Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Basler Sektenbekämpfer sagte Scientology den Kampf an – und muss jetzt vor Gericht

Der Sekten-Gegner Manfred Harrer muss sich für seinen Kampf gegen die Scientology vor Gericht verantworten. Das will er als Plattform nutzen.

Leif Simonsen / ch media



Bild

Manfred Harrer lässt keinen Zweifel an seiner Meinung zu Scientology. Bild: Juri Junkov

Seit Jahren liefert sich Manfred Harrer mit der Scientology erbitterte Kämpfe. Harrer versteht sich als Sprecher gewaltfreier Aktivisten gegen Scientology. Die Sektengegner sind insbesondere im Internet stark präsent. Nun verlagert sich die Auseinandersetzung in den Gerichtssaal. Im Januar findet die erste Basler Strafgerichtsverhandlung statt, bei der sich Vertreter der Scientology und ihre Gegner gegenübersitzen.

Harrer hat sich dazu entschieden, mit offenem Visier in die Verhandlung zu gehen. In Deutschland hätten die Scientology-Gegner mit Masken an Gerichtsprozessen teilgenommen, um sich und ihre Angehörigen zu schützen. Der 67-Jährige aber ist geschieden, seine Familienangehörigen sind nicht in Basel wohnhaft – er wolle nun seine Narrenfreiheit nutzen. Harrer sagt, er wolle einen Prozess haben, der möglichst viel Medienaufmerksamkeit generiert. Er hat zum Ziel, die Scientology mit deren eigenen Waffen zu schlagen.

Lesen Sie ausserdem:

Die Sektenjäger: Dieses Paar macht Scientology einen Strich durch die Rechnung

Denn es ist die Scientology, die zahlreiche Strafanträge gegen ihn eingereicht hat. Harrer dürfte sich für die Basler Scientology tatsächlich wie eine lästige Fliege anfühlen, die sich nicht abschütteln lässt. Seit mehreren Jahren ist er immer dort anzutreffen, wo die Sekte auf Mitgliederfang geht. Mehrere Scientology-Mitglieder haben Strafanzeige wegen übler Nachrede oder versuchter Nötigung eingereicht. Die Auseinandersetzungen fanden meist in der Nähe des Informationsstands am Claraplatz statt.

Ein Schwall an Vorwürfen und Beleidigungen

Die Vorwürfe: Harrer mischte sich in Gespräche ein, fotografierte Scientologen, warnte die Sektenmitglieder, sie würden ihr blaues Wunder erleben, wenn sie Jugendliche ansprechen würden. Mehrmals soll er den Scientology-Mitarbeitern verbal angegriffen, einen davon als «Arschloch» betitelt und ihm gar ins Gesicht gespuckt haben. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat Harrer per Strafbefehl, welcher dieser Zeitung vorliegt, zu einer Geldstrafe von knapp 4000 Franken verurteilt.

Manfred Harrer hat nun dagegen rekurriert, woraufhin es zum Prozess kommt. Erstens ist er der Überzeugung, dass ein Grossteil der erhobenen Vorwürfe gegen ihn haltlos seien, «an den Haaren herbeigezogen». So habe er etwa dem Scientology-Mitarbeiter nicht ins Gesicht gespuckt, sondern vor die Füsse. Scientology liess eine Anfrage der bz unbeantwortet.

Manfred Harrer will den Spiess umdrehen und einen Schauprozess veranstalten. Tatsächlich soll er dies bereits 2015 bei einer Auseinandersetzung mit einem Scientology-Mitarbeiter gesagt haben. Auf Anfrage sagte er nun, dass er auch die Medien am 13. Januar dabei haben wolle. Er will, dass Grundsatzfragen im Umgang mit der Scientology aufs Tapet kommen. «Ich will unter anderem erreichen, dass ein Boykottaufruf gegen die Sekte nicht als Straftatbestand gilt», sagt Harrer. Auch sollen die Fragen zum Persönlichkeitsschutz geklärt werden. «Mit ihrer aggressiven Art sind sie stadtbekannt worden. Wenn wir Bilder von ihnen auf Facebook stellen, dann dient das dem öffentlichen Interesse», ist Harrer überzeugt. Der Umgang mit den Persönlichkeitsrechten der Scientology-Leute wird vor dem Strafgericht eingehend diskutiert werden müssen.

Harrer handelte sich einen Strafantrag ein, weil er Basels obersten Scientologen auf Facebook als «Gefahr für die ganze Schweiz» bezeichnet hatte. Immer wieder nutzt er bis heute Facebook, um auf die Machenschaften von Scientology aufmerksam zu machen. Vom Prozess erwartet er Klarheit darüber, was künftig erlaubt sein wird.

Sollte Harrer verlieren, würde er in den sauren Apfel beissen und soziale Arbeit verrichten. Als Verlierer im Kampf gegen die verhasste Sekte wird er sich aber nicht sehen. Nicht zuletzt dank seinem Wirken und den Aktionen der «Gewaltfreien Aktivisten gegen Sekten und ihren Publikationen im Internet» habe sich der Mitarbeiterbestand stark verkleinert. Sein Ziel sei aber erst erreicht, wenn die Scientology ganz aus Basel verschwunden sei.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Uriella ist tot

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Die Sommerferien sind seit heute in den meisten Kantonen vorbei, die Lehrer wieder gefordert. Wie gut wird das entlöhnt? Die grosse Übersicht über die Löhne der Lehrer nach Kantonen – vom Kindergarten bis zum Gymnasium und der Berufsschule.

Noch Ende Juni suchten diverse Schulen Lehrkräfte für das neue Schuljahr. Insbesondere in Kindergärten und Primarschulen sei es schwierig. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen. Bis 2025 werden in mehreren Kantonen historische Höchstwerte erreicht. Und auch der Lohn trägt seinen Teil dazu bei.

Denn insbesondere auf den unteren Stufen sind die Entschädigungen nicht gerade rosig – gemessen an der Ausbildung und der gesellschaftlichen Verantwortung. Dazu kommen massive …

Artikel lesen
Link zum Artikel