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Das ist die Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer) im Amsterdamer Rotlichtviertel. Wo sie was macht? Killen natürlich. In der für einen Emmy nominierten Folge «Desperate Times» der Serie «Killing Eve».
Das ist die Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer) im Amsterdamer Rotlichtviertel. Wo sie was macht? Killen natürlich. In der für einen Emmy nominierten Folge «Desperate Times» der Serie «Killing Eve».
bild: bbc
Interview

Killing it: Diese Schweizerin dreht Erfolgsserien und ist auf Emmy-Kurs

Am 23. September werden die Emmys, die wichtigsten Fernsehpreise der USA, vergeben. Unter den Nominierten: Lisa Brühlmann. Unser Regie-Export der Stunde.
17.07.2019, 16:00

Als ich das letzte Mal mit Lisa Brühlmann sprach, hatte sie gerade mit ein paar Teenagern den Film «Blue My Mind» gedreht. In dem sich ein Mädchen in eine Meerjungfrau verwandelt. In den Schweizer Kinos sahen den Film 4241 Menschen. Doch internationale Festivals machten ihn zur perfekten Visitenkarte der heute 38-jährigen Regisseurin. Plötzlich wollte sie die Serienwelt. Und wird sie jetzt, da sie für einen Emmy nominiert wurde, auch nicht mehr loslassen wollen.

06:57 Uhr
Guten Morgen, liebe Lisa
Ich bin in awe über deine Emmy-Nominierung und gratuliere von Herzen. Sag, dürfte ich dir dazu ein paar Fragen stellen?
Lieber Gruss
Simone

7:28 Uhr
Liebe Simone
Ja klar, ruf mich an! Falls du jetzt schon bereit bist mit den Fragen, wäre das super, die Kinder schlafen noch.
Liebe Grüsse
Lisa

Lisa Brühlmann. So sieht Erfolg aus.
Lisa Brühlmann. So sieht Erfolg aus.
Bild: Frenetic

Eben wurdest du für einen Emmy nominiert. Für die beste Regie einer einzelnen Serienfolge. Wie geht’s dir?
Ich bin natürlich einfach sehr glücklich, sehr stolz, es ist schon krass, jetzt mit meiner Folge aus «Killing Eve» neben Folgen aus «Game of Thrones» oder «Handmaid’s Tales» eingereiht zu sein, neben Serien also, die ich grossartig finde.

«Killing Eve» erzählt die Hassliebe zwischen der glamourösen Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer) und ihrer Kontrahentin, der MI5-Agentin Eve Polastri (Sandra Oh). Hattest du irgendeine Ahnung, wie gross das alles wird?
Überhaupt nicht! Als ich vor genau einem Jahr die Anfrage erhielt, kannte ich die Serie nicht, aber ich kannte natürlich Sandra Oh. Und als ich alle Folgen gesehen hatte, sagte ich, ja cool, das ist queer, das ist Comedy, das ist frisch. Ich spürte, dass ich da mit meinen Mitteln einen Platz finde. Aber Phoebe Waller-Bridge, die «Fleabag» und «Killing Eve» erfunden hat ...

... und die jetzt auf Wunsch von Daniel Craig gerade das Drehbuch des kommenden Bond-Films retten musste ...
... war mir unbekannt.

Neulich in Wimbledon: Phoebe Waller-Bridge gehört zu den VIP-Gästen. Seit ihrer Comedy-Serie «Fleabag» über eine nymphomane Cafébesitzerin (gespielt von ihr selbst) ist sie der Liebling der Briten.
Neulich in Wimbledon: Phoebe Waller-Bridge gehört zu den VIP-Gästen. Seit ihrer Comedy-Serie «Fleabag» über eine nymphomane Cafébesitzerin (gespielt von ihr selbst) ist sie der Liebling der Briten.
Bild: EPA

Wie machst du das, deine eigene Kreativität in eine bereits bestehende internationale Produktion einzubringen?
Das war ganz leicht. «Killing Eve» wird auf Locations gedreht, da kommst du nicht in ein Studio, in dem alles schon zu Ende gebaut ist und du nur noch «abschiessen» musst. Ich konnte viele Locations selbst aussuchen und manchmal auch anregen, dass das Drehbuch umgeschrieben wird.

Hast du ein Beispiel?
Ja! In der Folge, die jetzt für einen Emmy nominiert ist, gibt’s ja diesen Mord in Amsterdam ...

Die Auftragskillerin Villanelle schneidet im Schaufenster eines Bordells einen nackt von der Decke hängenden Mann auf und lässt ihn verbluten? Meinst du diese Folge?
Genau. Ursprünglich hätte der Mord anders aussehen sollen, aber ich hatte mich so ins Rjiksmuseum verliebt und wollte dort drehen. Deshalb machten wir uns im Museum auf die Suche nach einem Bild, das Villanelle inspirieren könnte. Und da war dieses historische Gemälde über den Doppelmord an den De Witt-Brüdern, zwei Politiker, die 1672 von ihren Gegnern grausam hingerichtet wurden. So entstand die Szene.

Lisa Brühlmanns Inspiration. Die Leichen der De Witt Brüder, vermutlich gemalt von Jan de Baen (um 1772).
Lisa Brühlmanns Inspiration. Die Leichen der De Witt Brüder, vermutlich gemalt von Jan de Baen (um 1772).
Bild: via wikipedia

Wir reden jetzt immer nur von einer Folge, aber in Wirklichkeit hast du ja zwei gedreht. In beiden hatte ich das Gefühl, dass Jodie Comer ungeheuren Spass daran hatte, deine Ideen zu verwirklichen, sie schien noch lockerer und draufgängerischer als sonst.
Ich hoffe sehr, dass sie Spass hatte! Die Zusammenarbeit mit ihr bestand vor allem darin, sie zu bestaunen. Ich habe ihr eine Rutschbahn angeboten und sie hat sie genommen. Ein Megatalent.

Als deine Produzenten die Folge zur Vornomination einreichten, hattest du da schon eine heimliche Hoffnung, in den Reigen der ganz Grossen aufgenommen zu werden?
Nein. Ich dachte: Schauen wir mal. Und dann hatte ich es völlig vergessen. Bis mich die Produzentin Sally Gentle am 16. Juli anrief und sagte: Gerade habe ich die Pressemeldung gelesen!

Sandra Oh und Jodie Comer, die sich innig liebenden Feindinnen aus «Killing Eve».
Sandra Oh und Jodie Comer, die sich innig liebenden Feindinnen aus «Killing Eve».
Bild: Chris Pizzello/Invision/AP/Invision

Gibt’s nun eine Kampagne wie bei den Oscars und ihr müsst alle Jurymitglieder von euch überzeugen?
Keine Ahnung! Ich lass mich jetzt einfach mal in die Dinge hineintreiben. Aber zuerst muss ich nach Boston, um eine Folge «Castle Rock» zu drehen.

Bitte?
Ja, das Staffelfinale.

Das sagst du jetzt so.
Und Anfang Jahr habe ich eine Folge für «The Servant» gedreht. Und im Winter stehen mir noch zwei Folgen «Dickinson» über die Dichterin Emily Dickinson bevor.

Das heisst, dein Mann, der Regisseur Dominik Locher, kümmert sich um die Kinder, die jetzt unser ganzes Gespräch lang brav durchgeschlafen haben ...
Der ist gerade in Paris und schreibt an einem Theaterstück. Wir wechseln uns ab. Und dann entwickeln wir auch noch ein gemeinsames Serienprojekt. Aber nach Boston kommt die ganze Familie mit und wir haben eine Nanny.

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