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«Katastrophal»: Beim blutigsten Polizeieinsatz in Rios Geschichte sterben 25 Menschen



Bei dem blutigsten Polizeieinsatz in der Geschichte der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro sind über zwei Dutzend Menschen ums Leben gekommen.

Bei den heftigen Gefechten zwischen mutmasslichen Mitgliedern von Drogenbanden und der Polizei in der Favela Jacarezinho seien mindestens 25 Menschen getötet worden, berichtete das Nachrichtenportal «G1» am Donnerstag. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den Opfern um 24 Verdächtige und einen Beamten der Anti-Drogen-Einheit.

Zudem wurden zwei Fahrgäste der Metro, die in der Nähe des Armenviertels im Norden von Rio vorbeiführt, in einem U-Bahn-Wagen angeschossen. Ein Mann wurde in seinem Haus von einem Querschläger im Fuss getroffen. Ausserdem wurden zwei Polizeibeamte bei dem Einsatz verletzt.

epa09181542 Members of the Police carry out a police operation against a gang of drug traffickers, in a favela of Rio de Janeiro, Brazil, 06 May 2021. At least 25 people died, including a police officer, and another 5 were injured, two of them when they were mobilizing in the subway, during a police operation this Thursday against a gang of drug traffickers in a Rio de Janeiro favela, local media reported.  EPA/Andre Coelho

Zwei Polizisten während des Polizeieinsatzes. Bild: keystone

Nach Angaben von «G1», das Informationen der staatlichen Universität UFF und der App «Fogo Cruzado» (Kreuzfeuer) auswertete, die Daten über bewaffnete Gewalt sammelt, war dies die Polizei-Operation mit den meisten Toten in der Geschichte Rio de Janeiros. «Man kann das nur als einen katastrophalen Einsatz bezeichnen», sagte der Soziologe Daniel Hirata von der UFF. «Es handelt sich um eine Aktion, die von den Polizeibehörden genehmigt wurde. Das macht die Sache noch viel schwerwiegender.»

Im Juli hatte der Oberste Gerichtshof (STF) in Brasília Polizei- Einsätze in Favelas während der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese sind nur in «absoluten Ausnahmefällen» erlaubt. Rios Polizei bezeichnete dies laut der Zeitung «Folha de S. Paulo» als «Justiz-Aktivismus» und versicherte, dass sie alle Anforderungen des STF erfüllt habe.

Die Favela Jacarezinho gilt als einer der Stützpunkte des «Comando Vermelho» (Rotes Kommando) im Norden Rios, den dieses unter anderem mit Barrikaden schützt. Mächtige Verbrechersyndikate wie das «Comando Vermelho» und eine Reihe kleinerer Banden ringen in den Armenvierteln um die Kontrolle von Drogenhandel und Schutzgeldgeschäft.

Weapons and drugs seized during a police raid are displayed for the press at city police headquarters in Rio de Janeiro, Brazil, Thursday, May 6, 2021. According to the press office of Rio's civil police, at least 25 people died during the raid, including one police officer and 24 suspects. (AP Photo/Silvia Izquierdo)

Wappen und Drogen, die nach dem Polizeieinsatz konfisziert wurden. Bild: keystone

Angesichts von heftigen Schusswechseln und Explosionen konnten Bewohner, unter ihnen eine Braut und eine Schwangere, stundenlang ihre Häuser nicht verlassen. Eine Klinik musste geschlossen bleiben.

In keinem anderen Land der Welt kommen so viele Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben wie in Brasilien. Im Jahr 2019 töteten Sicherheitskräfte in dem südamerikanischen Land 5804 Menschen, wie aus einem Gewaltmonitor hervorgeht, der von «G1», dem Brasilianischen Forum für öffentliche Sicherheit und der Universität von São Paulo betrieben wird. In den USA erschossen Polizisten im Jahr 2019 1098 Menschen, in Deutschland wurden 14 Personen von Beamten getötet.

Die Verhältnisse sowie die Arbeitsbedingungen der Polizei in Europa lassen sich nicht mit denen in Brasilien vergleichen: Viele Armenviertel werden von schwer bewaffneten Drogenbanden kontrolliert. Rückt die Polizei in den Favelas ein, um einen Haftbefehl zu vollstrecken oder nach Rauschgift zu suchen, wird sie nicht selten mit Salven aus Sturmgewehren empfangen. Die Operationen in den Ganglands von Rio de Janeiro und São Paulo gleichen eher Militäreinsätzen als Polizeimassnahmen. Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Streitkräften allerdings vor, mit übertriebener Härte vorzugehen. (sda/dpa)

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