Schweiz
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Die neuen Corona-Regeln: Was du jetzt wissen musst

Wie geht es in der Bekämpfung des Coronavirus nun weiter? Der Bundesrat präsentierte am Mittwoch seine Eindämmungsstrategie für die nächsten Wochen und Monate. Die zentralen Punkte heissen Testen und Contact Tracing. Die wichtigsten Punkte in der Übersicht.



Nachdem die Zahlen zu Neuansteckungen und Todesfällen im April langsam abgenommen haben, ist es nun das oberste Ziel des Bundesrats, die Zahl der Neuinfektionen weiter zu senken und in den kommenden Wochen und Monaten auf tiefem Niveau zu halten. Nur dann seien weitere Lockerungen möglich.

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Unter Einbezug der Kantone hat der Bundesrat ein entsprechendes Konzept für die Eindämmungsphase (Containment) erarbeitet.

Die zwei Zauberworte der Strategie heissen Testen und Contact Tracing. Nachfolgend die 14 wichtigsten Fragen und Antworten in der Übersicht.

Zum Thema Testen:

Wieso werden jetzt wieder alle Personen mit Symptomen getestet?

Während der intensiven Phase der Epidemie wurde mit strikten Hygiene- und Distanzempfehlungen und strengen Massnahmen wie der Schliessung von Schulen und Geschäften eine grössere Ausbreitung verhindert und besonders gefährdete Personen geschützt. Die Tests fokussierten auf Personen mit schweren Symptomen oder Risikogruppen, bei denen der labordiagnostische Befund entscheidend für die weitere Behandlung war.

Mit dem Abflauen der epidemischen Welle sinkt die Zahl der Neuinfektionen. Die Massnahmen zum Schutz vor dem Virus werden schrittweise gelockert. Jetzt muss verhindert werden, dass die Ansteckungszahlen wieder steigen. Um möglichst jede Neuinfektion rasch zu erkennen, werden alle Leute mit Symptomen getestet. Die Kantonsärztinnen und Kantonsärzte können zudem beschliessen, Personen in Spitälern oder Pflegeheimen zu testen, um die Ausbreitung des Virus innerhalb der Einrichtung zu verhindern und zu kontrollieren.

Ich bin erkältet, habe Halsweh – werde ich jetzt getestet?

Der Test wird allen Personen mit folgenden Symptomen empfohlen:

Wer solche Symptome hat, soll sich an seine Ärztin oder seinen Arzt wenden oder nach dem Coronavirus-Check (online) die entsprechenden Anweisungen befolgen.

Wo kann ich mich testen lassen?

Bei den Testangeboten sind die Kantone unterschiedlich organisiert. Wer sich testen lassen will, braucht in der Regel eine Zuweisung des Arztes. In einzelnen Kantonen reicht auch das Ergebnis eines Coronavirus-Checks. Testen lassen können sich Menschen mit Symptomen bei einer Vielzahl von Ärztinnen und Ärzten, in Spitälern oder speziell bezeichneten Testzentren, wobei an manchen Orten eine Anmeldung nötig ist.

Was geschieht, wenn der Test positiv ausfällt?

Fällt ein Test positiv aus, muss die Person in Selbst-Quarantäne. Damit soll eine Übertragung auf andere Personen verhindert werden. Die Quarantäne dauert mindestens 10 Tage und wird von den kantonalen Behörden kontrolliert.

Was kostet ein Test und wer bezahlt ihn?

Ein Test kostet rund 100 Franken. Bei Personen mit schweren Symptomen oder erhöhtem Komplikationsrisiko wird der Test – wie andere diagnostische Tests auch – von der Krankenkasse übernommen; der Test ist aber nicht von der Franchise befreit. Das Testen von Personen mit leichten Symptomen, die zu keiner Risikogruppe gehören, dient der Überwachung der Epidemie. Diese Kosten gehen zu Lasten der Kantone.

So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie

Zum Thema Contact Tracing

Um die Epidemie unter Kontrolle zu behalten, muss möglichst jede einzelne Neuinfektion zurückverfolgt werden. Wo hat sich die Person in den letzten Tagen aufgehalten, mit wem hatte sie engen Kontakt, wen könnte sie allenfalls angesteckt haben? Das Zurückverfolgen der Infektionsketten mit gezieltem Contact Tracing ist zentral, um ein Wiederaufflackern der Epidemie langfristig zu verhindern.

Wieso beginnt man erst jetzt wieder mit dem Contact Tracing?

Das konsequente Nachverfolgen jedes einzelnen Falls ist sehr aufwändig. Die verantwortlichen Stellen von Bund und Kantonen gehen davon aus, dass ein konsequentes Nachverfolgen wieder möglich ist, sobald die Zahl der Neuinfektionen pro Tag schweizweit unter rund 100 Fällen liegt. Man rechnet pro infizierte Person mit rund 20 Kontakten, die einzeln benachrichtigt werden müssen. Die Kantone sind zuständig für das Contact Tracing und können dazu unterstützendes Personal beiziehen.

Wer gilt als enge Kontaktperson, die möglicherweise infiziert wurde?

Als enge Kontaktperson gilt, wer zu einem bestätigten Fall während der infektiösen Zeitspanne (d.h. nach Auftreten der Symptome und 48 Stunden davor) engen Kontakt hatte, das heisst während mehr als 15 Minuten weniger als 2 Meter Abstand ohne Schutzmassnahme wie Hygienemaske oder Trennscheibe.

Wer informiert mich, wenn ich mit einer infizierten Person in Kontakt war?

Die kantonalen Behörden benachrichtigen die Betroffenen und informieren diese über das weitere Vorgehen.

Ich gehöre zu den Kontaktpersonen eines Infizierten – muss ich in Quarantäne?

Ja. Enge Kontaktpersonen werden unter Quarantäne gestellt, um eine mögliche Weiterverbreitung zu verhindern. Die Kantonsärztin bzw. der Kantonsarzt verfügt die Quarantäne. Treten innerhalb von zehn Tagen nach einem Kontakt Symptome auf, wird der Arzt oder die Ärztin einen Test anordnen. Treten in dieser Zeit keine Symptome auf, kann davon ausgegangen werden, dass die Person nicht angesteckt wurde. Die Quarantäne wird aufgehoben.

Welche Rolle spielt die Proximity-Tracing-App?

Digitale Applikationen können das traditionelle Contact Tracing der Kantone ergänzen und mithelfen, die Kontakte von Neuinfizierten zu eruieren. Dies gilt insbesondere für Smartphone-Apps, die mit Bluetooth-Funktechnik Kontakte aufzeichnen. Mittels Bluetooth wird nachvollziehbar, wer mit einer positiv getesteten Person in Kontakt gekommen ist. Wer länger als 15 Minuten und in einem Abstand unter 2 Metern mit der positiv getesteten Person Kontakt hatte, erhält eine Benachrichtigung. Sie wird aufgefordert, die in der App genannte Infoline Coronavirus anzurufen, um die weiteren Schritte abzuklären.

Erachtet die Ärztin oder der Arzt einen Coronavirus-Test für notwendig und fällt dieser positiv aus, wird eine Isolation angeordnet. Der kantonsärztliche Dienst informiert über weitere Schritte.

Werde ich während einer Isolation oder Quarantäne krankgeschrieben, bekomme ich also meinen Lohn weiterhin?

Ja, wenn die Isolation vom Arzt (Arztzeugnis) oder durch die kantonalen Behörden angeordnet worden ist. Im Falle der Quarantäne ist hierzu eine Anordnung der kantonalen Behörden notwendig. Wer sich freiwillig in Quarantäne begibt, weil er mit einer infizierten Person in Kontakt war, soll sich beim Arzt oder der BAG-Hotline über das weitere Vorgehen informieren.

Wie lange dauert die Eindämmungsphase?

Das Ziel der Massnahmen in der Containment- oder Eindämmungsphase ist es, über eine längere Zeitspanne (bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs, d.h. wohl für die nächsten 6 bis 18 Monate) eine erneute Verbreitung und einen deutlichen Anstieg der Erkrankungsfälle zu verhindern. Sollten die Fallzahlen wieder ansteigen, würde das konsequente Nachverfolgen der Neuansteckungen kaum mehr möglich sein und die Lockerungen der Massnahmen müssten überprüft und allenfalls wieder rückgängig gemacht werden.

Was geschieht, wenn die Zahl der Neuansteckungen nicht sinkt, sondern wieder in die Höhe schnellt?

Je nach der epidemischen Entwicklung würden die Schutzkonzepte angepasst und geplante Lockerungsschritte verschoben bzw. bereits eingeführte Lockerungen zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht.

Wie wird verhindert, dass Reisende aus dem Ausland das neue Coronavirus in die Schweiz tragen?

Dieses Konzept ist noch in Erarbeitung. Es muss mit den umliegenden Ländern koordiniert werden. Alle Massnahmen müssen darauf abzielen, dass erkrankte Personen möglichst identifiziert und isoliert werden können, damit das Virus möglichst nicht in die Schweiz eingeschleppt wird. Zugleich soll verhindert werden, dass Schweizerinnen und Schweizer auf Reisen das Virus in andere Länder tragen.

(jaw)

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    Alle Leser-Kommentare
  • BiffiZ07 29.04.2020 22:14
    Highlight Highlight Über Weihnachten und Neujahr war ich für 10 Tage mit (im Nachhinein wissend) !allen! Corona Symptomen bettlägerig. Wir wussten nicht, was Corona ist und ich nehme das Keinem böse. Aber aus dem Notfall wurde ich (als ich zweimal zuhause und einmal sogar vor Ort) fast erstickt wäre mit einem Hustensaftrezept nach Hause geschickt. Nicht mal krankschreiben wollte man mich. Zwei Monate später werden Menschen mit denselben Symptomen ohne zu zögern auf die Intensivstation verlegt.
    Das macht mir schon ein wenig Angst.
  • atorator 29.04.2020 19:33
    Highlight Highlight Wir werden sowas von in eine 2. Welle laufen, wie in einen Hammer. Die Wirtschaftsverbände haben natürlich ihre Bundesräte kontaktiert und Druck gemacht.

    Bei der spanischen Grippe war die 1. Welle auch relativ harmlos. Die 2. dann dafür ziemlich humorlos.

    Ich sehe es bei uns in Winti auf der Strasse und in den Büssen. Vielen ist es völlig egal. Keine Vorsicht mehr, keine Abstände. Das wird eine bittere Pille, die wir schlucken werden müssen.
    • Gooner1886 30.04.2020 00:21
      Highlight Highlight Ich weis nicht ob man das vergleichen kann. Ich habe absolut keine Ahnung von der Materie aber spanische Grippe ist spanische Grippe und Covid-19 ist Covid-19. Kommt dazu das die spanische Grippe vor gut 100 Jahren war und dementsprechend komplett andere Voraussetzungen. Der 1. Weltkrieg war ist eine davon, der Fortschritt allgemein eine zweite. Lange Rede kurzer Sinn. Ich bin der Meinung sie vergleichen Äpfel mit Birnen.
  • MartinZH 29.04.2020 17:48
    Highlight Highlight Ich kenne mittlerweile alle Regeln. Sie wurden mir in den letzten Wochen zur Genüge eingebläut. 😉

    Das Problem ist: Der Unterschied zwischen Denken und Handeln.

    Es gibt leider zu viele Leute, welche bei den Ratschlägen von Koch nicken, sich anschliessend aber trotzdem völlig anders verhalten.

    Es ist ein Lern-Prozess: Die "Gaußsche Glockenkurve" ist gegeben. Wer vor der Corona-Krise das WC ohne Händewaschen verlassen hat, wird sich auch jetzt nicht zu einer anderen Person 'erziehen' lassen. Das wurde bereits verpasst...

    Hoffen wir einfach, dass sich der R-Faktor nicht zu sehr erhöhen wird.
    • atorator 29.04.2020 20:05
      Highlight Highlight Einmal bin ich mit einer deiner Kommentare komplett einverstanden. Ist ja auch mal schön. Wissenschaft. Und nicht WhatsApp-Viertelwissen.
    • atorator 30.04.2020 06:20
      Highlight Highlight imposselbee: Schöne Regel. Nur dem Virus ist es total egal, ob 14 oder 16 Minuten. Wenn dir jemand ins Gesicht hustet oder eh schon eine feuchte Aussprache hat, dann reichen auch 2 Minuten.
  • Qui-Gon 29.04.2020 17:45
    Highlight Highlight Und die Kontaktpersonen der Kontaktperson einer infizierten Person müssen dann wohl auch in Quarantäne (also z.B. die Kinder des Arbeitskollegen des Infizierten). Und die Kontaktpersonen einer Kontaktperson von Kontaktpersonen einer infizierten Person ebenfalls usw. Darum ist der Abstand weiterhin wichtig, sonst werden diese Ketten unendlich.
    • Satox 29.04.2020 17:59
      Highlight Highlight Nein! Müssen sie erst bei Ausbruch der Symptome oder positivem Test der Kontaktperson der Kontaktperson

Kommentar

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