Bevölkerung frühestens Ende Juni möglich, und nur wenn das Parlament in seiner Sommersession (2. bis 19. Juni) das geplante dringliche Bundesgesetz bewilligt. Zur heute Mittwoch beginnenden «Pilotphase» der App ist wenig bekannt, das Bundesamt für Gesundheit hält sich mit Details zurück.

Update: Das zuständige Departement werde «in Kürze» eine Medienmitteilung dazu verschicken, heisst es aus Bern.

Update 2: Die Medienmitteilung ist hier verfügbar. Der Informationsgehalt hält sich leider in Grenzen:

«Die App wird voraussichtlich ab nächster Woche von Mitarbeitenden der Eidgenössisch Technischen Hochschulen in Lausanne und Zürich, von Armeeangehörigen und Mitarbeitenden von Spitälern sowie der eidgenössischen und kantonalen Verwaltungen getestet. Die App wird zudem weiteren Personen und Organisationen zur Verfügung gestellt, damit diese allfällige technische Mängel sowie Probleme in der Benutzbarkeit aufdecken können.»

quelle: admin.ch

Deutschland 🇩🇪

Die deutsche Regierung hat zunächst so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Das Vertrauen der Bevölkerung in die geplante Corona-Warn-App wurde grundlegend erschüttert, weil die Verantwortlichen viel zu lang auf ein zentralisiertes Tracing-System setzten.

Der Wechsel auf ein dezentrales System erfolgte erst nach Protesten aus der Zivilgesellschaft und nachdem sich abzeichnete, dass die App ohne Zugriff auf die Apple-Google-Schnittstellen technische Probleme haben würde.

Ungeklärt ist die Frage, ob der Gesetzgeber wie in der Schweiz konkrete Rahmenbedingungen schaffen wird, um die bedingungslose Freiwilligkeit der App-Nutzung zu gewährleisten. Ein entsprechender Vorschlag stiess auf Zustimmung, die Regierungskoalition hat sich noch nicht dazu geäussert. Davor hatte es geheissen, es sei kein eigenes Gesetz geplant.

Zudem werden auch immer wieder Stimmen laut, die statt absoluter Freiwilligkeit einen App-Zwang fordern.

Frankreich 🇫🇷

Frankreich ist gespalten, was den geplanten Einsatz einer Proximity-Tracing-App betrifft: Die Regierung lässt über die staatliche Forschungseinrichtung Inria die «StopCovid»-App entwickeln, die auf einem zentralisierten Server-System basiert und in den folgenden Wochen getestet werden soll.

Das Vorgehen hat bereits zu Protesten seitens Wissenschaft und Zivilgesellschaft geführt, eine Parlaments-Debatte wurde verschoben. Sollte die Regierung an ihren Plänen festhalten, wäre die freiwillige App nicht mit den Apple-Google-Schnittstellen kompatibel, was auch die grenzüberschreitende Funktionsweise grundsätzlich infrage stellt.

Italien 🇮🇹

Italiens Regierung wollte möglichst schnell eine Corona-Warn-App lancieren – und scheiterte. Die «Immuni»-App ist seit Wochen Dauerthema in den sozialen Netzwerken und Zielscheibe vielfältiger Kritik: Auch der Auswahlprozess für die Entwicklerfirma war umstritten. Wie Deutschland musste man vom ursprünglich geplanten zentralisierten System abrücken und eine 180-Grad-Wende einleiten. Allerdings wurde die Umstellung auf ein dezentrales System nach dem Vorbild von DP-3T über längere Zeit nicht transparent erklärt.

Immerhin ist nun ein Happy End in Sicht: watson weiss aus zuverlässiger Quelle, dass die Apple-Google-Schnittstellen implementiert werden. Dies wird (zumindest) mittelfristig auch die grenzüberschreitende Funktionsweise garantieren. Dies wiederum ist auch aus Schweizer Sicht vor allem wegen der vielen Grenzgänger wichtig, die im Tessin arbeiten.

Österreich 🇦🇹

Österreich hat dank privater Initiative durch das Rote Kreuz schon seit Wochen eine Corona-Warn-App. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist bislang allerdings klein und zur Wirksamkeit gibts keine genauen Angaben (siehe unten). Die Regierungskoalition (ÖVP / Grüne) hat Anfang Mai einen Vorstoss für ein Diskriminierungs-Verbot nicht unterstützt.

Ob es überhaupt noch zu einer echten Bewährungsprobe für die «Stopp Corona»-App kommt, wird sich erst noch zeigen. Das Land sei unter der Führung des 33-jährigen Kanzlers Sebastian Kurz sehr gut durch die erste Phase der Pandemie gekommen, konstatiert die «NZZ am Sonntag».

Wie andere Schweizer Nachbarländer (abgesehen von Frankreich) sind auch die Österreicher Entwickler damit beschäftigt, die Apple-Google-Schnittstellen zu implementieren. Die Vorbereitungen für eine spätere länderübergreifende Funktionsweise sind insbesondere auch aus Sicht des Alpen-Tourismus sowie der vielen Grenzgänger zu begrüssen.

Das vorläufige Fazit: Europa ist nicht bereit

Wenn in nächster Zeit die Landesgrenzen wieder geöffnet werden, fehlt ein wichtiges Hilfsmittel: Eine App, die länderübergreifendes digitales Contact Tracing ermöglicht. Hunderttausende Grenzgänger müssen vorläufig darauf verzichten, weil ihre Regierungen zögerlich agiert haben.

Am Donnerstag debattiert erneut das Europäische Parlament über die geplanten Kontaktverfolgungs-Apps, mit denen Infektionsketten zurückverfolgt werden sollen.

Die Schweiz hatte dank DP-3T-Konsortium eine hervorragende Ausgangslage und hätte als erstes Land eine datenschutzkonforme Proximity-Tracing-App lancieren können. Nun sieht es so aus, dass fast alle Nachbarländer schon Wochen oder gar Monate früher eine Tracing-App lancieren.

Jedoch scheinen alle benachbarten Regierungen durch mangelnde Kommunikation und fragwürdiges Vorgehen ein massives Vertrauensproblem kreiert zu haben. Intransparente Entscheide, mangelnde Rechtssicherheit und widersprüchliche Äusserungen politischer Akteure haben bei den Bürgern die Akzeptanz beeinträchtigt, noch bevor die Anwendungen überhaupt verfügbar sind. Fraglich ist auch, ob die Apps wie versprochen in ein paar Wochen lanciert werden.

Die technische Frage der Zuverlässigkeit von automatisierten Abstandsbestimmungen mit Smartphones über Bluetooth Low Energy (BLE) ist bei den meisten unbeantwortet. Einzig Österreich scheint eine Lösung gefunden zu haben, will aber «mittelfristig» umstellen, wie wir gleich sehen.

Von den Schweizer Nachbarländern setzt einzig Frankreich nicht auf ein dezentrales Tracing-System, wie es das Konsortium DP-3T erarbeitet hat. Damit kann die geplante französische Corona-Warn-App nicht auf die Apple-Google-Schnittstellen (API) zugreifen, die laut Ankündigung «Mitte Mai» für iPhones und Android-Smartphones bereit sein sollen.

Die Entwickler nationaler Apps in der Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich und in weiteren Ländern sind hingegen bereits am Testen der Apple-Google-Software.

Zudem hat sich auf Initiative des Konsortiums DP-3T eine neue europäische Koalition gebildet. Die Mitglieder verfolgen alle den dezentralen Privacy-by-Design-Ansatz, im Gegensatz zur gescheiterten PEPP-PT-Initiative. Ziel ist es, dass die nationalen Corona-Warn-Apps grenzüberschreitend funktionieren. Dies ist insbesondere in Regionen wie dem Tessin extrem wichtig, wo es sehr viele Grenzgänger gibt.

Die wissenschaftliche Vorarbeit für länderübergreifende Corona-Warn-Apps ist getan. Recht und Technik sind aber noch nicht bereit für die Grenzöffnungen.

Dazu gleich mehr, doch zunächst:

Warum hat Österreich bereits eine App?

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) hat in Westeuropa eine Vorreiterrolle eingenommen mit der frühen Lancierung einer Bluetooth-basierten Proximity-Tracing-App. Dies war dank der Schweizer Proximity-Technologie p2pkit möglich, die vom Zürcher Unternehmen Uepaa entwickelt worden ist.

Zur Wirksamkeit lassen sich die Österreicher nicht in die Karten blicken. ÖRK-Sprecher Thomas Marecek schreibt watson:

«Wir haben jetzt rund 560'000 Downloads (Stand 8. Mai). Das ist ein guter Start, aber noch nicht die Anzahl, die wir erreichen wollen. Derzeit haben die einzelnen User noch wenige Kontakte gespeichert. Das liegt vor allem daran, dass es aufgrund der Ausgangsbeschränkungen sehr wenige soziale Kontakte gab. Jetzt, wo die Einschränkungen Stück für Stück gelockert werden, werden wir die App stärker bewerben, es wird mehr Downloads und mehr ‹digitale Handshakes› geben und die App kann die ganze Wirksamkeit entfalten.»

Geplant ist zudem seitens des Österreichischen Roten Kreuzes, auf die Apple-Google-Schnittstellen umzusteigen:

«Wir sind gerade im intensiven Austausch mit Google und Apple, um die Integration der Frameworks zu prüfen, bzw. diese weiterzuentwickeln, damit es auch die für uns erforderlichen Funktionen abbildet. Ein mittelfristiger Komplettumstieg wird angestrebt, um den Vorschlägen der Datenschutz-NGOs zu entsprechen.»

ÖRK-Sprecher Thomas Marecek

Dazu muss man wissen, dass unabhängige Datenschutz-Organisationen die österreichische App geprüft und mehrere Empfehlungen zur Verbesserung abgegeben haben.

Und man muss wissen, dass bei der bisherigen Corona-Warn-App eine gewisse Datenanalyse über ein Rechenzentrum erfolgt, was dem zentralisierten Ansatz entspricht. Apple und Google unterstützen nur dezentrale Systeme.

Ein Proximity-Fachmann erklärt

Uepaa-Gründer Mathias Haussmann präzisiert auf Anfrage, dass sich auch mit der von Uepaa entwickelten p2pkit-Technologie ein dezentraler Ansatz verfolgen lasse. «Über ein vertrauenswürdiges Rechenzentrum, was technisch betrachtet einem zentralisierten Ansatz entspricht, werden lediglich Informationen ‹übermittelt›».

Die Datenmenge, die über Bluetooth Low Energy (BLE) übertragen werden könne, sei beschränkt, erklärt der Schweizer Proximity-Fachmann. Es finde daher auf den Smartphones ein sogenanntes Over-The-Air (OTA) Off-Loading statt. Damit funktioniere p2pkit auch in Extremsituationen, wie zum Beispiel am Hauptbahnhof oder in der S-Bahn, also in Situationen, wenn hunderte Geräte in der Nähe seien und einfache BLE-Implementationen längst versagten.

Apple und Google würden nun diese Hürden auf Betriebssystemebene reduzieren (ausschliesslich für Tracing-Apps) und unterstützen nur dezentrale Systeme. p2pkit stelle hier keine Anforderung an die App-Logik, betont Haussmann.

Der Uepaa-Gründer hatte sich schon Anfang Jahr an den Bund gewendet. Weder das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch Marcel Salathé vom EPFL zeigten sich aber interessiert. Und dies obwohl die BLE-Entwickung von DP-3T erst im Mai mit einer grösseren Anzahl User getestet wurde.

Weil der Bund nicht frühzeitig die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt hat für den App-Einsatz, ist es heute müssig darüber zu spekulieren, ob die Schweizer Corona-Warn-App schneller lanciert worden wäre, wenn die Verantwortlichen auf die p2pkit-Technologie gesetzt hätten. Dank der gemeinsamen Software-Initiative von Apple und Google sollte bald die technisch bestmögliche Lösung vorliegen.

Wird die Schweizer Corona-App auch im Ausland funktionieren?

Das ist das erklärte Ziel von DP-3T. Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg. (Und zunächst muss sich in einer Pilotphase ab dieser Woche zeigen, wie gut das Bluetooth-basierte Proximity-Tracing in der Schweiz funktioniert.)

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern haben gemeinsam ein grenzüberschreitendes Konzept erarbeitet, wie Reuters berichtete. Es sind alles Länder, die ein dezentralisiertes digitales Tracing-System umsetzen wollen.

In diesen Ländern dürfte die Schweizer Corona-Warn-App problemlos funktionieren, wobei jederzeit weitere Länder hinzukommen können. In Spanien beispielsweise war auch schon die Rede, dass der dezentrale Ansatz verfolgt wird.

Um das entsprechende Daten-Roaming zu gewährleisten, müssen die staatlichen Server, die in den Ländern betrieben werden, miteinander kommunizieren.

Bild

Die nationalen Corona-Warn-Apps sollen in Zukunft auch im Ausland funktionieren, wobei dabei keine sensitiven Daten über staatliche Server ausgetauscht werden. screenshot: dp-3t (siehe Quellen)

Bei den nationalen App-Projekten, die gemäss dem dezentralen Ansatz von DP-3T umgesetzt werden, sei es vom ersten Tag an auch darum gegangen, dass man sie auf internationaler Ebene zum Funktionieren bringen könne. Dies sagte der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathe, von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.

Fraglich ist allerdings der Zeitpunkt. Bislang fehlen in den meisten Ländern umfassende rechtliche Rahmenbedingungen, um etwa eine Diskriminierung von Leuten zu verhindern, die keine Contact-Tracing-App nutzen wollen. Die Verhandlungen über die rechtlichen Rahmenbedingungen müssten auch auf internationaler Ebene intensiviert werden.

Kommentar des Digital-Redaktors

Die Schweiz verpasst die einmalige Chance, sich als Pionierland zu positionieren bei der digitalen Seuchenbekämpfung. Dafür hätte es seitens Bundesrat und Bundesamt für Gesundheit (BAG) mehr digitale Kompentenz sowie eine mutigere und weitsichtigere Vorarbeit gebraucht. Nun verzögert sich der App-Start im besten Fall um mehrere Wochen.

Die politisch bedingte «Verspätung» hat hoffentlich keine epidemiologisch gravierenden Folgen. In den kommenden Wochen werden wir herausfinden, ob das herkömmliche Contact Tracing genügt, um das Virus in Schach zu halten. (Natürlich neben den anderen wichtigen Massnahmen).

Die bislang durch DP-3T und nun auch durch das Bundesamt für Informatik geschaffene Transparenz – Stichwort Open Source – ist zu begrüssen, und nachahmenswert. Die Kommunikation ist allerdings dringend verbesserungswürdig, sonst droht noch mehr Vertrauen verspielt zu werden.

Bild

screenshot: twitter

Sollte die Corona-Pandemie noch Monate weitergehen, kann eine vertrauenswürdige Proximity-Tracing-App den Unterschied ausmachen zwischen neuerlichen staatlichen Zwangsmassnahmen und individueller Freiheit. Helfen könnte die Tracing-App auch nach den Grenzöffnungen.

Und völlig losgelöst von SARS-CoV-2 und Covid-19 macht die Entwicklung der Software und das Schaffen der entsprechenden Infrastruktur Sinn: Die nächste (tödliche) Seuche kommt bestimmt. Spätenstens dann sollten wir vorbereitet sein und nicht wieder bei Null anfangen müssen.

PS: Und Liechtenstein?

Das «Ländle» mit seinen 38'000 Einwohnern verfolgt eine ganz eigene Strategie: Bürger-Überwachung, gepaart mit Machine Learning, statt freiwilliger Proximity-Tracing-App.

Regierung und Fürstenhaus haben Mitte April ein selbstfinanziertes Projekt gestartet und 2000 mit Sensoren ausgestattete Armbänder an Einwohner verteilt. Die Bänder messen Hauttemperatur, Puls, Atmung und Blutzirkulation. Das Gesundheits-Monitoring findet nonstop, auch nachts statt.

Am Ende der Entwicklung solle ein Algorithmus stehen, der anhand der Daten gelernt habe, welche Muster in den Signalen des Körpers auf eine Covid-19-Infektion schliessen lassen. Dies noch bevor es Betroffene selbst merken.

Die Regierung lasse auch das gesamte Abwasser auf Spuren des Coronavirus untersuchen, berichtete die «Basler Zeitung». Auch das sei vergleichsweise einfach, weil der ganze Dreck des Landes durch eine einzige Kläranlage fliesse.

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Was man über Corona-Warn-Apps wissen muss
Contact Tracing meint die persönliche Rückverfolgung von Infektionsketten. Ziel ist es, die (unbemerkte) Verbreitung von gefährlichen Infektionskrankheiten einzudämmen oder im besten Fall zu stoppen. Konkret sollen alle Leute gewarnt werden, die über eine gewisse Zeit in relativ engem körperlichen Kontakt standen mit einer infizierten Person und sich angesteckt haben könnten, ohne es zu wissen.

Zu Beginn der Corona-Krise in der Schweiz wurde Contact Tracing übers Telefon gemacht, das heisst, Infizierte (in Quarantäne) wurden zu ihrem Umfeld befragt, das sie vielleicht angesteckt hatten. Wegen der exponentiellen Zunahme der Covid-19-Infektionen war dieses System allerdings bald einmal überlastet, es wird aber in der Phase nach der Lockerung der staatlichen Zwangsmassnahmen («Lockdown»), wenn es wenige Covid-19-Fälle gibt, flächendeckend betrieben von den kantonsärztlichen Diensten.

Digitales Contact Tracing funktioniert per Smartphone-App. Die Mobilgeräte registrieren über ihre Bluetooth-Verbindung automatisch und anonym, wenn sie sich über eine gewisse Zeit in unmittelbarer Nähe zueinander befunden haben. Dieses Verfahren wird auch als Proximity Tracing bezeichnet. Erst später, bzw. nur wenn eine Infektion durch einen medizinischen Test bestätigt worden ist, kann die erkrankte Person andere App-User, die sie vielleicht angesteckt hat, schnell und diskret warnen.

Singapur hat im März 2020 als einer der ersten Staaten eine auf der Messung von Bluetooth-Low-Energy-Signalen basierende App namens TraceTogether lanciert, wobei die Funktionalität eingeschränkt ist, weil der Datenaustausch zwischen iPhones und Android-Geräten nicht gut funktionierte. In Europa und weltweit werden nun Proximity-Tracing-Apps lanciert, die dieses Problem nicht haben, weil Apple und Google bei iOS und Android auf Betriebssystem-Ebene eine Schnittstelle zur Verfügung stellen.

Beim dezentralen Ansatz gilt der Grundsatz Privacy by Design: Die Datenverarbeitung (zur Berechnung des Infektionsrisikos) erfolgt auf den Mobilgeräten. Nur bei einer offiziell bestätigten Infektion und der Einwilligung des Users werden dessen anonymisierte Proximity-Daten (Schlüssel) an einen Server überragen, die es ermöglichen, Dritte zu warnen, und den Datenschutz zu gewährleisten.

Beim zentralen Ansatz werden die Proximity-Daten an einen staatlich kontrollierten Server übermittelt, wo das Infektionsrisiko berechnet wird. Diese System-Architektur ist von über 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern rund um den Globus als problematisch bezeichnet worden, weil der System-Betreiber nachträglich und heimlich Funktionen ändern («Function Creep») oder zusätzliche Funktionen einführen könnte («Mission Creep»).

Apple und Google unterstützen dezentrale Proximity-Tracing-Apps durch eine technische Kooperation. Sie stellen autorisierten App-Entwicklern eine Programmierschnittstelle (API) zur Verfügung, die Corona-Warn-Apps zuverlässige Bluetooth-Distanzschätzungen und Datenaustausch zwischen Android- und iOS-Geräten ermöglicht. Zudem wollen die US-Techkonzerne das Proximity Tracing in einem weiteren Schritt direkt in die beiden weltweit dominierenden mobilen Betriebssysteme integrieren.

Freiwillige Nutzung ist laut Apple und Google Bedingung und wird auch von der Schweizer Corona-Warn-App «SwissCovid» umgesetzt. Das heisst, digitales Contact Tracing kann nicht vom Staat erzwungen werden, sondern erfolgt nur mit Zustimmung der User (Opt-in).
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    Alle Leser-Kommentare
  • maricana 13.05.2020 17:17
    Highlight Highlight Die Strategie, die Verbreitung von Convid-19 zu verhindern, ist nur Verzögerung und wird niemals nachhaltig sein. Relevant ist letztendlich das individuelle, körpereigene Immunsystem, insbesondere auch die psychische Verfassung. Genau deswegen würde ein 2. "Bleiben sie zu Hause" nicht mehr befolgt. Wir werden uns mit Viren arrangieren müssen.
  • tösstaler 13.05.2020 16:46
    Highlight Highlight Ich fasse kurz zusammen:
    Für mich als Otto Normalo läuft diese Corona-App frühestens bei Eintreten der übernächsten Epi-/Pandemie oder sonst einem Käferbefall.
    Bin mir eben nicht ganz sicher ob ich die verantwortlichen Stellen überhaupt noch ernst nehmen soll.
    Und: wie reagiert die offiz. Schweiz wohl, wenn es mal richtige, nachhaltige und ernste Probleme gibt, egal welcher Natur? Wenn die Verfügbarkeit von Klopapier eher in den Hintergrund rückt? Wieder: 'zerscht emale luege was die andere mached'? Ich bin gerne Schweizer, aber irgendwie macht man sich schon Sorgen über gewisse Zustände.
  • Noblesse 13.05.2020 16:10
    Highlight Highlight Dass hier das Parlament in der CH noch zum Showdown lädt, zeigt wie unglaublich oppositionell gewisse Kreise sich verhalten. Statt dieses App rasch zu installieren, spielt man sich noch auf. Wozu hat man mit Notrecht reagiert? Um diese App nun noch tot zu debattieren? Oder was?
  • Snowy 13.05.2020 15:36
    Highlight Highlight Sehe ich das richtig:

    Ausser in der Schweiz ist nirgendwo in Europa ein Diskriminierungsverbot geplant?
    • @schurt3r 13.05.2020 16:17
      Highlight Highlight Es laufen noch Diskussionen deswegen, in mehreren Ländern, aber einen mit der Schweiz vergleichbaren parlamentarischen Vorstoss (Motion Glättli) gab es meines Wissens bislang nicht.
    • Snowy 13.05.2020 16:27
      Highlight Highlight Danke für das Update.

      Dann hoffen wir, dass diese Diskussionen um das Diskriminierungsverbot positiv verlaufen in unseren Nachbarländern.

      Und hoffentlich kommen die Franzosen mit ihrer zentralen Datenspeicherung endlich zur Besinnung.
  • Terraner 13.05.2020 13:49
    Highlight Highlight Wäre es nicht besser, wenn die App die Nutzer darauf aufmerksam machen würde, wenn man einem anderen Handy zu lange zu nahe kommt? Anstatt erst im Nachhinein Ansteckungsketten zu ermitteln und vermutlich viele unnötig in Quarantäne und Angst zu versetzen? Ich bin noch immer der Überzeugung, Vorsorge ist besser als Schadensbehebung durch Quarantäne. Dies könnte dann auch gleichzeitig als Empfehlung im ÖV gelten, dass man jetzt doch besser eine Maske anzieht.
    • @schurt3r 13.05.2020 14:10
      Highlight Highlight Das wäre ein völlig anderer Ansatz.

      Die geplante App ist eine freiwillige Ergänzung des herkömmlichen Contact Tracing (per Telefon). Und das hat sich in der Praxis bewährt. Das Wichtigste ist, die User über die Möglichkeiten und Grenzen der Technik aufzuklären. Gegen konkrete Ängste helfen auch Tests. Schnelle Tests.

      Maske im ÖV anziehen? Würd ich auf jeden Fall tun.
    • _andreas 13.05.2020 15:35
      Highlight Highlight Ich stelle mir das ein wenig komisch vor, wenn man im gut ausgelasteten ÖV ist, sind die Abstände niemals gut einzuhalten, da würde die App bestimmt 100x pro Fahrt dich alarmieren.
    • @schurt3r 13.05.2020 16:20
      Highlight Highlight Du wirst nur gewarnt, wenn du mehrere Minuten in der Nähe einer infizierten/ansteckenden Person warst. Das sollte hoffentlich NICHT 100x pro Fahrt der Fall sein, sonst heisst es Feierabend...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Faceoff 13.05.2020 13:49
    Highlight Highlight Mal ganz ungeachtet der verschiedenen Spannungsfelder in diesem Thema: Vielen Dank für die profunde Recherche und die tollen Artikel zu diesem Thema an den Verfasser. Das Ganze hat Nachschlagewerk-Qualität.
  • lilie 13.05.2020 13:20
    Highlight Highlight Ohne massiven Ausbau der Covid-19-Tests bringt die App nichts. Man kann ja nur gewarnt werden, wenn Infizierte auch tatsächlich getestet werden.

    Da haperts noch in allen Ländern.
    • @schurt3r 13.05.2020 13:36
      Highlight Highlight Man muss sich «zeitnah» und einfach testen lassen können, da bin ich absolut einverstanden.
    • lilie 13.05.2020 13:51
      Highlight Highlight @schurt3r: Genau. Es braucht einerseits genug Kapazitäten im Gesundheitssystem (Ärzte, Testzentren, Spitäler, Labors).

      Aber es braucht auch effiziente Strukturen in den Behörden. Denn diese müssen ja die Meldungen von der App bearbeiten können.

      Und letztlich braucht es die Mitarbeit der Bevölkerung. Wer nur vertrauensseelig die App nutzt, aber sich bei Verdacht gar nicht testen gehen lässt, trägt nichts zum Funktionieren des Systems bei.

      Die meisten setzen doch nur darauf, gewarnt zu werden, und nicht, selbst andere zu warnen. Aber vielleicht ist das einfach die stärkere Motivation. ;)
    • Chloetira 13.05.2020 14:32
      Highlight Highlight @lilie wie genau willst du die Tests ausbauen? Wir haben genügend Kapazitäten, jeder, der Symptome hat kann sich auch testen lassen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Citizen321 13.05.2020 13:20
    Highlight Highlight Verfolge die Diskussion um die Tracing App nun schon einige Zeit, und frage mich immer wieder:

    Wenn die App mir signalisieren würde, dass ich in der Nähe einer positiv getesteten Person gewesen war, würde ich mich dann freiwillig in eine 14-tägige Selbstquarantäne begeben, nur weil es ein sehr geringes Risiko gibt, dass ich auch infiziert sein könnte? Wohl eher nicht... Ich würde wohl höchstens probieren, sensibler auf erste Symptome (z.b. Unwohlsein) zu achten.

    Hintergrundinfo: Ich war seit min. 8 Jahren nie wirklich krank (Grippe etc.)
    • @schurt3r 13.05.2020 13:37
      Highlight Highlight Nach einem Warnhinweis über die App kannst du freiwillig die Hotline anrufen und dir einen Rat holen. Dieser Rat wird von verschiedenen Faktoren abhängen, wie beim herkömmlichen Contact Tracing auch. Sinnvoll aus meiner Sicht wäre es, möglichst viele solche Verdachtsfälle umgehend zu testen. Es gibt ja bekanntlich viele unbemerkte Infektionen, die zu Problemen führen können.
    • fireboltfrog 13.05.2020 13:38
      Highlight Highlight Die App gibt doch dir die Wahrscheinlichkeit an, dass du infiziert wurdest. Wenn die dann sehr hoch ist, wirst du wohl selber etwas vorsichtiger sein und nicht deine Grosseltern besuchen bzw. wenn du im Gesundheitswesen arbeiten würdest, könntest du dich testen lassen.
    • Citizen321 13.05.2020 13:41
      Highlight Highlight @schurt3r: der Rat der Hotline wird wohl sein, sich umgehend in Selbstquarantäne zu begeben. Was sonst sollen die einem empfehlen??
    Weitere Antworten anzeigen
  • MJCD 13.05.2020 13:17
    Highlight Highlight Wenn die Punkte:
    Freiwillig &
    Diskriminierungsverbot
    geregelt sind; verstehe ich nicht, was Datenschützer noch dagegen haben können. Das Open-Source kann dann noch für den einen oder anderen Kritiker den Ausschlag geben die App trotzdem zu nutzen. Der "überzeugte" Datenschützer wird es aber so oder so nicht tun. Dies ist auch in Ordnung, da diese laut Umfragen in der Minderheit sind.
    Für Erfolg oder Misserfolg muss man den Umgang und die weiterführende Entwicklung beobachten. Dazu braucht es aber vor allem mal ein Release-Datum.
  • Matti_St 13.05.2020 13:00
    Highlight Highlight Warum braucht es ein Gesetz für diese App? Die ist freiwillig und anonym. Dass es ein Gesetz braucht für eine obligatorische App ist mit klar, aber freiwillig?
    • RandomNicknameGenerator 13.05.2020 13:18
      Highlight Highlight Es gilt das Prinzip, dass der Staat nur das machen darf, was explizit gesetzlich festgeschrieben ist. Das Parlament war scheinbar der Meinung, dass die Aufgabe des Bevölkerungsschutzes die Entwicklung der App nicht explizit erlaubt, washalb es zunächst eine gesetzliche Grundlage braucht. Was das Diskriminierungsverbot betrifft, das ist auch richtig und wichtig – aber klar, es geht unnötig Zeit verloren.
    • @schurt3r 13.05.2020 13:25
      Highlight Highlight Die App ist freiwillig, ja, aber das Parlament will sicherstellen, dass es keinen indirekten App-Zwang gibt. Es sollen Diskriminierungen gesetzlich verboten werden. Zum Beispiel Restaurants oder andere Betriebe, die man nur mit App betreten dürfte.
    • reactor 13.05.2020 14:14
      Highlight Highlight Weil der Staat die Infrastruktur stellen muss und es dann gesicherte Abgleiche mit Infizierten geben muss, oder möchtest du das alles über eine Firma machen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Resche G 13.05.2020 12:54
    Highlight Highlight Hauptsache jedes Land kocht sein eigenes Süppchen.

    Wieso nicht eine saubere dezentrale Open-Source Lösung, welche geleitet vom OS Gedanken von der Community aus fähigen Wissenschaftlern/innen und Entwickler/innen entwickelt und unterhalten wird?
    • @schurt3r 13.05.2020 13:30
      Highlight Highlight Genau dieses Ziel verfolgt ja DP-3T, was die Entwicklung des Tracing-Systems betrifft. Bei der Umsetzung sind die Staaten gefordert.

      Die Gesundheitsbehörden in den einzelnen Ländern sind auf den Fall zwingend involviert. Sie müssen die Infrastruktur stellen, den Server für die Verifizierung (Bestätigung von Covid-19-Erkrankungen) und den Datenaustausch (Codes, die es für die anonyme Alarmierung braucht).

      So wollen es auch Apple und Google.
    • Resche G 13.05.2020 14:06
      Highlight Highlight Ich würde hier zwei unabhängige Apps sehen. Eine Tracing-App, welche alle möglichst weltweit die selbe brauchen und auf dem Gerät vereinheitlicht die Tokens der erkannten Kontakte speichert.

      Und dann eine länderspezifische App, welche die Verifizierung und Alarmierung übernimmt.

      So könnte man bereits die Kontakte tracen auch wenn das eigene Land noch nicht nach ist. Gehe ich dann auf Italien, kann ich dann einfach zusätzlich deren Alarm-App installieren, um meine Tokens mit deren DB abzugleichen.
  • flöckli 13.05.2020 12:52
    Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass viele Leute diese App installieren werden. Die 60% die man dafür bräuchte, werden nie erreicht.
    • @schurt3r 13.05.2020 13:04
      Highlight Highlight Das ist keine Glaubensfrage ;-)

      Eine repräsentative Befragung hat ergeben, dass eine relativ hohe Akzeptanz seitens der Schweizer Bevölkerung herrscht.

      Fast 70 Prozent wollen sie nutzen.

      https://www.watson.ch/!542056873
  • Joe Kilchmann (1) 13.05.2020 12:48
    Highlight Highlight Ich habe 100 Apps auf dem Handy, für diese eine braucht es ein Gesetz???
    • @schurt3r 13.05.2020 12:53
      Highlight Highlight Genau. So haben es die gewählten Volksvertreter (National- und Ständerat) entschieden.
  • Piccco 13.05.2020 12:40
    Highlight Highlight Wie kommt man in die Schweizer Testgruppe? Was muss man erfüllen, dass man da dabei ist...
    • @schurt3r 13.05.2020 13:00
      Highlight Highlight Habe grad direkt beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) nachgefragt. Antwort folgt ;-)

      PS: Heute (13. Mai) will der Bundesrat zur Tracing-App eine befristete Verordnung erlassen.
    • @schurt3r 13.05.2020 13:13
      Highlight Highlight Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) werde «in Kürze» eine Medienmitteilung dazu versenden, heisst es aus Bern. 👍
  • Ergo Sum 13.05.2020 12:31
    Highlight Highlight Wichtig ist, dass es so schnell wie möglich kommt. Logisch wäre länderübergreifend ideal. Übrigens auch in vielen anderen Dingen wie z.B. Klimaschutz?! Im Ausland kann man aber auch das dortige App installieren. Würde also auch funktionieren!
    • @schurt3r 13.05.2020 12:38
      Highlight Highlight Bin grundsätzlich einverstanden. Die App sollte so schnell wie möglich «breit» getestet werden, wenn die Apple-Google-Software da ist.

      Die nationalen Corona-Warn-Apps sind jeweils nur im jeweiligen Länder-App-Store verfügbar (bei Apples iOS zumindest). Man müsste also die Länder-Einstellungen auf dem eigenen Mobilgerät (iPhone) vorübergehend ändern, um mehrere nationale Apps installieren zu können ...

      Dann doch lieber eine länderübergreifende Plattform, wie sie DP-3T vorsieht.
    • Ergo Sum 13.05.2020 12:54
      Highlight Highlight Also ich kann z.B in der Schweiz problemlos eine italienische Autobahnbezahl-App installieren, aber eine italienische Corona-Warn-App soll nicht gehen? Aha alles klar...
    • @schurt3r 13.05.2020 13:12
      Highlight Highlight Dass es nicht geht, habe ich nicht behauptet.

      Hoffentlich öffnet sich Apple diesbezüglich, italienische Grenzgänger im Tessin beispielsweise sollten auf jeden Fall auch die Schweizer App nutzen können. Und umgekehrt natürlich auch, solange die Apps nicht länderübergreifend funktionieren.

  • Stinkstiefel 13.05.2020 12:30
    Highlight Highlight Ich finde diese Entwicklung sehr spannend. Hier treffen überhöhte Erwartungen auf knallharte technische und soziologische Grenzen, sodass es mich ungemein erstaunen würde, wenn die Tracing-App auch nur in die Nähe eines Erfolgs kommen würde. Sie ist für mich "dead-on-arrival".

    1) Die App würde der Gesellschaft helfen, auf individueller Ebene ist sie eher nachteilig. Stichwort: Quarantäne bei Alarm.

    2) Der Altruismus der Menschen ist ziemlich begrenzt. Stichwort: Impfquote (selbst unter Spitalpersonal!)

    3) Die technischen Grenzen werden die letzte Akzeptanz killen. Stichwort: False Positives
    • @schurt3r 13.05.2020 12:47
      Highlight Highlight Es wird an uns liegen, ob wir die App freiwillig nutzen. Im Gegensatz zum Impfen gibts keinen Piekser und keine Nebenwirkungen.

      «False Positives» werden das digitale Contact Tracing sicher nicht killen. Wir verzichten ja deswegen auch nicht aufs herkömmliche Contact Tracing per Telefon.

      Die Apple-Google-Software ermöglicht es den Entwicklern staatlicher Corona-Warn-Apps, wichtige Parameter selber zu definieren. Dazu gehört die Mindest-Zeitspanne. Es wird vermutlich – wenn überhaupt – (zu) viele False Negatives geben, also unterlassene Warnhinweise durch die App.
    • Ueli der Knecht 13.05.2020 13:06
      Highlight Highlight "«False Positives» werden das digitale Contact Tracing sicher nicht killen."

      Du verkennst das Problem, @schurt3r.

      Ein paar False Positives wären kein Problem. Aber die derzeitige DP3T-App produziert massenweise False Positive. Die Projektverantwortlichen drängen, und die Software-Entwickler sind zuwenig selbstbewusst, und sie werden dann diese Unzahl von False Positive mit Software-Tricks wegbügeln (beschönigend "tunen"), ganz im Stil von Boeings MCAS oder der Diesel-Schummelsoftware, aber zum Preis einer Vielzahl von False Negatives. Die fallen weniger auf. Oder nicht so bald.
    • Dong 13.05.2020 13:41
      Highlight Highlight Denke auch, die technischen Hürden werden völlig unterschätzt (und der Datenschutz-Aspekt wohl erstmals in der Geschichte des Computers überschätzt).

      Interessant die Erfahrungen aus Island mit ihrem App:
      "I would say it has proven useful in a few cases, but it wasn’t a game changer for us."

      https://www.technologyreview.com/2020/05/11/1001541/iceland-rakning-c19-covid-contact-tracing/
      Gefunden (wie fast immer bei so Themen) bei Fefe: http://blog.fefe.de/?ts=a044be29
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