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Reproduction of an image of the shelter

Bild: AFP

400 Minderjährige befreit

So lebten die missbrauchten Heimkinder in Mexiko



Nach der Befreiung von über 400 Kindern aus einem Heim im Westen Mexikos kommen immer mehr Details über die menschenunwürdigen Zustände in der Einrichtung ans Licht. Neun Personen befinden sich in Haft.

Kinder seien zur Strafe für lange Zeit ohne Essen und Trinken in eine sechs Quadratmeter grosse Zelle eingesperrt worden, sagte der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft, Tomás Zerón, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Soldaten und Polizisten hatten am Vortag 597 Menschen aus dem Internat in Zamora im Bundesstaat Michoacán geholt. 438 von ihnen sind minderjährig, sechs davon im Babyalter. Die Gründerin des Heimes «La Gran Familia» (Die grosse Familie) sowie acht Mitarbeiter wurden festgenommen. Rosa del Carmen Verduzco wird Freiheitsberaubung vorgeworfen.

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Ein Video von 2011 (auf spanisch) über die beschuldigte Mamá Rosa, die damals noch als angesehene Frau galt und für ihre soziale Arbeit zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat.  Video: Youtube/faifara

20 Tonnen Müll gefunden

«Die Bewohner haben unter unmenschlichen Bedingungen gelebt», sagte Zerón. So hätten die Ermittler rund 20 Tonnen Müll in den Schlaf- und Speisesälen des Heims entdeckt. Die Kinder seien zum Betteln gezwungen worden, hätten sich von verfaulten Lebensmitteln ernähren müssen und auf dem Boden zwischen Insekten und Ratten geschlafen.

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Bild: AFP

Zudem hätten die Kinder von sexuellem Missbrauch berichtet, sagte Zerón. Ein Mann habe sie zu Oralsex gezwungen. Sollten sie sich weigern, werde er sie töten und ihre Organe verkaufen, habe er gedroht.

Auch Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren seien gegen ihren Willen festgehalten worden. So habe eine der befreiten Frauen der Polizei berichtet, sie habe die Einrichtung mit 18 Jahren verlassen wollen, sei aber 13 weitere Jahre festgehalten worden.

In dieser Zeit brachte die Frau nach eigenen Angaben zwei Kinder zur Welt. Diese seien ihr weggenommen worden. Heimgründerin Verduzco liess zahlreiche Neugeborene bei den Behörden auf ihren Namen registrieren.

Gründerin erhielt Auszeichnungen

Zwar waren bereits 2010 Vorwürfe gegen «La Gran Familia» laut geworden, doch in Michoacán galt Verduzco als angesehene Frau. Sie traf die damaligen Präsidenten Vicente Fox (2000-2006) und Felipe Calderón (2006-2012) und erhielt für ihre soziale Arbeit zahlreiche Auszeichnungen.

Ex-Präsident Fox stellte sich hinter die Verduzco: «Mamá Rosa, ich bin solidarisch mit dir. Ich weiss, dass du stark bist, und ich weiss um all das Gute, das du für Tausende Kinder und Jugendliche getan hast», schrieb er am Mittwoch auf Twitter. «Habe Mut. Ich schicke dir eine feste Umarmung.» (sda/dpa)

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