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Der Snus-Konsum in der Schweiz ist gestiegen. Besonders junge Männer aus der Deutschschweiz greifen zum Oberlippen-Tabak. Bild: shutterstock.com

Die Zigarette unter der Oberlippe: Snus-Verkauf blüht nach Legalisierung

Der Mund-Tabak Snus hat sein Schmuddel-Image verloren. Eine Befragung zeigt, wer am meisten zulangt.

Pascal Ritter / schweiz am wochenende



Investigative Sportreporter des Schweizer Fernsehens deckten in der Sendung «Time Out» einst auf, dass sich Eishockey-Spieler Tabakkügelchen unter ihre Oberlippen schoben. Dieses sogenannte Snus, sorgte im Glauben der Eishockey-Spieler für bessere Leistungen. Es waren keine schönen Bilder. Braune Zähne, geschundenes Zahnfleisch.

Die Sendung «Time Out» wurde 2001 eingestellt. Snus aber boomt. In einer hippen Bar in einer Schweizer Grossstadt liegt an einem Samstagabend ein Döschen der in Schweden populären Droge auf der Theke. Ein Gast fragte den anderen, ob etwas davon haben könne. Die Dose öffnete sich und ein strahlend weisses Snus-Portiönchen wechselte wie selbstverständlich den Besitzer.

Der Import hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt

Der Oberlippen-Tabak aus Schweden hat eine komplette Image-Korrektur hinter sich. Vom verschrobenen Eishockeyaner-Doping zum Lifestyle-Accessoire. «Ich verkaufe jeden Tag mehr Snus», sagt die Kioskfrau in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes im Ausgangsviertel der Stadt Zürich. Besonders beliebt seien die nach Pfefferminz schmeckenden Tabak-Portionen mit schwachem Nikotin-Gehalt.

Ein Blick in die Zollstatistik belegt den Boom: Der Import von Kau-, Rollen und Schnupftabak hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Im Jahr 2014 wurden noch 105 Tonnen importiert. Im Jahr 2019 dürften erstmals mehr als 200 Tonnen werden. Der Anteil des Snus an dieser Zunahme ist gross. Denn rund 70 Prozent der dieses Jahr importierten Ware stammt aus Schweden, dem Heimatland von Snus. Noch nicht eingerechnet ist dabei der private Import, der bei Snus aufgrund des teilweisen Verkaufsverbots gross ist.

Weisser Waldbeer- statt brauner Tabak-Geschmack

Eine eben publizierte Studie des Bundesamtes für Gesundheit belegt, dass die Zahl der Snuser wächst. Knapp 1 Prozent der Befragten gab 2018 an, sich schon einmal Tabak unter die Oberlippe geklemmt zu haben. Bei einer Befragung von 2016 waren es noch 0.6 Prozent gewesen. Beliebt ist die Droge vor allem bei jungen Männern aus der Deutschschweiz. Dies geht aus der Erhebung «Gesundheit und Lifestyle» hervor.

Bild

Der schwedische Krimi-Star Sofia Helin alias Saga Noren (Länskrim Malmö) sorgte in der TV-Serie «Die Brücke» für ein neues Image des Snus. BILD: SCREENSHOT

Die Zunahme des Snus-Konsum geht auf verschiedene Faktoren zurück. Neue Geschmacksrichtungen und die weisse Farbe, die vor Zahnverfärbungen schützt, machten das Produkt auch ausserhalb der Eishockey-Stadien attraktiv. Vor allem aber wurde der Vertrieb von Snus einfacher. Denn Einführung und Abgabe von Tabak «zum oralen Gebrauch» war in der Schweiz lange verboten. Zulässig war nur die private Einfuhr. Importeure bedienten sich aber immer wieder Tricks und deklarierten Snus als zulässigen Tabaksorten. Die Behörden verloren den Überblick, was überhaupt als Snus gilt. In den letzten Jahren, war nur noch die trockene Variante des Opperlippentabaks verboten.

Im Juni dieses Jahres kippte das Bundesgericht das Snus-Verbot nun definitiv. Seither ist auch diese, in der Regel stärkere Variante an Schweizer Kiosken und erhältlich. Das Tabakproduktegesetz, das im Moment in der parlamentarischen Beratung ist, dürfte Snus künftig in allen Varianten legalisieren.

Während Snus von der Tabak-Branche als gesündere Alternative zum Rauchen gepriesen wird, warnen Tabak-Gegner vor einer Verharmlosung des Produktes. Snus könne das Risiko für Mundhöhlen, Speiseröhren-und Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen. Zudem könne es Zahnfleischschwund verursachen. (aargauerzeitung.ch)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • David Marti 28.10.2019 11:42
    Highlight Highlight Yeah, Snus Konsumenten haben ja auch nur ein drei Mal höheres Risiko für bestimmte Formen von Krebs..
    Es dann aber als "gesünder als Rauchen" zu bewerben, finde ich ein aussergewöhnliches Marketing Zauberkunststück der Tabbaklobby🤥..

    Quelle: https://bit.ly/2qSM4PH
  • AnnikKilledTheStage 28.10.2019 11:24
    Highlight Highlight Diese Zeug ist nicht nur bei jungen Männern beliebt, sondern wird stark auf den Pausenhäufen konsumiert. Beginnt schon bei der Primarschule 5. Klasse.
  • so war es doch nicht gemeint 28.10.2019 11:04
    Highlight Highlight Nikotin ist und bleibt ein Nervengift.


    Ein Selbstversuch von 3thedward:
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  • Saerd neute 28.10.2019 09:45
    Highlight Highlight Snus könne das Risiko für Mundhöhlen, Speiseröhren-und Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen. Zudem könne es Zahnfleischschwund verursachen. (aargauerzeitung.ch)

    Alle wollen sie gesund leben!?
    Aber fangen dann mit Snus, Rauchen, Schnupfen, Alkoholkonsum usw. an, von denen sie dann fast nicht mehr wegkommen.
    Verstehe ich nicht.
  • Michael Monochord Hess 28.10.2019 06:16
    Highlight Highlight Auch wenns seit letztem Jahr wieder legal ist den dry snus zu kaufen, werd ich weiterhin direkt in schweden bestellen. Da kostet mich 1dose umgerechnet mit steuer und import 4,50 chf. In der schweiz mindestens 8,90 chf....
    Abzockerei
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 29.10.2019 02:14
      Highlight Highlight Die Umwelt wird's dir danken. Individualsendungen verursachen einen ökologischen Zusatzschaden, den man eigentlich vermeiden könnte. Aber wenn man hier mehr Geld für Snus ausgeben "muss", dann reicht das Geld danach ja für keine zusätzliche Fernreise oder sonstigen Mehrkonsum mehr, gell? 🙄
  • darkshadow 27.10.2019 23:09
    Highlight Highlight definitiv besser als zu rauchen...
  • darkshadow 27.10.2019 23:09
    Highlight Highlight definiti
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 27.10.2019 23:07
    Highlight Highlight Diese Formulierung muss man sich auf der Zunge, oder meinetwegen unter der Oberlippe (oder auch Opperlippe) zergehen lassen: "als gesündere Alternative zum Rauchen".

    Vodka ist vielleicht auch eine gesündere Alternative zum Strohrum. Oder Kokain eine gesündere Alternative zum Heroin.

    Wie auch immer. Möge es wenigstens der Gesundheit aller Passivrauchgeplagten etwas bringen, dieses Snus. Geht, kauft Snus statt Zigaretten! Danke.
    • giandalf the grey 27.10.2019 23:56
      Highlight Highlight Naja Methadon statt Heroin ist ja nicht neu... Snus mit Methadon zu vergleichen ist trotzdem schwachsinn. Snus ist gemäss WHO 95% gesünder als Zigaretten. Klar man konsumiert Nikotin, aber man spart sich das ganze Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, den Teer und die Strahlung. Mag dir vlt nicht passen, aber Snus ist eine geile Alternative zur Zigarette und massiv gesünder. Klar tuts dem Zahnfleisch, der Speiseröhre usw. Nicht gut. Aber Alkohol löst an allen diesen Stellen ebenfalls Krebs aus. Dazu kommt dass ich seit ich snuse etwa 75% weniger ausgebe für Tabak und wieder besser atmen kann.
    • Hamudi Dudi 28.10.2019 08:03
      Highlight Highlight Wärst du mit der Bezeichnung "weniger schädliche Alternative" zufrieden gewesen? Ich denke, alleine schon wegen des fehlenden Rauchs ist Snus wesentlich weniger schlimm.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 29.10.2019 01:55
      Highlight Highlight @Hamudi Dudi: Das wäre die zu erwartende, korrekte Formulierung gewesen. 👍
    Weitere Antworten anzeigen
  • G. Nötzli 27.10.2019 22:38
    Highlight Highlight Lieber Snus als Zigaretten... Gibt auch keinen Passivrauch!

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