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Fauci, Clinton, Trump

Analyse

Trump macht Fauci zur neuen Hillary

Die Republikaner haben ihre Strategie für die Zwischenwahlen gefunden: Sie dämonisieren Anthony Fauci und die chinesischen Kommunisten.



Dr. Anthony Fauci ist ein Mann der Wissenschaft, der gleich zwei Doktortitel trägt. Er hat unter Präsidenten beider Parteien gedient und sich nie für politische Zwecke missbrauchen lassen. Er hat massgebend zur Bekämpfung von Aids, Sars und anderen Epidemien beigetragen – und er sieht auch im Alter von 80 Jahren noch blendend aus.

Trotzdem ist Fauci das Feindbild der Konservativen geworden. Kongressmitglieder der Grand Old Party wie Josh Hawley und Rand Paul fordern seinen Rücktritt und eine Untersuchungskommission. Fox-Moderator Tucker Carlson will ihn gar hinter Gittern sehen.

Former President Donald Trump speaks at the North Carolina Republican Convention Saturday, June 5, 2021, in Greenville, N.C. (AP Photo/Chris Seward)

Donald Trump bei seinem Auftritt in North Carolina. Bild: keystone

Selbstverständlich wird die Hatz auf Fauci von Donald Trump orchestriert. Bei seinem Auftritt in North Carolina am vergangenen Wochenende jammerte der Ex-Präsident nicht nur einmal mehr über seine angeblich gewonnene Wahl. Er teilte auch kräftig gegen Fauci aus. Der sei zwar kein guter Arzt, so Trump, aber er sei ein super guter Vermarkter in eigener Sache. «Er liebt das Fernsehen mehr als jeder Politiker, und er liegt fast immer falsch.»

Das ist eine gewagte Aussage, gehört doch Fauci zu den angesehensten Medizinern der Welt. Einst hat er Ronald Reagan in Sachen Aids beraten und sich dabei einen Ruf als Wissenschaftler geschaffen. In der «Financial Times» sagt Michael Osterholm, ein renommierter Epidemiologe, über seinen Freund Fauci: «Tony hat die klinischen Versuche in Sachen HIV revolutioniert. Er ist nicht nur ein grossartiger Mediziner, er ist auch ein natürlicher Anführer und weiss, wie man Dinge erledigt.»

Die Coronakrise hat Dr. Anthony Fauci zum Rockstar und Liebling der amerikanischen Nation werden lassen. Immer wieder hat er jedoch auch Donald Trump öffentlich widersprochen. Das hat ihm der pathologische Narzisst nie verziehen. Nun nimmt er Rache. Anlass dazu ist die Veröffentlichung von E-Mails, die Fauci erhalten und verschickt hat.

Gleichzeitig hat das «Wall Street Journal» jüngst einen Bericht veröffentlicht, welcher der sogenannten «Leak»-Theorie Auftrieb gegeben hat, der These, wonach das Coronavirus nicht von Fledermäusen auf Menschen übertragen worden sei. Vielmehr sei es im Wuhan Institute of Virology künstlich geschaffen worden und zufällig entwichen.

Die Republikaner und die konservativen Medien haben die Leak-Theorie zu einer abenteuerlichen Verschwörungstheorie ausgebaut. Sie geht in etwa wie folgt:

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So hetzt Tucker Carlson gegen Fauci. Video: YouTube/Fox News

Am Samstag, den 1. Februar 2020, reagierte Fauci auf ein E-Mail mit den Worten: «Vielen Dank Kristian. Wir werden uns bald sprechen.» Empfänger dieser Botschaft war Kristian Andersen, Professor am National Institute of Allergy in La Jolla, Kalifornien. Besagter Professor hatte Fauci darauf aufmerksam gemacht, dass das Coronavirus möglicherweise von Menschen gemacht sein könnte.

Diese These galt damals als äusserst unwahrscheinlich. Die überwiegende Mehrheit der Experten war überzeugt, dass das Virus von Tieren übertragen wurde. Das ist im Übrigen auch heute noch der Fall. Auch der besagte Professor Andersen hat Monate später die Leak-Theorie verworfen.

Das Institut in Wuhan erhält auch Gelder und Zuwendungen von amerikanischer Seite. Das National Institute of Health hat ihm via Ecohealth Alliance, einer NGO, rund 3,4 Millionen Dollar für Forschungszwecke zukommen lassen. Faucis Rolle ist dabei unklar.

Um eine lange und ziemlich komplizierte Geschichte kurz zusammenzufassen, verbreiten die Republikaner und die Hassprediger bei Fox News nun folgende Verschwörungstheorie:

Fauci habe sehr früh von der Leak-Theorie gewusst. Er habe dies jedoch verschwiegen, um die kommunistische Partei in China zu entlasten. Zudem habe er es unterlassen, Präsident Trump zu warnen, und er habe im Kongress gelogen. Deshalb müsse das alles nun gründlich untersucht werden und Fauci sofort zurücktreten, ja er müsse gar wegen kriminellen Handlungen angeklagt werden.

In this image from video, former Secretary of State Hillary Clinton speaks during the third night of the Democratic National Convention on Wednesday, Aug. 19, 2020. (Democratic National Convention via AP)

Ihr wurden ebenfalls E-Mails zum Verhängnis: Hillary Clinton. Bild: keystone

Trump und die GOP gehen dabei mit der Methode vor, die sich bereits bei den E-Mails von Hillary Clinton und dem ehemaligen FBI-Agenten Peter Strzok bewährt hat. Sie reissen einzelne Schnipsel aus dem Kontext und konstruieren damit eine Verschwörungstheorie. Material dazu haben sie genügend. Insgesamt sind rund 3200 Seiten mit E-Mails von Fauci veröffentlicht worden.

In der «Financial Times» sagt Fauci zu diesen E-Mails: «Sie zeigen, wie ich die Daten immer neu interpretieren will. Wenn man nur einzelne E-Mails herauspickt, verzerrt man die Realität.»

Fauci selbst hält die Leak-Theorie nach wie vor für die unwahrscheinlichere Variante. Er unterstützt jedoch die Bemühungen, sie sorgfältig zu untersuchen, genau wie auch Präsident Joe Biden. Dieser hat seinen Geheimdiensten den Auftrag gegeben, die Vorfälle in Wuhan abzuklären.

Warum sind Trump und die GOP so scharf darauf, Fauci wie einst Hillary Clinton zu dämonisieren? Weil sie glauben, damit endlich eine Waffe für die Zwischenwahlen gefunden zu haben.

Im Herbst 2021 wollen sie die Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat zurückgewinnen. Weil sie über keine populären politischen Inhalte verfügen, setzen sie auf Panikmache: Die Coronakrise war kein Unfall, sondern Peking hat dies bewusst inszeniert – und Fauci hat den chinesischen Kommunisten dabei geholfen.

Trump fordert bereits eine Wiedergutmachung von China in der Höhe von zehn Billionen Dollar und sagt: «Nun sind alle der Meinung, dass ich recht hatte, als ich Wuhan zur Ursache von Covid-19 erklärte. Für mich war dies von Anfang klar, aber ich wurde einmal mehr dafür heftig kritisiert.»

Einmal mehr lügt Trump, dass sich die Balken biegen. Er hat nicht nur die Gefahr des Coronavirus lange heruntergespielt. Er hat auch noch am 27. März 2020 Präsident Xi in den höchsten Tönen gelobt und erklärt: «Wir werden noch viel von den Chinesen lernen. Unsere Beziehungen zu China sind sehr gut.»

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quelle: keystone / ng han guan
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