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Schuelerinnen und Schuler der 2. Sekundarstufe nehmen im Schulhaus Florentini in Chur am Sexualkunde-Unterricht teil, aufgenommen am 24. Januar 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Sexualkunde in der Sekundarschule. Bild: KEYSTONE

Sex-Koffer

Gummis, Dildos und Plüschvagina: Bundesrat gegen ein Verbot von Sexualkunde



Wie an den Schulen Sexualkundeunterricht erteilt wird, soll weiterhin Sache der Kantone sein. Eine Volksinitiative, die Vorschriften zum Aufklärungsunterricht in der Verfassung verankern will, empfiehlt der Bundesrat ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. 

Die Initiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» verlangt namentlich, dass erst über 12-jährige Kinder obligatorisch über menschliche Fortpflanzung und Entwicklung unterrichtet werden dürfen. Zwischen dem neunten und dem zwölften Altersjahr könnte Sexualkundeunterricht freiwillig angeboten werden. 

Für jüngeren Kinder wäre Sexualkundeunterricht gemäss der von rechtskonservativen Kreisen lancierten Initiative verboten. Prävention gegen Kindesmissbrauch dürfte auch in Kindergärten und in den untersten zwei Primarklassen angeboten werden, aber ohne dass Sexualkunde zur Sprache kommt. 

Benjamin Spuehler, links, Elternkomitee Basel und Jakob Buechler, Nationalrat (CVP), rechts, lancieren im Namen eines ueberparteilichen Komitees die Volksinitiative

Initiant Jakob Büchler (CVP). Bild: KEYSTONE

Unbegründete Befürchtungen

Die Initiative richte sich gegen die heutige Praxis an den Primarschulen und verhindere so die Erfüllung des öffentlichen Bildungsauftrages, hiess es in der Mitteilung des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). 

Zum Bildungsauftrag gehört es laut WBF, Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse zur Sexualität und zur Gesundheitsprävention zu vermitteln. Für unbegründet hält der Bundesrat die Befürchtungen der Initianten, dass der Sexualkundeunterricht mit dem Lehrplan 21 ausgebaut und das Erziehungsrecht der Eltern beschränkt würde.

Zuallererst seien die Eltern für die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen verantwortlich. Ein Schulfach Sexualkunde werde es nicht geben. Der heute im Rahmen der Fachbereiche Mensch, Natur und Gesellschaft erteilte Unterricht habe sich bewährt. Schon seit Jahren gehöre er zu den Volksschullehrplänen der Kantone. 

Ausserdem verweist der Bundesrat auf das Kindeswohl: Alle Kinder, unabhängig von der Situation in ihren Familien, sollen von ihrem Alter entsprechender Prävention profitieren können. Im Auge hat er dabei nicht Vorbeugung gegen sexuelle Übergriffe, sondern auch gegen sexuelle Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften. 

Sex-Koffer als Anstoss für Initiative

Einen Anstoss zu der Ende 2013 eingereichten Initiative gab der so genannte Basler Sex-Koffer mit Aufklärungsmaterial, der 2011 in die Schlagzeilen gekommen war. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) werfen die Initianten zudem vor, unter dem Vorwand der Aidsprävention Sexualkundeunterricht für kleine Kinder forcieren zu wollen. 

Zustande kam das Volksbegehren indes erst im zweiten Anlauf. Die Unterschriftensammlung zu einer ersten Initiative gleichen Inhalts wurde eingestellt, nachdem bekannt geworden war, dass ein Mitinitiant einige Jahre zuvor wegen Kindsmissbrauchs verurteilt worden war. In der Folge zog sich dieser aus dem Initiativkomitee zurück. Das Komitee startete die Unterschriftensammlung in leicht geänderter Zusammensetzung ein zweites Mal. 

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