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bild: watson / material: shutterstock

«Wir wollten Sex, jetzt sind wir dummerweise verliebt»

25.11.2019, 09:54
Liebe Emma,

vor kurzem habe ich mich aus einer 10-jährigen Beziehung befreit. Befreit deshalb, weil es zwar unglaublich eingeschlafen und langweilig war, ich aber dennoch an diesem Menschen hing.

Nach meinem Ex habe ich recht schnell eine gute Ablenkung gefunden. Der Deal war nur Sex, da er sein Leben geniessen will und ich nach 10 Jahren auch keine Lust auf etwas Ernstes hatte.

Jetzt haben wir aber das ganz grosse Problem, dass wir uns verliebt haben. Ich weiss nicht, ob es wirklich Liebe ist oder ob wir einfach nur von Glückshormonen überschwemmt sind, da wir echt eine geile Zeit haben.

Eigentlich könnte ich es ja einfach geniessen, wenn halt diese blöden Gefühle nicht wären und mein Kopf, der mir sagt, dass er absolut kein Beziehungsmaterial ist. Er reist gern, ist ständig unterwegs, trinkt und feiert. Ich bin eher ein Mauerblümchen, das zwar auch mal weg geht, aber auch gern einfach auf dem Sofa liegt. Jeden Tag Party, so wie bei ihm, wäre nichts für mich.

Ich weiss, dass er mich liebt, zumindest hat er es mir gesagt und verhält sich auch seit dem viel rücksichtsvoller mir gegenüber. Und ich weiss auch, dass er gern mit mir zusammen wäre, aber ich kann nicht glauben, dass das gut geht.

Ich will ja nicht wieder 10 Jahre verschwenden. Irgendwann will ich Familie und Kinder haben. Er übrigens auch, aber ob er mich dann unterstützt, wage ich zu bezweifeln. Ich will ihn aber auch nicht hinhalten, bis besseres «Beziehungsmaterial» kommt, das hat keiner verdient.

Hast du einen Tipp für mich, wie ich mit der Situation umgehen soll?

Liebe Grüsse,
ein verliebtes Mauerblümchen

Liebes verliebtes Mauerblümchen,

was für ein schönes Beispiel dafür, dass das Schicksal oft ganz eigene Wege geht und das Leben gerne mal mit grossen Überraschungen um die Ecke kommt. Eigentlich ist es ja grandios, sich so zu verlieben. Ohne Erwartungen, ohne Druck, ohne Plan.

Schon klar, die Umstände sind suboptimal. Du frisch getrennt, er so anders. Schauen wir mal beide Situationen an. Irgendwann haben wir entschieden, dass wir nach einer Trennung eine möglichst lange Zeit Single sein sollen. Um zu verarbeiten, zu uns zu finden, alleine mit uns glücklich zu werden, Bla Bla Bla.

Ich habe nicht per se etwas dagegen. Ich bin einfach der Meinung, dass man das ganze Gedöns auch mal zur Seite legen kann, wenn eben, wie in deinem Fall, das Leben und die Liebe einen anderen Plan haben. Zumal es mir sehr so scheint, als wärst du über deinen Ex-Freund und eure Beziehung hinweg.

Dann wäre da noch der Fakt, dass er so anders ist. Er Party-Tiger, du Mauerblümchen. Er freiheitsliebend, du gerne mal sesshaft werdend. Nun schau, liebe Fremde, Menschen ändern sich. Von alleine, mit der Zeit und in jeder Beziehung aufs Neue. Nur weil quasi heute und jetzt gerade die Fakten quasi etwas gegen euch sprechen, den Bettel hinzuwerfen, fände ich sehr schade.

Weil: Ihr seid verliebt. Er in dich, du in ihn. Diese wunderbare Gegenseitigkeit geschieht genug selten. Umso mehr ein Grund, einer ehrlichen Bindung eine Chance zu geben.

Hast du dir nämlich mal bei all deinen pessimistischen Gedanken überlegt, dass es klappen könnte? Dass das mit euch ganz wunderbar werden könnte? Weil ihr zusammenwachst, weil es einfach passt? Weil ihr eine Basis habt, die so stark ist, dass man auf ihr bauen kann?

Nein? Lass mal diese Gedanken zu. Schmück sie aus. Frag dich mal, was du dir wünschst. Frag ihn, was er sich wünscht.

Ich fände es enorm schön, wenn ihr euch eine Chance gebt.

Wenn's klappt, wunderbar und wenn nicht, dann müsst ihr euch immerhin nie fragen, was wäre gewesen wenn.

Alles Liebe und vor allem viel Liebe,

deine

Und was würdest du dem verliebten Mauerblümchen raten?

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Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
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bild: watson
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