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Video: watson/een

Der Held vom Kapitol – Polizist lockte Trump-Mob in falsche Richtung

Eugene Goodman wird nach seinem Einsatz im Kapitol als «Held» gefeiert. Dank seiner Geistesgegenwart verschaffte er seinen Polizisten-Kollegen die nötigen Sekunden, um die Politikerinnen und Politiker in Sicherheit zu bringen.



Fünf Personen überlebten den Sturm aufs Kapitol nicht. Einer, der seinen Einsatz gegen den wütenden Trump-Mob mit dem Leben bezahlte, war Polizist Brian Sicknick. Offenbar verletzten wütende Personen den Beamten mit einem Feuerlöscher, wie AP News berichtet. Der 42-Jährige verstarb später im Spital.

Möglicherweise fehlte nur wenig und es hätte noch mehr Todesopfer gegeben an jenem denkwürdigen Mittwoch. Hätte nicht ein mutiger Kollege von Brian Sicknick sein Leben riskiert, um die Senatorinnen und Senatoren vor dem Trump-Mob zu beschützen.

Eugene Goodman – alleine gegen den Mob

Die Rede ist von Eugene Goodman, einem Mitglied der Capitol Police. Der schwarze Polizist stellte sich am Mittwoch alleine dem zerstörerischen Mob entgegen. Trotz der immensen Anspannung bewahrte er kühlen Kopf, lockte die Eindringlinge in die falsche Richtung – und verhinderte so möglicherweise Schlimmeres.

Huffington-Post-Reporter Igor Bobic hielt den couragierten Einsatz von Eugene Goodman per Video fest. Die Szene wurde alleine auf Twitter fast zehn Millionen Mal angeschaut.

Zu sehen ist, wie der Reporter eine Treppe heruntereilt, wo er auf Goodman trifft, der sich gerade in einem Türrahmen dem Trump-Mob gegenüberstellt. Es ist eine lautstarke Auseinandersetzung zu hören, immer wieder ruft der Polizist: «Back up – geht zurück!» In diesem Moment entsteht auch folgendes Bild vom eindrücklichen Einsatz Goodmans:

Der Trump-Mob leistet den Anordnungen des Polizisten jedoch keine Folge. Goodman entscheidet sich zum Rückzug, eilt die Treppen hoch. Zur Verteidigung benutzt er lediglich eine Teleskopstange, die er vom Boden hochhebt.

Während er die Treppen hochsprintet, ruft Goodman via Funk Verstärkung: «Zweiter Stock!» Angeführt von einem Mann mit einem T-Shirt der «QAnon-Verschwörungstheorie» – er wurde mittlerweile festgenommen – wird Goodman immer weiter zurückgedrängt.

Goodman lockt Mob in die falsche Richtung

Im zweiten Stock angekommen findet sich Goodman erneut in einem Türrahmen wieder. Es ist 14:14 Uhr – warum das wichtig ist, dazu später mehr.

Zunächst stellt sich Goodman unter den Türrahmen. Es scheint, als will er den Durchgang versperren. Schnell blickt er über seine Schulter und schaut den Gang entlang.

Doch dann fällt Goodman einen anderen Entscheid. Er verlässt seine Position und läuft in die andere Richtung. Er schupft den QAnon-Mann, liefert sich ein Wortgefecht und provoziert so, dass der Mob ihm folgt, anstatt in den unbewachten Gang zu ihrer Rechten zu gehen.

Nach wenigen Schritten finden sich die Eindringlinge und Goodman in einem grösseren Raum wieder, wo der Polizist endlich Verstärkung erhält. Goodman überlebt den Einsatz nach bisherigen Erkenntnissen unverletzt.

Dass dies auch anders hätte enden können, beweist nicht nur das traurige Schicksal von Brian Sicknick, sondern auch die Tatsache, dass viele offen rassistische Personen im Trump-Mob mitmarschierten. Zwei schwarze Polizisten erzählten Buzzfeednews, dass sie immer wieder als «N...» beschimpft wurden. «Das war eine schwer trainierte Gruppe von Milizterroristen, die uns angegriffen hat», sagte der eine Polizist. «Sie hatten Funkgeräte, sie hatten Zwei-Weg-Kommunikatoren und Ohrstöpsel. Sie hatten Bärenspray. Sie hatten Blendgranaten ... Sie waren vorbereitet.»

Am Ende des Ganges war das Sitzungszimmer des Senats

Gar nicht auszumalen, was passiert wäre, hätte der Mob die Politikerinnen und Politiker in die Finger gekriegt, die gerade dabei waren, Joe Bidens Sieg in der Präsidentschaftswahl zu zertifizieren.

Doch genau dazu wäre es beinahe gekommen – wäre da nicht Eugene Goodman gewesen. Erst im Nachhinein wird ersichtlich, wie knapp ein Aufeinandertreffen verhindert werden konnte.

Kommen wir zurück zur Uhrzeit: Um 14.14 Uhr blockiert Eugene Goodman also den Zugang zu einem menschenleeren Gang, ehe er den Mob in die andere Richtung lockt. Was der Mob offenbar nicht weiss, Goodman aber schon: Am Ende des Ganges befindet sich der Eingang zum Sitzungszimmer des Senats. Nur wenige Schritte trennen die Eindringlinge von den Politikerinnen und Politikern.

Im Sitzungssaal herrscht zu diesem Zeitpunkt grosse Aufregung. Um 14.11 Uhr wird Vizepräsident Mike Pence überstürzt evakuiert, wie die «Washington Post» in einer bemerkenswerten Rekonstruktion der Ereignisse festhält. Als klar wird, dass der Mob gefährlich nahe kommt, beginnen die Beamten – sechs von ihnen tragen semiautomatische Waffen – im Innern des Sitzungszimmers des Senats die mehr als ein Dutzend Türen zu verriegeln.

Um 14.15 Uhr meldet ein Reporter der «Washington Post»: «Senate sealed – Senat verriegelt.» Eugene Goodman verschaffte seinen Kollegen möglicherweise genau jene Sekunden, um das Sitzungszimmer zu sichern, ehe der Trump-Mob herbeigestürmt wäre.

Goodman wird als «Held» bezeichnet

Für den Einsatz erhält Eugene Goodman viel Zuspruch. «Das Wort «Held» beschreibt Eugene Goodman nicht einmal annähernd», twitterte etwa der ehemalige Senats-Kandidat Jaime Harrison. Der demokratische Abgeordnete Dean Phillips bedankte sich bei Goodman, der dem grotesken Hass direkt in die Augen geschaut habe.

Christopher J. Hale, ein ehemaliger Kandidat für das Abgeordnetenhaus, schrieb: «In diesem gefährlichen Moment in der Geschichte unserer Nation war er die Person, die zwischen der Demokratie und der Herrschaft von Tyrannen stand.»

Auch die demokratische Koalition würdigte in einem Tweet den Einsatz des Polizisten und forderte für ihn sogar die Freiheitsmedaille: «USCP Officer Eugene Goodman ist sein Name. Er ist ein Held und er verdient die Freiheitsmedaille Punkt.»

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