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Trumps Krieg mit TikTok – und was die Folgen für die Schweiz sind

US-Präsident Donald Trump will die beliebte Videoplattform TikTok verbannen - und der amerikanische IT-Riese Microsoft will sie kaufen. Worum gehts? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

Stefan Ehrbar / ch media



epa08581689 A TikTok app is seen on the tablet in Shanghai, China, 03 August 2020. According to media reports, Microsoft is in talks to buy the US operations of Chinese-owned short-video app TikTok which belongs to Chinese company Bytedance. This development comes as US President Donald Trump announced he wanted to ban Tiktok, the app particularly popular with young people and is said to count around one billion users worldwide, including around 100 million in the US....US Secretary of State Mike Pompeo said that US President Donald Trump will crack down Chinese software apps such is Bytedance?s TikTok in upcoming days.  EPA/ALEX PLAVEVSKI

Tiktok hat in der Schweiz etwa eine halbe Million Nutzer. Bild: keystone

Warum ist der Streit um TikTok eskaliert?

US-Präsident Donald Trump hat der chinesischen Video-Plattform Tiktok den Krieg erklärt. Er will sie aus den USA verbannen, wie er am Freitagabend sagte. Zugleich hat Microsoft Interesse daran gezeigt, die US-Aktivitäten von der chinesischen TikTok-Eigentümerin Bytedance zu übernehmen. Man werde die Gespräche nun beschleunigen, teilte Microsoft laut der Agentur Reuters am Montagmorgen mit. Tiktok hat in den USA 100 Millionen registrierte Nutzer. Trump hat Microsoft und Bytedance nun eine Frist von 45 Tagen eingeräumt, um eine Lösung zu finden.

Wieso will Trump gegen Tiktok vorgehen?

epa08581692 US President Donald Trump is seen on the TikTok app post on a bench in Shanghai, China, 03 August 2020. According to media reports, Microsoft is in talks to buy the US operations of Chinese-owned short-video app TikTok which belongs to Chinese company Bytedance. This development comes as US President Donald Trump announced he wanted to ban Tiktok, the app particularly popular with young people and is said to count around one billion users worldwide, including around 100 million in the US....US Secretary of State Mike Pompeo said that US President Donald Trump will crack down Chinese software apps such is Bytedance?s TikTok in upcoming days.  EPA/ALEX PLAVEVSKI

Bild: keystone

Laut der «New York Times» befürchtet die US-Regierung, dass der chinesische Staat Zugriff auf Daten amerikanischer Nutzer erhalten könnte. Dass TikTok Nutzerdaten möglicherweise in grossem Stil in China verarbeitet, ist laut der «Wirtschaftswoche» ein oft genannter Vorwurf – und bereits seit letztem Jahr Teil von Untersuchungen eines US-Kongressausschusses. Zudem wird TikTok vorgeworfen, Inhalte zu zensieren, etwa zu den Protesten in Hongkong. In China selbst gibt es TikTok nicht, dort betreibt Bytedance eine zensierte Version namens Douyin.

Kann der US-Präsident TikTok überhaupt aussperren?

President Donald Trump speaks with reporters as he walks to Marine One on the South Lawn of the White House, Friday, July 31, 2020, in Washington. Trump is en route to Florida. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump

Bild: keystone

Wie genau Donald Trump TikTok verbannen will, ist unklar. Er sprach zunächst von einer «Executive Order», mit der er die Sperre verfügen werde – also mit einem präsidialen Dekret. TikTok könnte auch der Zugang zu amerikanischen App-Stores verweigert werden – oder die Besitzerfirma könnte auf eine Liste gesetzt werden, mit der amerikanische Unternehmen keine Geschäfte betreiben dürfen.

Was bedeutet die Drohung der USA für Schweizer Nutzer?

Zunächst einmal ändert sich nichts. Hierzulande baut Bytedance sein Geschäft sogar aus, seit kurzem können Werbetreibende beispielsweise gezielt über TikTok Werbung an Schweizer Nutzer ausspielen. Allerdings könnten die Inhalte der amerikanischen Nutzer aus der App verschwinden, wenn dieser Teil des Geschäfts ausgegliedert wird. Je nach Vorgehensweise der USA ist es zudem auch denkbar, dass Google und Apple nicht mehr mit Bytedance zusammenarbeiten dürfen. Die App könnte demnach aus ihren Stores verschwinden. Ein solches Szenario erscheint zum jetzigen Zeitpunkt als eher unwahrscheinlich.

Was sagt TikTok-Eigentümerin Bytedance zu den Vorwürfen?

epaselect epa08581483 A security guard attempts to stop a photographer in front of the Bytedance headquarters building in Beijing, China, 03 August 2020.  According to media reports, Microsoft is in talks to buy the U.S. operations of Chinese-owned short-video app TikTok which belongs to Chinese company Bytedance.  EPA/WU HONG

Bild: keystone

Das chinesische Unternehmen hat wiederholt verneint, dass es unter Einfluss der chinesischen Regierung steht. Die «New York Times» zitiert eine Sprecherin damit, die Daten des US-Dienstes würden auch in den USA gespeichert und es gebe strikte Kontrollen, welche Mitarbeiter darauf zugreifen dürften. Zudem hat Bytedance angekündigt, in den USA mehrere hundert Stellen zu schaffen.

Früher im Jahr wurde bekannt, dass Bytedance seinen Hauptsitz für das internationale TikTok-Geschäft nach London verlegen könnte. Laut «Sunday Times» pausieren die Gespräche mit der britischen Regierung dazu «wegen des geopolitischen Kontexts» allerdings. Ebenfalls weist Bytedance darauf hin, dass viele internationale Geldgeber, darunter auch US-Firmen, zu den Investoren gehören.

Was erhofft sich Microsoft von einem Kauf?

epa08560746 (FILE) - The Microsoft Windows logo at the COMPUTEX, the largest computer show in Asia, in Taipei, Taiwan, 31 May 2016 (reissued 22 July 2020). Microsoft is to release their fiscal year 2020 4th quarter earnings on 22 July 2020.  EPA/RITCHIE B. TONGO *** Local Caption *** 55570475

Bild: keystone

Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft ist bisher im Vergleich zu seinen US-Rivalen Facebook oder Snapchat im Bereich Social Media eher ein kleiner Player. Die grösste Plattform, die dem Konzern gehört, ist das Karrierenetzwerk LinkedIn. Mit dem Kauf der US-Aktivitäten und den 100 Millionen Nutzern von TikTok würde sich das schlagartig ändern. Laut Reuters will Microsoft auch das TikTok-Geschäft in Kanada, Australien und Neuseeland übernehmen.

Was ist TikTok überhaupt?

Huber versucht sich an TikTok

Video: watson/Lino Haltinner

Wichtig sind bei der App keine langen Texte oder besonders schöne Bilder. Hier geht es um Videos aller Art: Egal ob Comedy, Karaoke oder Dance-Moves. Die einzelnen Videos sind meist 15 Sekunden lang. Ähnlich wie bei Instagram, kann man anderen Usern folgen und deren Videos liken. Je mehr Follower man generiert, desto beliebter wird man.

Wer nutzt die App und wie beliebt ist sie in der Schweiz?

TikTok wurde weltweit über 1.5 Milliarden Mal heruntergeladen. In der Schweiz sollen es laut Schätzungen über 500'000 User sein. Die App wurde hauptsächlich für Teenager konzipiert. Eine Umfrage des Gottlieb-Duttweiler-Instituts zeigt, dass über 40 Prozent der Schweizer Jugendlichen auf dem sozialen Netzwerk präsent sind oder es zumindest schon getestet haben. Hauptzielgruppe ist hier die sogenannte «Generation Z». Vor allem die 9- bis 17-Jährigen geben an, TikTok mehrmals am Tag für mehrere Stunden zu nutzen – und das obwohl die App eigentlich erst ab 13 Jahren installiert werden darf.

Welche Art von Videos findet man auf TikTok?

Die App hat eine grosse Bandbreite an Videos. Von Challenges über süsse Katzenvideos und Comedy bietet TikTok alles an. Auffällig ist hier, dass immer wieder neue Trends aufkommen. Waren es einst Videos in denen Frauen und Männer sich in einer Sequenz hässlich gezeigt haben, um in der nächsten bildschön auszusehen; sind es jetzt vor allem Tanzvideos, die geliked werden.

Migros-Cumulus-Strichcode als Tattoo – Ein Schweizer TikTok-Hit

Video: extern / rest/CH-Media

TikTok ist das Nachfolgeprodukt der App musical.ly. Bei dieser waren vor allem Videos beliebt, bei denen Nutzer kurze Ausschnitte von Liedern nachsynchronisierten und ein Video dazu stellten.

Gehen auch andere Länder oder die Schweiz gegen TikTok vor?

Indien hat die App zusammen mit Dutzenden anderen chinesischen Apps wegen Sicherheitsbedenken verboten. Dahinter könnten allerdings auch politische Konflikte stecken. In der Schweiz sind ähnliche Bestrebungen nicht bekannt. Auch auf europäischer Ebene ist keine ähnliche Reaktion wie in den USA in Sicht – noch. Je nach Ausgang des Konflikts mit den USA könnten auch europäische Regierungen unter Druck geraten.

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81 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Gurgelhals
03.08.2020 15:00registriert May 2015
Betr. der Frage "Wieso?": Nach fast vier Jahren Trumpscher (Anti-)Regierungstätigkeit wäre es doch wirklich mal an der Zeit, solchen Aktionen nicht immer noch verkrampft ein halbwegs legitimes Motiv zuschreiben zu wollen. Jeder der 1+1 zusammenzählen kann weiss doch: Trump will TikTok sperren, weil er sauer und gekränkt darüber ist, dass ihm die TikTok-Teenies die Tulsa Rally vermiest haben. That's it.
Wie die Medien hier immer noch dazu tendieren, die Handlungen eines bösartigen, krankhaften Narzissten zu rationalisieren, statt sie als solche zu benennen, ist peinlich und unprofessionell.
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Scrat
03.08.2020 14:55registriert January 2016
«Vor allem die 9- bis 17-Jährigen geben an, TikTok mehrmals am Tag für mehrere Stunden zu nutzen.». Echt jetzt? Mehrere Stunden am Tag relativ sinnfreie Blödelvideos schauen?
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Erklärbart.
03.08.2020 15:48registriert January 2020
Grenzt das nicht an Zensur was Trump da macht?
Nur weil es ein paar Teenies geschafft haben ihn zu trollen, möchte er eine ganze Plattform verbieten?
Da sind vermutlich Plattformen wie Wish/AliExpress/Alibaba viel "gefährlicher" was Daten angeht - als jetzt TikTok.
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