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Wie ein polnischer Politiker in die Schweizer Roaming-Falle tappt

Ex-Aussenminister Radoslaw Sikorski erhielt nach WEF-Aufenthalt Telefonrechnung von 1300 Franken.

Remo Hess, Brüssel / ch media



Die Schweiz ist eine Roaming-Insel. Das hat auch der ehemalige polnische Aussenminister und heutige EU-Parlamentarier Radoslaw Sikorski zu spüren bekommen.

Nach seinem eintägigen Aufenthalt am Weltwirtschaftsforum in Davos von 2018 erhielt er eine Telefonrechnung von insgesamt 1388 Franken. Knapp 1100 Franken gingen allein für den Datenverkehr drauf.

epa07918781 Former Polish Foreign Minister Radoslaw Sikorski (2L) and former Polish Prime Minister Ewa Kopacz (2P) prepare for exit polls reactions in during the Civic Coalition (KO) parliamentary elections night in Warsaw, Poland, 13 October 2019. In total, 5,114 people are running for 460 seats.  EPA/Pawel Supernak POLAND OUT

Hat wenig Grund zum Lachen. Der ehemalige polnische Aussenminister tappte in eine Roaming-Falle. Bild: EPA

Er habe zwar eine SMS-Warnung erhalten, dass sein Datenvolumen aufgebraucht war, so Sikorski. Dass seine Rechnung innert 24 Stunden von den üblichen 100 auf über 1000 Franken ansteigen werde, das habe er aber nicht realisiert.

Sikorski ist in die Roaming-Falle getappt. Es sei «eine Schande», dass die Schweiz im Gegensatz zu den EWR-Staaten beim grenzenlosen Roaming nicht dabei sei, empört sich Sikorski.

«Eine solch hohe Rechnung kann einem den schönen Aufenthalt in der Schweiz schnell vermiesen», so der Pole. Es könne ausserdem gefährlich sein: «Skifahrer oder Autofahrer sind auf ihr GPS angewiesen.»

Dabei betont Sikorski, dass es ihm keineswegs nur um EU-Touristen in der Schweiz gehe. Die Abschaffung des Roamings sei ebenso im Interesse der Schweizer, welche in die EU reisen. Ohnehin sei er ein grosser Bewunderer der Schweiz.

«Komplettabzocke»

Am Mittwoch sah der Parteikollege von EU-Ratspräsident Donald Tusk die Gelegenheit gekommen, um auf sein Ärgernis aufmerksam zu machen. Bei der Aussprache zur Schweiz im Auswärtigen Ausschuss des EU-Parlaments fragte Sikorski, was man gegen die «Komplettabzocke» tun könne. «Aufgrund der aktuellen bilateralen Abkommen würden wir riskieren, in einen WTO-Streit zu geraten», lautete die Antwort des EU-Chefverhandlers für die Schweiz.

Konkret geht es darum, dass andere Nicht-EU-Länder ebenfalls eine Roaming-Befreiung fordern könnten. Das will Sikorski nicht gelten lassen: «Ich weiss, dass mit dem Westbalkan entsprechende Verhandlungen am Laufen sind. Und die Schweiz steht dem Westbalkan sicher nicht in irgendetwas nach.» Man habe schon über 100 bilaterale Abkommen abgeschlossen, da könne man auch noch ein weiteres abschliessen.

Dass es in der Schweiz am politischen Willen für die Abschaffung der Roaming-Gebühren fehlt, weiss auch Sikorski. Lockerlassen wolle er trotzdem nicht und habe schon mit der für Konsumentenfragen zuständigen EU-Abgeordneten im Binnenmarktausschuss gesprochen. Bald werde er der EU-Kommission schriftliche Fragen vorlegen. Falls alles nichts nützt, will er die Sache vor die Plenarversammlung des EU-Parlaments bringen. (aargauerzeitung.ch)

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