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Kommentar

Und plötzlich zeigt China den USA, wie das mit den Klimazielen geht

China will seine Emissionen schneller senken als bisher geplant. Auch wenn das Land weiter Kohlekraftwerke baut: Für das Klima ist das neue Versprechen ein Fortschritt.

Alexandra Endres / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Für die internationale Klimapolitik ist es eine gute Nachricht. Chinas Staatschef Xi Jinping hat vor der UN-Vollversammlung überraschend erklärt, sein Land werde spätestens bis zum Jahr 2060 klimaneutral werden ­– also keine Treibhausgase mehr verursachen, welche die Erhitzung der Erde weiter verschlimmern würden. Bisher hatte die Volksrepublik eine solche Festlegung stets vermieden. Den Höhepunkt seiner Emissionen will China, wie Xi in seiner Rede sagte, noch vor 2030 erreichen. Das ist früher als bislang geplant.

epa08693200 A man rides a bicycle on the bridge in Shanghai, China, 24 September 2020. Chinese President Xi Jinping, addressing the UN General Assembly on 22 September, announced plans to boost China's Paris climate award target by achieving carbon neutrality before 2060. China was the world's biggest emitter of carbon dioxide in previous years.  EPA/ALEX PLAVEVSKI

Ein Mann fährt mit dem Rad durch Shanghai. Bild: keystone

Zur Erinnerung: Obwohl die Staaten der Welt sich im Pariser Abkommen verpflichtet haben, die menschengemachte Erhitzung der Erde auf unter zwei Grad zu halten und möglichst auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen, steuert die Welt derzeit eher auf ein Plus von drei Grad oder mehr zu.

Der Grund: Was die einzelnen Staaten zum weltweiten Klimaschutz beitragen möchten, bleibt auch unter dem Abkommen freiwillig. Es sieht aber vor, dass sie ihre eigenen Klimaziele turnusmässig alle paar Jahre nachbessern. Ende 2020 ist es erstmals soweit.

Weigern sich die Staaten, gibt es keine Sanktionen; die Vertragsparteien von Paris hofften auf die sanfte Kraft des gegenseitigen diplomatischen Drucks. Doch dem kann man sich leicht verweigern, wie das Beispiel der US-Regierung unter Donald Trump sehr eindrucksvoll zeigt. Ohne den guten Willen der Beteiligten bliebe vom Pariser Abkommen also nicht viel übrig. Deshalb ist Xis Ankündigung so wichtig.

Sie kam überraschend, und Xi platzierte sie diplomatisch geschickt: Seine Rede wurde kurz nach der Ansprache Trumps an die Vollversammlung ausgestrahlt. Während der US-Präsident die Gelegenheit nutzte, um China und die WHO anzugreifen und einmal mehr nationalen Egoismus demonstrierte, entschied Xi sich für den entgegengesetzten Weg und stellte sein Land als verlässlichen Partner internationaler Abkommen dar.

Dem war einiges an chinesisch-europäischer Diplomatie vorausgegangen. Im Videogipfel der vergangenen Woche zwischen der EU und China hatten die Vertreter der EU ähnliche Ziele angeregt wie Xi sie jetzt verkündet hat. Und die Pläne der EU, ihre Emissionen bis 2030 um 55 Prozent zu senken, waren wohl eine wichtige Voraussetzung für das chinesische Versprechen.

Chinese President Xi Jinping is seen on a video screen remotely addressing the 75th session of the United Nations General Assembly, Tuesday, Sept. 22, 2020, at U.N. headquarters. This year's annual gathering of world leaders at U.N. headquarters will be almost entirely

Xi während seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. Bild: keystone

Wichtige grosse Emittenten

Viele kleinere Länder hatten schon früher angekündigt, ihre Klimaziele zu verbessern. Doch ihre Emissionen tragen vergleichsweise wenig zur menschengemachten Erhitzung der Erde bei. Auch deshalb ist es so wichtig, dass sich jetzt gleich zwei grosse Emittenten bewegen. Nur mit ihnen kommt der internationale Klimaschutz überhaupt voran.

Noch bleibt allerdings offen, wie die EU und China ihre neuen Ziele in praktische Politik umsetzen wollen. Genau darauf wird es aber ankommen, denn Ziele allein sind nichts wert ohne die richtigen politischen Instrumente, um sie zu erreichen. Und selbstverständlich müsste alles noch schneller gehen.

Stattdessen baut China erst einmal neue Kohlekraftwerke, ganz gegen den globalen Trend. Ironischerweise widerspricht das dem neuen Ziel noch nicht einmal: Xi gibt seinem Land ja noch zehn Jahre Zeit, bis die Emissionen ihren Höhepunkt erreicht haben sollen.

Doch die Energie aus diesen Kraftwerken dient auch der Produktion dessen, was in Europa und anderswo konsumiert wird – so gesehen ermöglichen erst Chinas Emissionen den Bewohnern der Industrieländer ihren hohen Lebensstandard. Wer sich also über China echauffiert, übersieht zu leicht den eigenen Beitrag zur Erderwärmung.

Ohnehin steht fest: Um einen angemessenen Anteil zum Pariser Ziel beizutragen, wird auch Europa – ebenso wie China – das eigene Ziele in einigen Jahren erneut verbessern müssen. Genauso, wie das Pariser Abkommen es vorsieht.

Dieser Artikel wurde zuerst auf «Zeit Online» veröffentlicht. watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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73 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Ökonometriker
25.09.2020 07:50registriert January 2017
Also mit anderen Worten wird China seinen Ausstoss in den nächsten 10 Jahren weiter steigern. Das Senken wird dann wohl Sache von Xis Nachfolger werden.
Derweil sanken unter Trump die CO2-Emissionen pro Kopf in den USA ungehindert in gleichem Tempo weiter. Die Schwerindustrie lohnt sich einfach nicht mehr so in den teuren USA. Diese Jobs kommen nicht mehr zurück.
Was lernen wir daraus: Politiker sind Politiker...
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Sarkasmusdetektor
25.09.2020 08:45registriert September 2017
Ironischerweise könnte China mit neu gebauten Kohlekraftwerken den CO2-Ausstoss sogar senken, wenn sie damit die kleinen, dreckigen Lokal-Kraftwerke oder völlig ungefilterte Kohleheizungen und ähnliches ersetzen würden. Ich weiss nicht, ob das passiert, aber vorstellen könnte ich es mir durchaus.
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Firefly
25.09.2020 09:15registriert April 2016
Natürlich, China muss, sonst ersticken die Leute in den Städten. Leider weden sie dann technologischer Vorreiter sein, wenn wir da nichts investieren und wir werden noch mehr von China abhängig sein. Weise wäre es, selber soviel Energie wie möglich in die Entwicklung und Dekarbonarisierung zu investieren wie möglich, damit man dann die Technologie hat und auch verkaugen kann. Aber die Schweiz investiert lieber in Banken, Kryptowärung und Geldwäsche.
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73

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