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Bundesrat Ueli Maurer kommt an einer Medienkonferenz des Bundesrates am Mittwoch, 18. November 2020, vor dem Medienzentrum Bundeshaus in Bern. Auch in der zweiten Coronavirus-Welle kommt der Zivilschutz zum Einsatz. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, den Kantonen zur Bewaetigung der Krise ein Kontingent von maximal 500'000 Diensttagen zur Verfuegung zu stellen.(KEYSTONE/Anthony Anex)

Eindeutig zweideutig äussert sich Ueli Maurer nicht nur zum Maskentragen. Bild: keystone

«Ich chume nöd drus mit dem Zügs»: Ueli Maurers beste Coronasprüche



Er will keinen zweiten Lockdown, warnt vor den finanziellen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und sendet zweideutige Signale aus: Ueli Maurer ist der Coronaskeptiker im Bundesrat. Eines aber muss man dem knapp 70-jährigen SVP-Finanzminister lassen: Er hat immer einen träfen Spruch auf Lager. Hier ein Best-of aus den letzten Monaten:

«Wir leben in einer spannenden Zeit.»

Mit dieser Feststellung eröffnet Ueli Maurer am 25. März die Medienkonferenz, an der er das gigantische Kreditprogramm für die unter dem Lockdown leidende Wirtschaft präsentiert.

«Angesichts dieser Summen ist es mir als Finanzminister nicht mehr wohl in meiner Haut.»

Rund einen Monat später tönt es am 29. April im NZZ-Interview schon skeptischer.

«Ich frage mich, ob das wirklich notwendig war.»

Bei gleicher Gelegenheit stellt Maurer auch klar, was er vom Lockdown hält: wenig bis gar nichts.

Maurer ruft zu Ferien in der Schweiz auf

Video: srf/SDA SRF

«Die Schweiz ist so ein wunderschönes Land mit so vielen Naturschönheiten, mit dem besten Wein, dem besten Bier und dem besten Brot – was wollen wir noch mehr?»

Mit diesem flammenden Aufruf wirbt Maurer in der Sondersession des Parlaments am 7. Mai für (Sommer-)Ferien in der Schweiz.

«Nei, machi au nöd. Ich chume nöd drus mit dem Zügs.»

Mit der Swisscovid-App kann Ueli Maurer nichts anfangen, wie er am 4. Juli in der Samstagsrundschau von Radio SRF erklärt. Ein Tamedia-Kommentar findet diese unter dem Aspekt der Prävention bedenkliche Haltung «erfrischend».

«Wir können uns keinen zweiten Lockdown leisten. Dafür haben wir das Geld nicht.»

Am 15. September gibt der Finanzminister im «Tagesschau»-Interview die Richtung vor – obwohl kaum eine Industrienation so wenig Schulden hat wie die Schweiz.

«Denn haben wir diese Grippe einmal überstanden, bleiben die wirtschaftlichen Schäden noch auf Jahre hinaus.»

Am 17. Oktober legt Maurer im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» nicht nur nach. Er benutzt einen Vergleich, der sich bei Coronaskeptikern grösster Beliebtheit erfreut.

«... ich verharmlose Corona keineswegs und nehme die aktuelle Situation sehr ernst. Gleichzeitig muss man auch aufpassen, nicht in Hysterie zu verfallen, wie dies einige Medien tun.»

In der nächsten Antwort krebst er halbwegs zurück, verbindet dies aber mit einer Medienschelte. Auch damit kann er bei den «Rebellen» punkten.

«... mir begegnen seit einiger Zeit immer mehr Leute, die sagen: ‹Me dörf's efäng nüme lut säge.›»

An der virtuellen SVP-Delegiertenversammlung eine Woche später bekräftigt Maurer seine Sympathie für die Coronaskeptiker. Wer anderer Meinung sei, werde «weggesperrt», klagt er.

«Da genügt es nicht, ein Kerzchen anzuzünden und zu beten.»

An der Bundesrats-Medienkonferenz vom 4. November verweist Maurer darauf, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise die Schweiz noch für Jahre beschäftigen würden.

«Ihr seid auch die, die moralisieren und alles besser wissen.»

Im Facebook-Chat «SVP bi de Lüt» am 10. November knöpft sich Maurer die Taskforce des Bundes vor. Die Experten würden nur die Gesundheit sehen, dabei müssten sie auch die Wirtschaft und die Gesellschaft betrachten.

«Diese Protestaktionen, das bringt einfach nichts. Wir brauchen eine Disziplin und müssen uns anpassen, und vielleicht hilft da und dort eine Ordnungsbusse.»

Nach der Bundesratssitzung vom Mittwoch dann die Kehrtwende: Ueli Maurer redet auf einmal den Skeptikern ins Gewissen und verteidigt Bussen für Maskenverweigerer:

«Sie können mit 140 fahren wollen, aber es ist halt 120, und Maske ist Maske und Vorsicht ist Vorsicht, ob das passt oder nicht.»

Und das vorläufige Fazit: Der Corona-Winter wird schwierig, die Müdigkeit nimmt zu. Aber dank Ueli Maurer wird es zumindest nicht langweilig. Und damit ein wenig erträglicher.

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