Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08575989 A Thai worker cleans a window of the new Apple Store in Bangkok, Thailand, 31 July 2020. Apple's second retail store is set to open at the Central World shopping complex, marking the second and largest official shop of the American giant multinational technology company in Thailand.  EPA/RUNGROJ YONGRIT

Die erhaltenen Originalgeräte leitete der Chinese an unbekannte Dritte in Hongkong weiter. Pro iPhone erhielt er dafür mindestens zehn Franken. symbolBild: keystone

Massiver Betrug mit gefälschten iPhones in der Schweiz aufgeflogen – so gingen Täter vor

Weil sie sich an einem ausgeklügelten Betrugssystem mit gefälschten iPhones beteiligten, wurden ein Chinese und seine Mutter vom Bezirksgericht Baden verurteilt. Apple trat als Privatklägerin auf.

Claudia Laube / ch media



Rund 1300 gefälschte iPhones aus Hong Kong – über 80 Prozent davon hatten einen Wasserschaden oder Batterieprobleme – sollen der 34-jährige Chinese Tian (Name geändert) und seine 56-jährige Mutter in Apple-Läden in der ganzen Schweiz in den Jahren 2015 bis 2019 gegen neue Geräte eingetauscht haben. Der laut dem Regionaljournal SRF Aargau-Solothurn schweizweit bisher einzig bekannte Fall wurde an zwei Tagen vor dem Bezirksgericht Baden behandelt.

Auch wenn Tian nicht der eigentliche Drahtzieher gewesen sei, sondern auf der ganzen Hierarchiestufe eher eine untergeordnete Rolle spielte, sei ihm an der Front nichtsdestotrotz eine wichtige Bedeutung hinzugekommen, sagte Gerichtspräsident Christian Bolleter bei der Urteilsverkündung am Dienstagabend.

Das Vorgehen

Auch die Mutter hat Tian in seine Machenschaften hineingezogen, weshalb sie ebenfalls wegen gewerbsmässigem Betrug und Markenrechtsverletzung angeklagt war. Sie soll sich aber nur im Jahr 2016 daran beteiligt haben. Das Vorgehen: Die gefälschten iPhones waren mit geklonten, sogenannten IMEI-Nummern von Originalgeräten gekennzeichnet, die eine zusätzliche Garantie darstellen und einen Umtausch ermöglichen.

Dabei hilft den Betrügern, dass Geräte bei Wasserschäden nicht direkt im Laden geöffnet werden, weil zum Beispiel die Batterie explodieren könnte. Die so erhaltenen Original-iPhones schickte Tian an seinen Auftraggeber in China, den die Staatsanwaltschaft nicht ausfindig machen konnte. Für jedes Gerät erhielt Tian zehn Franken. In den vier Jahren kamen so 10?000 Franken zusammen, mit denen er einen Teil des Lebensunterhalts bestritt.

Aufgeflogen ist die Geschichte, weil beim Basler Zoll zwei Pakete mit 50 gefälschten iPhones hängen blieben.

Die Strafen

Das Gericht verurteilte Tian zu dreieinhalb Jahren Gefängnis unbedingt wegen gewerbsmässigen Betrugs und gewerbsmässiger Markenrechtsverletzung. Er sitzt seit September 2019 in Untersuchungshaft. Da bei ihm Fluchtgefahr besteht, wurde Sicherheitshaft angeordnet. Nach Absitzen der Strafe muss er die Schweiz für sieben Jahre verlassen.

Bei seiner Mutter war sich das Gericht einig, dass sie nicht aus Profitgier handelte, sondern weil sie ihrem arbeitslosen Sohn ein eigenes Auskommen ermöglichen wollte. Trotzdem qualifizierte das Gericht ihr Vergehen als mittelschwer: Sie erhielt 12 Monate bedingt. Auch bei ihr sei eine beachtliche kriminelle Energie festzustellen, sagte Bolleter.

Die beiden Beschuldigten bestritten vor Gericht, gewusst zu haben, dass es sich bei den Geräten um Fälschungen handelt. Das sei eine reine Schutzbehauptung, fand das Gericht.

Apple trat als Privatklägerin auf, machte einen Schaden von über einer Million Franken geltend. Diesen Betrag schätzt das Bezirksgericht Baden allerdings als zu hoch ein, es geht von rund 100'000 Franken aus. Das Urteil kann noch angefochten werden.

(aargauerzeitung.ch)

iPhone-Diebstähle und die Aktivierungssperre von Apple

Warum der Datenklau bei Apple (auch) iPhone-User in der Schweiz betrifft

Link zum Artikel

Wie Lukas das iPhone gestohlen wurde und er in Teufels Küche kam

Link zum Artikel

Das dreckige Business mit gesperrten iPhones – und wie man die «Activation Lock» aufhebt

Link zum Artikel

Apple erschwert den Kauf/Verkauf von gebrauchten iPhones – aus Gründen 😡

Link zum Artikel

Liebe Apple-Diebe, seid nicht dumm – sonst geht's euch wie diesen Jungs

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Wie Apple Geschichte schrieb

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

26 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Scarrus
05.08.2020 11:34registriert July 2019
Merkwürdige "Operation"
Für "nur" 10'000 CHF sich einem solchen Risiko über Jahre auszustellen, dann iPhones für jeweils 10 CHF das Stück in solcher Masse weiter verticken. WTF
Apple ist hier aber auch lustig: "Apple machte einen Schaden von über einer Million Franken geltend. Diesen Betrag schätzt das Bezirksgericht Baden allerdings als zu hoch ein, es geht von rund 100'000 Franken aus."
1733
Melden
Zum Kommentar
bruuslii
05.08.2020 13:43registriert April 2019
ich gehe davon aus, dass die unverhältnismässig harte strafe (3,5 jahre für ca. 10'000) eine exempel statuieren soll.
verbrechen in millionenhöhe werden nach meiner kenntniss selten härter bestraft - wenn überhaupt.
wenn ich nur schon daran denke, wie firmen wie apple & co den staat (und damit seine bürger) um steuern in milliinenhöhe ungestraft halblegal prellen... 🤷🏻‍♂️
17013
Melden
Zum Kommentar
gupa
05.08.2020 12:56registriert December 2014
Schon ein bisschen speziell dass bei 1300(!) Phones keinem Apple-Store Mitarbeiter eine Fälschung auffällt und Apple anscheinend auch nicht entsprechend reagiert und zusätzliche Massnahmen trifft in den Stores. Soviele Apple Stores gibts ja jetzt auch wieder nicht in der Schweiz.
1265
Melden
Zum Kommentar
26

Das steckt hinter den merkwürdigen Post-SMS, die Tausende Schweizer seit Tagen erhalten

Kriminelle versenden im Namen der Post SMS, die über eine angebliche Zustellung informieren. Betrüger versuchen so auf Android-Geräten eine Spionage-App zu installieren oder an die Apple-ID von iPhone-Nutzern zu gelangen.

Tausende Schweizer haben in den letzten Tagen eine SMS erhalten, die angeblich von der Post kommt. Flüchtig betrachtet sieht sie wie eine typische Zustell-Benachrichtigung aus. In Tat und Wahrheit versuchen Kriminelle an die Apple-ID von iPhone-Nutzern zu gelangen, bzw. Android-Nutzer dazu zu verleiten, eine Spionage-App zu installieren. Gekaperte Handys versenden anschliessend automatisch und auf Kosten der Opfer Tausende von SMS an weitere Handynutzer.

Die Kantonspolizei Zürich und Swisscom …

Artikel lesen
Link zum Artikel