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Review

Im Horrorfilm «Halloween» ist das erste Opfer die Handlung

Der Serienkiller Michael Myers treibt wieder sein Unwesen im Kino. Das Erschreckendste dabei ist aber die vor Klischees triefende Story.
23.10.2018, 19:15

Von Leuten, die noch nie «Star Wars» gesehen haben, höre ich immer wieder, dass sie Mühe damit hätten, einen Zugang zu der Filmreihe zu finden. Das läge vor allem an den vielen Teilen, bei denen man gar nicht wisse, wo man denn nun beginnen solle.

Mit «Halloween» ist es ein bisschen ähnlich. Zehn Teile gibt es bisher. Nach dem Originalfilm von 1978 kamen neun weitere Filme hinzu, die mal auf der Vorlage aufbauten, mal nicht. Schliesslich gab es 2007 ein Remake und von diesem Remake kam 2009 wiederum eine Fortsetzung. Damit gibt es also zwei Filme mit dem Titel «Halloween II». Und dank des neusten Teils, den ich heute bespreche, gibt es sogar drei Filme mit dem Titel «Halloween»:

  • «Halloween» von 1978 (das Original)
  • «Halloween» von 2007 (das Remake)
  • «Halloween» von 2018 (der neuste Teil)

Um die Verwirrung noch komplett zu machen, ist «Halloween» 2018 aber keine weitere Neuverfilmung, sondern eine direkte Fortsetzung zu «Halloween» 1978, die alle anderen Teile inhaltlich nicht berücksichtigt.

Alles klar soweit? Gut!

Bild: Universal Pictures

Die Handlung des Films setzt 40 Jahre nach dem Original ein. Michael Myers ist am Leben, auch wenn er die vergangenen vier Jahrzehnte in einer geschlossenen Anstalt verbracht hat. Dort hat er während seines ganzen Aufenthalts nicht ein einziges Wort gesprochen, was zwei Journalisten äusserst interessant finden.

Die beiden Schreiberlinge, welche Myers schon bald besser kennenlernen als ihnen lieb ist, führen uns mit ihren Recherchen im Schnelldurchlauf noch einmal durch die Story des ersten Films. Spätestens nach zehn Minuten weiss sogar ein Zuschauer, der den ersten Teil nie gesehen hat, worum es geht.

Besagte Reporter, zusammen mit Myers Psychiater (vorne links).
Besagte Reporter, zusammen mit Myers Psychiater (vorne links).
Bild: Universal Pictures

Nach der Einführung soll Myers dann mit einem netten, gelben Gefängnisbus in eine andere Anstalt verlegt werden. Wir alle wissen, was das bedeutet: Der Bösewicht nutzt diese Gelegenheit, um auszubrechen. Fortan sucht er nach Laurie Strode, der Frau, die sich im ersten Teil seinen Mordgelüsten entziehen konnte. Auf dieser Suche mordet er sich durch die amerikanische Mittelschicht, wie ein Mähdrescher sich durch ein Kornfeld frisst.

Nachvollziehbar müssen diese Morde nicht sein. Hauptsache, möglichst brutal und möglichst viele. Namenloser Automechaniker mit Latzhose? Zack, tot! Namenlose Frau mit Pferdeschwanz? Zack, tot! Namenloser Junge mit Schrotflinte? Ja, genau – zack, tot! Den Bodycount des Originalfilms hat Myers bereits nach wenigen Minuten in Freiheit übertroffen, auch wenn die meisten dieser Morde für die Handlung überhaupt nicht relevant sind.

Bei dieser Mordtour bedient sich der Film an gefühlt jedem Horrorfilmklischee der letzten 40 Jahre. Beispielsweise hat man fast den Eindruck, dass Michael Myers sich von Haus zu Haus teleportieren kann, so urplötzlich wie er jeweils in den Zimmern der Opfer auftaucht. Diese stellen sich währenddessen natürlich möglichst ungeschickt an, wenn es darum geht, ihrem zukünftigen Schlächter zu entkommen.

Jamie Lee Curtis kehrt erneut in ihrer Rolle als Laurie Strode zurück.
Jamie Lee Curtis kehrt erneut in ihrer Rolle als Laurie Strode zurück.
Bild: Universal Pictures

Klar, man könnte hier nun argumentieren, dass diese ganzen Klischees ein Tribut an das Original sind, immerhin hat John Carpenter 1978 mit seinem Film den Grundstein für genau diese Klischees gelegt. Aber mal ehrlich: Wenn ein Bösewicht einfach immer und immer und immer wieder aufsteht, selbst wenn man ihn mit dem Auto so richtig übel über den Haufen fährt, ist das einfach ermüdend.

Das alles macht die Story ziemlich vorhersehbar und lässt nicht wirklich Spannung aufkommen. Man nimmt es mehr zur Kenntnis, wenn etwas Dramatisches passiert, als dass man mit der Situation mitfiebert.

Dabei beweist der Film im zweiten Drittel der Geschichte, in welche Richtung es hätte gehen können: Dort nimmt der Streifen sich selbst und das ganze Horrorgenre in einer kleinen, aber feinen Sequenz dezent aufs Korn. Das hätte sich ruhig durch den ganzen Film ziehen dürfen.

Auch der Gruselfaktor hält sich sehr stark in Grenzen. Ab und zu ein Jump-Scare, um das Publikum zu erschrecken, mehr liegt nicht drin. Eine beklemmende Stimmung, in der man seine Finger vor lauter Anspannung in die Polsterung des Kinosessels krallt, wollte bei mir jedenfalls nicht aufkommen. Das ist sehr schade, denn vor allem die letzten 20 Minuten hätten einige Möglichkeiten für ein richtig gruseliges Kammerspiel geboten.

Der unverwüstliche Myers boxt sich auch ohne Probleme durch Glas- und Holzwände.
Der unverwüstliche Myers boxt sich auch ohne Probleme durch Glas- und Holzwände.
Bild: Universal Pictures

Unter dem Strich ist «Halloween» ein Film für genau zwei Gruppen von Zuschauern:

  • Fans des Originals, welche nichts Neues sehen und sich stattdessen in Querverweisen und Easter-Eggs suhlen möchten.
  • Slasherfans, die es lieben, wenn die Kamera bei einer Szene, in welcher ein Kopf zerquetscht wird, möglichst lange draufhält.

Kinostart: «Halloween» läuft am 24. Oktober im Tessin und am 25. Oktober in der Romandie und der Deutschschweiz an. Der Film hat eine Länge von 109 Minuten.

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