Schweiz
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Bundesrat Alain Berset im Helikopter unterwegs in den Kanton Graubünden.

Krisenmanager im Helikopter: Bundesrat Alain Berset auf dem Weg in den Kanton Graubünden. Bild: KEYSTONE

Vier Monate Coronakrise in der Schweiz: Haben Sie zu spät reagiert, Herr Berset?

In Rom hatte er sein Erweckungserlebnis. Seither steuert Alain Berset die Schweiz durch die grösste Krise der Nachkriegszeit. Die «Schweiz am Wochenende» zieht Zwischenbilanz. Berset zeigt sich selbstkritisch.

Othmar von Matt / ch media



22. Januar, Davos: Corona kommt in der Politik an

Als Gesundheitsminister Alain Berset am 22. Januar das Wort «Coronavirus» am WEF erstmals öffentlich erwähnt, hat Christian Althaus bereits alle Aktien verkauft. Der aufstrebende Epidemiologe arbeitet an einer Studie. Sie zeigt: Das neue Virus aus China hat das Potenzial, sich global zu verbreiten.

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Am 30. Januar ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den internationalen Notfall aus – und am selben Tag veröffentlicht Althaus seine Studie im Wissenschaftsjournal «Eurosurveillance». Zwei Tage zuvor hat er das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kritisiert, weil es an einer Medienkonferenz nicht darüber im Bild war, dass es bereits zu einer ersten Ansteckung ausserhalb Chinas gekommen ist.

Die Kritik wird registriert. «PMA wird von Virologe Althaus per Twitter angegriffen», heisst es im Protokoll der Task Force 2019-nCoV, die das Bundesamt am 23. Januar ins Leben ruft. PMA steht für Patrick Mathys, er ist Leiter der Sektion Krisenbewältigung. Damit beginnt ein Fernduell zwischen den jungen wilden Epidemiologen wie Althaus und Marcel Salathé und dem BAG. Es dauert (fast) bis heute an.

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewaeltigung und internationale Zusammenarbeit, BAG, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus (COVID-19), am Montag, 20. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung im BAG. Bild: KEYSTONE

Berset selbst trifft in Davos WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Schweiz verfolge die Situation in China sehr genau, sagt er danach: «Wir sind sehr gut vorbereitet.» Er habe Tedros Hilfe angeboten bei der Bekämpfung des Coronavirus: «Wir helfen, wo wir helfen können.»

Was Berset zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Die Schweiz ist keineswegs so gut auf eine Pandemie vorbereitet, wie er glaubt. Bevor sie anderen helfen kann, wird sie sich zuerst selber helfen müssen.

25. Februar, Rom: Der Krisenmodus beginnt

Der Bundesratsjet hebt an jenem Dienstagmittag in Bern-Belp Richtung Rom ab. An Bord: Alain Berset. Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza hat die Kollegen der Nachbarländer – inklusive Deutschland – eingeladen. Er will ihnen zeigen: Sein Land ist für die Krise gerüstet.

Die Gesundheitsminister Alain Berset (Schweiz), links, Roberto Speranza (Italien), Mitte, und Jens Spahn (Deutschland), rechts, diskutieren vor einem Treffen der Gesundheitsminister aus Italien, Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Kroatien, Slowenien und der Schweiz, am Dienstag, 25. Februar 2020 im Gesundheitsministerium in Rom, Italien. Die Vertreter von sieben Nationen tauschten sich ueber die Ausbreitung des Coronavirus aus. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Auf engstem Raum: Berset trifft in Rom die Gesundheitsminister aus Italien und Deutschland. Bild: KEYSTONE

Keystone-Bilder dokumentieren den ungeordneten Charakter des Treffens. Speranza, Berset und der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn stehen eng beieinander. Abstand war damals noch kein Thema. Masken sind keine zu sehen. Später umringen die Journalisten die Minister. Was für ein Glück, dass sich hier keiner infiziert hat.

Alain Berset, seit acht Jahren Gesundheitsminister und damit Doyen der europäischen Gesundheitsminister, realisiert schnell, dass etwas nicht stimmen kann. Zwar zählt Italien am 25. Februar offiziell erst 280 angesteckte Personen, aber zehn Tote. Dieses Verhältnis macht Berset misstrauisch: Die Dunkelziffer an Infizierten muss sehr hoch sein. Für ihn gibt es nur ein Fazit: Sofort in den Krisenmodus schalten.

An diesem Tag meldet auch die Schweiz den ersten Infizierten, einen 70-jährigen Tessiner, der sich in Mailand angesteckt hat. Berset entscheidet sich, die nächsten Wochen in Bern zu leben. Für ihn ist klar: In einer Krisensituation wie dieser muss man Work Life Balance definitiv vergessen.

Am Freitag, 28. Februar, fällt der erste grosse Entscheid. Der Bundesrat verbietet als erste Regierung in Europa Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen. Die Berner Fasnacht wird abgebrochen, die Basler Fasnacht findet gar nicht statt. Das Verbot macht internationale Schlagzeilen.

Die «Schweiz am Wochenende» traf Bundesrat Berset, um mit ihm auf die Corona-Wochen zurückzublicken.

Wann waren Sie aus Rom zurück?

Alain Berset: «Gegen 23 Uhr. Am nächsten Tag fand eine Bundesratssitzung statt. Es war zu spät, um noch schriftliche Unterlagen einzugeben. Am nächsten Tag informierte ich meine Kollegen mündlich. Uns wurde klar: Wir haben ein grosses Problem. Es standen viele, grosse Veranstaltungen an – auch mit internationaler Beteiligung.»

Sie verboten Veranstaltungen mit über 1000 Personen. Hatten Sie Angst vor heftigen Reaktionen?

«Es gibt Momente, da darf man keine Angst haben. Aber ja, wir waren damit die ersten in Europa. Und da fragt man sich schon, wie fallen die Reaktionen aus. Heute bin ich überzeugt: Hätten wir damals nicht entschlossen gehandelt, hätten wir es teuer bezahlt.»

13. März, Bern: Eine Sitzung jagt die andere

Die Stimmung in der Öffentlichkeit ist aufgeheizt. Der Waadtländer Volkswirtschaftsdirektor Philippe Leuba sagt am 5. März auf RTS, Corona sei einfach eine Grippe wie jede andere auch. Mit der «allgemeinen Psychose» löse man in der Schweiz eine Wirtschaftskrise aus. Am selben Tag vermeldet die Schweiz ihre erste Corona-Tote – eine 74-jährige Waadtländerin.

Gesundheitsminister Berstet pendelt in der Krise zwischen Innenministerium, Bundeshaus und Medienzentrum hin und her:

Bild

Bild: ch media/lea siegwart/othmar von matt

Im Tessin werden die Forderungen immer lauter, die Grenzen zu Italien zu schliessen. Der Südkanton, der an den Seuchenherd Lombardei grenzt, hat den Notstand ausgerufen, die Schulen geschlossen und im Eishockey Geisterspiele verfügt. Er drängt in Bern auf drastische Massnahmen. Österreich führt Grenzkontrollen zur Schweiz ein.

Am 13. März zählt die Schweiz 7 Tote und total 1009 Infizierte. An diesem Tag Ende der zweiten Woche der Frühlingssession beginnt ein Sitzungsmarathon des Bundesrats. Bis zum 20. März finden fünf Sitzungen an acht Tagen statt. Das hat es zuletzt 1970 gegeben: Als am 7. September der Swissair-Flug 100 nach Jordanien entführt wurde, tagte der Bundesrat täglich.

Die Coronakrise ist ungleich komplexer. Sie betrifft die Bevölkerung in all ihren Lebensbereichen. Der Druck auf Alain Berset ist hoch. Zur Coronakrise muss er auch noch eine anspruchsvolle Session bewältigen. Er leistet Tagespensen mit 15 bis 18 Stunden und das sieben Tage die Woche.

Am 13. März entscheidet der Bundesrat, dass nur noch Versammlungen bis 100 Personen erlaubt sind. In Restaurants dürfen höchstens 50 Gäste sitzen. Und er schliesst die Schulen. Es kommt zu Hamsterkäufen.

Die Pressekonferent vom 13.03.:

Video: watson

Auf Whatsapp kursieren Meldungen wie diese: «Hoi Moni, hör zu, ich habe gerade eine Meldung erhalten: Morgen geht eine interne Meldung des Bundeshauses an die Medien, dass in der Schweiz der Notstand ausgerufen wird. Einfach zur Sicherheit: Kaufe heute ein, was du brauchst. Morgen wirst du nichts mehr bekommen.» Es folgt ein Aufruf: «Informiere so viele Leute wie möglich.»

Berset ist an jenen Tagen mit Hut, Jeans und Lederjacke in Bern unterwegs. Privat. Und damit sozusagen inkognito. Er will mit eigenen Augen sehen, wie die Bevölkerung reagiert. Was er sieht, gefällt ihm nicht: Restaurants haben geöffnet, als hätte es nie eine Verordnung des Bundesrats gegeben.

Coronavirus: Innenminister Alain Berset inkognito in Bern.

Alain Berset mit Hut, Lederjacke und Jeans unterwegs in Bern. Bild: tele züri

Es ist der heikelste Moment überhaupt in dieser Krise. Dem Bundesrat droht das Geschehen zu entgleiten. In Bern und in der Innerschweiz bleiben Skigebiete offen, Berset wird per SMS mitgeteilt, dass überall Feten stattfinden. Und die Regierung befürchtet, dass Frankreich die Grenzen vollständig schliesst, selbst für Grenzgänger.

Am Sonntag gehen vier Westschweizer Kantone in die Offensive. Sie verkünden den Notstand. Auch Berset reagiert. Am späteren Sonntagnachmittag reisen alle Bundesräte nach Bern. Das wird nötig, weil eine geplante Telefonkonferenz nicht klappt. Die SRF-Journalistin filmt vom Balkon des Medienzentrums live, wie die Limousinen der Bundesräte vor dem Bernerhof vorfahren. Dort findet die Sitzung statt, da auch Berater dabei sind.

Am Tag danach, dem 16. März, findet der zweite grosse Auftritt statt. SRF, alle Privatsender und Newsportale sind live auf Sendung: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga erklärt die ausserordentliche Lage. Nun gilt Notrecht. Der Bundesrat kann durchregieren. Ohne Parlament. Auch die Kantone sind entmachtet.

Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Video: watson/nico franzoni

Das nutzt der Bundesrat – er verfügt: Restaurants, Bars, Läden, Sport- und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Auch die Grenzen bleiben zu, Grenzgänger ausgenommen. Und der Bundesrat bewilligt den Einsatz von bis zu 8000 Armeeangehörigen. Es ist die grösste Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Schweiz erlebt einen Tag für die Geschichtsbücher.

Nicht nur sie. Emmanuel Macron wählt drastische Worte. «Wir sind im Krieg!», ruft Frankreichs Staatspräsident und verfügt eine Ausgangssperre. Aus der Westschweiz wächst der Druck, es ihm gleichzutun. Die Waadtländer Regierungspräsidentin Nuria Gorrite sagt: «Wir müssen entscheiden, ob wir die Menschen in den Tod oder in die Arbeitslosigkeit schicken.»

Der Streit zwischen den jungen Epidemiologen und dem BAG geht derweil in die nächste Runde. Am 18. Februar konnte Althaus seine Modellierungen im BAG vorstellen. Es lädt die Wissenschaftler am 18. März auch zu einer Sitzung ein. Diese soll, so empfinden es die Epidemiologen, vor allem die Wogen glätten. Das kommt nicht gut an.

Marcel Salathe, Professeur en epidemiologie de l'EPFL et responsable du groupe d'experts en epidemiologie numerique de la Confederation pendant la crise du Coronavirus (Covid-19) pose avec l'application SwissCovid sur son smartphone le mardi 23 juin 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Marcel Salathé, Epidemiologe. Bild: keystone

«In diesen Wochen ist mein Vertrauen in die Politik erschüttert», schreibt Marcel Salathé drei Tage später auf Twitter. «Nach der Aufarbeitung – was alles falsch lief, und wie total veraltet die Prozesse sind – wird kein politischer Stein auf dem anderen bleiben.» Nachdem Bundesrat und BAG bislang kaum hinterfragt wurden, kommt erstmals Kritik auf. Sie verschärft sich in den nächsten Wochen.

Am 20. März geht die Schweiz doch einen Schritt weiter. Sie verbietet Menschenansammlungen über fünf Personen. Alain Berset nutzt seinen Auftritt zu einer Rede an die Nation. Wichtig sei, sagt er, dass «die Massnahmen von der Bevölkerung umgesetzt werden – und zwar über mehrere Wochen hinweg». Es ist einer seiner Krisensätze, die er wie ein Mantra wiederholt.

Am 23. März erreicht die Pandemie in der Schweiz mit 1463 neu Infizierten an einem einzigen Tag den Höhepunkt. Das weiss Berset zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Das BAG hatte ihm Signale gegeben, dass der Peak an Ostern erreicht werde, um den 12. April.

Die Fernsehzahlen explodieren. 1.35 Millionen Menschen sehen am 16. März, dem Tag, an dem das Notrecht verkündet wird, die «Tagesschau». Und 459'109 Personen verfolgen auf Youtube den Livestream der Medienkonferenz des Bundesrats.

Berset selbst avanciert zur Leaderfigur. Der watson-Chefredaktor vergleicht ihn mit General Dufour. Eine Freiburger Kommunikationsagentur druckt T-Shirts mit einer Aussage, die Berset an der Medienkonferenz vom 16. April macht. Er sagt, wie sich der Bundesrat den Ausstieg aus dem Krisenmodus vorstellt: «So schnell wie möglich und so langsam wie nötig.» Das T-Shirt verkauft sich über 20'000 Mal.

T-Shirt mit der Aufschrift ÒIl faut agir aussi vite que possible, mais aussi lentement que necessaireÓ, sind fertig bedruckt in der Siebdruckerei Go Print, am Mittwoch, 22. April 2020 in Sevaz FR. Der Satz, der inzwischen fast Kultstatus erlangt hat und in den Sozialen Medien viral ging, stammt von Bundesrat Alain Berset. An einer Medienkonferenz zur Krise um die Pandemie des Coronavirus, Covid-19 sagte Berset, der Ausstieg aus dem Krisenmodus muesse Òso schnell wie moeglich und so langsam wie noetigÓ realisiert werden. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

«Il faut agir aussi vite que possible»: T-Shirts mit Berset-Mantra. Bild: KEYSTONE

Die Medien werfen zunehmend Fragen auf: Hat die Schweiz schnell genug reagiert als Land, das direkt an die Lombardei grenzt, Europas Seuchenzentrum? Warum war Österreich der Schweiz stets fast eine Woche voraus?

Hätte die Schweiz die Grenzen zu Italien früher schliessen müssen?

Alain Berset: «Wir haben uns mehrfach gewundert und das auch festgehalten, dass die WHO so lange keinerlei Restriktionen für den Personenverkehr empfahl. Dieses Signal empfingen so alle Staaten. Überall im Schengen-Raum kam es dann in wenigen Tage recht koordiniert zu Grenzkontrollen.»

War das ein politischer Entscheid wegen der Begrenzungsinitiative?

«Nein, der Bundesrat hat epidemiologisch entschieden.»

Hätten Sie generell früher reagieren müssen? Epidemiologe Christian Althaus befürchtete Ende Februar bis zu 30'000 Tote.

«Schwer zu sagen. Wir sprechen von Tagen. Und die Situation war nicht in allen Landesteilen gleich. Der Bundesrat versuchte, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Einschränkungen können nur funktionieren, wenn die Leute überzeugt davon sind, dass sie notwendig, sinnvoll und verhältnismässig sind. Hätte die Bevölkerung solch einschneidende Massnahmen schon viel früher mitgetragen?»

Hätte sie?

«Ich bezweifle es. Hätten wir jedoch noch länger zugewartet, hätte das verheerende Folgen gehabt. Ich glaube, unser Timing war nicht schlecht. Aber klar: Es gab und gibt eine Flut von Meinungen. Die Politik muss diese Appelle und Ansichten prüfen und sich dann für einen Weg entscheiden. Immer im Wissen, dass dieser Weg vielleicht rasch wieder angepasst werden muss. Die Politik muss das gesellschaftliche Ganze im Auge behalten, wir bewegen uns also unweigerlich in einem Spannungsfeld zwischen Experten und Entscheidungsträgern.»

Das war Ihnen sofort bewusst?

«Ganz zu Beginn war nicht klar, wie gefährlich dieses Virus ist. Als dann China seine strikte Ausgangssperre durchzog, wussten wir, das scheint gravierend zu sein: Da kann etwas auf uns zukommen, das nicht so schnell wieder verschwindet.»

Die Westschweiz forderte vehement eine Ausgangssperre. War sie ein ernsthaftes Thema?

«Ich hatte Regierungsräte am Telefon, die unbedingt eine Ausgangssperre wollten. ‹Die Leute fordern das›, sagten mir Regierungsräte. Es gab Petitionen. Wir alle erinnern uns, wie intensiv die Ungewissheit sich in diesen Tagen auf die Stimmung ausgewirkt hat. Für mich wäre eine Ausgangssperre ein Fehlentscheid gewesen für unser Land. Der Bundesrat setzte auf Eigenverantwortung, auf Überzeugung.»

Weshalb?

«Mir war intuitiv klar, dass die Krise lange dauern könnte. Ich sprach nicht ohne Grund von einem Marathon. Dafür braucht es Kraft und Reserven. Deshalb war es wichtig, dass die Bevölkerung die Regeln als notwendig akzeptiert und motiviert umsetzt. Kein Gemeinsinn ohne Eigenverantwortung. Es galt gemeinsam die Verletzlicheren zu schützen.»

War es richtig, die Schulen zu schliessen?

«Stellen Sie sich vor, wir hätten gesagt, es sollen alle zuhausebleiben, nur die Kinder gehen zur Schule. Das wäre sehr schwierig gewesen. Im Tessin begannen die Eltern, ihre Kinder nicht mehr in die Schule zu schicken. Kantone befassten sich mit Schulschliessungen. Es gab gewisse epidemiologische Hinweise und wir sprachen uns mit den Nachbarländern ab.»

Hätten Sie die Epidemiologen nicht deutlich früher einbinden müssen?

«Wir haben in der Verwaltung eigene Experten, auf die wir uns stark stützen. Und das Bundesamt für Gesundheit ist immer im Austausch mit externen Experten und Wissenschaftlern, auch zu Nicht-Krisenzeiten. Das ist wichtig. Das Interesse der Wissenschaft, die Behörden bei der Bewältigung dieser Krise zu unterstützen, war gross. Die institutionalisierte Einbindung der Wissenschaft im Rahmen der Taskforce kam etwas später – mit insgesamt zehn Expertengruppen und einem siebenköpfigen Beirat.»

3. April, Ittigen (BE): Armeeapotheke wird Masken-Zentrum

Desinfektionsmittel und Masken sind schon seit Ende Februar ausverkauft. In der Krise zeigt sich: Die Schweiz ist in Sachen Schutzmaterial schlecht gerüstet. Weder für Desinfektionsmittel noch für Hygienemasken gibt es gemäss BAG-Pandemieplan 2018 eine Lagerhaltungspflicht. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) empfiehlt Privatpersonen aber einen persönlichen Notvorrat von 50 Hygienemasken. Nur weiss das niemand.

Der Maskenengpass zu Beginn der Pandemie dürfte ein Grund sein, weshalb Alain Berset und Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» des BAG, den Nutzen von Hygienemasken bei jeder Gelegenheit relativieren.

«Bei der Frage, in welchen Situationen der Allgemeinbevölkerung das Tragen von Hygienemasken empfohlen werden soll, müssen grundsätzlich folgende vier Faktoren berücksichtigt werden», heisst es im Pandemieplan. Erster Punkt: Verfügbarkeit. Danach folgen: epidemiologischer Nutzen, Wirksamkeit der Masken, Schweregrad der Pandemie.

Das BAG hält am 30. März in der Covid-19-Konferenz des Bundesamts für Bevölkerungsschutz fest: «Ein allfälliger Entscheid zum Tragen von Masken aufgrund des Druckes von aussen wird auf der politischen Stufe gefällt und nicht aus epidemiologischer Sicht.» So steht es wörtlich im Protokoll. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass die Behörden den Nutzen von Masken relativieren, weil Masken in der Schweiz ein rares Gut waren.

Am 20. März reagiert der Bundesrat mit einer scharfen Korrektur auf die Engpässe. Er konzentriert die Beschaffung per sofort auf den Bund. Für wichtige medizinische Güter sind neu Armeeapotheke (Medizinprodukte und Schutzausrüstungen) und BAG (für Arzneimittel) zuständig.

Schon am 12. Februar hatte der Bundesrat in einer Infonotiz zur Kenntnis genommen, dass Hygienemasken in der Schweiz nur limitiert vorhanden sind und dass substanzielle Anpassungen nötig sind. Bis sie vollzogen werden, vergehen fast zwei Monate. Zwischen dem 20. März und Mitte Juni hat die Armeeapotheke 302 Millionen Hygienemasken gekauft. Heute lagert sie noch 200 Millionen Masken in der Schweiz.

Die Beschaffung von Schutzmaterial funktionierte nicht. Weshalb?

Berset: «Die Beschaffung von Medikamenten, Masken und Beatmungsgeräten ist keine Sache des Bundes. Wir hatten keine gesetzliche Grundlage und auch kein Geld dafür. Der Pandemieplan zeigt im Detail auf, wer was beschaffen sollte. Ich ging immer davon aus, dass sich jeder Akteur vorbereitet und seinen Job macht. Doch dann musste ich realisieren: Dem ist nicht so. Das hätten wir früher realisieren sollen.»

Immerhin korrigierte das der Bundesrat mitten in der Krise.

«Wir mussten mit der Armeeapotheke eine Beschaffungsstelle definieren, die das umsetzt. In der Phase der Schliessungen und von Homeoffice brauchte es viel weniger Masken. Uns war aber immer klar, dass Masken nötig werden, sobald wir lockern. Eines darf man aber nicht vergessen: Hätte jemand vor einem Jahr 300 Millionen Masken gekauft, hätte man ihn für verrückt erklärt. Solche Krisen zeigen, was man anpassen muss.»

Bild

Eine Kinderzeichnung für Alain Berset. Zeichnung: Emilien Robert

8. April, Spiez: Der Corona-Test von Alain Berset

Alain Berset und sein Kommunikationschef Peter Lauener müssen sich schon um 6 Uhr früh Abstriche von Gaumen und Nasenhöhle machen lassen. Ein Coronatest ist nötig geworden, weil eine Mitarbeiterin des Generalsekretariats positiv getestet worden war. Die Abstriche werden ins Labor Spiez gefahren und sofort analysiert.

Um 11 Uhr wissen Berset und Lauener: ihre Tests sind negativ. Berset hat den ersten Teil der Bundesrats-Sitzung per Telefon mitgemacht. Er will das Gremium nicht gefährden. Für den zweiten Teil sitzt er wieder persönlich im Bundesratszimmer. Auch Viola Amherd hatte einen Coronatest machen lassen und - vermutlich - auch Guy Parmelin.

Beide fehlten in keiner Sitzung. Das zeigt: Offensichtlich hielten sich selbst im Bundesrat nicht alle an die generellen Quarantäne-Regeln.

16. April, Bern: Ausstieg in drei Phasen

An Ostern bleibt die Autobahn A2 vor dem Gotthard praktisch leer. Die Bevölkerung hat sich so diszipliniert an die Empfehlungen gehalten, dem Tessin fernzubleiben, dass der Bundesrat am 16. April den Ausstiegsplan in drei Phasen bekannt gibt.

Die wichtigsten Aussagen vom 16.04.:

Video: watson

Ab 27. April können Spitäler wieder alle Eingriffe vornehmen, Coiffeursalons, Massagepraxen und Kosmetiksalons dürfen öffnen.

In der zweiten und dritten Etappe vom 11. Mai und 8. Juni lockert der Bundesrat deutlich schneller als ursprünglich vorgesehen. Am 11. Mai öffnet er neben Schulen, Einkaufsläden und Märkten auch Restaurants, Bars und Fitness-Center. Und bereits am 6. Juni dürfen touristische Angebote öffnen. Veranstaltungen bis zu 300 Personen und spontane Versammlungen bis 30 Personen sind ab 8. Juni erlaubt.

Die Lockerungsstrategie bringt Berset und seinen Kollegen viel Kritik ein. Dürfen Restaurants schon am 11. Mai öffnen, weil GastroSuisse erfolgreich lobbyiert hat? Weshalb ist das Campingplätzen erst am 6. Juni erlaubt? Kohärenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheide, die beim Lockdown noch beeindruckten, gingen verloren. Selbst Justizministerin Karin Keller-Sutter kritisiert im Interview mit CH Media die Kommunikation des Bundesrats.

19. Juni, Bern: Die grosse Öffnung

Der Bundesrat lockert dennoch weiter: 1.5 statt 2 Meter Abstand, keine Polizeistunde und keine Homeoffice-Empfehlungen mehr - und Veranstaltungen bis 1000 Personen werden wieder erlaubt.

Die Stimmung im Medienzentrum wird fast ein wenig feierlich an jenem 19. Juni. Es brauche «einen Ruck», habe sie vor drei Monaten gesagt, hält Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga fest. «Heute können wir die ausserordentliche Lage beenden.» Sie hält einen Moment inne - ein Lächeln zieht über ihr Gesicht. Die Erleichterung von Sommaruga und Berset ist mit Händen greifbar, dass der Bundesrat seine Machtfülle abgeben kann, die er sich mit dem Notrecht zuschanzte.

Mit Erfolg, wie eine Studie der Deep Knowledge Group zeigt. Sie hat die Reaktion von 200 Ländern auf die Coronapandemie verglichen. Anfang Juni steht die Schweiz an der Spitze der Rangliste – wegen der gegenwärtig guten epidemiologischen Situation und der hohen Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft. Die Regierung landet in der Spartenbewertung hinter Deutschland und Israel auf Rang drei. Noch im April lag die Schweiz nur auf Rang elf.

Auch die jungen Epidemiologen Althaus und Salathé, inzwischen in die wissenschaftliche Task Force eingebunden, geben sich versöhnlich. «Die Zusammenarbeit mit dem BAG ist sehr gut», schreibt Salathé am 8. Juni auf Twitter. «Mein Vertrauen in die Politik ist hoch.» Althaus hält auf Twitter fest: «Wer hätte vor einigen Monaten gedacht, dass das BAG einmal die am häufigsten heruntergeladene App anbietet.» Salathé ist ihr Entwickler.

Wie haben Sie diese Krise durchgehalten?

Berset: «Der Druck war sehr hoch. Man weiss nie im Voraus, ob man als Bundesrat eine solche Ausnahmesitatuation durchstehen kann. Die Antwort auf diese Frage erhält man erst, wenn man mit diesem Druck und dieser Ungewissheit umgehen muss. Ich bin sehr froh darüber, dass mir dies bisher gelang – mit meinem Team und der BAG-Taskforce.»

Was hat die Krise im Bundesrat verändert?

«Der Bundesrat ist als Gremium widerstandsfähig. Einmal hatten wir fünf Sitzungen an acht Tagen. Trotz hohem Druck war der Bundesrat immer beschlussfähig und entscheidungsreif. Die Krise zeigte: Wir können das.»

Wie erklären Sie sich das?

«Die Sitzungen waren sehr gut organisiert, strukturiert und moderiert. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga machte das hervorragend. Und die Bundesverwaltung hat in allen Departementen grossartige Leistungen abgeliefert. Sie hat kreative, schnelle Lösungen erarbeitet, sich vernetzt.»

Spielten Sie gerne den Chef?

«Das Gremium Bundesrat war der Chef. Das Epidemiengesetz gibt ihm zwar sehr viel Macht. Diese soll aber so kurz sein wie möglich. Schon Ende Februar begannen wir mit der Arbeit an den Lockerungen und wir standen immer im Austausch mit Kantonen, Parlament, Sozialpartnern und vielen weiteren Akteuren. Das Konzept nimmt nun die Kantone stark in die Pflicht. Sie müssen die Ansteckungen nachverfolgen. Föderalismus kann man eben nicht nur bei schönem Wetter leben.»

Noch ist die Schweiz nicht über dem Berg. Am 24. Juni steigt die Zahl der Infizierten auf 58, am Samstag auf 69 (Sonntag 62). Sie ist so hoch wie letztmals am 11. Mai. Gesundheitsminister Berset bleibt vorsichtig.

«Wir müssen die Regeln beachten, das ist sehr zentral für die nächsten Tage, Wochen und Monate», sagt er an der Medienkonferenz. Und wiederholt ein zweites Mantra: Hände waschen. Abstand halten. Maske tragen, wo Abstand nicht möglich ist. Und, ja: Masken im ÖV sind «dringend» empfohlen.

Die Schweiz hat zwar inzwischen 200 Millionen Hygienemasken auf Lager. Dennoch bleibt die Maskenfrage die Achillesferse der Krisenbewältigung. Die ÖV-Benutzer in der Deutschschweiz wollen sie partout nicht tragen.

Drei Monate sind die Bürgerinnen und Bürger Krisenmanager Berset zuverlässig gefolgt. Jetzt aber bocken sie. Freiheitsdrang und Gewohnheit gewinnen die Oberhand.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saerd neute 30.06.2020 20:48
    Highlight Highlight Ach wie schön ist es doch sich in der Bewältigung einer der schrecklichsten Pandemien durch den Verlauf zu suhlen.
    Alain der grosse Held ist selbstkritisch? Ob er wohl eines Tages selber merkt das das Ganze nur eine starke Grippe war?
    Aber dann zugeben? Nein, bewahre, sicher nicht! Denn wir haben alles richtig gemacht! Oder?
  • leed 29.06.2020 16:33
    Highlight Highlight Reagiert haben sie genau rechtzeitig. Wir schafften es aus der top 10 der am schlimmsten betroffenen, zum sichersten Corona Land der Welt zu werden.

    Doch alles schützt nicht vor dem Druck von den Leuten, die wieder Lockerungen wollen.

    Ja wir könnten "etwas" lockern, doch nicht so locker wie es jetzt getan wird. Wir haben noch keine Lösung, die erste Welle startet erst im Rest der Welt. Jetzt die Flinte in's Korn zu werfen macht alles erreichte zunichte.
  • Jurinho8788 29.06.2020 10:54
    Highlight Highlight Berset und die Schweiz haben ingesamt sehr gute Arbeit geleistet!
  • sunshine51 29.06.2020 10:36
    Highlight Highlight Im Nachhinein ist es immer einfacher zu sagen, wie man wo besser reagieren könnte oder welche Fehler passierten. Aber man sollte nicht vergessen, was für eine unglaubliche Arbeit seitens Bundesrat geleistet wurde - in solch einer unsicheren Situation trotzdem Lösungen zu finden und Konzepte zu entwickeln - das kann nicht jeder!

    Wer's besser kann, den will ich zuerst auch in dieser Situation sehen..
  • plaga versus 29.06.2020 10:20
    Highlight Highlight Dieses ständige Wiederkäuen bringt uns jetzt auxh nicht weiter. Wir brauchen eine Vision oder einen Plan, wie wir mittelfristig weiterleben wollen. Diesbezüglich ist vom Bundesrat nichts zu vernehmen. Nur status quo bewahren...
  • Bitsundbites 29.06.2020 10:14
    Highlight Highlight Alles gut, niemand wusste was Corona wirklich auslöst, daher ist ein Fingerzeig nach Bern auch nicht angebracht. Aber diesmal erwarte ich vom Bund mehr Mut und entschlossene Vorgehensweise. Alle bewegen sich wie NIE etwas gewesen wäre. Nicht nur an der Raver Party, ich erachte auch die überfüllten Postauto in den Schweizer Sommer Hotspot als problematisch. Freier und unkontrollierter Personen Verkehr wird uns tausende neuer Covid Ansteckungen in die Schweiz bringen. Ich glaube im Moment nur an die Zwangs Registrierung via Covid App für uns alle und jeden der in die Schweiz kommt.
  • dorfne 29.06.2020 10:03
    Highlight Highlight Sagt und schreibt bitte nicht immer: im Nachhinein ist man immer klüger. Der Bundesrat und das BAG wussten schon Anfang Februar, dass das Virus in der Schweiz ist und haben nicht gehandelt. Stattdessen sprach man von einem "Einzelfall" - kein Handlungsbedarf, obwohl man schon wusste, wie hochansteckend das Virus ist. Und die Bilder aus China waren auch schon um die Welt gegangen.
  • dorfne 29.06.2020 09:58
    Highlight Highlight Schon 2 W. vor dem 25.2. wussten die Behörden von einem Infizierten, der in der Region Genf unzählige Leute angesteckt hat. Es war ein Engländer, der später zu hause positiv getestet wurde. Hätte man damals schon Distanz- und Hygieneregeln eingeführt, wär der Lockdown so nicht nötig gewesen. Und offenbar wusste der Bund nicht, dass die Kantone seine eigenen Pandemiepläne nicht umgesetzt hatten. Spitäler und Armee unter dem neoliberalen Spardruck rechtsbürgerlicher Politiker auch nicht. Masken, Schutzanzüge Desinfektionsmittel? Fehlanzeige.

  • Vecchia 29.06.2020 09:51
    Highlight Highlight "Drei Monate sind die Bürgerinnen und Bürger Krisenmanager Berset zuverlässig gefolgt. Jetzt aber bocken sie. Freiheitsdrang und Gewohnheit gewinnen die Oberhand."

    Jetzt noch Interviews mit allen Deutschschweizer Bockenden aus dem Parlament, die - vor dem Bocken der BürgerInnen - bei jeder Gelegenheit den BR angriffen, uneingeschränkte Demonstrationsrechte und Öffnung sämtlicher Unternehmen ertäubelten. Und zwar über die Parteigrenzen hinaus und derart penetrant, dass man zusehen konnte, wie es dem BR langsam den Nuggi usehaut. Wo sind jetzt die Polit-Täubelis, die wissen, was zu tun ist?
  • lilie 29.06.2020 09:15
    Highlight Highlight Danke für die Zusammenstellung. 👍

    Es ist wirklich unglaublich, welche Reise wir hinter uns haben. Der BR hat sehr gut reagiert, früh eingriffen und sich auch nicht gescheut, unpopuläre Massnahmen zu ergreifen (Fasnacht absagen? 😬).

    Trotzdem hat er auch Rücksicht auf die Bevölkerung genommen und mit Fingerspitzengefühl geführt.

    Die Lockerungen liefen dann nicht mehr ganz so glatt. Ich glaube, dass das daran liegt, dass Berset die Leute eher überschätzt:

    "Ich ging immer davon aus, dass sich jeder Akteur vorbereitet und seinen Job macht".

    Da wird es Nachkorrekturen geben müssen.
    • dorfne 29.06.2020 10:14
      Highlight Highlight BR und BAG haben mMn versagt.
      Zu spät reagiert, was den Lockdown im gehabtem Ausmass nötig machte; Pflichtlager verschlampt; zu früh zu viel gelockert. Ich hab die dumme Aussage des hochgelobten Herrn Koch noch im Ohr: Masken nützen nur den andern, nicht der Trägerin. Und was, wenn alle eine tragen, Herr Koch? Drum trägt jetzt auch niemand eine Maske in ÖV und Supermarkt. Und die hochentwickelten asiatischen Völker sind wohl alle auf dem Irrweg mit ihrer Maskentragerei.
    • lilie 29.06.2020 11:14
      Highlight Highlight @dorfne: Der Lockdown wurde angeordnet, weil die Leute sich nicht an die Massnahmen hielten. Hätten sie das getan, wäre kein Lockdown nötig gewesen.

      Die Pflichtlager hätten sowieso nur Masken für das Gesundheitspersonal vorgesehen, nicht für die Bevölkerung.

      Die Aussage von Herrn Koch basiert auf Studien, von denen keine ein Nutzen einer generellen Maskenpflicht beweisen konnten, weil Nachlässigkeiten in der Anwendung und in den allgemeinen Hygienemassnahmen den Nutzen aufheben.

      Für eine Maskenpflicht im ÖV ist es nicht zu spät.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 29.06.2020 09:09
    Highlight Highlight Ob der Bundesrat die Arbeit gut oder schlecht gemacht hat, kann ich nicht beurteilen. Man muss das mit Ländern vergleichen, die ein ähnlich gutes wie teutes Gesundheitswesen haben wie wir.

    Ich hatte den Eindruck, der Bundesrat hat immer zuerst gewartet, was unsere Nachbarsländer gemacht haben und ist dann nachgezogen.

    Hätten die anderen Länder im März keinen Lockdown angeordnet, hätte ihn die Schweiz wahrscheinlich auch nicht gemacht, so wie man lange nichts an der Grenze zu Italien gemacht hat.
    • P. Meier 29.06.2020 10:53
      Highlight Highlight Als der BR die Teilnehmerbegrenzung an Anlässen einführte, gab es einen grossen Aufschrei aus gewissen Kreisen. D wurde gelobt, dass sie den Karneval noch durchführten. ESP und GB wurden gefeiert, dass sie nicht überreagierten und Fusball noch zuliessen. Danach mussten die Nachbarländer eine "Vollbremsung" mit wesentlich härteren Massnahmen verordnen. Etliche forderten ebenfalls Ausgangsverbote, wie in anderen Länder da der BR zu lasch sei. Ich glaube, dass das Timing und die Massnahmen des BR sehr gut waren.
  • Noblesse 29.06.2020 09:02
    Highlight Highlight Kritisiere nur den Umgang mit der Maske. Je eine auf der Nase schützt vor Ansteckung. Hier hat z. B. Hr. Koch der Sache einen Bärendienst erwiesen.
  • Erwin 29.06.2020 08:55
    Highlight Highlight Da kann man nun darüber streiten, es ist so wie es ist, man kann das Rad nicht zurück drehen, zudem war das mit dem Corona eine ganz andere Situantion, vieleicht die Grenze zu Italien, hätte man vieleicht etwas früher schliessen müssen, aber dei Westschweiz wurde ja viel stärker betroffen, als das Tessin!
  • N. Y. P. 29.06.2020 08:47
    Highlight Highlight Der Bundesrat gat die Krise gut gemeistert.

    Für eine nächste Pandemie müssen aber dringend Hausaufgaben gemacht werden.

    Was mir aber Sorgen macht:

    Was nützt es, wenn zum Beispiel in Clubs nur 300 Menschen statt der möglichen 1200 rein dürfen und diese dann aber dichtgedrängt beeinander stehen und feiern.

    Auch im ÖV scherrt sich niemand um die Regeln.

    Die Covid - App hätte ich vermutlich gleich für gesetzlich obligatorisch erklärt.
    • Terraner 29.06.2020 13:09
      Highlight Highlight Was reden sie von der nächsten Pandemie? Wir stehen noch am Anfang der jetzigen, da schon von einer nächsten zu sprechen ist etwas zu früh.
    • N. Y. P. 29.06.2020 13:25
      Highlight Highlight @Terraner

      Da geb ich dir recht.
  • Rainbow Pony 29.06.2020 08:46
    Highlight Highlight Der Bundesrat hat die Sache gut gemacht. Es war eine solide Schweizer Reaktion: durchdacht, pragmatisch in der Umsetzung, die Regeln grösstenteils anwendbar und eingehalten. Das jetzt alle Helden der Kommentarspalte aus ihren Quarantänestuben hervorkriechen, ist etwas gar einfach. Doch, der Bundesrat hatte die Eier zum richtigen Zeitpunkt, well done.
  • Ana64 29.06.2020 08:45
    Highlight Highlight Herr Berset wie Rest von BR praktizieren Politik der Schadenbekämpfung und sie reagieren auf alles sehr zögerlich , langsam und immer zu spät. Wenn Schaden eingetreten ist. Und das ist mit der CH– Mentalität eigentlich nicht kompatibel. Wir sind versichert gegen alles mögliche... aber wenn es um echte Krisen geht, Seuchen, mit Viren kann man weder verhandeln noch sie bestechen sind Schweizer ausgeliefert. Nicht krisentauglich. Punkt.
  • winglet55 29.06.2020 08:20
    Highlight Highlight Ich habe zwar meine Arbeit, angeblich wegen Corona, verloren und warte in der Kündigungsfrist immer noch auf mein mir zustehendes Gehalt.
    Trotzdem möchte ich dem ganzen Bundesrat und allen involvierten Gremien ein herzliches Dankeschön, für die hervorragende Arbeit während der Krise aussprechen.
    • TheGoblin 29.06.2020 10:03
      Highlight Highlight Ihr Post zeugt von innerer Grösse. Respekt!
    • dorfne 29.06.2020 10:07
      Highlight Highlight Ich hoffe, Sie bekommen Ihre Stelle wieder. Alles Gute! Das einzig Positive an Ihrem Schicksal ist, dass wir eine gut ausgebaute Arbeitslosenversicherung haben. Die hilft jetzt auch den Unternehmen mittels Kurzarbeits-entschädigung. Ohne die könnten viele KMU, Läden usw. Konkurs anmelden. Statt dies zu anerkennen, reden Rechtsbürgerliche zynisch von "Seuchensozialmus".
    • winglet55 29.06.2020 10:30
      Highlight Highlight @dorfne, die ALV ist erst ab Ende der Kündigungsfrist zuständig, die Insolvenzentschädigung erst ab Konkurs und bei der Sozialhilfe muss man die Hosen runter lassen ( Scheidungsurteil beilegen obwohl seit 26 Jahren geschieden) ( die Frau hat evtl. zuviel ausbezahlt bekommen, o-Ton Sozialamt....
      Bis alles geklärt ist stehen 18 MA im Regen.
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  • Fairness 29.06.2020 08:20
    Highlight Highlight Die Maskenlüge ist einfach nur bedenklich. Dass die Pflichtlager bei der Kontrolle alle vier Jahre nur gerade etwa die Hälfte an Lager hatte, wurde weder korrigiert noch bestraft. Einfach laisser-faire. Nun zahlen wir dafür.
    • dorfne 29.06.2020 15:56
      Highlight Highlight Beim BWL, das vor der Privatisierung 2018 der Alkoholverwaltung 10'000 Tonnen Ethanol (Grundstoff für Desinfektionsmittel) verscherbelt hat, sollte mal ausgemistet werden. Die machen dort offembar was sie wollen.
  • CH-Bürger 29.06.2020 08:15
    Highlight Highlight Ich finde auch jetzt noch, dass der Bundesrat, für die anfängliche grosse Unbekannte, seine Arbeit gut gemacht hat und sich auch für den Lockdown entschiedenen hat. Nun wurde auf Druck des Geldadels gelockert und gewisse Lernresistente Leute kommen aus ihren Löchern und organisieren IQ-Schwache Demo's, das Gastgewerbe ist trotz Gejammer scheinbar nicht überall fähig die Sache im Griff zu haben. Kurzum einige wenige machen wieder alles kaputt und wenn der Schaden angerichtet ist haben sie die nächste Ausrede parat. Wir können uns nur selber schützen mit den aktuellen Regeln.
  • Der Bademeister 29.06.2020 08:08
    Highlight Highlight Und täglich kommen Kommentare zur Maske... Was haben wir Schweizer für ein Selbstvertrauen? Brauchen eine Maskenpflicht obwohl angeblich 70% gerne eine tragen würden. Vor und während den Sommerferien wird keine Maskenpflicht kommen. Das wäre Gift für den Tourismus. Und ja in diesem Land war Geld immer schon wichtiger als der einzelne. War immer so und bleibt immer so.
    • HansPeterMüller 29.06.2020 10:25
      Highlight Highlight die Touristen werden wahrscheinlich automatisch eine Maske anziehen, da sie es sich aus ihren Ländern gewohnt sind. Nur bei uns gibt es keine Pflicht.
  • Terraner 29.06.2020 08:02
    Highlight Highlight Die letzten Lockerungen und die damit verbundenen Signale waren zuviel.
    Abstand von 2m auf 1.5m gab das Signal, man kann jetzt wieder zusammen stehen und sitzen. Da es ja auch keine Busen mehr gibt, wird der Abstand in der Öffentlichkeit von vielen ignoriert.
    Versammlungen bis 1000 wieder erlaubt und Clubs geöffnet gab das zweite Signal. Party ist wieder hemmungslos möglich. Danach Tanzen in Bern junge Erwachsene 24h ohne Rücksicht auf Corona.
    Die offenen Grenzen haben das letzte Signal gegeben, das Virus ist in Europa besiegt, Ferien wieder überall möglich.
  • Dummbatz Immerklug 29.06.2020 07:47
    Highlight Highlight Ich denke, dass wir uns glücklich schätzen dürfen, eine vernünftige Regierung zu haben. Kritisieren geht immer, und jedem recht machen ist sowieso nicht möglich.

    Wie nun bewiesen wird, scheint es an der Vernunft eines jeden Einzelnen von uns zu scheitern. Hoffen wir, dass wir schnellstmöglich einen Ausweg finden.
  • Fakten 29.06.2020 07:45
    Highlight Highlight Ich finde Kritik im Nachhinein nicht in Ordnung, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin/war.... Er wusste wahrscheinlich nicht viel mehr über Corona als wir.
  • ELMatador 29.06.2020 07:39
    Highlight Highlight Bitte eine Masken-pflicht für den ÖV einführen und Events wieder auf 100 begrenzen.

    Es kann nicht sein dass ein paar wenige rücksichtslose die gesamte Gesellschaft lähmen.
    • dan2016 29.06.2020 08:11
      Highlight Highlight wenn die Clubs bei 300 die Regeln offenbar brechen und es den Kantonen egal ist, wird dies bei 100 auch nicht anders sein. Offenbar brauchen wir halt auch in der Deutschschweiz zuerst mal echt gefüllte Spitäler.
    • NumeIch 29.06.2020 08:52
      Highlight Highlight Sie dürfen gerne freiwillig rund um die Uhr eine Maske tragen. Ebenso dürfen sie freiwillig alle Personengruppen grösser als 100 Personen freiwillig meiden.
    • Talken 29.06.2020 09:17
      Highlight Highlight Warum muss immer alles angeordnet werden? Wenn nur schon all diejenigen, die eine Maskenpflicht fordern eine Maske tragen würden, wären sie ein Vorbild und würden die anderen ermuntern dies auch zu tun. Sehe aber leider nichts davon. Let‘s go...
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