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Acapulco lahmgelegt 

Wut wegen verschwundenen Studenten: Demonstranten besetzen Flughafen in Mexiko



epa04484643 Members of the Mexican Federal Police (PF) face off with demonstrators during a protest demanding justice for 43 missing students in Acapulco, Mexico, 10 November 2014. Mexico was in shock and outrage on 08 November after three suspected gang members told investigators gruesome details about the death of 43 students missing since September. Federal Attorney General Jesus Murillo Karam reported on 07 November that the alleged gang members in police custody had confessed to killing the students and burning the victims' bodies. Protest marches were organized on 08 November with the slogan 'Ayotzinapa Lives! The state has died.' The 43 students of the Normal Rural School of Ayotzinapa in the southern town of Iguala went missing on 26 September after police opened fire on them, killing six people, including three of the student, and wounding 25 others. Following the incident, the teacher trainees were seen being led away by police who authorities say were in league with a local criminal gang.  EPA/FRANCISCA MEZA

Demonstranten und die Polizei verhandeln in Acapulco. Bild: EPA/EFE

Nach dem mutmasslichen Mord an Dutzenden Studenten in Mexiko haben Demonstranten den Flughafen der Hafenstadt Acapulco besetzt. Für rund drei Stunden legten sie am Montag den Betrieb lahm, mehrere Airlines mussten ihre Flüge verschieben, wie der Flughafenbetreiber mitteilte.

Students, peasants and other people confront the riot police during a protest against the suspected massacre of 43 missing Mexican students, in the proximities of Acapulco's airport, in the Mexican state of Guerrero State, on November 10, 2014. Protesters angry at the suspected massacre threw stones and a firebomb at riot police in the Pacific resort of Acapulco on Monday, injuring 11 officers. Around 300 students, some wearing masks and armed with sticks and machetes, were joined by some parents of the 43 missing young men as they marched toward the city's airport, but police blocked their way. Mexico was confronted with one of the grisliest massacres in years of drug violence after gang suspects confessed to slaughtering 43 missing students and dumping their charcoaled remains in a river.   AFP PHOTO/PEDRO PARDO

Bei Protesten wurden 18 Beamte und neun Demonstranten verletzt. Bild: AFP

Zuvor war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen vermummten sowie bewaffneten Randalierern und der Polizei gekommen. 

Demonstrators block an entrance of the airport during clashes against the riot police that erupted during a protest against the suspected massacre of 43 missing Mexican students, in Acapulco, in the Mexican state of Guerrero State, on November 10, 2014. Protesters angry at the suspected massacre threw stones and a firebomb at riot police in the Pacific resort of Acapulco on Monday, injuring 11 officers. Around 300 students, some wearing masks and armed with sticks and machetes, were joined by some parents of the 43 missing young men as they marched toward the city's airport, but police blocked their way. Mexico was confronted with one of the grisliest massacres in years of drug violence after gang suspects confessed to slaughtering 43 missing students and dumping their charcoaled remains in a river. AFP PHOTO/RONALDO SCHEMIDT

Bild: AFP

Im Flughafen sprühten die Demonstranten Graffiti gegen Präsident Enrique Peña Nieto an die Wände wie «Peña verschwinde» und «Peña, Mörder». Grössere Schäden hätten sie nicht verursacht, teilte die Airport-Verwaltung mit.

A man walks past a wall reading

«Mörder» schimpfen die Demonstranten den mexikanischen Präsidenten. Bild: AFP

Die Professoren und Studenten des Lehrerseminars Ayotzinapa sowie Angehörige forderten Aufklärung über das Schicksal von 43 jungen Leuten, die Ende September im Bundesstaat Guerrero von Polizisten verschleppt und der kriminellen Organisation «Guerreros Unidos» übergeben worden waren.

«Wir sind die Lügen satt. Unsere Kinder sind nicht tot.»

Vater eines Verschleppten

Zwei Bandenmitglieder haben eingeräumt, die Studenten getötet und verbrannt zu haben. Die Familien der Opfer weisen die Ermittlungsergebnisse zurück.

Aufklärung des Verbrechens fraglich

«Wir sind die Lügen satt. Unsere Kinder sind nicht tot», sagte der Vater eines der Verschleppten. Die Angehörigen forderten eine unabhängige Untersuchung des Falls durch die Interamerikanische Menschenrechtskommission.

A masked protester stands behind an overturned car during a protest in reprisal for the killing of 43 trainee teachers, in Acapulco November 10, 2014. According to the government, corrupt police in league with a local drug gang abducted and apparently murdered the students in the southwestern sate of Guerrero in late September. The government says it found charred remains of dozens of bodies in a garbage dump and in a river, and that three men detained in the case admitted setting fire to the victims.  REUTERS/Claudio Vargas (MEXICO - Tags: CRIME LAW CIVIL UNREST POLITICS EDUCATION)

Auch Autos blieben von den Protesten in Acapulco nicht verschont. Bild: STRINGER/MEXICO/REUTERS

Ob die Tat jemals vollständig aufgeklärt werden kann, ist allerdings fraglich. Nur zwei am Tatort gefundene Knochen seien in einem Zustand, der eine DNA-Probe zulasse, sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam am Montag im Fernsehsender Televisa. Sie würden nun an der Universität Innsbruck untersucht.

Die Leichen wurden mit Benzin übergossen und sollen 14 Stunden lang gebrannt haben. Nach Einschätzung der Ermittler herrschten auf dem Scheiterhaufen Temperaturen bis zu 1600 Grad. Das macht die meisten Überreste für die Analyse unbrauchbar.

Starke Hinweise auf Identität der verbrannten Leichen

Auch wenn sie noch nicht identifiziert sind, gebe es starke Hinweise, dass es sich bei den Opfern um die vermissten Studenten handele, sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam im Interview des Radiosenders Fórmula. 

«Wir haben sie zu Asche gemacht und in den Fluss geworfen. Sie werden sie niemals finden.»

Chef der «Guerreros Unidos»

Der Chef der «Guerreros Unidos» habe in der Vernehmung von einem Anruf seines Vertreters am Tag nach der Tat berichtet. «Wir haben sie zu Asche gemacht und in den Fluss geworfen. Sie werden sie niemals finden», habe er ihm gesagt.

Die Ermittler vermuten, dass der Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, das Vorgehen gegen die Studenten anordnete, um zu verhindern, dass sie eine geplante Rede seiner Frau stören. 

FILE - In this May 8, 2014 file photo, the mayor of the city of Iguala, Jose Luis Abarca, right, and his wife Maria de los Angeles Pineda Villa meet with state government officials in Chilpancingo, Mexico. Federal police early Tuesday, Nov. 4, 2014 detained the couple, who are accused of ordering the Sept. 26 attacks on teachers' college students that left six dead and 43 still missing. The Iguala police chief is still a fugitive. (AP Photo/Alejandrino Gonzalez, File)

Bürgermeister Abarca und seine Ehefrau. Bild: Alejandrino Gonzalez/AP/KEYSTONE

Nach mehrwöchiger Flucht wurde das Paar, das Verbindungen zur Drogenmafia unterhalten soll, am vergangenen Dienstag in Mexiko-Stadt gefasst. Insgesamt gab es bislang 74 Festnahmen in dem Fall, darunter 36 Polizisten und mehrere Mitglieder von «Guerreros Unidos».

Die mexikanische Bischofskonferenz verlangte ein Ende der Korruption, der Straflosigkeit und der Gewalt. «Wir fordern die Behörden auf, zu ermitteln, was mit den Verschleppten geschehen ist, die Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes zu bestrafen und dem Rechtsstaat Genüge zu tun», hiess es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung. (kad/sda/dpa/afp)

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