International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Merkel plötzlich wieder «die Gute» – Italiens Kehrtwende in Deutschland-Beziehung



Angela Merkel liebt Entspannen in Italien. Im Sommer kommt sie normalerweise nach Sulden in Südtirol. Ostern ist sie gern auf der Insel Ischia. Dieses Jahr bevorzugt die Kanzlerin wegen der Corona-Pandemie Deutschland als Urlaubsziel.

Derweil geniesst «la Merkel» in Italien wieder ein hohes Ansehen. Vor zwei Monaten sah das noch ganz anders aus. Da waren die Deutschen die Unsolidarischen, die Bestimmer, das hässliche Gesicht Europas. Um die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien war es auf dem Höhepunkt der Corona-Krise schlecht bestellt, alte Feindbilder prägten den politischen Diskurs.

epa08465449 German Chancellor Angela Merkel arrives for a recording of the ZDF TV show ?What now Mrs. Merkel?? (Was nun Frau Merkel?) in Berlin, Germany, 04 June 2020. The German Chancellor is appearing on various TV shows, the evening after Germany unveiled on a massive economic stimulus package.  EPA/CLEMENS BILAN

«La Merkel» geniesst in Italien ein hohes Ansehen. Bild: keystone

Doch auf einmal hat sich das Blatt gewendet. Merkel ist plötzlich die «Gute», und die Deutschen in Italien sind überaus willkommen. Die Sommersaison steht bevor und aus Deutschland kommt ein grosser Teil der Italien-Urlauber. Bei seinem Besuch am Freitag in Berlin will Italiens Aussenminister Luigi Di Maio auch für sein Land als sichere Urlaubsdestination werben.

«Das Ziel ist, allen zu zeigen, dass Italien bereit ist, ausländische Touristen zu empfangen»

«Das Ziel ist, allen zu zeigen, dass Italien bereit ist, ausländische Touristen zu empfangen», sagte Di Maio vor der Reise zu seinem Amtskollegen Heiko Maas. Die Fallzahlen der Infektionen gehen zurück, das Reisen ist sicher, so die Botschaft. Maas wiederum sprach in einem Interview kurz vor dem Besuch über die Italien-Reisesehnsucht seiner Landsleute: «Viele Deutsche können es kaum erwarten.»

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise war die italienische Regierung weniger gut auf Berlin zu sprechen. Als Krankenhäuser in der Lombardei schon kurz vor dem Kollaps standen, kam besonders schlecht an, dass Deutschland einen Exportstopp für Material wie Atemschutzmasken und Schutzanzüge und -brillen verhängt hatte. Und das kategorische Nein zur Vergemeinschaftung von Schulden über sogenannte «Corona-Bonds» setzte der Anti-Deutschland-Stimmung eines oben drauf. Dass Berlin italienische Covid-Kranke nach Deutschland holte, wurde in der Öffentlichkeit weniger stark wahrgenommen.

Es hat Tradition in Italiens Politik, sich als Opfer darzustellen. Das lenkt von den eigenen Problemen ab. Und es fruchtet scheinbar auch beim Volk. Laut einer Umfrage sank Anfang Mai das Vertrauen der Italiener in Deutschland auf 26 Prozent - im Januar 2019 lag der Wert noch bei 42 Prozent.

Doch nun ist es anders. «Merkel und das Wunder von einem Deutschland, das auf einmal gut geworden ist», schrieb zuletzt die Zeitung «Il Foglio». Den entscheidenden Wendepunkt brachte der EU-Wiederaufbaufonds. Dafür will Deutschland erstmals eine massive europäische Schuldenaufnahme über den EU-Haushalt akzeptieren. Merkel hatte mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Programm zur wirtschaftlichen Erholung im Umfang von 500 Milliarden Euro vorgeschlagen, das vor allem Krisenstaaten wie Italien zugute kommen soll. Seitdem sind die Wogen geglättet. Beide Länder sind wirtschaftlich eng verbunden.

epa08430503 French President Emmanuel Macron (L) and German Chancellor Angela Merkel (R) during a joint video press conference at the Chancellery in Berlin, Germany, 18 May 2020. France and Germany discussed Europe’s economic recovery plans to respond to the virus crisis. Germany and France propose a 500-billion-euro European programme to support the economic recovery following the coronavirus crisis.  EPA/ANDREAS GORA / POOL

Merkel und Macron verabschiedeten ein milliardenschweres Programm. Bild: EPA

Mittlerweile hat Rom einen neuen Buh-Mann gefunden: Österreich will seine Grenze zu Italien noch nicht öffnen. Deutsche Urlauber dürfen auf dem Weg nach Italien und auch zurück in die Heimat zwar durch Österreich fahren. Aber Italiener dürfen vorerst noch nicht in die Alpenrepublik. Von «diskriminierenden Massnahmen» sprach Ministerpräsident Giuseppe Conte.

Für viele Tourismus-Treibende ist politischer Streit jedoch nicht entscheidend für die Saison. Vielmehr wollen sie ein Bild von einem Italien vermitteln, das nicht landauf, landab infiziert ist. «Hier am Gardasee gab es nie einen Notstand», sagte zum Beispiel der Präsident des Tourismuskonsorziums Lago di Garda Veneto, Paolo Artelio, der Deutschen Presse-Agentur. «Und die Deutschen wissen, dass sie hier wie Verwandte behandelt werden.» (cki/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das neue Bundeshaus in der Bernexpo

Wie es für lesbische Paare ist, in der Schweiz Kinder zu kriegen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Abendländer 07.06.2020 11:59
    Highlight Highlight Der Deutsche arbeitet bis 67, bald bis 70. alle Anderen gehen wesentlich früher in Rente! Mit einen Privatvermögen von 35TEur (Medianwert!) ist Deutschland mit Abstand Schlusslicht in der EU und diese Volk soll alle Anderen sowie auch den EURO finanzieren??? Was zwingt Mutti Merkel die Totengräberin der Deutschen zu sein. Wieso steht diese Regierung immer noch an der Spitze. Ist der durchschnittliche Deutsche wirklich so "doof" und ist mit Fussball, seinem täglichen Bier und der täglichen Curry-Wurst wirklich zufrieden?
  • fools garden 06.06.2020 10:06
    Highlight Highlight Zuerst wird über den Massentourismus gejammert und nun weil Dieser fehlt.
  • elias776 05.06.2020 13:28
    Highlight Highlight "Es hat Tradition in Italiens Politik, sich als Opfer darzustellen."

    Klingt sehr nach der Tradition unserer "Volkspartei" ;)
  • dmark 05.06.2020 12:54
    Highlight Highlight "Es hat Tradition in Italiens Politik, sich als Opfer darzustellen."

    Da steht Italien nicht alleine, um dazu noch u.a. die Türkei (Meister in diesem Fach), Spanien und so einige andere Südländer zu nennen.
    Die allgemeine Formel "zur Behandlung der Schmerzen" lautet - Euros verteilen ;)
    • El Vals del Obrero 05.06.2020 13:10
      Highlight Highlight Wie lange würde die Schweiz wohl funktionieren, wenn es zwar eine gemeinsame Währung gibt, aber es keine internen Ausgleiche gäbe, z.B. zwischen Zug und dem "Südland" Tessin?
    • Neuromancer 05.06.2020 13:14
      Highlight Highlight Undifferenziert, klischeebehaftet und basierend auf äusserst dünner Faktenlage. Gilt für diese DPA Meldung wie auch deinen Kommentar.
    • dmark 05.06.2020 16:41
      Highlight Highlight @Neuromancer:
      Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass du noch keine 30 Jahre alt bist und dich auch gerne für die Gleichheit der Menschen einsetzt. Ist voll in Ordnung.
      Nur haben auch Klischees ihren Ursprung weniger aus der Phantasie oder einer Laune heraus, sondern sind "gewachsen".
      Ich durfte den Zustrom der Gastarbeiter in den Siebzigern mittendrin erleben und habe auch viele Freundschaften geschlossen. Deren Mentalität ist nun mal so. Das hat jetzt nichts mit mangelnder Anerkennung oder Gleichheit zu tun. Finde ich auch nicht schlimm. Jeder hat seine "Eigenarten" und das ist gut so.
  • Der Typ 05.06.2020 12:36
    Highlight Highlight Im übrigen. Ich empfinde dies als ziemlich beleidigend gegenüber Italiener. Was wollt Ihr den Italiener unterstellen mit Sätzen wie: Es hat Tradition in Italiens Politik, sich als Opfer darzustellen. Das lenkt von den eigenen Problemen ab. Und es fruchtet scheinbar auch beim Volk.
    Denkt Ihr das Italienische Volk ist Dumm? Hat der Beitragschreiber schon mal in Italien gelebt, dass er solche aussagen macht? Für mein Geschmack beleidigend und schlecht recherchiert, ohne Hintergrund und nix... Kann mir nicht vorstellen, dass meine Landsleute dies so gut finden...
  • Der Typ 05.06.2020 12:31
    Highlight Highlight Ich kann diesen Beitrag absolut nicht verstehen... Die Politiker in Italien haben ein Problem mit den Politiker in Deutschland. Wenn man bis und mit 1945 zurückgeht, würde man dies verstehen. Mann kann auch ab 2000 schauen und da merkt man schnell, warum diese Probleme bestehen. Mit der Bevölkerung von Deutschland hat dies nie zu tun gehabt. Hier werden Äpfel und Birnen vermischt. Darf man noch wissen, welcher Praktikant diesen Beitrag verfasst hat?

Ich war in Florenz und München. Mulmig wurde es mir erst bei der Heimkehr

Wird man zur «Virenschleuder», wenn man ins Ausland reist? Ich war letzte Woche in Italien und Deutschland. Und hatte den Eindruck, dass man die Corona-Gefahr ernster nimmt als bei uns.

Für einen Moment war mir nicht mehr ganz wohl in meiner Haut. «Kantonsärzte warnen: Reisende kehren mit dem Virus zurück», titelte der «Tages-Anzeiger» am letzten Donnerstag in grossen Lettern auf der Frontseite. Die Reisenden seien zuvor in «europäischen Ländern mit hoher Virusaktivität» unterwegs gewesen, sagte der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri.

Infiziert hätten sich die Personen nach der Grenzöffnung vom 15. Juni, bei dem die Schweiz den Grenzverkehr mit sämtlichen Schengen-Staaten wieder …

Artikel lesen
Link zum Artikel