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Eine Ikone wider Willen – Bob Dylan feiert seinen 80. Geburtstag

Einer der grössten Künstler unserer Zeit feiert seinen 80. Geburtstag: Bob Dylan. Seit mehr als 60 Jahren steht der Sänger auf der Bühne, doch vor allem der Beginn seiner Karriere bleibt unvergessen.



Bob Dylans Leben in Bildern

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quelle: ap / kevork djansezian
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Ein Artikel von

T-Online

Bob Dylan erblickte am 24. Mai 1941 in Duluth, im US-Bundesstaat Minnesota, als Robert Allen Zimmerman das Licht der Welt. Seine Eltern Abraham «Abe» Zimmerman und Beatrice «Betty» Stone waren Nachfahren von Immigranten, die kurz nach der Jahrhundertwende im mittleren Westen der USA ihr Glück suchten. Weil Abe 1946 erkrankte und seine Stelle verlor, zog die junge Familie nach Hibbing, Minnesota, wo er nach seiner Genesung im Betrieb seiner beiden Brüder einstieg.

Weil es im Minen- und Industriestädtchen nicht viel zu erleben gab, lauschte der junge Bobby Zimmerman den Ikonen seiner Zeit im Radio. Dazu gehörten vor allem Howlin' Wolf (1910-1976, «Moanin' In The Moonlight») und Muddy Waters (1913-1983, «I'm Your Hoochie Coochie Man»). Die Legende will es, dass er dank jener Blueskünstler erst das Piano- und danach das Gitarrespielen lernte.

Einmal quer durch die USA getrampt

Als 1955 der Rock'n'Roll einschlug und Künstler wie Hank Williams (1923-1953, «Lovesick Blues»), Chuck Berry (1916-2017, «Roll Over Beethoven») und Bill Haley (1925-1981, «We're Gonna Rock Around The Clock Tonight») den Weg für Elvis Presley (1935-1977, «Love Me Tender») ebneten, orientierte sich Bob Dylan vor allem an einem: Little Richard (1932-2020, «Tutti Frutti»). In der Highschool schloss er sich der Band The Golden Chords an, die Songs von Little Richard coverte. Als Bobby Zimmerman And The Golden Chords nahmen sie an Musikwettbewerben teil – ohne, dass das Talent von Bob Dylan Anerkennung gefunden hätte.

Ende der 1950er Jahre änderte der junge Bobby Zimmerman dann seinen Namen und der Mythos Bob Dylan ward geboren. Zahlreiche Versionen ranken sich um die Herkunft seines Künstlernamens, wozu er selbst über die Jahrzehnte gern beitrug. Aus einer Sache machte er allerdings nie einen Hehl: Seine Verehrung von Folkmusik-Legende Woody Guthrie (1912-1967, «This Land Is Your Land»). Als Bob Dylan 1959 mitbekam, dass Guthrie in New York City im Krankenhaus lag, packte er seine Sachen und trampte quer durch die USA, um seinem Idol zu begegnen.

Dylans Durchbruch in New York

Im Januar 1961 kam Bob Dylan in New York an. Er besuchte Guthrie nicht nur regelmässig im Greystone-Krankenhaus, spielte und las ihm vor, sie wurden auch Freunde. In «Song To Woody» und dem Gedicht «Last Thoughts On Woody», das er 1963 ein einziges Mal auf einer Bühne vorlas, verarbeitete er das Erlebte. Während seiner Zeit im New Yorker Stadtteil Greenwich Village lernte Bob Dylan in kurzer Zeit weitere Musikgrössen seiner Zeit kennen, etwa Folk-Musiker Pete Seeger (1919-2014, «If I Had A Hammer») oder Sängerin Odetta Holmes (1930-2008, «Odetta»). Sie halfen ihm dabei, Auftritte in New York zu bekommen, bei denen er anfangs nicht viel Geld verdiente.

Das änderte sich, als am 29. September 1961 ein Artikel in der «New York Times» erschien, der wohlwollend über das Talent des jungen Barden berichtete. Die damalige Produzentenlegende John Hammond wurde auf Bob Dylan aufmerksam und am 25. Oktober 1961 unterschrieb er als erster Folk-Musiker einen Plattenvertrag bei einem grossen Label.

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Das erste Album mit dem schlichten Titel «Bob Dylan» entstand in einer sechsstündigen Aufnahmesession, erschien 1962 und floppte. Doch im Laufe des folgenden Jahres drehte sich der Wind. Songs wie «Blowin' In The Wind», «A Hard Rain's Gonna Fall» oder «Masters of War» sorgten mit ihrer Sozialkritik nicht nur für Aufmerksamkeit: Während des Vietnamkriegs war eine Generation der Friedensbewegung dankbar, dass jemand ihre Gefühle in Worte goss.

Geschichtsträchtiger Tag in Washington

Schritt für Schritt wurde Bob Dylan dadurch zum menschgewordenen Symbol der Bürgerrechtsbewegung. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung am 28. August 1963. Beim berühmten «Marsch auf Washington» sang er vom gleichen Podium, an dem Martin Luther King (1929-1968) am selben Tag seine berühmte «I have a dream»-Rede hielt, den Song «Only A Pawn In Their Game». Zu diesem Zeitpunkt war Bob Dylan 21 Jahre jung und für die Presse endgültig «die Stimme einer neuen Generation».

Doch der junge Star wollte davon nichts wissen. Dylan liess sich nicht auf das Politische reduzieren, schliesslich habe er, so berichten Weggefährten, «nur aufgesogen, was um ihn herum passiert ist und dem Worte verliehen». Der Bruch erfolgte ohne Ankündigung, nämlich beim Newport Folk Festival 1965: Das lebende Symbol der Folkszene, der Kronprinz Woody Guthries, griff zur verpönten elektrischen Gitarre. Dafür erntete er Buhrufe und den in seiner Karriere fortan wiederkehrenden Vorwurf, er habe seine Ideale verraten.

Von der Bildfläche verschwunden

Von diesen Idealen, die ihm stets andere andichteten, wollte Bob Dylan sein Leben lang nichts wissen. Das einzige Ideal, dem er sich verpflichtet sah, war die Kunst. Dieser widmete er sich von da an in New York, besonders viel Zeit verbrachte er mit dem Schriftsteller Allen Ginsberg (1929-1997, «Das Geheul»). Dylan sprach damals davon, seine Kunst auf ein neues Level zu hieven, sie sei nun nicht mehr so eindimensional wie früher, stattdessen sei sein Sound jetzt «3D». Die Albumtrilogie «Bringing It All Back Home», «Highway 61 Revisited» und «Blonde en Blonde» sind Meilensteine der Rockgeschichte.

Ende Juli 1966 änderte sich all das schlagartig: Wegen eines Motorradunfalls, von dem bis heute unklar ist, wie schwerwiegend er war, brach Bob Dylan mit seinem öffentlichen Leben. Stattdessen zog er sich mit seiner Ehefrau Sara Lowndes (geb. 1939), die er Ende 1965 geheiratet hatte, ganz ins Private zurück. Das Paar bekam vier Kinder: Jesse (geb. 1966), Anna (geb. 1967), Samuel (geb. 1968) und Jakob (geb. 1969). Bis 1972 trat Dylan nur noch selten auf und war Teil einzelner Veröffentlichungen. Doch selbst hier war er an zeitlosen Stücken wie etwa «Knocking On Heaven's Door» beteiligt.

Kein bisschen altersmüde

Nach der Scheidung von Sara stand Bob Dylan ab 1974 wieder auf der Bühne - und verschwand nie mehr von ihr. Bis Ende der 1970er Jahre wendete er sich mit seiner Musik dem Christentum zu, enttäuschte aber wie zuvor die Folkfans mit seiner baldigen Abkehr vom Genre. Auf der Bühne blieb er weiterhin, Dylan schrieb unermüdlich Songs und veröffentlichte Alben, auch wenn die Rezeption seiner neuen Werke und Liveauftritte während der 1980er Jahre durchwachsen ausfiel.

Seit 1988 befindet er sich auf seiner inoffiziell so bezeichneten «Neverending Tour», die auch 33 Jahre später noch andauert. Wie alle anderen wurden aber auch seine Konzerte des Coronavirus wegen 2020 abgesagt, geplant waren Auftritte in Japan und den USA. Dylans bislang letztes Konzert fand am 8. Dezember 2019 statt. Seinen letzten Song veröffentlichte er im März 2020, das Stück mit dem Titel «Murder Most Foul» handelt von der Kennedy-Ermordung 1963.

Bob Dylan - Like a Rolling Stone

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Video: YouTube/BobDylanVEVO

An seinem 80. Geburtstag kann Bob Dylan auf ein bewegtes Leben zurückblicken, in dem er vor allem zu Beginn seiner Karriere um die künstlerische Freiheit kämpfen musste. Belohnt wurde seine Standhaftigkeit und Authentizität mit tausenden von Livekonzerten und unzähligen Preisen und Auszeichnungen, darunter seine Mitgliedschaft in der Hall of Fame des Rock'n'Roll 1988 sowie der Gewinn des Literaturnobelpreises 2016.

(spot on news/jdo/t-online)

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