Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Versuchte Erpressung an Alain Berset – deshalb ist der Strafbefehl eingeschwärzt



Im Strafbefehl gegen die Täterin des Erpressungsversuchs gegen Bundesrat Alain Berset sind deren Personalien und weitere Angaben geschwärzt. Das Bundesgericht stützt solche Einschwärzungen. Sie schützen die Privatsphäre von Opfer und Täter.

Dass die Einschwärzungen in dem Strafbefehl eine Sonderbehandlung für die Magistratsperson Berset seien, weisen sowohl die Bundesanwaltschaft als auch Bersets Anwalt Patrik Eisenhut zurück. Der Strafbefehl habe ordnungsgemäss dreissig Tage lang öffentlich aufgelegen, sagte Eisenhut am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Gemäss einem Bundesgerichtsurteil von 2016 sei eine Anonymisierung eines Strafbefehls zulässig, wenn die Persönlichkeitsrechte Dritter tangiert sind. Im konkreten Fall waren das die Rechte des Opfers Alain Berset.

Des weiteren seien Behauptungen der Täterschaft geschwärzt worden, die diese als unwahr zurückgenommen habe, erklärte Eisenhut weiter. Wäre das nicht der Fall gewesen, wären Verleumdungen weiter verbreitet worden. Im Sinnes des Opferschutzes sei das unzulässig.

Für den Anwalt erfolgten die Einschwärzungen im Einklang mit der Strafprozessordnung und wären bei einem «Normalbürger» ebenso erfolgt. Als einzigen Unterschied kann sich Eisenhut vorstellen, dass bei einem «Normalbürger» vielleicht die Angaben zur Täterschaft offengelegt worden wären.

Zusätzlicher Schaden für Berset

Die Bundesanwaltschaft (BA) hielt fest, beim Strafbefehl für den Erpressungsversuch am Vorsteher des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI) nach der üblichen Praxis vorgegangen zu sein. Grundsätzlich sei es Aufgabe einer Staatsanwaltschaft, bei der öffentlichen Auflage eines Strafbefehls zwischen öffentlichen und privaten Interessen abzuwägen.

Im Fall Bersets nahm die BA ihren Angaben zufolge eine zusätzliche Anonymisierung vor. Sie begründet das damit, dass sonst das Opfer noch mehr geschädigt worden wäre.

Bundesrat Alain Berset, spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates, am Mittwoch, 11. November 2020, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Alain Berset ist als Bundesrat immer wieder Opfer von strafbaren Handlungen. Bild: keystone

Wörtlich heisst es dazu im Strafbefehl: «... eine uneingeschränkte Auflage des vorliegenden Strafbefehls würde der öffentlichen Verbreitung der gegen sie (Anmerkung: die geschädigte Person, also Berset) erhobenen Behauptungen und mithin der Verwirklichung der von der beschuldigten Person widerrechtlich angedrohten Nachteilen gleichkommen.»

Gesundheitsminister Berset wurde im Dezember 2019 Opfer eines Erpressungsversuchs durch eine Frau. Berset erstattete Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft (BA). Das führte zu einer Verhaftung und einem Strafverfahren. Das Verfahren endete im September 2020 mit einem rechtskräftigen Strafbefehl. Diesen machte die Zeitschrift «Weltwoche» am Samstag publik. Er liegt auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Bilder zeigen was in unserer Gesellschaft falsch läuft

Gesamtes Insta-Live-Interview mit Alain Berset

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Ich will eine Roadmap gegen Gewalt an Frauen»: Offensive von Karin Keller-Sutter

Bundesrätin Karin Keller-Sutter will Frauen besser vor Gewalt durch ihre Partner schützen. Sie startet deshalb eine Offensive und holt dabei die Kantone mit ins Boot.

Im Frühling werde eine Tagung mit dem Bundesamt für Justiz, den kantonalen Polizeidirektoren, den Sozialdirektoren und dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau stattfinden. Ziel sei es, alle Massnahmen zusammenzutragen, um Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt besser zu schützen. Dies sagte Bundesrätin Karin Keller-Sutter in einem Interview mit der NZZ am Sonntag. Auch Organisationen, die sich in dem Bereich professionell engagierten, würden einbezogen, als Beispiel …

Artikel lesen
Link zum Artikel