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Kommentar

5 Grafiken, wie meine Covid-Erkrankung verlief



Ich hatte es. Vermutlich hatte es die gesamte Familie. Doch wir hatten Glück und alle einen milden Verlauf. Mich erwischte es noch am schlimmsten. Den Leidensgrad würde ich auf einer Skala von 1,0 (fast nicht spürbar) bis 10 (unmenschlich) mit einer 3 benoten. Trotzdem war es (und ist phasenweise immer noch) eine eigenartige Erfahrung. Nichts, was man selber erleben müsste.

Die Ansteckung

Nun. Es ist nicht so, dass wir eine Ansteckung provozierten. Im Gegenteil.

Vorsichtsmassnahmen, die wir umsetzten:

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Ich würde unser grundsätzliches Verhalten als vorsichtig bezeichnen. Nicht als paranoid, aber in der Tendenz sicher vorsichtig. Trotzdem erwischte es uns. Und selbstverständlich stellten wir uns wiederholt die Frage, wo wir das Virus kassierten. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten:

Wo oder von wem wir uns vermutlich angesteckt haben:

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bild:watson.ch

Neben dem «Wo» bleibt auch das «Wann» ein Fragezeichen. Wir hatten nie Kontakt zu einer offiziell infizierten Person, die SwissCovid-App schlug ebenfalls keinen Alarm. Ein erster (Schnell-)Test am 15. Dezember nach den ersten Krankheitssymptomen blieb negativ. Ab diesem Zeitpunkt blieb ich zuhause, glaubte aber aufgrund des Testresultats an eine simple Erkältung.

Erst nach dem kompletten Verlust des Geruchssinns eine Woche später und einem zweiten Test war ich offiziell Covid-positiv. Da hatte ich die heftigsten (aber nicht eindrücklichsten) körperlichen Beschwerden (Gliederschmerzen) bereits hinter mir.

Die Krankheit

Aufgrund des ersten negativen Tests ist es schwierig zu beurteilen, welche meiner Symptome tatsächlich von Covid ausgelöst wurden. Aufgrund der Anzeichen innerhalb der Familie glauben wir aber, dass bereits die «Erkältung» Covid war. Wir vermuten, dass ich für den Schnelltest noch zu wenig Antikörper produziert hatte, respektive zu früh testete.

Symptome und ihre Intensität auf einer Skala von 1 bis 10:

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bild:watson.ch

Ja, ich hatte so ziemlich den gesamten Katalog. Fast noch interessanter ist allerdings dessen Verlauf.

Ablauf der Symptome und ihre Intensität:

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Meine Symptome nach bestem Wissen und Erinnerung. bild:watson.ch

Die Grafik suggeriert, dass der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns die dominierenden Symptome waren. Doch so ist es nicht. Ja, die sind ein bisschen eigenartig. Sogar Parfüm riecht nach nichts – so nach richtig absolut nichts. Das irritiert. Essen ohne Geschmackssinn, als rein funktionaler Akt, hat etwas Futuristisches. So stelle ich mir die Nahrungsaufnahme auf der ISS vor.

Ist der Geschmackssinn einmal weg, wird einem bewusst, wie sehr man auch die Qualität eines Nahrungsmittels anhand des Geschmacks überprüft. Rahm oder Milch, Dinge, die schneller verderben, stehen nun unter Generalverdacht. Nur das Gefühl für Süsse und Schärfe verschwindet nicht komplett. Die sauren Gurken während des traurig faden Raclettes schmecken ein bisschen – aber nach Honig. Und natürlich schreibt man den Kollegen im Chat: Endlich sche*****, ohne dass es stinkt.

Aber damit hat es sich auch schon.

Das dominierende Symptom der Krankheit war der Druck auf der Brust und das damit verbundene Gefühl, dass die Luft einfach nicht mehr so richtig in die Lunge will. Eine Art Taubheit. Ähnlich wie bei einer akuten Bronchitis. Es war nicht intensiv – eine Drei von Zehn – und ein paar Züge kalte Winterluft liessen die Bronchien wieder aufleben. Doch es vermittelte einen Eindruck, womit Patienten mit schwererem Verlauf zu kämpfen haben. Das Entsetzen und die Panik, die aufkommen muss, wenn sich die Atemlosigkeit unaufhörlich steigert. Niemand sollte das erfahren müssen. Wirklich niemand. Die Realität ist leider anders. Dementsprechend dankbar und demütig bin ich, dass meine Lunge funktioniert.

Worüber ich mich während der Pandemie am meisten freute:

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Eine Metaanalyse der WHO kommt zum Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Schweregrad der Covid-Erkrankung wahrscheinlich ist. bild:watson.ch

Die Nachwehen

Überraschend ist für mich, wie hartnäckig sich die Erkrankung hält, obwohl sie eigentlich milde verlief. Auch in Sachen Nachwehen. So richtig in die Gänge kam ich seit Ausbruch der Krankheit nicht mehr. Auf (Ausdauer-)Sport habe ich bisher verzichtet, weil unbemerkte Entzündungen des Herzens auftreten können, welche unter Umständen gefährlich sein können. Beim Treppensteigen spüre ich es: Konditionell ist weiterhin viel Luft nach oben.

Die komplette Herstellung des Geschmacks- und Geruchssinnes wird noch ein Weilchen dauern. Auch in Sachen Konzentration bin ich noch nicht auf der Höhe, und manchmal legt sich ein schwerer Schleier der Müdigkeit über mich. Aber das kann auch der Winter sein. Oder die schlaflosen Nächte dank der Kinder. Oder alles zusammen.

Bleibt auf jeden Fall gesund. Alles andere lohnt sich nicht.

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Die angepasste Covid-19-Verordnung vom 11. Dezember

Wie es aussieht, wenn du deinen Geschmackssinn wegen Covid verlierst

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