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Schoss der Iran das Flugzeug irrtümlich ab? + «Sehr klare» Beweise + Video zeigt Explosion



Was wir wissen

Die aktuellen Entwicklungen

Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran verdichten sich die Hinweise auf einen Raketenbeschuss durch den Iran als Ursache. Teheran will nun auch Fachleute unter anderem aus den USA in die Untersuchungen einbeziehen. Die Nationale Behörde für Transportsicherheit in Washington erklärte, dass sie sich an der Untersuchung beteilige.

Die Regierungen in Kanada und Grossbritannien haben nach eigenen Angaben Informationen, die auf einen Beschuss durch iranische Raketen hinweisen. Diese Theorie wird US-Medienberichten zufolge auch in den USA verfolgt. Offiziell wird die Ursache für den Absturz weiter untersucht.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte am Donnerstag, seine Regierung habe Informationen «von mehreren Quellen, von unseren Alliierten und eigene Informationen». Die Beweise seien «sehr klar». Der britische Regierungschef Boris Johnson sprach einer Mitteilung zufolge von einem «Korpus an Informationen», der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise.

Der US-Sender CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten ausserdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, der Theorie eines versehentlichen Abschusses durch den Iran lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemässig vom US-Militär und den Geheimdiensten gesammelt würden.

Absturz einer ukrainischen Boeing 737 in Teheran

Video soll Abschuss zeigen

Die New York Times veröffentlichte am Donnerstagabend (MEZ) ein Video, dass den Moment zeigen soll, in dem die Maschine kurz nach dem Start vom Flughafen Teheran von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wird. Gemäss Angaben der Zeitung konnte sie die Echtheit des Videos verifizieren. Der Standort der Aufnahme stimme mit dem letzten bekannten Ortungssignal des Flugzeugs überein.

Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek schreibt mit Verweis auf drei nicht namentlich genannte Quellen im Pentagon, in US-Geheimdienstkreisen und in irakischen Sicherheitskreisen, dass die Boeing 737–800 der ukrainischen Fluggesellschaft MAU gemäss Erkenntnissen von iranischen Boden-Luft-Raketen vom Typ Tor-M1 aus russischer Produktion getroffen worden sei. Der Abschuss soll ein Versehen gewesen sein.

Es werde angenommen, Iran habe seine Luftabwehr aufgrund der Spannungen mit den USA in höchste Alarmbereitschaft versetzt, so Newsweek. Kurz vor dem Absturz hatte Iran zwei US-Militärbasen im Irak mit Raketen beschossen. Der Angriff war eine Reaktion auf die Tötung des hochrangigen iranischen Generals Ghassem Soleimani durch eine US-Miltärdrohne in Bagdad am 3. Januar.

Untersuchung im Iran

Die Ukraine hat bereits eigene Experten in den Iran geschickt. Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, gab am Donnerstagabend im iranischen Fernsehen bekannt, dass der Iran auch Boeing-Fachleute aus den USA, Kanada und Frankreich an den Untersuchungen zur Absturzursache der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran beteilige.

Bodies of the victims of a Ukrainian plane crash are collected by rescue team at the scene of the crash in Shahedshahr, southwest of the capital Tehran, Iran, Wednesday, Jan. 8, 2020. A Ukrainian passenger jet carrying 176 people crashed on Wednesday, just minutes after taking off from the Iranian capital's main airport, turning farmland on the outskirts of Tehran into fields of flaming debris and killing all on board. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)

Leichen der Absturzopfer beim Absturzort in der Nähe von Teheran. Bild: AP

Die Blackbox des Flugzeuges solle im Iran untersucht werden. Falls dies aber aus technischen Gründen nicht möglich sein sollte, wären auch Untersuchungen im Ausland denkbar. Es sollten alle technischen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die Absturzursache umgehend zu klären, sagte Abedsadeh. Die Vermutung, die Maschine sei von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden, bezeichnete er als absurd.

Bilder sollen Raketenbestandteile zeigen

Auf sozialen Medien wurden Bilder publiziert, welche Überreste einer Tor-M1-Raketen in der Nähe der Absturzstelle zeigen sollen.

Der Gründer des auf die Auswertung von öffentlich einsehbaren Bild- und Videoquellen spezialisierten Portals Bellingcat, Eliot Higgins, schrieb auf Twitter, dass die Verifikation der Echtheit dieser Bilder aufgrund des kleinen und ungünstigen Bildausschnittes sehr schwierig sei.

Untersuchung angekündigt

Irans Präsident Hassan Ruhani sagte Angaben des Präsidialamtes in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, Expertenteams beider Länder sollten die genaue Absturzursache gründlich untersuchen.

Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heisst es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert – wohl weil das Flugzeug grosse Mengen Kerosin getankt hatte.

Mehrere Möglichkeiten

Kiew zieht vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs «Tor» getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten.

Geprüft werden auch ein Zusammenstoss mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast. In den Fernsehprogrammen und im Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr Ortszeit landen sollen.

epa08113829 A handout photo made available by Ukranian Presidential Press service shows Ukrainian President Volodymyr Zelensky lays flowers to the portraits of crew members of the Ukraine International Airlines Flight PS752 which crashed near Tehran at Boryspil International Airport in Kiev, Ukraine, 09 January 2020. According to media reports on 08 January 2020, a Ukraine International Airlines Boeing 737-800 plane crashed soon after takeoff near Imam Khomeini Airport in Tehran, Iran. Over 170 people were thought to be on the plane, and reports state that all passengers and crew were killed in the crash.  EPA/STR HANDOUT handout HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew Blumen im Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes nieder. Bild: EPA

Die ukrainische Unglücksmaschine war laut UIA erst am Montag technisch überprüft worden. Es war der erste tödliche Absturz einer UIA-Maschine. Die Fluggesellschaft gehört zum Teil dem umstrittenen Oligarchen Igor Kolomoiski, der Selenski nahestehen soll. (cbe/aeg/mlu/sda/afp)

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224 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
bebby
09.01.2020 20:08registriert February 2014
Der ukrainische Präsident hat als einziger das einzig richtige gesagt....Spekulationen sind nicht hilfreich und schmerzhaft für die Hinterbliebenen.
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P.Rediger
09.01.2020 18:31registriert March 2018
Was bei einem Krieg, oder dem "Vorgeplänkel" dazu immer zuerst auf der Strecke beliebt, ist die Wahrheit. Fragt sich nur, wer von beiden lügt?
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Anded
09.01.2020 16:50registriert October 2014
Die Maschine hat (aus noch ungeklärten Gründen) abgedreht. Ev. aus technischen Gründen auf eine Seite gezogen/gekippt. Ev. eine Reaktion der Piloten die sofort umdrehen wollten.
Dass die Maschine gebrannt hat war relativ schnell bekannt. Dass Piloten in so einer Situation so schnell wie möglich umkehren ist logisch.
Nicht wirklich eine neue/hilfreiche Erkenntnis.
Früher wurden Flugunfälle von bis zu drei Parteien/Behörden gemeinsam untersucht. (Absturzland, Hersteller, und Fluggesellschaft). Heutzutage bremst die Politik die Technologie aus... :-(
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