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Koch spricht sich für mehr Fans in Stadien aus: «Die 1000er-Grenze muss nicht starr sein»

Der ehemalige Mister Corona der Schweiz erklärt, warum es möglich sein sollte, wieder mehrere Tausend Zuschauer bei Sportveranstaltungen zuzulassen.

Sven Altermatt / CH Media



Bis Ende August sind Grossveranstaltungen verboten. Wie es dann weitergeht, entscheidet der Bundesrat nächsten Mittwoch in seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien.

Daniel Koch, Delegierter des BAG fuer COVID-19 waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus (COVID-19), am Freitag, 15. Mai 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der langjährige BAG-Mitarbeiter Daniel Koch ist nun als Berater tätig. Zu seinen Kunden zählt unter anderem der SC Bern. Bild: KEYSTONE

Besonders die grossen Sportverbände sind besorgt: Dürfen weiterhin und auf längere Zeit nur 1000 Fans die Spiele in den Stadien besuchen? Sollte dem so sein, seien «insbesondere die Klubs aus den höchsten Spielklassen im Fussball und Eishockey sowie Veranstalter von Sportgrossanlässen unmittelbar in ihrer Existenz bedroht», warnte der Verband Swiss Olympics jüngst in einem eindringlichen Brief.

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Nun bekommt die Sportlobby weitere Rückendeckung von prominenter Seite: Daniel Koch, der ehemalige Mister Corona des Bundes, fordert eine differenzierte Lösung für Sportveranstaltungen – damit wieder mehr Personen die Spiele besuchen können.

«Die 1000-Zuschauer-Grenze muss nicht starr sein», sagt Koch im Gespräch mit der Redaktion von CH Media. «Man sollte sich überlegen, bei welchen Veranstaltungen es möglich ist, mehr Zuschauer zuzulassen. Immer unter der Voraussetzung, dass man die Risiken abschätzen kann, die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten werden können und dass es vor allen Dingen entsprechende Schutzkonzepte gibt.»

Wie ein solches Schutzkonzept aussehen kann, dazu hat sich Koch in den vergangenen Wochen seine Gedanken gemacht. Bis Ende Mai stand der 65-jährige Arzt im Dienst des Bundesamts für Gesundheit, zuletzt als Delegierter für Covid-19 und zuvor jahrelang als Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten». Kaum im Ruhestand gründete er eine Einzelfirma, mit der er seine Dienste anbietet.

Der Eishockeyklub SC Bern engagierte ihn als Berater rund um Schutzkonzepte für Heimspiele. Er sollte «effiziente Lösungen» für die 17'000 Zuschauer fassende Post-Finance-Arena finden. Zu seiner konkreten Arbeit für den Verein will sich Koch nicht äussern. Allgemein steht für ihn aber fest:

«Das Wichtigste ist die Rückverfolgbarkeit im Falle einer Infektion, und bei Sportveranstaltungen kann diese meiner Ansicht nach oft gut gewährleistet werden.»

Einerseits durch klare Informationen im Vorfeld, personalisierte Tickets sowie durch fest zugewiesene Sitzplätze mit Abstand untereinander. Und andererseits durch klare Regeln, wie die Zuschauer ins und aus dem Stadion gewiesen werden. Sofern ein Schutzkonzept da gute Ansätze aufzeige, sehe er keinen Grund, warum Sportanlässe nicht auch mit mehreren Tausend Zuschauern durchführbar sein sollten.

Koch plädiert für eine differenzierte Lösung

Wenn es in einem Stadion einen Coronafall gebe, könne man nicht einfach 10’000 Personen in Quarantäne stecken, betont Koch. Aber wenn man genau wisse, wer sich wo im Stadion aufgehalten habe, sei es möglich, die Personen in der direkten Umgebung in Quarantäne zu schicken.

Ein solches konsequent betriebenes Contact Tracing ist aus Sicht Kochs allemal besser, «als wenn sich Hunderte Menschen auf dem Kickplatz zu spontanen Fussballmatches in der Freizeit treffen».

Für den pensionierten Krisenmanager entfaltet der Profisport seine Wirkung auch auf den Breitensport – und damit auf die Volksgesundheit. «Wenn die Profis gar nicht mehr Fussball oder Eishockey spielen, sehen sich vielleicht weniger Leute dazu animiert, Sport zu treiben und sich zu bewegen», befürchtet Koch. «Ich bin sicher, dass der Bundesrat die Problematik der Sportveranstaltungen vertieft anschauen wird.»

Tatsächlich hat Gesundheitsminister Alain Berset in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen bereits angekündigt, der Bundesrat müsse «vermutlich auch für Grossveranstaltungen eine differenzierte Lösung finden».

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