Schweiz
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Lisa Mazzone, GP-GE, waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 10. Juni 2020 im Staenderat in einer Ausstellungshalle von Bernexpo in Bern. Damit das Parlament die vom Bundesrat verordneten Verhaltens- und Hygieneregeln zur Bekaempfung der Covid-19 Coronavirus Pandemie einhalten kann, findet auch die Sommersession in Bernexpo und nicht im Bundeshaus statt. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Ruhig, besonnen, schlau: Lisa Mazzone schaffte bei den Parlamentswahlen die Sensation: Die 32-jährige schnappte sich mit grossem Vorsprung den Genfer Ständeratssitz. Bild: keystone

Interview

«Wenn ich heute durch die Wandelhalle laufe, dann ist das eine andere Welt»

Auf den Frauenstreik folgte die Frauenwahl. Noch nie wurden so viele Frauen ins Parlament gewählt wie im Oktober 2019. Und doch haben sich die Forderungen der streikenden Frauen noch nicht erfüllt. Die Neo-Ständerätin Lisa Mazzone (Grüne) sagt, warum das so ist.



Lisa Mazzone, im Oktober letzten Jahres wurden Sie in den Genfer Ständerat gewählt – mit einem Glanzresultat. Die Konkurrenz haben Sie weit hinter dir gelassen. Warum waren Sie so erfolgreich?
Lisa Mazzone: Wichtig war sicher der grosse Erfolg der Grünen, insbesondere in Genf, wo wir neu die grösste Partei des Kantons wurden. Die Bewegung für das Klima und die Umwelt verschaffte uns Grünen Aufwind. Und eine grosse Rolle hat auch die Frauenbewegung gespielt. Der Ständerat gilt als Kammer, in der Frauen sehr untervertreten sind. Die Genfer waren kühn genug, eine junge Grüne dahin zu schicken.

Sie sind von der Gemeinderätin in den Kantonsrat, in den Nationalrat und schliesslich in den Ständerat aufgestiegen. Wie haben Sie die ersten Wochen im Ständerat erlebt?
Es war schwierig. Es gibt viele Regeln und Traditionen, die nirgendwo aufgeschrieben sind, aber an die man sich halten muss. Ich musste zuerst einmal lernen, diese Verhaltensregeln zu verstehen und lernen, was angemessen ist und was nicht. Es gibt beispielsweise die Tradition, dass die Neugewählten während der ersten Session nicht sprechen, sondern nur zuhören sollen. Das wusste ich vorher nicht und hat mich sehr gestört. Ich wurde schliesslich nicht gewählt, um zu schweigen.

Und dann?
Solche Traditionen zu hinterfragen, kann natürlich auch heikel sein. Uns half, dass es noch nie so viele Neue im Ständerat gab wie nach den Wahlen im Oktober. 22 von den insgesamt 46 Ständeräten waren neu. Die fünf Grünen waren allesamt neu. Fast die Hälfte des Rates hätte also während drei Wochen schweigen müssen. Wir fanden einen Weg, die Regeln etwas zu lockern, ohne dass das als Bruch empfunden wurde.

Nach den Wahlen im Oktober hat sich der Frauenanteil im Ständerat verdoppelt. Was hat sich damit verändert?
Man merkt, dass es mehr weibliche Stimmen gibt. Man sieht mehr Frauen, man hört sie öfters sprechen. Das fällt auf.

«Wenn eine Frau das Wort ergreift, dann fällt das noch immer auf. Vor allem auch bei mir als grüne Frau, die zudem im Vergleich zu den anderen auch sehr jung ist.»

Noch ist der Ständerat aber nach wie vor von Männern dominiert, der Anteil beträgt 74 Prozent. Wie erleben Sie das?
Nicht nur in der Kammer selbst, auch in den Kommissionen sind die Frauen nach wie vor stark untervertreten. Wenn man in diesen Gremien arbeitet, merkt man, dass man sich gewohnt ist, unter Männern zu sein. Wenn eine Frau das Wort ergreift, dann fällt das noch immer auf. Vor allem auch bei mir als grüne Frau, die zudem im Vergleich zu den anderen auch sehr jung ist. Das fühlt sich schon etwas seltsam an. Und es ist keine einfache Herausforderung, mir in diesem Kontext Platz zu verschaffen.

Müssen Sie sich deswegen mehr durchsetzen als Ihre männlichen Ratskollegen?
Es geht vor allem auch um mein Alter und den Lebensweg, insbesondere darum, dass ich keine Exekutiverfahrung habe. Das hat schon zur Folge, dass ich glaube, etwas beweisen zu müssen. Ein Teil davon ist vielleicht auch Druck, den ich mir selber mache. Was ja auch wieder typisch ist für Frauen. Wir sind oft sehr kritisch mit uns selber.

Die Grüne Lisa Mazzone und der Sozialdemokrat Carlo Sommaruga gewinnen die Ständeratswahlen im Kanton Genf.

Der Sozialdemokrat Carlo Sommaruga und die Grüne Lisa Mazzone gewinnen die Ständeratswahlen im Kanton Genf. Bild: KEYSTONE

Nicht nur im Ständerat, auch im Nationalrat stieg der Frauenanteil von 32 auf 42 Prozent. Was hat die Frauenwahl generell verändert?
Als ich vor vier Jahren in den Nationalrat gewählt wurde, war ich die Jüngste im Rat und zudem als Frau in einer Minderheit. Das hat sich jetzt markant geändert. Es gibt mehr Junge und es gibt mehr Frauen. Wenn ich heute durch die Wandelhalle laufe, dann ist das eine andere Welt. Es ist normal, dass es überall Frauen gibt. Ich falle nicht mehr so auf und fühle mich nicht mehr so alleine. Das ist einiges angenehmer.

Ständig spricht man von der Repräsentation von Frauen in Politik und Wirtschaft. Was soll das eigentlich bringen? Ist es wirklich so anders, wenn sich Frauen und Männer die Posten 50:50 teilen?
Repräsentation ist wichtig, es geht ja darum, dass die Bevölkerung gut vertreten ist. Und ja, es macht tatsächlich einen Unterschied, ob nur Männer vertreten sind oder auch Frauen. Das ist wissenschaftlich bewiesen und hängt von der Sozialisierung ab. Frauen sprechen andere Themen an, bringen andere Kompetenzen mit, machen den Diskurs diverser. Sie sind tendenziell offener gegenüber Umwelt- oder Sozialthemen, sie suchen eher nach Lösungen für die ganze Gesellschaft.

«Es gab noch keine Gelegenheit, die Anliegen der streikenden Frauen zu beantworten.»

Es gibt auch Frauen, die ganz genau dieselbe Politik und dieselben Ziele verfolgen wie ihre männlichen Parteikollegen. Da kommt es nicht wirklich auf das Geschlecht an.
Da würde ich widersprechen. Ich spüre bei den Frauen einen grösseren Willen, auch überparteilich zu arbeiten. Es gibt eine Offenheit, die über die Grenze der eigenen Partei hinausgeht. Und gerade wenn sich in der Gesellschaft etwas bewegt, so wie der Frauenstreik Hunderttausende bewegt hatte, beginnt sich auch bei diesen Frauen in der Politik etwas zu bewegen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Beim Thema Lohngleichheit oder bei den Frauenquoten. Dort gibt es inzwischen auch viele Frauen aus dem bürgerlichen Lager, die diese Forderungen unterstützen. Verschiedene FDPlerinnen haben da einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Die Präsidentin der FDP-Frauen hat sich positiv über Frauenquoten geäussert. Da können wir anknüpfen.

Die Aktivistinnen des feministischen Streikkollektivs in Zürich sagen: «Unsere Forderungen haben sich nicht erfüllt. Viele Missstände haben sich durch die Coronakrise verschlechtert.» Wie sehen Sie das?
Das sehe ich auch so. Es gab ein paar politische Debatten, bei der uns die Energie nach dem Frauenstreik zugutekam. Zum Beispiel beim Vaterschaftsurlaub. Aber seither gab es noch keine Gelegenheit, die Anliegen der streikenden Frauen zu beantworten. Es gibt nach wie vor keine Lösung für die Rentenlücken von Frauen, es herrscht noch immer keine Lohngleichheit, auch bei der Kinderbetreuung gibt es keine Verbesserung.

Und schuld daran ist die Coronakrise?
Die Coronakrise hat den Ratsbetrieb auf Pause gestellt. Wir konnten unsere Themen vorerst nicht einbringen. Was nicht heisst, dass die Gleichstellungsthemen in den Hintergrund gerückt sind. Das ist insbesondere in den vergangenen Monaten sehr deutlich geworden.

«Was sich sicher verändert hat, ist die Stimmung. Als junge Frau fühle ich mich in der Wandelhalle nicht mehr wie eine Exotin.»

Wie?
Die Männer waren in der Krise sehr präsent. Die Medien waren voll mit Experten, die zu Wort kamen, an den Pressekonferenzen des Bundesrates traten fast ausschliesslich Männer auf. Der wissenschaftliche Beirat des Bundesrates bestand ebenfalls fast nur aus Männern. Das Bild, das gezeichnet wurde war: In der Krise sind es die Männer, die uns retten. Dabei waren es vor allem Frauen, die in den systemrelevanten Berufen arbeiten und die uns durch diese Krise getragen haben.

Nach der Frauenwahl hat sich also bisher nicht wirklich etwas geändert. Zeigt das nicht: Selbst wenn Frauen ins Parlament gewählt werden, bleibt doch alles beim Alten…
Nein. Es zeigt, dass das Parlament Zeit braucht, um Umbrüche voranzutreiben. Und es zeigt, dass wir unterbrochen wurden. Es ist noch zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Was sich sicher verändert hat, ist die Stimmung. Als junge Frau fühle ich mich in der Wandelhalle nicht mehr wie eine Exotin.

Welche kommenden politischen Kampagnen sind betreffend der Gleichstellung für Sie besonders wichtig?
Die Abstimmung für den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub zu gewinnen, ist mir sehr wichtig. Dann die Vorsorgelücken für Frauen zu schliessen, die Löhne von Berufen zu erhöhen, in denen Frauen übervertreten sind und die Kinderbetreuung zu verbessern. Denn die Ungleichheiten verstärken sich, sobald Eltern Kinder bekommen.

Sie sind auch frischgebackene Mutter, bekommen Sie alles unter einen Hut?
Mein Sohn ist ein Jahr alt und ja mein Partner und ich organisieren uns gut. Er geht in die Kita und ich habe meinen Vater, der bei der Betreuung mithilft. Er spielt eine sehr wichtige Rolle da drin.

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14 Bilder vom Frauenstreik am 14. Juni 1991

Streikende Parlamentarierinnen Frauenstreik 2019

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47
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47Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Raembe 14.06.2020 22:16
    Highlight Highlight Die kompetenteste Person für die jeweilige Funktion, soll diese auch kriegen. Egal welches Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe und weiss ich was hat.
    • Borki 15.06.2020 14:13
      Highlight Highlight Naja... Zumindest die Nationalität sollte bei gewählten Politikern schon eine Rolle spielen dürfen...

      Sonst komplett einverstanden!
    • Raembe 15.06.2020 16:47
      Highlight Highlight Einverstanden, aber in meinen Augen ist es die Sache der Parteien den kompetentesten Personen die besten Wahlplätze zu geben. Damit wir als Wähler eine Auswahl an kompetenten Personen haben.

    • Ridcully 15.06.2020 22:17
      Highlight Highlight @Raembe: Das ist dann aber eintönig. überall hat es dann nur Stadtzürcher..
  • radical 14.06.2020 14:08
    Highlight Highlight Ja dieses Thema von Quoten, ich denke, wenn fie Frauen wirklich in die Regierung wollen haben sie es selber in der Hand wenn Frauen Frauen wählen würden mit über 50% Anteil an der Bevölkerung. Ich glaube viel Frauen haben, wollen gar nicht da hin. Wählt die die wollenn puhst aber nicht solche die andere Interessen haben.
    • Das etwas 15.06.2020 10:56
      Highlight Highlight welchen sinn macht es wen frauen nur frauen wählen? oder männer nur männer?
      da könnte mangenausogut das kriterium wählen oh der ist blond wie ich drum wähl ich den oder die ist ja süss drumm wähl ich die.

      politische vertreter/innen sollte man daher wählen für das was sie vertreten und nicht um irgendeine quote zu erfüllen. mit quoten bekommt man höchstens den grössten torfnasen club in den rat. man hat zwar alles gleich mässig mit den torfnasen vertreten, aber es sind eben nicht gerade die guten/fähigen politiker die so im rat sitzen.
  • Smeyers 14.06.2020 13:50
    Highlight Highlight Gleichberechtigung fängt dann an, wenn die Oberärztin einen Pfleger heiratet und er zu Hause bei den Kindern bleibt und Sie sich nicht dafür rechtfertigt, kein Alphatier geheiratet zu haben der gleich viel oder mehr verdient.

    Der Rest ist Augenwischerei.
    • Das etwas 15.06.2020 11:39
      Highlight Highlight das problem hierbei liegt oft nicht an den pflegern. es ist eher so das frauen oft nur personen heiraten die gleichgut oder besser gebildet sind.

      oder weiviele ärztinnen oder juristinnen kennen sie die den logistiker daten und heiraten?
  • DomKi 14.06.2020 13:06
    Highlight Highlight Die Forderungen der streikenden Frauen werden nie erfüllt werden da immer neue Forderungen auf uns zu kommen werden. Hier in Spanien wird ein Mann sofort in Untersuchungshaft gesteckt wenn eine Frau wegen vermeintlicher häuslicher Gewalt. Heißt, es gilt KEINE Unschuldsvermutung in solchen Fällen. Ein Drittel sind Fake-Anschuldigungen wie mir ein Anwalt persönlich erklärte. Also Vorsicht wenn immer mehr Frauenrechte gefordert werden, in vielen Fällen geht es gegen Männer und die traditionelle Familie...
  • Amateurschreiber 14.06.2020 12:24
    Highlight Highlight Dieses "...etwas beweisen zu müssen ... Druck, den ich mir selber mache ... oft sehr kritisch mit uns selber", ist auch typisch für Männer in leitender Position.
    Gleichberechtigung heisst eben auch, man kriegt nicht nur die ganzen Vorteile, sondern auch die Nachteile, die die Männer haben.
    • Smeyers 14.06.2020 14:38
      Highlight Highlight @amateur; Genau, Militär oder Zivilschutz für alle Frauen! Das würde auch unserem Pflegesystem helfen und das Militär stärken.
    • kann(nid)verstaan 14.06.2020 20:02
      Highlight Highlight @Smeyers: und die Männer bleiben dafür daheim bei den Kindern, verzichten auf Karriere und begnügen sich mit einer minimalen Rente!
    • Smeyers 14.06.2020 23:18
      Highlight Highlight @kann; es gehen ja um Gleichberechtigung. Also werden die Gesetze angepasst. So werden die Männer zB auch eine Witwerrente erhalten die es heute nur Frauen gibt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Polo Mite 14.06.2020 11:57
    Highlight Highlight Lisa Mazzone bestätigt in diesem Interview meinen Eindruck, den ich bisher schon von ihr hatte: Ausser jung, Frau und links sein hat sie nicht viel zu bieten - und das findet sie gut so.
  • Toni.Stark 14.06.2020 11:47
    Highlight Highlight Sehr geehrte Frau Mazzone, auch ich bin für Gerechtigkeit. Mit erstaunen habe ich vor kurzem bemerkt, dass es in diesem Bereich eine Ungleichheit im Erbrecht geht. Während meine Frau eine Wittwenrente erhalten würde, ginge ich lehr aus (Kinderlos). Ich nehme an, dass Sie als Frau des Rechts gegen dieses Unrecht auch kämpfen werden. Besten Dank!
    • Toni.Stark 14.06.2020 14:44
      Highlight Highlight PS: Witwenrente, leer ausgehen... sorry Dudes
    • Logan 15.06.2020 21:45
      Highlight Highlight Ganz einfach. Es gibt wichtige Dinge, um die man sich kümmern muss.
  • Manulu 14.06.2020 11:20
    Highlight Highlight Die Grünen profitieren seit Jahren vom weltweiten Klimahype. Sinnvolle realistische Politik haben diese „Extremisten“ noch nie betrieben. Lösungen welche unsere Wirtschaft und damit unseren Wohlstand nicht zerstören, bringen sie nicht. Wohlstand von dem sie als Politiker - und oft ohne wertschöpfenden Beruf - am meisten profitieren. Ich bin auch für die Gleichberechtigung. Aber auf beide Seiten und ohne Rosinenpickerei. Themen wie Militärdienst, das Pensionsalter oder handwerkliche Berufe sind dann auch zu berücksichtigen.
  • Bruno Wüthrich 14.06.2020 11:10
    Highlight Highlight Wann waren die Wahlen schon wieder?
    Wann war der politische Lockdown und wie lange dauerte er?
    Ich finde es unglaublich, dass sich in dieser langen Zeit seit den letzten Wahlen nicht mindestens alles grundlegend geändert hat.
    Wie lange wollt ihr eigentlich noch Geduld haben? Sieben Monate müssten doch vollkommen reichen, um die Schweiz vollständig umzukrempeln.
    Also ich verstehe die Ungeduld vieler Journalistinnen vollkommen.
    Denn immerhin: Oktober 2019 - da war noch finsterstes Mittelalter. Und seither hat sich nichts verändert !?!?
    Unglaublich!
    • Amateurschreiber 14.06.2020 14:34
      Highlight Highlight @Yella
      Ich bin in einem kleinen, katholisch - konservativen kleinen Bergdorf aufgewachsen. Das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene wurde damals von den Männern eingeführt, obwohl die Frauen dagegen waren (fast alle, es gab eine Abstimmung im örtlichen Frauenverein)! So auch meine Mutter!
    • Bruno Wüthrich 14.06.2020 15:10
      Highlight Highlight @ Yella

      Nachhaltige politische Änderungen brauchen Zeit. Ich finde es absolut richtig, dass Frauen kämpfen. Wäre ich eine Frau, wäre ich bestimmt überzeugte Feministin. Ohne jede Frage.

      Dass die Schweiz in einigen Dingen gegenüber gewissen anderen Ländern etwas hinten nach hinkt, wissen wir alle. Unsere Mütter brauchten selbst für kleine Schritte jede Menge Geduld. Aber die heutigen Generationen (nicht nur die Frauen und nicht nur bei feministischen Anliegen) wollen immer alles auf einmal und dies sofort. Geduld ist ein Fremdwort. Dafür sind wir alle auf sehr hohem Niveau unzufrieden.
    • wintergrün 14.06.2020 17:40
      Highlight Highlight @bruno
      Klar, wir sind ja auch erst seit dem 19. Jahrhundert dran.
      Außerdem hat erfahrungsgemäß Geduld grade nicht geholfen sondern Druck machen.

      Siehe auch Geschichte des Feminismus
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Feminismus
    Weitere Antworten anzeigen
  • DeDanu 14.06.2020 10:12
    Highlight Highlight Quotenregelungen sind ebenso diskriminierend wie rassimus. Weder das Geschlecht noch die Hautfarbe dürfen eine Rolle spielen. Das einzige was zählt ist qualifikation und Leistungsausweis. Warum offensichtliches derart komplizieren ?
  • Philboe 14.06.2020 09:58
    Highlight Highlight Hört auf mit Genderfragen und Quoten. Lässt einfach die dazu kompetenteste Person sprechen. Ob dies nun Frau, Mann, Transsexuelle etc sind ist vermutlich den meisten egal. Wir brauchen intelligente, mutige, lösungsorientierte und gefestigte Personen welche analysieren, entscheiden und durchsetzen. Alles andere ist wie ein Preis fürs mitmachen nur damit man sich nicht schlecht fühlt. Schenkt endlich denen Gehör die es verdient haben und nicht denen die am lautesten schreien
    • Derdada 14.06.2020 10:22
      Highlight Highlight Mit den Quoten hast du recht, das ist keine gute Lösung. Ich bin mit dir einverstanden die Kompetenz einer Person soll relevant sein, nicht sein Geschlecht.
      Trotzdem sind Genderfragen wichtig. Dass Frauen weniger verdienen, für den gleichen Job, ist nicht OK.
      Es gibt etliche weitere Situationen, wo Frauen wegen ihrem Geschlecht benachteiligt werden.
      Diese Problemen anzusprechen und zu lösen ist notwendig.
    • pamayer 14.06.2020 11:48
      Highlight Highlight nur kommen die lautesten - eben wegen der lautstärke - am meisten zum zug.
      nicht selten sind die lautesten gleichzeitig die dümmsten.
      was bei der SVP die regel ist.
    • oliversum 14.06.2020 12:34
      Highlight Highlight Ist hat ein Teufelskreis. Journalisten rufen die Experten an, die sie schon kennen, und das sind halt meistens Männer. Die werden dann von der Politik befragt, erhalten durch den Expertenstatus Einladungen in die Arena, was wiederum als Beleg gilt, dass sie Experten sind. Und werden deshalb von Journalisten für grosse Interviews angerufen.
      Da muss jedeR und jedE mithelfen, um diese alten Muster endlich zu durchbrechen!
  • Talken 14.06.2020 09:08
    Highlight Highlight Grundsätzlich finde ich es gut wie es sich entwickelt. Aber bringt bei den Beispielen nicht immer die Lohngleichheit und die Frauenquote. Zudem beklagt ihr euch oft über die Chancengleichheit und wollt euch nicht an bestehende Regeln halten. M.E. ist es immer besser zuerst zu schauen wie etwas funktioniert (3 Mt zuschauen im SR) und dann zu kompetent zu handeln. Erfahrung kommt mit dem Alter und was man schon geleistet hat. Ausnahmen bestätigen die Regel und steter Tropfen höhlt den Stein! Frauen, macht weiter aber jammert nicht bei Schwierigkeiten. Die gibt es auch im Berufsleben.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 14.06.2020 09:34
      Highlight Highlight @Talken

      "Zudem beklagt ihr euch oft über die Chancengleichheit und wollt euch nicht an bestehende Regeln halten."

      Eben nicht, die Chancenungleichheit wird beklagt.

      Ihr ganzer Kommentar vermittelt die Botschaft: Klappe zu, es soll so bleiben wie es ist und irgendwann in der fernen Zukunft wird sich vielleicht etwas ändern.
    • aglio e olio 14.06.2020 13:20
      Highlight Highlight „Erfahrung kommt mit dem Alter und was man schon geleistet hat.“

      Erfahrung ist die Summe unserer Fehler.
    • Garp 14.06.2020 15:00
      Highlight Highlight Hört doch auf mit so billigen Sprüchen, es gibt auch positive Erfahrungen, aus dem was man richtig gemacht hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • joevanbeeck 14.06.2020 08:54
    Highlight Highlight Welch eine Überraschung, es hätte mich echt gewundert wenn Frau Mazzone gesagt hätte das das Klima im Bundeshaus schlechter geworden ist. Es ist ja auch logisch das der legendäre Berner Zickenkrieg mit mehr Teilnehmerinnen kleiner wird.
  • Vecchia 14.06.2020 08:26
    Highlight Highlight Lisa Mazzone ist mir als Politikerin sympathisch, aber

    nach Covid-Lockdown und Geklatsche für Pflegepersonal sollten die besseren Arbeitsbedingungen, nach jahrelangen Missständen, im Gesundheitwesen und anderen systemrelevanten Berufen oberste Priorität haben.
    Scheint aber generell unwichtiger zu werden. PolitikerInnen arbeiten eben nicht im Gesundheitswesen und falls Interessensverbindungen zu dieser Branche vorhanden, sind das nicht dieselben wie beim Personal...
    • Malt-Whisky 14.06.2020 10:49
      Highlight Highlight Dieses Auskommen hat man ja schon vor langer Zeit kommen sehen. Das grosse Problem ist, dass dass grosse Teile des Gesundheitspersonal nicht Streiken darf, zum Teil nicht einmal ihre Wünsche öffentlich vorbringen kann. Hier kann man erstklassig sehen, wie das establishment mit uns macht, was es will. Im grossen Ganzen Nichts wesentliches tun dafür einen grossen Zapfen nach Hause schleppen. Beispiel? Kinderspital Zürich. Sehr traurig macht mich auch die momentane entwicklung vieler Medien. Statt die Schweiz zu verteidigen sieht es so aus, dass sie die am liebsten abschaffen würden.
    • O.Brady 14.06.2020 13:01
      Highlight Highlight Ich arbeite im Gesundheitwesen und kann sagen dass es dort keine schlechte Arbeitsbedingungen gibt.
    • Garp 14.06.2020 13:16
      Highlight Highlight Die Pflege und Betreuung gehört doch zu den Berufen, in denen Frauen übervertreten sind. Und da fordert sie ja genau Lohnerhöhungen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 14.06.2020 08:18
    Highlight Highlight Die Grünen sind auch nur eine Alibipartei. Da geht's viel zu wenig, oder gar nicht um die Natur. Es wäre an der Zeit, eine Renaturierungspartei zu gründen. Wäre ich noch jünger, würde ich das wohl angehen. Mehr Natur, weniger Menschen. Dann lösen sich nebst der Umweltprobleme auch viele zwischenmenschliche Konflikte quasi ganz von selbst. Da hakt's bei den Grünen ganz gewaltig. Allerdings muss man sagen, sind die anderen Parteien auch überhaupt keine Alternative.

    Aber wer sowas schreibt ist natürlich böse. Ganz böse. Schon klar... 🙄

    Weiter nasenbohren!
  • Mira Bond 14.06.2020 08:13
    Highlight Highlight Das Bild, das gezeichnet wurde war: In der Krise sind es die Männer, die uns retten. Dabei waren es vor allem Frauen, die in den systemrelevanten Berufen arbeiten und die uns durch diese Krise getragen haben.

    Aber nun werden diese systemrelevanten Personen einfach wieder erfolgreich ignoriert...bis zum nächsten Ausbruch.
    Danke Lisa und Watson für diesen guten Artikel!

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