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Teaserbild Interview GFS

Urs Bieri, Co-Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern, liefert Einschätzungen zum Abstimmungssonntag. Bild: watson

50:50 bei den Kampfjets: «Jetzt entscheiden die Städte und Frauen»

Bei den Umfragen lagen die Kampfjet-Befürworter deutlich vorne, am Abstimmungssonntag kommt es zur grossen Überraschung: Laut den ersten Hochrechnungen kommt es bei der Vorlage zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Urs Bieri, Co-Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern, sagt, welche Stimmen jetzt entscheidend sind.



Kampfjets und Kinderabzüge sorgen für Überraschung

Bei den letzten Umfragen vor dem Abstimmungssonntag lag die Zustimmung für die Kampfjetbeschaffung noch bei 56 Prozent. Das Forschungsinstitut gfs.bern sprach von einer «stabilen Mehrheit», die sich für den 6-Milliarden-Kredit ausspreche.

Nun sorgt die Vorlage doch noch für eine Überraschung: Laut den ersten Hochrechnungen kommt es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Befürworterinnen und Gegnern. Bei den Prognosen liegt der Ja- sowie der Nein-Anteil bei je 50 Prozent.

«Bei der Stimmbevölkerung spielte die Kostensicht ein stärkerer Indikator als angenommen.»

Urs Bieri, Co-Leiter gfs.bern

Urs Bieri, Co-Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern sagt, dass der Ausgang der Abstimmung noch völlig offen sei: «Ein Ja ist momentan genauso wahrscheinlich wie ein Nein.» Stärker als gedacht werde es eine Entscheidung über die Kosten und weniger stark über die Art und Weise der Landesverteidigung. Auch die Corona-Pandemie sei ein wichtiges Element, das im Hintergrund wirke. Bieri: «Der Wirtschaft geht es schlechter, der Staat braucht nun Geld für nicht vorhersehbare Ausfälle. Bei der Stimmbevölkerung spielte diese Kostensicht wohl eine stärkere Rolle als angenommen. Dies zeigt sich nicht zuletzt an einer überraschend hohen Stimmbeteiligung.»

Kampfjet-Befürworter verunsichert das knappe Resultat

Wie das Resultat ausfallen wird, entscheiden die Städte, so Bieri. In den städtischen Regionen wie Basel, Luzern und Genf zeichne sich eine stärkere Ablehnung ab, als auf dem Land. Nun komme es vor allem auch auf die Stimmbeteiligung an. Je höher diese in den Städten sei, umso schwieriger werde es für die Vorlage. «Auch die Frauen könnten das Zünglein an der Waage werden. In der Tendenz lehnen sie neue Kampfjets eher ab als die Männer», sagt Bieri. Eine definitive Entscheidung werde vor 18 Uhr wohl nicht gefällt.

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Leicht deutlicher als erwartet zeigt sich die Ablehnung bei der Kinderabzügen Bundessteuer. Die letzte GfS-Umfrage hielt zwar schon eine minderheitliche Zustimmung von 43 Prozent aus, nun zeigt eine erste Hochrechnung einen Ja-Anteil von tieferen 36 Prozent. Für Bieri ist diese deutliche Ablehnung insofern interessant, als dass es kaum eine Diskussion um die Vorlage gab. Er deutet das sich abzeichnende Resultat als ein klarer Sieg von Links gegen die bürgerlicher Mehrheit im Parlament.

Beim Jagdgesetz tappt man im Dunkeln

Bereits abgezeichnet hatte sich, dass die Abstimmung über eine Änderung des Jagdgesetzes knapp werden könnte. Und so tappt man nach den ersten Hochrechnungen am Sonntag noch immer im Dunkeln. Eine knappe Ablehnung zeichnet sich ab. Für Bieri ist es noch nicht klar, in welche Richtung es gehen könnte: «Auch hier werden es die Städte sein, die entscheiden», sagt er.

Klares Nein zur BGI und Ja zum Vaterschaftsurlaub

Dass die Begrenzungsinitiative abgeschmettert würde, zeichnete sich schon früh ab. «Der SVP ist es nicht gelungen, über das eigene Klientel hinaus von ihrem Anliegen zu überzeugen», so Bieri. Auf der anderen Seite werde immer deutlicher, dass die Schweizer Bevölkerung die bilateralen Verträge mit der EU als ein positives Element sehe und den guten Umgang weiterpflegen wolle. «Ich kann mir vorstellen, dass insbesondere in unsicheren Zeiten wie während der Corona-Pandemie eine Mehrheit keine wirtschaftlichen Risiken eingehen will», sagt Bieri.

Auch an der grossen Zustimmung für den Vaterschaftsurlaub änderte sich am Abstimmungssonntag nichts mehr. Nach den ersten Hochrechnungen geht man von einer Zustimmung von 60 Prozent aus. Bieri sieht darin eine Signalwirkung für pragmatische Familienpolitische Vorlagen mit modernen Ansätzen. Das komme bei der Bevölkerung gut an.

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