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epa05554602 Demonstrators gather and hold banners to protest for the repeal of the Eighth Amendment to the Constitution in Ireland, Brussels, Belgium, 24 September 2016. Eighth Amendment to the Constitution is the law against abortion in Ireland. Abortion was decriminalized in Belgium in 1990.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Irische Abtreibungsbefürworter an einer Kundgebung. Bild: EPA/EPA

Polit-Kampagnen mit Kindern mit Down-Syndrom: Die Iren streiten über das Abtreibungsverbot

Irland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind. Dies könnte sich bald ändern. Doch die Gegner wehren sich heftig.



Die Stimmung ist gekippt.

Eine am Freitag publizierte Umfrage der «Irish Times» zeigt: 65 Prozent der Iren wollen den Zusatzartikel 8 aus der Verfassung kippen, dem eine klare Mehrheit der Bevölkerung 1983 zugestimmt hat. Dieser schreibt vor, dass das Leben eines Fötus gleich viel Wert ist wie das Leben seiner Mutter. Die Folge: Frauen in Irland dürfen nicht abtreiben.

Auch dann nicht, wenn sie vergewaltigt wurden und kein Kind von ihrem Peiniger wollen. Auch dann nicht, wenn ihr Leben akut gefährdet ist. 

Im Oktober 2013 starb die schwangere indische Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätsspital der irischen Stadt Galway an einer Blutvergiftung. Die Ärzte hätten ihr Leben retten können. Doch sie weigerten sich, den nicht lebensfähigen Fötus aus ihrem Körper zu holen. Die Begründung: Zusatzartikel 8 in der Verfassung. 

Der Fall sorgte in der irischen Öffentlichkeit zu einem Aufschrei und trug dazu bei, dass es jetzt vorwärts geht.

FILE - This Saturday, Nov. 17, 2012 file photo shows abortion rights protesters holding pictures of Savita Halappanavar as they march through central Dublin, demanding that Ireland's government ensures that abortions can be performed to save a woman's life. United Nations human rights experts said Thursday that Ireland’s abortion ban subjects women to discriminatory, cruel and degrading treatment and should be ended for cases involving fatal fetal abnormalities. (AP Photo/Shawn Pogatchnik, File)

Auf den Transparenten der Abtreibungsbefürworter prangt das Gesicht von Savita Halappanavar. Bild: AP/AP

Der irische Premierminister Leo Varadkar hat für kommenden Montagabend sein Kabinett zu einer Sondersitzung geladen. Es wird erwartet, dass die Versammlung grünes Licht für eine Referendumsabstimmung geben wird. Dann könnte das Volk voraussichtlich im Mai oder Juni darüber abstimmen, ob das Verbot aus der Verfassung gekippt werden soll. Derzeit sieht alles danach aus, dass es dazu kommen wird. Vor allem dank den jüngeren Stimmbürgern.

Zuerst fehlt aber noch der Entwurf, wie die zukünftige Regelung aussehen würde. Der meistgenannte Vorschlag: Frauen dürfen bis und mit der 12. Schwangerschaftswoche bedingungslos abtreiben. Ein Vorschlag, den gemäss der neu erhobenen Umfrage 56 Prozent der Iren befürworten. 

FILE - A Saturday, July 6, 2013 file photo showing Stephen and Pauline O'Brien, foreground, holding Catholic rosary beads as they march through Ireland's capital, Dublin, in an anti-abortion protest. Ireland is debating its constitutional ban on abortion again because of a case involving a brain-dead pregnant woman on life support. Irish media reported Thursday, Dec. 18, 2014, that family members want to turn off the woman’s life support systems but doctors are refusing because the law requires them to defend the right to life of her 16-week-old fetus. Fetuses typically cannot survive outside the womb until around 24 weeks. (AP Photo/Shawn Pogatchnik, File)

Die Abtreibungsgegner an einer ProLife-Demonstration. Bild: AP/AP

Trotz noch fehlendem Abstimmungsdatum; der Abstimmungskampf ist bereits entbrannt.

Ein lächelndes Kind, das am Down-Syndrom leidet, soll es für die Abtreibungsgegner richten. Sie haben es zu ihrem Gesicht der Kampagne gewählt, wie sie vor einigen Tagen bekannt gaben. Unter dem Flyer, der in den irischen Briefkästen landen wird, steht geschrieben: «90 Prozent aller Babys mit Down-Syndrom werden in Großbritannien abgetrieben.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen mit Down-Syndrom als Pro-Argument für das Abtreibungsverbot gebraucht werden. Doch auch die Gegenseite hat schon mit Kindern mit Down-Syndrom für ihr Anliegen geworben.

Die Organisation Down Syndrom Irland ist verärgert. «Dies ist sehr respektlos gegenüber Kindern und Erwachsenen mit Down-Syndrom und ihren Familien», lassen sie verlauten. Es verursache eine Menge Stress für die Eltern. «Menschen mit Down-Syndrom sollten nicht als Argument für beide Seiten dieser Debatte benutzt werden.»

Eine Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom ist nicht einverstanden. «Es ist nicht falsch, ihre lächelnden Gesichter zu zeigen», sagt sie. «Es ist auch keine emotionale Erpressung, wie die Abtreibungsbefürworter sagen.»

Die Meinungsbildung ist im vollen Gang. Jeder Ire hat etwas zum Thema Abtreibung zu sagen. 

Auch Fintan O’Toole, Redaktor der «Irish Times». «Es gibt kaum Beweise dafür, dass irische Frauen Babys mit Down-Syndrom in Massen abtreiben werden», schreibt er vergangene Woche. Und in einem früheren Artikel greift er die katholischen Organisationen Irlands an. Er bezeichnet ihre Ideologie als «sektiererisch, paranoid, apokalyptisch». «Das sind die Organe, die Irland in der demokratischen Welt einzigartig gemacht haben, indem sie in der Verfassung ein Abtreibungsverbot verankert haben.» Neben Irland gilt nur in wenigen europäischen Ländern ein striktes Abtreibungsverbot. Beispielsweise in Malta.

Aufgegangen ist der Plan der irischen Abtreibungsgegner dennoch nicht. Auch in den vergangenen 35 Jahren haben irische Frauen abgetrieben. Seit der Zusatzartikel 8 in Kraft getreten ist, sind 160'000 Irinnen nach Grossbritannien gereist. Dort wurde ihr Wunsch erfüllt. Sie durften abtreiben.

Sprung in den Tiefschnee

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