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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist bereit, mit der Schweiz beim Rahmenabkommen innerhalb der kommenden Tagen über Präzisierungen zu sprechen. Dies geht am Dienstag aus einem Antwortschreiben Junckers an die Schweiz hervor. (Archiv)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Bild: EPA

Beim Rahmenabkommen erhöht die EU den Druck – so reagiert die Schweizer Politik



Das sind die Forderungen der EU zum Rahmenabkommen

Der Bundesrat hatte sich am Freitag letzter Woche in einem Brief an den EU-Kommissionspräsidenten hinter das institutionelle Rahmenabkommen (InstA) gestellt, aber in drei Punkten Präzisierungen von der EU gefordert: bei den staatlichen Beihilfen, der Unionsbürgerrichtlinie und bei den flankierenden Massnahmen zum Schutz vor Lohn- und Sozialdumping.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat am Dienstag auf den Brief des Bundesrates zum Rahmenabkommen reagiert. Er zeigte sich offen für Präzisierungen, setzt die Schweiz aber unter Zeitdruck: Die Präzisierungen sollen «in den kommenden Tagen» erfolgen.

In seiner Antwort an Bundespräsident Ueli Maurer schreibt Juncker, er sehe den Brief aus der Schweiz als einen «positiven Schritt (...), der erlauben würde, diesen wichtigen Rahmenvertrag sobald wie möglich gemeinsam zu unterzeichnen».

Juncker zeigte sich denn auch bereit, «alle Zweifel zu zerstreuen» und mit der Schweiz über Präzisierungen zu diskutieren. Wenn nötig, sollten diese dann in einer oder mehreren zusätzlichen Deklarationen festgehalten werden.

Nachverhandlungen gebe es aber keine, machte Juncker in dem Schreiben erneut klar. Die Schweiz müsse verstehen, dass ihre Forderungen «im aktuellen politischen Kontext» für die EU schwierig seien.

So sieht der Zeitplan aus

Gleichzeitig drängt Juncker darauf, diese Präzisierungen schnell auszuarbeiten, und er gibt einen engen Zeitplan vor. Die EU stehe der Schweiz jetzt für Gespräche zur Verfügung, da die Präzisierungen «in den nächste Tagen» vorgenommen werden müssten.

Denn die EU-Kommission wolle in ihrer Sitzung vom 18. Juni eine letzte Gesamtbeurteilung der Beziehung Schweiz-EU vornehmen, schreibt der EU-Kommissionschef weiter. Er wünsche sich, den Rahmenvertrag vor Ende seines Mandats zu unterzeichnen. Dieses läuft offiziell am 31. Oktober aus.

Das sind die Reaktionen der Schweizer Parteien

Mittlerweile nahmen auch die Schweizer Parteichefs Stellung zur Junckers Ultimatum. Für einmal sind sich alle einig: die Forderung vom EU-Chef weisen sie zurück.

Christian Levrat, SP

Christian Levrat, SP-Parteipraesident, spricht waehrend einer Medienorientierung zur Konsultation zum Entwurf des institutionellen Rahmenabkommens Schweiz EU, am Freitag, 29. Maerz 2019, im Sitzungszimmer 2, im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: KEYSTONE

«Möglicherweise waren wir zu optimistisch, was eine rasche Nachbesserung des Abkommens angeht», meint der SP-Präsident gegenüber dem Tages-Anzeiger. Er geht von länger andauernden Diskussionen aus und hinterfragt die tatsächliche Gesprächsbereitschaft der EU.

Albert Rösti, SVP

Die SVP sei die einzige Partei, die sich gegen das Rahmenabkommen mit der EU ausspreche, sagte Parteipräsident Albert Rösti an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz in Amriswil TG.

Bild: KEYSTONE

Der SVP-Chef spricht im Tagi von einer Frist, die «lächerlich kurz» sei. Erklären kann sich Rösti das Verhalten der EU nur damit, dass sie die Schweiz nicht ernst genug nimmt oder erpressen möchte.

Gerhard Pfister, CVP

Gerhard Pfister, president du PDC Suisse parle lors du congres du PDC du Valais romand (PDCVR) en vue des elections federales ce jeudi 16 mai 2019 a Fully. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Bild: KEYSTONE

Pfister, Präsident der CVP, sieht das Problem der kurzen Frist vor allem bei den sozialpolitischen Fragen rund um das Rahmenabkommen. Diese können unmöglich so rasch gelöst werden.

Beat Walti, FDP

Beat Walti, Fraktionschef, spricht waehrend der Delegiertenversammlung der FDP Schweiz am Samstag, 4. Mai 2019, in Flawil. (KEYSTONE/Christian Merz)

Bild: KEYSTONE

Auch seitens FDP ist die Meinung klar. Die Frist sei unrealistisch und die EU könne kaum davon ausgehen, dass die offenen Fragen in dieser Zeit tatsächlich gelöst werden können.

Pierre-Yves Maillard, Präsident des Gewerkschaftsbundes (SGB)

Le conseiller d'Etat Pierre-Yves Maillard, chef du Departement de la sante et de l'action sociale (DSAS) s'exprime avant de donner le premier coup de pioche de l'Hopital des enfants. L'edifice regroupera la pediatrie au sein de la cite hospitaliere des 2023, ce jeudi 2 mai 2019 a Lausanne. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Bild: KEYSTONE

Beinahe schnippisch reagierte der Präsident des Gewerkschaftsbundes Pierre-Yves Maillard: So könnten «in der Schweiz nicht einmal die Statuten eines Hobbyfussballclubs» in einer solch kurzen Zeit geändert werden. Er verlangt zudem, dass der Bundesrat den offenen Forderungen in Brüssel Nachdruck verleihe.

Ständerat

ZUR STUDIE UEBER DIE ENTSCHAEDIGUNG DER BUNDESPARLAMENTARIER, AM DIENSTAG, 23. MAI 2017, ERHALTEN SIE FOLGENDE ARCHIVBILDER ---- Die Kleine Kammer diskutiert ueber Vorstoesse, welche das EJPD betreffen, am ersten Tag der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 27. Februar 2017 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Kleine Kammer. (Archivbild) Bild: KEYSTONE

Der Ständerat hat vom Bundesrat Zusatzverhandlungen beim Rahmenabkommen verlangt. In diesen sollen insbesondere beim Lohnschutz, bei den staatlichen Beihilfen und in Sachen Unionsbürgerrichtlinie Verbesserungen erzielt werden.

Die kleine Kammer stellt weitere Forderungen in Bezug auf die Streitbeilegung und die demokratischen Mitspracherechte. Sie stimmte am Mittwoch mit 21 zu 14 Stimmen bei 6 Enthaltungen einer entsprechenden Motion ihrer Wirtschaftskommission zu. Diese geht nun an den Nationalrat.

Dort liegt bereits eine ähnlich lautende Motion vor. Diese wird nächste Woche diskutiert. Sollte auch die grosse Kammer den Vorstoss annehmen – was angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse wahrscheinlich ist –, hätte der Bundesrat den Auftrag, zu den gemeinsamen Punkten Zusatzverhandlungen mit der EU zu führen. Der Entscheid des Ständerats folgt nur fünf Tage nach der lange erwarteten Kommunikation des Bundesrats zu diesem Dossier.

«Es ist ein klares Signal an Brüssel, dass es uns ernst ist mit den Forderungen.»

Christian Levrat

Der Ständerat unterstreiche mit dem Ja zur Motion, dass Verbesserungen am Abkommen dringend nötig seien, sagte Christian Levrat.

Ignazio Cassis, Bundesrat (FDP)

Bundesrat Ignazio Cassis spricht waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 12. Juni 2019 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: KEYSTONE

Aussenminister Ignazio Cassis bedankte sich für die «interessante Debatte», die zwar keine neuen Punkte hervorgebracht, aber die bekannten Positionen gut zusammengefasst habe. Für den Bundesrat sei klar: «Ohne Klarstellungen haben wir in der Schweiz keine ausreichende Unterstützung fürs Rahmenabkommen.»

Es gehe nun darum, dieses mehrheitsfähig zu machen. Die Marschrichtung des Bundesrats sei immerhin «mehr oder weniger deckungsgleich» mit den drei wichtigsten Punkten der Motion.

Den Tempodruck vom Juncker wollte Cassis nicht überbewerten. Zwar wolle er eine «blitzschnelle Einigung» nicht ausschliessen. Normalerweise werde es aber mehr als eine Woche dauern, die Forderungen zu erfüllen. (sda/mim)

Börsenäquivalenz in der Schwebe

Über die Börsenäquivalenz steht nichts in Junckers Antwortbrief. Die EU hatte diese bis 30. Juni befristet verlängert. Spätestens am 18. Juni dürfte es dann auch Klarheit geben, wie es mit der Äquivalenz weitergehen soll.
Wie ernst es der EU mit dem Zeitplan ist, zeigt auch die Tatsache, dass am Dienstagnachmittag sowohl die Efta-Arbeitsgruppe - also jene EU-Arbeitsgruppe, die sich mit der Schweiz befasst -, und auch der EU-Botschafterausschuss (Coreper) sich parallel mit der Schweiz beschäftigten.
Ein mit dem Dossier vertrauter Experte sagte zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die EU-Staaten hätten die Position der EU-Kommission unterstützt.(sda)

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EU – Schweiz: Das Eis schmilzt

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EU – Schweiz: Das Eis schmilzt
quelle: x01164 / francois lenoir
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Der EU-Kommissionspräsident ist genervt von der Schweiz

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