DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa09186421 Israeli Police during a protest supporting Palestinian families that face eviction from their homes at Sheikh Jarrah neighborhood, in Damascus gate in Jerusalem, 07 May 2021. An Israeli court in East Jerusalem ordered the eviction of six Palestinian families from their homes in favor of Jewish families who claimed they used to live in the houses before fleeing in the 1948 war that led to the creation of Israel. The Palestinian residents filed an appeal and a final verdict is expected on 10 May.  EPA/ABIR SULTAN

Ein israelischer Polizist beim Damaskus-Tor in Jerusalem am Freitag, 7. Mai. Bild: keystone

Proteste, Raketen und Eskalationen – diese 6 Punkte musst du zur Lage in Israel kennen



Was ist passiert?

Die Stimmung in Israel und den palästinensischen Gebieten ist derzeit explosiv. Übers Wochenende kam es zu erneuten Protesten und Ausschreitungen. Es werden weitere Eskalationen befürchtet.

Bilder der vergangenen Tage:

Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es am Montagmorgen zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Videos zeigten, wie Polizisten vor der Al-Aksa-Moschee Blendgranaten Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser einsetzten

Eine Polizeisprecherin erklärte, die Polizei werde es nicht zulassen, dass «Extremisten» die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmondes wurden Dutzende Menschen verletzt, 50 von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht.

Bilder von heute Morgen vom Tempelberg:

Aus mehreren anderen Städten wurden in den vergangenen Tagen Proteste gemeldet, etwa aus der israelischen Hafenstadt Haifa, wo es Festnahmen gegeben habe, nachdem Demonstranten versuchten, eine Polizeisperre zu durchbrechen.

Insgesamt sind bei den heftigen Zusammenstössen in der Altstadt von Jerusalem seit Freitag mindestens 300 Palästinenser und 20 Polizisten verletzt worden. Zu Todesfällen kam es glücklicherweise nicht.

Weshalb ist die Stimmung so aufgeladen?

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern.

Ausserdem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Die Familien bewohnten die Häuser teils seit Jahrzehnten. Der Rechtsstreit darüber dauert bereits Jahre. Gemäss NZZ räumten Siedler ein, dass es ihnen darum gehe, strategische Orte im besetzten Ostjerusalem unter ihre Kontrolle zu bringen. Während Unruhen griffen Siedler am Donnerstag zu den Waffen. Die israelische Polizei nahm die Waffen ab, liess sie aber ansonsten in Ruhe.

Was macht die Lage so brenzlig?

Gleichzeitig begeht Israel am Montag den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem einschliesslich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967. Aus Sorge vor Gewalt hat die israelische Polizei Juden am Montag verboten, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt auch den Tempelberg zu besuchen. Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

epa09188711 General view of the Al-Aqsa mosque compound during clashes between Palestinian and the Israeli police in Jerusalem, 10 May 2021, ahead of a planned march of Israelis right-wing groups to mark the 54th anniversary of the capture of east Jerusalem during the 1967 Six Day War.  EPA/ATEF SAFADI

Der Tempelberg (im Bild links die Al-Aksa-Moschee, rechts mit der goldenen Kuppel der Felsendom) ist für Juden und Muslime heilig. Bild: keystone

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Wie reagierten die Extremisten?

Militante Palästinenser versuchten am Wochenende, aus der explosiven Stimmung Kapital zu schlagen und feuerten erneut Raketen auf das israelische Grenzgebiet.

In der Grenzstadt Sderot und anderen Ortschaften heulten nach Militärangaben am Morgen die Warnsirenen. Es seien drei Geschosse abgefeuert worden. Eines davon habe offensichtlich die Raketenabwehr «Irone Dome» abgefangen. Am Sonntagabend hatten militante Palästinenser bereits vier Raketen in Richtung Israel abgeschossen.

Bild von Raketen-Starts am Sonntag:

Ausserdem wurden Spreng- und Brandballons über die Grenzanlage geschickt. Im Gegensatz zu den Raketen – die meistens abgefangen werden – verursachen Brandballone weitaus grösseren Schäden.

Schäden durch Brandballone am Wochenende:

Israelische Panzer beschossen daraufhin Stützpunkte der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas. Israel schloss auch den Erez-Grenzübergang zu dem Palästinensergebiet.

Am Sonntagabend hatte Israel nach einer neuen Eskalation der Gewalt bereits die Fischereizone vor dem Gazastreifen bis auf weiteres geschlossen.

Wie reagiert das Ausland?

Die US-Regierung zeigte sich beunruhigt über die Lage in Jerusalem. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, habe in einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Meir Ben-Shabbat betont, die USA bemühten sich um eine Deeskalation, teilte das Weisse Haus am Sonntag (Ortszeit) mit. Die USA seien besorgt über möglichen Räumungen palästinensischer Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah. Der Beschuss Israels aus dem Gazastreifen sei inakzeptabel.

UN-Generalsekretär António Guterres fordere Israel auf, «maximale Zurückhaltung» zu üben, erklärte ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York in der Nacht zu Montag.

Die Arabische Liga wollte am Montag eine Sondersitzung zu den Zusammenstössen abhalten. Das Treffen unter Vorsitz Katars finde auf Gesuch der Palästinenser statt, teilte der Vize-Generalsekretär der Arabischen Liga, Hussam Saki, mit. Thema des Treffens seien «israelische Verbrechen» und «Angriffe auf Gläubige» in Jerusalem.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel angesichts der Zusammenstösse als «Terrorstaat». Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain kritisierten Israel ebenfalls.

Das Nahost-Quartett aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU äusserte sich besorgt. Israel solle während des Ramadans «alle Schritte vermeiden, die die Lage weiter eskalieren könnten».

(jaw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Millionen Liter Öl aus Pipeline in Israel ausgelaufen

1 / 9
Millionen Liter Öl aus Pipeline in Israel ausgelaufen
quelle: epa/israeli enviromental protection / israeli enviromental protection minstry / handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Bilder wie aus einer anderen Zeit – doch so sieht das Leben gerade in Israel aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Über 1000 Raketen und nur wenige Einschläge – dieses Abwehrsystem schützt die Israelis

Die Hamas hat in den letzten zwei Tagen über 1000 Raketen nach Israel abgefeuert. Die meisten davon fing Israels «Iron Dome» ab. Wir erklären, wie er funktioniert – und warum es trotzdem zu Todesfällen kommt.

Bei der sogenannten «Eisernen Kuppel» handelt es sich um ein israelisches mobiles Raketenabwehrsystem, genannt C-RAM (Counter Rocket, Artillery and Mortar System). Wie das System in Betrieb aussieht, zeigten am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Videos auf Social Media. Folgendes Video wurde von dem israelischen Militär (IDF) gezeigt.

Je nach Quelle wehrt das System bis zu 90 Prozent der Raketen ab, schreibt etwa der Journalist Emanuel Fabian der «Times of Israel» auf Twitter.

Eine «Iron …

Artikel lesen
Link zum Artikel