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bild: shutterstock / watson

«Schade, dass so wenige für Polyamorie offen sind...»

05.04.2021, 10:06
Liebe Emma

Ich bin 26 Jahre alt, stecke in einem weiblichem Körper und bin seit zwei Jahren in einer festen Beziehung, seit einem halben Jahr leben wir zusammen.

Alles schön und gut. Hätte ich nicht mit Severin geschrieben und mich in ein digitales Konstrukt verliebt. Severin war eines meiner vielen Tinderdates und wir haben uns einmal vor einiger Zeit getroffen.

Aktuell bin ich so weit, dass ich meine Beziehung infrage stelle und mir schon ausmale, wie anstrengend die Trennung sein wird.

Mein Partner ist ein Traummann. Leider nur mit etwas wenig Tiefgang. Ich stattdessen bin der Tiefe verfallen und brauche das sehr.

Gespräche haben uns bisher nicht weitergeführt.

Den Kontakt mit Severin habe ich abgebrochen.

Ich weiss nicht mehr weiter. Schade, sind so wenige offen für Polyamorie. So in der Luft hängen ist sch****.

Herzliche Grüsse einer Verzweifelten

Liebe Verzweifelte

Du bist so dermassen nicht alleine. Du glaubst gar nicht, wie viele Mails mich erreichen, in denen sich Menschen an mich wenden, die sich ausserhalb ihrer Beziehungen in jemanden verguckt haben.

Ich kann das Phänomen gut verstehen. Die eigene Beziehung ist irgendwann mal ein Heimspiel. Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt, gerne ist, sich selber sein kann. Das ist herrlich. Und manchmal halt auch herrlich langweilig.

Da fühlt sich ein anderer Mensch wie Ferien an. Man ist aufgeregt. Hat Herzklopfen. Alles ist anders. Alles riecht neu, alles sieht neu aus. Alles ist temporär viel cooler als das Daheim.

Mit Betonung auf «temporär».

In vielen Fällen vergucken wir uns in jemand anderen, weil das Gras auf der anderen Seite schlichtweg und leider wirklich grüner ist. Auf den ersten Blick. Wir interpretieren alles Spannende und Gute in die neue Bekanntschaft. Was dann daheim auf uns wartet, ist plötzlich noch weniger spannend.

Ich will dich keinesfalls nicht ernst nehmen, aber wie du selber schreibst, hast du dich in vor allem ein virtuelles Konstrukt verguckt. Du interpretierst sehr viel in Severin rein, setzt ihn auf ein Podest.

Du hast Severin aber schon einmal getroffen. Wieso wurde da nicht mehr daraus? Kann es sein, dass er doch nicht sooo lässig für dich ist, wie du meinst?

Und hat dein Freund wirklich so wenig Tiefgang und wenn ja, warum stört dich das erst jetzt? Was müsste passieren, dass ihr da einen Mittelweg findet? Willst du das überhaupt?

Ich glaube, das ist der Punkt: Ich denke, du sollst deine Beziehung ganz ohne Severin analysieren. Bleibst du nur, weil eine Trennung mühsam wäre? Oder bist du wirklich nicht mehr glücklich und kannst dir auch nicht vorstellen, es wieder zu werden?

Sollte das der Fall sein, dann weisst du, was zu tun ist: Beiss' in den sauren Apfel und gehe. Eine Trennung ist nie nie nie schön. Dafür schafft sie Platz, damit irgendwann wieder das Schöne Einzug nehmen kann. Ganz egal, ob das Severin, sonst jemand oder die Polyamorie sein wird.

Ich hoffe sehr, dass du auf dein Herz hörst und diesem folgst. Dann kommt es gut!

Deine

Und was würdest du der Verzweifelten raten?

Das macht die Menschen in dieser schwierigen Zeit glücklich

Video: watson/leb

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Licht aus! Spektakuläre Bilder zur Earth Hour
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Herausgeberin: watson
Erscheinungstermin: 12.02.2021
ISBN: 978-3-03902-124-6
Einband: Broschur mit Klappe
Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21

Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)
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… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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