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SRF Journalistin Felicie Notter stellt Bundesrat Alain Berset eine Frage, waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation um den Coronavirus, nach einem Besuch von Bundesrat Alain Berset im Universitaetsspital Lausanne, am Montag, 26. Oktober 2020 in Lausanne. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

SRF-Journalistinnen an einer Medienkonferenz. Bild: keystone

SRF führt Regeln für gendergerechte Sprache ein – sie sollen für alle Sendungen gelten

Seit im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS Regeln für eine «inklusive Sprache» gelten, wird das Thema heiss diskutiert. Nun soll es auch beim SRF neue Leitlinien für eine gendergerechte Sprache geben.

Christoph Bernet / ch media



«Bonsoir à toutes et à tous»: So tönt es allabendlich im Westschweizer Fernsehen RTS, wenn um 19.30 die Tagesschau beginnt. Mit der Anrede wird das männliche und das weibliche Geschlecht grammatikalisch gleichermassen begrüsst. Sie ist in der Romandie zum Politikum geworden – und hat es sogar ins Bundeshaus geschafft.

Hintergrund der intensiv geführten Debatte ist eine vom RTS-Vorstand verabschiedete «Charta für ein antisexistisches und inklusives Service-public-Medium». Das Dokument wurde bereits am 14. Dezember beschlossen – als Reaktion auf den durch Recherchen von «Le Temps» ausgelösten Skandal rund um sexuelle Belästigung und Mobbing innerhalb der RTS.

Die sprachlichen Aspekte der Charta blieben zunächst weitgehend unbeachtet. An Fahrt aufgenommen haben die Diskussionen gemäss NZZ erst, als im Laufe des Februars 2021 ein RTS-internes Video auftauchte. Darin werden gute und schlechte Beispiele für inklusive und geschlechterneutrale Formulierungen und Darstellungen präsentiert. Als vorbildliches Beispiel dient das eingangs erwähnte «Bonsoir à toutes et à tous». Als Negativbeispiel wird die Formel «Bonsoir à tous» erwähnt.

SVP-Nationalrat: «Ideologischer Gewaltakt»

Am Montag musste sich sogar der Bundesrat an der Fragestunde des Nationalrats mit dem Thema befassen. Der Walliser Jean-Luc Addor (SVP) wollte wissen, was die Landesregierung davon hält, dass der «mit Zwangsgebühren finanzierte Staatssender» RTS als «ideologisches Laboratorium, um nicht zu sagen als Brutstätte der Propaganda für die sehr zweifelhafte Dekonstruktion unserer Sprache» diene. Und ob der Bundesrat bereit sei, «diesem ideologischen Gewaltakt» ein Ende zu setzen und die RTS zur Verwendung einer «einfach korrekten Sprache» zu zwingen.

Dazu war der Bundesrat nicht bereit. Er verwies in seiner Antwort auf die Autonomie der RTS beziehungsweise deren Trägerorganisation SRG. Die Diskussion um eine anti-sexistische Sprache werde in der Schweiz schon länger geführt. Universitäten und Verwaltungen hätten bereits Regeln zum Thema erlassen. Vor diesem Hintergrund seien die Bemühungen der RTS verständlich.

SRF passt publizistische Leitlinien an

Nach der RTS nimmt sich auch ihr Deutschschweizer Pendant SRF dem Thema an. Auf Anfrage von CH Media teilt die SRF-Medienstelle mit:

«Das Thema gendergerechte Sprache wird demnächst auch in den publizistischen Leitlinien von SRF verankert.»

Welche konkreten Regeln daraus abgeleitet werden, ist derzeit noch unklar. Die zuletzt 2017 überarbeiteten publizistischen Leitlinien sind gewissermassen die journalistische Bibel für SRF-Medienschaffende. Sie gelten für alle Redaktionen und Sendegefässe, egal ob DOK oder «Donnschtig-Jass».

Doch bereits heute bewegen sich SRF-Mitarbeitende beim sprachlichen und publizistischen Umgang mit den Geschlechtern nicht in einem regelfreien Raum. Die Konzession verpflichtet alle publizistischen Kanäle der SRG, sich «um eine angemessene Darstellung und Vertretung der Geschlechter in ihrem publizistischen Angebot zu bemühen».

Korrektorat achtet auf Umsetzung

Einzelne SRF-Redaktionen haben auf eigene Initiative hin bereits Leitsätze zur gendergerechten Sprache umgesetzt. Bei den Sendungen des SRF-Newsrooms (u.a. «Tagesschau» und «10vor10»), in den Online- und Social-Media-Kanälen sowie bei Radio SRF 4 News wird seit eineinhalb Jahren das generische Maskulinum («die Teilnehmer») ersetzt. Stattdessen werden entweder beide Geschlechtsformen («Teilnehmerinnen und Teilnehmer») oder eine nicht-differenzierende Form («Teilnehmende») verwendet.

Die Einhaltung der Leitsätze wird regelmässig überprüft: Bei Radio SRF 4 News etwa gibt es ein redaktionsinternes Monitoring. In den Beiträgen und Moderationen aus dem SRF-Newsroom achtet das Korrektorat vorgängig auf geschlechtergerechte Formulierungen.

In SRF-Nachrichtensendungen kaum zu hören ist hingegen das durch eine kurze Sprechpause angedeutete Binnen-I («TeilnehmerInnen»). Anders in rein digitalen Angeboten wie Podcasts oder Youtube-Formaten, die sich an eine jüngere Zielgruppe richten: «Hier ist das Binnen-I möglich, weil es den Gewohnheiten der Zielgruppen entspricht», schreibt die Medienstelle.

Auch RSI prüft neue Regeln

Nach RTS und SRF befasst sich auch die italienischsprachige Radiotelevisione Svizzera (RSI) mit dem Thema. Offizielle Richtlinien sind gemäss einem RSI-Sprecher noch keine vorhanden. Im Interesse der Verständlichkeit versuche man in den Formulierungen in erster Linie direkt und kurz zu sein:

«Wenn es kollektive, genderneutrale Begriffe gibt, dann benützen wir sie.»

Aktuell beobachte man die Charta der RTS für eine inklusive Sprache: «Wir werden nächstens entscheiden, wie es weitergeht.»

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