Leben
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montage: watson / material: shutterstock

Emma Amour

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt Sue, er liebt Sue nicht

Es fing zu gut an, um wahr zu sein. Und auch das zweite, dritte und achte Date mit Ivan war grandios. Bis Sue kam. Und Ivan ihr sein Bett und sie ihm ihre Brüste zeigte.



Um ein Haar würde hier ein Happy End stehen. Nachdem ich nämlich völlig unverhofft auf Ivan traf, verknallte ich mich Hals über Kopf in ihn.

Schlaflose Nächte aufgrund Hormon-Chilbi in der Bauchgegend (und sehr viel Sex), null Hungergefühle und andauernder enorm guter Laune inklusive. Nach unserem zweiten Date verbrachten wir sieben Abende und Nächte zusammen.

Wir redeten, rauchten nackt am Küchenfenster, duschten gemeinsam, verliessen das Haus fast nie, hatten maximal eine Unterhose an, hörten Musik, machten rum, redeten und sagten auch mal nichts. In diesen Momenten lagen wir einfach nur so da und himmelten uns an.

Ich, die Sklavin meiner Hormone

Weder Ivan noch ich machten ein Geheimnis draus, dass wir uns enorm gut finden. Heimlich übte ich schon meine Unterschrift für nach unserer Hochzeit. Ich überlegte, wie unsere Kinder aussehen würden. Sehr hübsch natürlich. Und klug wären sie. Kreativ. Zukünftige Bundespräsidentinnen und -präsidenten, mindestens.

Ich sah uns im verwunschenen Garten unserer Hauses barfuss auf der Wiese rumtollen und im Winter vor dem Chemnée kuscheln. Ich kann mit sehr gutem Gewissen sagen, dass ich nicht mehr Herrin meiner Sinne war. Und das war unglaublich perfekt so.

«Ich habe da was auf dem Herzen!»

Ivan, nackt im Bett

Die Seifenblase um Ivan und mich platzt neulich kurz nach 23 Uhr in seinem Bett. Während wir so nackt nebeneinander liegen, sagt er, dass er was auf dem Herzen hat. Jeder, der den Satz schon mal gehört hat, weiss, dass jetzt kein Heiratsantrag kommt.

Es sei eben so, stottert Ivan. Er wisse nicht genau, wie sagen. Aber er habe vor einiger Zeit eine Sue getroffen. Auf Tinder. Das Schreiben mit ihr habe seine Seele, sein Herz, sein ganzes Inneres berührt. Bevor sie sich aber treffen konnten, verreiste sie. Sechs Wochen Australien. Der Kontakt sei nie abgebrochen.

Nun ist Sue wieder in der Stadt. Und er kann nicht aufhören an sie zu denken. Er habe ihr von mir erzählt. Nun ist Sue traurig. Und Ivan auch. So bin ich es auch.

Ivan will Sue treffen. Mit meinem Segen. Einfach weil er sich später nie fragen will, was wäre gewesen, wenn. So scheisse ich das alles finde, so sehr schätze ich seine Ehrlichkeit. Mehr noch. Ich verstehe Ivan. Hätte ich eine männliche Sue, ich würde ihn auch treffen wollen.

Ivans und Sues Sex bricht mein Herz!

Ivan trifft Sue schon am Abend darauf. Anfangs bin ich cool. Er und ich, wir müssen es sein. Da kann so schnell nichts reinfunken, rede ich mir ein. Wie sehr ich mir selber was vormache, erfahre ich 24 Stunden später.

Ivan ist begeistert von Sue. Sue ist begeistert von Ivan. Ivan und Sue hatten Sex. Er sei aber auch von mir sehr begeistert, sagt Ivan und will mich küssen. Ich weiche zurück. Dreiecksgeschichten sind mühsam. Vor allem, wenn das Herz involviert ist. Meines purzelt gerade auf der Überholspur in Richtung Ivans Herz.

Das sage ich ihm auch. Es gehe ihm genau so, betont er. Er sei selber verwirrt. «Kann man in zwei Menschen gleichzeitig verliebt sein?» Man kann, denke ich. Und wer's kann, muss ein glücklicher Mensch sein, wenn's für alle Parteien stimmt.

Für mich stimmt's nicht. Ich will keine Zweitfrau sein. Wie es denn Sue sieht, will ich wissen. Sie sei easy damit. Sue sei nicht der Typ, der auf Exklusivität besteht. Was Ivan sehr imponiert. Und was ihn reizt. Bis jetzt sei er auch sehr klassisch unterwegs gewesen.

Wenn Liebe, dann Monogamie.

Aber vielleicht gibt's da noch mehr, sinniert Ivan. Und wenn nicht, ob ich ihm wenigsten die Zeit einräumen kann, bis er sich für eine von uns beiden entschieden hat? Nur so lange zweigleisig fahren, bis er ganz sicher ist. «Bitteeeee!»

Ich kann nicht. Weil ich nicht will. Zu den Dingen, die ich gelernt habe, gehört, dass ich einen Mann will, der will. Der mich will. Der uns will. Keine Spielchen. Keine Anfangsturbulenzen. Alles andere bringt Troubles mit sich.

Also mache ich Schluss. Und obwohl unser Liebestrip keine zwei Wochen gedauert hat, fühlt es sich an, als würde die gesamte Erdbevölkerung mit vollem Anlauf auf meinem Herzen rumtrampen, bevor es dieses in 8 Millionen Teile auseinanderfetzt.

Scheiss Liebe.

Scheiss Tinder.

Scheiss alles.

Und dann auch noch ein bisschen Sorry Mami für den «ENDLICH HABE ICH DEINEN TRAUMSCHWIEGERSOHN GEFUNDEN»-Fehlalarm.

Und jetzt gehe ich mir leid tun.

Und wehe ihr kommt mir jetzt mit euren Pseudo-Weisheiten und hobbypsychologischen Analysen.

@Mami: Kannst du mir schon mal vorsorglich deinen Cheesecake machen? Mit Erdbeeren drauf? Danke. I love you.

Adieu Ivan, adieu ihr,

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Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

Emma Amour ist ...

... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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