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Was Soleimani zum «mächtigsten Agenten im Nahen Osten» machte

Den iranischen General, den die USA am Donnerstag bei einem Drohnenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet haben, kannte kaum jemand im Westen. Im Nahen Osten aber war Ghassem Soleimani, 62, eine grosse Nummer.

Michael Wrase, Limassol / ch media



A boy carries a portrait of Iranian Revolutionary Guard Gen. Qassem Soleimani, who was killed in the U.S. airstrike in Iraq, prior to the Friday prayers in Tehran, Iran, Friday Jan. 3, 2020. Iran has vowed

Irans Top-Agent Ghassem Soleimani wurde am Freitag getötet. Bild: AP

Als Ghassem Soleimani 1998 zum Kommandeur der iranischen Al-Quds-Brigaden befördert wurde, erhielt er einen klaren Auftrag: Nie wieder sollte der Iran von arabischem Boden aus angegriffen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte Soleimani dafür sorgen, dass der Iran die arabischen Nachbarstaaten dominiert, ohne sie zu besetzen. Erfahrung bei der «Vorwärtsverteidigung» hatte er bereits im Libanon gemacht, wo er die schiitische Hisbollah zur schlagkräftigsten Miliz im Nahen Osten hochrüstete.

Der von politischem Chaos gefolgte Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein durch das US-Militär im Jahr 2003 machte es Soleimanis Strategen leicht, ihr engmaschiges Netzwerk auch im Irak aufzuspannen. Der General, den CIA-Offizier John Maguire als «mächtigsten Agenten im Nahen Osten» bezeichnete, hielt sich dabei stets im Hintergrund.

US-Militärschlag gegen Iran-General

Soleimani stammt aus der ostiranischen Provinz Kerman. Er galt als geschickt und extrem ehrgeizig, weshalb er sogar ohne militärische Ausbildung und Erfahrung in die iranischen Revolutionsgarden aufgenommen worden ist. Im achtjährigen Krieg gegen den Irak von 1980 bis 1988 hatte Soleimani an allen wichtigen Operationen teilgenommen und dabei wichtige Erfahrungen in der asymmetrischen Kriegsführung gesammelt. Nach dem Waffenstillstand im Sommer 1988 führte er das Kommando im Guerillakrieg gegen die afghanischen Drogenkartelle im Südosten Irans.

Genialer Vordenker

FILE - In this Sept. 18, 2016, file photo provided by an official website of the office of the Iranian supreme leader, Revolutionary Guard Gen. Qassem Soleimani, center, attends a meeting in Tehran, Iran. Iraqi TV and three Iraqi officials said Friday, Jan. 3, 2020, that Soleimani, the head of Iran’s elite Quds Force, has been killed in an airstrike at Baghdad’s international airport. (Office of the Iranian Supreme Leader via AP, File)
Qassem Soleimani

Soleimani: Mastermind des iranischen Militärs. Bild: AP

Seine wichtigste Bewährungsprobe hatte Soleimani in Syrien zu bestehen, das als Mittelmeeranrainer für Iran bis heute eine herausragende geostrategische Rolle spielt. Als sich der Arabische Frühling im März 2011 auch gegen das Assad-Regime richtete, zeigte die syrische Armee bald Zerfallserscheinungen: aus Sicht des Iran ein politisches Fiasko. Innert kürzester Zeit organisierte Soleimani den Widerstand. Zehntausende von schiitischen Milizionären wurden nach Syrien gebracht, wo sie das Assad-Regime stabilisierten und letztendlich retteten.

War die Tötung von Iran-General Soleimani gerechtfertigt?

Soleimani selbst rückte fortan als genialer Vordenker immer mehr in den Blickpunkt der arabischen Öffentlichkeit. Dass ein Perser ein arabisches Regime retten würde, war für die Machthaber in Riad, Abu Dhabi und Ankara eine unerhörte Provokation. Entsprechend gefeiert wurde der Kommandant der Al-Quds-Brigaden in seinem Heimatland, wo er zum engsten Berater von Revolutionsführer Ali Khamenei aufstieg und sogar als Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde. Der Geistliche hatte seinen wichtigsten General bereits vor seinem Tod am Bagdader Flughafen als einen «lebenden Märtyrer» gefeiert.

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