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Emma Amour

Ich war beim HIV-Test – und starb 875 Tode

Darüber, dass ich hypochondrische Züge habe, bin ich in Sachen Safer Sex sehr glücklich. Wäre da nur nicht der gerissene Gummi, der mir seit drei Monaten Kopfzerbrechen macht. Also trabe ich zum grossen Geschlechtskrankheiten-Test an. Und sterbe 875 Tode.



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montage: watson / material: shutterstock

Das Malheur, das mich in dieses Test-Zentrum führt, ist schnell erzählt. Beim Sex vor drei Monaten riss der Gummi. Den Mann, der zum kaputten Pariser gehört, kenne ich nicht sehr gut.

Er nahm die Situation ziemlich gelassen. Ich könne total unbesorgt sein. Er lasse sich regelmässig auf HIV und alles andere testen. Er sei sauber. Voll easy also. Pille danach aber fände er noch gut. Ich auch.

Jetzt sitze ich also da. In diesem Testzentrum. Im Wartezimmer um mich herum befindet sich eine Transfrau, die ich aus der Nachbarschaft kenne, ein Typ im Anzug um die 30, eine Bilderbuch-Hausfrau Mitte 40 und zwei Mitzwanzigerinnen, die andauernd kichern und mit allen plaudern wollen.

Man könnte meinen, man treffe sich hier zum grossen Kafi-Plausch. Nur eine rutscht in dieser Runde sehr unentspannt auf ihrem Stüehli hin und her: meine Wenigkeit.

Haben Sie Sex auf Drogen?

Vor ein paar Minuten musste ich einen Fragebogen ausfüllen:

Sex, Sex, Sex! Böse, böse, böse!

Meine Hände sind kalt, leicht zittrig, mein Atem flach. Dass das Risiko, dass ich mich wirklich mit HIV angesteckt habe, sehr gering ist, hilft meiner Paranoia leider gerade nicht weiter.

Während ich innerlich mein Leben an mir vorbeiziehen sehe und mich schon mit dem Gedanken auseinandersetze, ein ganz schlimmes Resultat zu bekommen, ist es die Hausfrau, die mich kurz in die Realität zurückholt. Sie lobt meine «lustigen Schuhe». Und verwickelt mich in ein Gespräch über all die Dinge, die Frauenherzen höher schlagen lassen. Meines schlägt auch höher. Und vor allem schneller. Aus Angst. Also wimmle ich sie etwas ab. Sorry im Nachhinein!

Sein daily Business ist mein Albtraum!

Dann komme ich dran. In einem Raum werde ich von einem Arzt aufgeklärt. Er ist sehr ruhig. Logisch, für ihn ist das hier daily business. Für mich derweil der Albtraum schlechthin. Dann darf ich Fragen stellen. Mir fällt vor lauter Angst keine ein.

Jetzt geht's schnell: Fingerpieks und fertig. In 20 Minuten weiss ich, ob sich mein Leben ab heute grundlegend verändern wird oder nicht. Ich beginne zu verhandeln: Heutzutage kann man super leben mit HIV. Ich kann sogar Kinder bekommen. Die meisten Infizierten sind unter der Nachweisgrenze und somit nicht mehr ansteckbar. Wäre also eigentlich zwar schon doof, aber jetzt auch nicht uuuuuu schlimm.

Wie sehr ich mich selber belüge, bemerke ich mit jeder Faser meines Körpers, der nun sehr viel Adrenalin durch meine Venen jagt. Auch meine Gedanken rasen: Waren da noch andere Risikosituationen seit meinem letzten Test? Bin ich ganz sicher, dass immer alles mit jedem Kondom richtig geklappt hat? Und was ist mit dieser Aphte, die ich mal im Mund hatte, als ich noch Oralsex mit Sandro zelebrierte?

«Wir haben nichts gefunden!»

Nach einer gefühlten Ewigkeit werde ich aufgerufen. Ich muss wieder zum Arzt in den Raum. Fühlt sich wie der letzte Gang meines Lebens an. Meine Knie sind weich, das Herz rast. Fi** dich, Hypochondrie!

Der Doc schliesst die Türe, schaut auf den Zettel, dann zu mir hoch und sagt: «Alles gut, wir haben nichts gefunden.» So ein kurzes Sätzchen, so eine grosse Wirkung. Ich fühle mich wie neugeboren. Ich bin so damit beschäftigt, erleichtert zu sein, dass ich nicht mehr mitkriege, was der Arzt sagt.

Ich verabschiede mich schnell und spaziere nach Hause. Hallo, neues Leben, schön bist du da. Ich bin mir sicher, dass man mir ansehen muss, dass ich mich zum einen soeben meiner sehr grossen Angst vor dem HIV-Test gestellt habe und zum anderen das blühende Leben bin. Gesund, glücklich, unbeschwert.

Jetzt, da ich also hochoffiziell meine Angst überwunden habe, HIV-negativ bin und auch sonst keine Geschlechtskrankheiten habe - das weiss ich Dank meiner letzten Jahresuntersuchung bei meiner Frauenärztin neulich - habe ich wieder Kapazität für andere Probleme.

Zum Beispiel für dieses hier: Ich vermisse Suff-SMS-Sandro. Glaubs. Irgendwie. Also zumindest ein bisschen. Ob es nur der Sex ist oder nicht, weiss ich nicht. Glaubs.

Anyhow.

Bis jetzt warst du noch gar nicht so mega gnädig, liebes 2019.

Aber immerhin hast du mir keinen Tripper, kein Syphilis, kein HIV und keine Chlamydien verpasst. Wir haben also immer noch die Chance, richtig gute Freunde zu werden.

Adieu,

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Passend dazu: 30 Jahre Aids-Prävention

Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

Emma Amour ist ...

... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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